Dachfonds: Wenn Kapital endlich arbeiten darf

13. Oktober 2025Lesezeit: 4 Min.
Kommentar von Laura Raggl

Laura Raggl ist Managing Partner von ROI Ventures, einer Angel-Investorengruppe, die sich auf Startups in der Frühphase fokussiert. Davor war sie Geschäftsführerin der Austrian Angel Investors Association (aaia). Nach dem Studium in Innsbruck war sie  bei dem Deep-Tech-VC-Fonds APEX Ventures tätig. Raggl ist außerdem Mitglied des Startup-Rats, der das Wirtschaftsministerium berät. 

Nehmen wir einmal an, wir könnten – ganz ohne zusätzliche Kosten für den Staat – große Summen an Kapital für Innovation und Startups mobilisieren. Wir könnten damit die Leitbetriebe von morgen schaffen und, noch wichtiger, sie in Österreich halten. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es aber nicht. Genau diesen Effekt nutzen Länder wie Frankreich, Dänemark und Deutschland seit vielen Jahren.

Das Konzept dazu liegt auch hierzulande längst in der Schublade. Doch in diesem Jahr wurde es endlich wieder hervorgeholt – und tatsächlich: Es wird aktiv daran gearbeitet.

Wir sprechen vom Dachfonds.

Der Begriff ist Ihnen in letzter Zeit vermutlich öfter begegnet. Seit vielen Jahren zählt ein solcher Dachfonds zu den zentralen Forderungen der österreichischen Start-up-Szene. Am 3. September wurde er im Ministerrat beschlossen, und vor 2 Wochen folgte die Präsentation der EcoAustria Studie, die nun als Grundlage für die Umsetzung dienen soll.

Warum Österreich einen Dachfonds braucht

Startups brauchen Kapital – nicht nur bei der Gründung, sondern auch beim Wachsen. In der Frühphase funktioniert das noch: Förderungen, Business Angels, frühe VC-Fonds – alles vorhanden. Doch ab rund fünf Millionen Euro wird’s schwierig. Große Finanzierungsrunden kommen fast ausschließlich aus dem Ausland. Rund 70 % des VC-Volumens in heimischen Scale-ups stammen von dort. Wer weiter wachsen will, zieht meist gleich mit.

Das Paradoxe: Das Geld wäre da. Österreich sitzt auf institutionellem Kapital, das nur darauf wartet, sinnvoll eingesetzt zu werden. Die heimischen Pensionskassen und Versicherungen verwalten über 28 Milliarden Euro, investieren davon aber so gut wie nichts in Venture Capital. Gleichzeitig glänzen die Pensionskassen auch nicht gerade mit überragender Rendite. Mit einem Dachfonds ließen sich also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Ein Fonds, der Rendite und Innovation verbindet

Genau diese Lücke soll der Dachfonds schließen. Mit einem geplanten Volumen von 300 bis 500 Millionen Euro ist das zwar noch kein makroökonomischer Gamechanger, aber ein dringend nötiger Anfang. Langfristig ließe sich dieses Modell auch auf andere Bereiche ausdehnen – etwa auf KMU-Finanzierungen, GreenTech oder DeepTech.

Dabei braucht es keine „österreichische Lösung“, sondern schlicht die Bereitschaft, von jenen Ländern zu lernen, die es seit Jahren erfolgreich vormachen. Geplant ist ein Public-Private-Partnership-Modell, bei dem der Staat als Ankerinvestor oder Garantiegeber privates Kapital mobilisiert. Jeder öffentliche Euro soll zwei bis vier Euro privaten Kapitals nachziehen.

Organisiert wird das Ganze als GmbH & Co KG mit unabhängigem Management, renditeorientiert und ohne politischen Einfluss. Investiert wird nicht direkt in Startups, sondern in europäische Venture-Capital-Fonds, vor allem in der Wachstums- und Scaleup-Phase. Eine geografische Quote gibt es nicht – die Studie vertraut auf den Home Bias, also die natürliche Tendenz von Fonds, im eigenen Markt zu investieren.

Milliardenpotenzial für Wachstum und Beschäftigung

Laut EcoAustria kann ein Fondsvolumen von 500 Millionen Euro – davon 100 Millionen öffentliche Mittel – spürbare Effekte entfalten: Investitionen +0,25 %, BIP +0,2 % (≈ 1 Mrd. Euro mehr Wertschöpfung jährlich), 2.500 neue Jobs und höhere Nettolöhne (+0,15 % bzw. rund 60 € pro Vollzeitkraft). Der öffentliche Primärsaldo verbessert sich langfristig um 300 Millionen Euro pro Jahr.

Selbst im kleineren Szenario (300 Mio. Euro Fondsvolumen) bleiben die Effekte deutlich: +0,2 % Investitionen, +1.500 Jobs und +200 Millionen Euro im Staatshaushalt.

Darüber hinaus befeuert mehr Risikokapital auch die Gründungsdynamik. Laut Studie führt der Dachfonds zu 30 bis 50 zusätzlichen Unternehmensgründungen pro Jahr – kleine Zahlen mit großer Wirkung, weil VC-finanzierte Startups länger leben, schneller wachsen und mehr Innovation erzeugen.

Jetzt zählt die Umsetzung

Die Theorie steht, der Ministerrat hat’s beschlossen, die Studie für die Umsetzung liegt bereit – jetzt geht’s ums Tun. Wirtschaftsstaatssekretärin Elisabeth Zehetner hofft, dass die Regierung bis Jahresende klärt, wie das Management ausgeschrieben wird, welche Rechtsform der Fonds bekommt und in welcher Form sich der Staat beteiligt: direkt oder über Garantien. 2026 soll der Fonds operativ starten. Ziel ist ein langfristig tragfähiges Modell, das Kapital, Rendite und Innovation vereint – kein weiterer Fördertopf, sondern ein echtes Investmentvehikel.

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