Interview

Proksch: „Eine Steuer nur um der Steuer willen ist nicht rechtens“

Rechtsanwalt Wolfram Proksch vertritt mehrere Energieunternehmen, die den Energiekrisenbeitrag-Strom (EKB-S) rechtlich bekämpfen. Diese oft als „Übergewinnsteuer“ bezeichnete Maßnahme ist laut Proksch ein „Unikum in der Zweiten Republik“, da sie eben nicht die Gewinne besteuert, sondern die Erlöse.

Wolfram Proksch ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkten in Impact Litigation, Verfassungsrecht und streitigem Recht © Christina Häusler
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KV-Verhandler Knill: „Unternehmen können die Teuerung nicht voll ausgleichen“

Der KV-Abschluss der Metallindustrie gilt als richtungsweisend – die Erhöhung für heuer wurde jedoch bereits 2025 mitbeschlossen und liegt nun deutlich unter der rollierenden Inflation. In Wahrheit bräuchte es noch viele Jahre lang niedrige Lohnabschlüsse, um die Wettbewerbsverluste durch die hohen Abschlüsse der Jahre davor wieder Wett zu machen, sagt Christian Knill, Obmann des Fachverbandes Metalltechnische Industrie: „Gegenüber Deutschland gilt es jetzt, nicht weiter zurückzufallen, und dafür hat dieser Zwei-Jahres-Abschluss leider nicht gereicht.“ Die Inflation sei kein Maßstab, denn man könne nur verteilen, was auch verdient wurde. „Leider wird das meistens erst dann verstanden, wenn die Unternehmen tatsächlich Arbeitsplätze abbauen. Das ist das traurige Learning der letzten Jahre: Man muss erst Fakten sehen, bevor einem geglaubt wird.“

Christian Knill ist Obmann des Fachverbandes Metalltechnische Industrie © Kanizaj / Montage: Selektiv
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Präsidentin des Bundesrates: „Österreich braucht langfristig wieder mehr Kinder“

Zur Halbzeit ihrer Amtszeit zieht Bundesratspräsidentin Christine Schwarz-Fuchs Bilanz. Im Selektiv-Interview erklärt sie, warum Wachstum der Schlüssel ist, um die Defizite von Ländern und Gemeinden zu senken, und was Betriebe dafür brauchen: verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungsverfahren. „Denn Arbeitsplätze fallen nicht vom Himmel, sie entstehen dort, wo Unternehmen sind“, so Schwarz-Fuchs. Außerdem plädiert sie u. a. für eine klare Kompetenzverteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, sieht den Föderalismus als Standortvorteil und fordert, dass das Image des Unternehmertums verbessert wird.

Christine Schwarz-Fuchs ist die Präsidentin des Bundesrates im 2. Halbjahr 2026 © Parlamentsdirektion/Thomas Topf / Montage: Selektiv
Interview

Gutschi: „Der Vizekanzler ist eine politische Leiche“

Ab 1. Oktober wird die Paketsteuer von 2,40 Euro pro Bestellung fällig, Otto-CEO Harald Gutschi erwartet dadurch Umsatzeinbußen und muss bereits Arbeitsplätze abbauen. Gutschi kritisiert Vizekanzler Andreas Babler und Finanzminister Markus Marterbauer deshalb scharf.

Harald Gutschi ist Geschäftsführer der Otto Austria Group © OAG Emmanuel Feiner
Interview

OeNB-Kocher: „Das Geschäftsmodell Österreich muss sich ändern“

Martin Kocher will die Oesterreichische Nationalbank in Fragen großer struktureller Herausforderungen stärker positionieren und auch „über die Legislaturperiode hinaus denken“. Die öffentliche Debatte nimmt Kocher etwa in Fragen des Pensionssystems als „recht eindimensional“ wahr. Um mittel- und langfristig besser aufgestellt zu sein, brauche es die entsprechenden Reformen.

Martin Kocher ist seit September 2025 Gouverneur der OeNB © Evelyn Lynam | Montage: Selektiv
Interview

Gesundheitsökonom: „Wir leben im Postfaktischen – da reicht Symbolpolitik völlig aus“

Österreichs Gesundheitssystem produziert laut Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer vor allem eines: möglichst viele Fälle – nicht unbedingt mehr Gesundheit. Er erklärt, wie zersplitterte Zuständigkeiten und widersprüchliche Anreize das System auf Masse statt auf Gesundheit ausrichten und warum grundlegende Reformen an den Interessen der beteiligten Akteure scheitern.

Ernest Pichlbauer ist Arzt und Gesundheitsökonom © Ernest Pichlbauer / Montage: Selektiv
Event

Energiekongress 2026: Das Briefing zum 2. Tag

Sorgen mehr Erneuerbare für höhere oder niedrigere Stromrechnungen? Ist ein Ausgleich zwischen leistbarem Strom und nachhaltigen Geschäftsmodellen möglich? Wie kann die Deindustrialisierung …

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Meinung, Reflektion und Standpunkte zum aktuellen Geschehen.
Interview

Baminger: „Abgesang auf Wasserkraft wäre völlig verfehlt“

Michael Baminger bestätigt einen „extraordinären“ Einfluss der Trockenheit auf die österreichische Wasserführung. Trotz Trockenheit ist die Wasserkraft „nach wie vor eine sehr stabile, nachhaltige und langfristige Erzeugungsform.“ Ein Abgesang auf die Wasserkraft wäre daher „völlig verfehlt“,

Michael Baminger ist seit Juni neuer Präsident von Oesterreichs Energie © Oesterreichs Energie / Salzburg AG
Interview

Felbermayr: „Die Trendwende bahnt sich an“

Wifo-Chef Gabriel Felbermayr sieht die Konjunktur trotz des BIP-Rückgangs im zweiten Quartal auf Erholungskurs, dieser sei aber noch „fragil“. Die steigende Arbeitslosigkeit sei kein Widerspruch, sondern folge der Konjunktur zeitverzögert; die Industrie habe zuletzt sogar erstmals seit Jahren wieder Personal aufgebaut. Ambitionierte Klimaziele verteidigt er grundsätzlich, kritisiert aber die nationale Fragmentierung innerhalb der EU und fordert einen funktionierenden CO2-Grenzausgleich. Beim globalen Handel sieht er trotz wachsendem Protektionismus keine Krise, sondern eine „Verschiebung der Strukturen“. Das Zollabkommen mit den USA bezeichnet er als „0:15-Niederlage der Europäer“, eine Folge sicherheitspolitischer Erpressbarkeit, die mit einem Ende des Ukraine-Kriegs wegfallen würde.

Gabriel Felbermayr ist Direktor des Österreichischen Institutes für Wirtschaftsforschung (WIFO) und Universitätsprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) © Gianmaria Gava
Interview

Wiederkehr: „Stopp von Familiennachzug hat positive Auswirkungen auf das Bildungssystem“

Bildungsminister Christoph Wiederkehr sieht die heuer erstmals für außerordentliche Schüler verpflichtende Sommerschule als Erfolg an und erwartet, dass in weiterer Folge die Anzahl der Schüler, die nicht ausreichend Deutsch sprechen können, sinken wird. Die sinkenden Deutschkenntnisse führt Wiederkehr großteils auf die Migration zurück. Der Familiennachzug war eine „riesige Herausforderung“, dass dieser nun gestoppt wurde habe jetzt „positive Auswirkungen auf das Bildungssystem“.

Christoph Wiederkehr ist Bundesminister für Bildung. © BMB/ Montage: Selektiv
Interview

Unger-CEO: „Müssen den Mittelstand zum Investieren bewegen“

Die Wachstumsprognosen von knapp 1 % für 2026 sind für Matthias Unger, CEO der Unger Steel Group, „eine Seitwärtsbewegung mit besserer Stimmung“. Wichtig sei es, dass die Investitionstätigkeit steigt, vor allem der Mittelstand müsse durch gezielte Förderungen und Investitionsanreize wieder zum Investieren bewegt werden. „Wir müssen den Mittelstand wieder entfachen“, so Unger. Außerdem geht es u. a. um die bisherigen Schritte der Regierung die Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erhöhen, das Regierungsziel der Klimaneutralität bis 2040, die Vorteile des Standorts Österreichs, Fachkräfte und die Bedeutung von Familienunternehmen für das Land.

Matthias Unger, CEO der Unger Steel Group © Christa Strobl / Montage: Selektiv
Österreich

IV-Ochsner: „Der Klimawandel ist die größte Herausforderung“

Kari Ochsner, Präsident der IV-Niederösterreich, begrüßt das geplante Klimagesetz, hält das darin verankerte Ziel der Klimaneutralität bis 2040 jedoch für „wenig sinnvoll“. Die europäischen Klimaziele seien „schon herausfordernd genug“, ein nationaler Vorlauf würde den Standort belasten, ohne dem Klima zu nützen. Sanktionen lehnt er ab, Anreize für Investitionen in klimafreundliche Technologien befürwortet er. Im Selektiv-Interview äußert er sich außerdem zum Green Deal, zur Abhängigkeit Europas von Energieimporten und zu den Folgen des „Wirtschaftskriegs“ mit China für die heimische Industrie.

Kari Ochsner ist Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich © IV NÖ / Marius Höfinger / Montage: Selektiv
Interview

Bauer: „Kinderbetreuung in Indien leistet nicht unbedingt einen Beitrag zur zivilen Landesverteidigung in Österreich“

Für die Verlängerung des Zivildienstes benötigen die Koalitionsparteien die Zustimmung einer Oppositionspartei, um die nötige Zweidrittelmehrheit zu erreichen. Die Grünen fordern für ihre Zustimmung als „Grundvoraussetzung“ eine Erhöhung der Zivildiener-Grundvergütung. Zivildienstministerin Claudia Bauer zeigt sich dem nicht abgeneigt: „Wenn die finanziellen Ressourcen vorhanden sind, bin ich selbstverständlich die Letzte, die sich dagegen wehrt, die Entlohnung für Zivildiener zu erhöhen“, so Bauer im Selektiv-Interview.

Claudia Bauer ist Bundesministerin für Europa, Integration und Familie im Bundeskanzleramt (c) BKA/Brauneis/Wenzel