AmCham-Präsident: „Verzicht auf US-Technologie würde uns massiv Wohlstand kosten“
Kulinarisches-Briefing: Die neuesten Business-Lunch-Geheimtipps
Für China ist der Irankrieg ein katastrophales Erdbeben
Automobilimporteure: Sinkende China-Exporte schlimmer als steigende China-Importe
Gewessler: „Regierung hat keinen Plan, wie sie aus Fossilen aussteigen wird“
Grünen-Chefin Leonore Gewessler wirft der Bundesregierung in der aktuellen Energiepreiskrise vor, nur Überschriften zu produzieren, aber bei der Umsetzung hinter den Ankündigungen zurückzubleiben.
Copa-Data-CEO: „Das ist ein Teufelskreis der digitalen Abhängigkeit“
„Es schmerzt mich persönlich, wenn ich sehe, wie europäisches Geld in US-Tech-Riesen fließt und dieses Spielgeld dann verwendet wird, um europäische Player zu kaufen“, sagt Johannes Wolf, der mit Copa-Data einen Industrie-Software-Marktführer aus Österreich leitet. Es bräuchte seiner Meinung nach Anreize, damit heimische Gründer das Kapital aus einem Exit wieder in heimische Startups reinvestieren. Zudem plädiert er darauf, stärker auf Technologien aus Europa oder Österreich zu setzen.
Zehetner: Erneuerbaren-Sanktionen für säumige Bundesländer
Die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf Preise und Inflation seien derzeit noch schwer abzuschätzen, sagt Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. Eingriffe in die Energiepreise hält sie aber nicht für notwendig: „Nach den Schätzungen der E-Control werden die Heizkosten keinen großen Sprung machen, vielleicht um einen Cent.“ Die Gaspreise sind zudem noch sehr weit von dem Preisniveau zu Beginn des Ukraine-Kriegs entfernt.
„Der Finanzminister ist der ärmste Hund von allen“
Hanno Lorenz, stv. Direktor der Agenda Austria, lehnt Erbschafts- und Vermögenssteuern zur Budgetsanierung ab. Das Problem seien nicht fehlende Einnahmen, sondern die massiv gestiegenen Ausgaben seit Corona- und Energiekrise. „Es ist absurd zu sagen, es fehlt an den Einnahmen“, so Lorenz. Wären die Ausgaben seit 2019 nur mit der Inflation gestiegen, lägen sie 2025 knapp 30 Milliarden Euro niedriger. Stattdessen explodieren demografiebedingte Ausgaben wie Pensionen, Pflege und Gesundheit. Neue Steuern lösen das nicht, sondern bergen das Risiko von Kapitalflucht und ausbleibenden Investitionen.
Energie-Experte: „Anstieg an der Zapfsäule kommt wie das Amen im Gebet“
Energie-Experte Johannes Benigni sieht den Iran-Konflikt derzeit in der ersten Stufe eines zweistüfigen Eskalationsszenarios. Sollte der Konflikt weiter eskalieren und auch Energieproduktionsanlagen unter Beschuss kommen, könnten die Preise längerfristig hoch bleiben und inflationär wirken.
Energie-AG-CEO: „Energieversorgung ist Teil unserer Sicherheitsarchitektur“
Leonhard Schitter, CEO der Energie AG Oberösterreich, fordert im Interview ein neues Modell zur Netzkostenfinanzierung. Er schlägt einen „staatlich gestützten und unabhängig verwalteten Infrastrukturfonds“ vor, der einen schnelleren Ausbau und eine faire, zeitlich gestreckte Kostenverteilung erlauben würde. Die Energiewende sei das „größte Infrastrukturprojekt der Zweiten Republik“, bei dem Österreich jetzt nicht mehr viel Zeit verlieren dürfe. Das Energiesystem sollte als Teil der Sicherheitsarchitektur verstanden werden und muss gegen hybride Bedrohungen und Sabotage gerüstet sein.
ABA-Chef: „USA im Spitzenfeld qualifizierter Zuwanderer“
René Tritscher, Geschäftsführer der Austrian Business Agency (ABA), zieht trotz geopolitischer Unsicherheiten und Schwächeln des traditionell stärksten Markts Deutschland eine positive Bilanz für 2025: Die ABA begleitete Investitionen von 900 Mio. Euro und die Schaffung 2.800 neuer Arbeitsplätze. Besonders stark wuchsen Projekte aus Nordamerika (USA/Kanada), dem CEE-Raum, sowie in der IKT-Branche (72 Projekte). Inzwischen werden jährlich rund 10.000 positive Bescheide der Rot-Weiß-Rot-Karte ausgestellt – dennoch muss die Zuwanderung qualifizierter Kräfte weiter steigen. „Auf Basis der demografischen Daten, die wir haben, wird es weiterhin einen Arbeitskräftemangel geben und der wird nicht durch inländisches Personal allein abgedeckt werden können.“
Maringer: „Müssen aufpassen, dass wir nicht in eine Bananenrepublik abdriften“
IG-Windkraft-Geschäftsführer Florian Maringer sieht ein weiteres EU-Vertragsverletzungsverfahren auf Österreich zukommen, da die Frist zur Umsetzung der Renewable Energy Directive III (RED III) versäumt wurde. Das dafür nötige Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) lässt weiterhin auf sich warten.
Porr-CEO: „Teilzeitarbeit gehört unattraktiver gemacht“
„Die Baukonjunktur wird besser sein, als die meisten erwarten“ – Porr-CEO Karl-Heinz Strauss blickt optimistisch auf 2026, vor allem aufgrund des Infrastrukturausbaus in Deutschland, Polen, Tschechien oder Rumänien. Dafür müssen Arbeitskräftepotenziale gehoben werden. Der Wohnbau sei hingegen nach wie vor schleppend. „Ich habe den Eindruck, dass unter der KIM-Verordnung weniger Eigenkapital gefordert wurde als heute. Ganz verstehe ich das nicht.“ Und weiter: „Die Politik tut momentan nichts, um die Wohnungspreise zu unterstützen.“
Meinl-Reisinger: „Erbschaftssteuer wird jedenfalls nicht kommen“
Neos-Chefin und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger schließt im Gespräch mit Selektiv definitiv aus, dass unter einer Neos-Regierungsbeteiligung Erbschafts- oder Vermögenssteuern eingeführt werden. Stattdessen gibt Meinl-Reisinger die Losung „Weniger Steuern, weniger Staat, weniger Staatsapparat“ aus – daher will sie in den aktuellen Verhandlungen zum nächsten Doppelbudget, die noch vor dem Sommer abgeschlossen werden sollen, auch eine Lohnnebenkostensenkung durchsetzen.
Kommentare
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Einfach mal tanken lassen
Wie sich der Finanzminister die Industrie schön rechnet
Überlebenskünstler Babler und das Lob der Grabrede
41-Stunden-Woche? „Da könnte der Staat vorangehen“
Thomas Gindele, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK), kann der Debatte um eine Erhöhung der Arbeitszeit „einiges abgewinnen“ – das sei nicht nur notwendig, um Kosten zu sparen, sondern auch, um den Fachkräftebedarf abzudecken. Er findet: „Der Staat könnte mit einem guten Beispiel vorangehen“. An die Regierungen in Deutschland und Österreich appelliert er, auch größere Reformen anzugehen und von „Buy European“ hält er nur dann etwas, wenn es auch wettbewerbsfähige Produkte aus Europa gibt: „Wenn ein Staat sagt, wir wechseln jetzt von Microsoft auf ein europäisches System, dann würde ich sagen, dagegen ist eine Cyberattacke nichts“.
EU-Experte: „Trump ist fast ein Glücksfall für die europäische Integration“
Laut der aktuellen Eurobarometer-Umfrage bewerten nur 51 % der Österreicher die EU-Mitgliedschaft als positiv – einer der niedrigsten Werte in der gesamten Union. Gleichzeitig weist Österreich die höchste Ablehnungsquote auf. ÖGfE-Generalsekretär Paul Schmidt führt dies darauf zurück, dass der Europadiskurs jahrelang fast ausschließlich den Kritikern überlassen wurde. Er fordert eine stärkere europapolitische Verantwortung auf allen Ebenen, eine entschlossene Vertiefung des Binnenmarkts sowie ein selbstbewussteres Auftreten der EU nach außen.
Ökonom: „Kosten für die Wirtschaft wären bei einem Berufsheer geringer“
Die geplante Wehrpflichtverlängerung auf „8+2“-Monate würde die österreichische Wirtschaft spürbar belasten – vor allem kleine Unternehmen, die auf Mitarbeiter verzichten müssen. Wifo-Ökonom Michael Böheim schätzt allein die Milizübungskosten bei 50.000 Tagen jährlich auf rund 15 Millionen Euro, während der Staat bis 2037 mit zusätzlichen 250 Millionen Euro Kosten pro Jahr rechnen muss. Zudem werde „reines Verlängern ohne überzeugenden Mehrwert nicht reichen“, kritisiert Böheim. Er plädiert für höhere Bezahlung, einen Pensionsbonus und qualitative Ausbildung, damit der Dienst nicht als reine Bürde, sondern als wertvolle Investition in Führungskompetenzen und Soft-Skills wahrgenommen wird.
Wifo-Ökonom: „Inflation könnte im Jahresschnitt unter 2,0 % sinken“
Die Inflation lag im Jänner 2026 laut Schnellschätzung bei 2,0 %. Wifo-Ökonom Josef Baumgartner zeigt sich von der Dynamik der Preisrückgänge in Österreich „überrascht“. In allen Bereichen hat sich die Preisdynamik stärker abgeschwächt als erwartet. Mit dem niedrigen Ausgangswert könnte die Jahresinflation sogar unter 2,0 % sinken.
Brezinschek: „Die Börse war wieder ein Werk des Teufels“
Peter Brezinschek, ehemaliger Chefökonom bei Raiffeisen Research, übt scharfe Kritik an der aktuellen Ausgestaltung der betrieblichen Vorsorgekassen. Die Rendite von 3,6 Prozent im Jahr 2025 sei zwar solide, werde jedoch durch politisch erzwungene Vorsicht – Kapitalgarantien und Entnahmemöglichkeit – massiv gebremst. Ein 30- bis 45-jähriger Anlagehorizont würde deutlich höhere Erträge und einen echten Vermögensaufbau für Arbeitnehmer ermöglichen. Brezinschek fordert eine mutige Reform ohne Kapitalgarantien, mit professioneller Asset-Allokation, höheren Aktienquoten und lebenslanger Bindung des Kapitals.
Logistik-Experte: „Wirtschaftliche Katastrophe, dass so viel Güterverkehr weiterhin auf der Straße stattfindet“
Das Verkehrsmittel Bahn sollte konsequent dort eingesetzt werden, wo es seine Stärken ausspielen kann. Dass es statt Fortschritten sogar Rückschritte bei der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene gibt, bezeichnet der Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik der WU Wien als „wirtschaftliche Katastrophe“.
Keba-CEO: „Industrie verliert langsam die Geduld“
Christoph Knogler ist CEO der oberösterreichischen Keba und mit seinem Unternehmen einigermaßen gut durch die vergangenen Krisenjahre gekommen, auch, weil es breit aufgestellt ist. „Unser asiatisches Geschäft ist von der Wettbewerbsschwäche Österreichs unbeeindruckt“, sagt Knogler. Die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitet aber in Österreich: „Und wenn man sich anschaut, wie sich die Personalkosten in Österreich entwickelt haben, dann spüren wir das“. Er versteht, dass die Spielräume klein sind, hätte sich etwa bei den Lohnnebenkosten mehr Mut gewünscht. „Damit gehen schleichend Arbeitsplätze verloren“.
Handelsverband: „Lebensmittelhandel ist Blitzableiter für politisches Versagen“
Die Senkung der MwSt auf Grundnahrungsmittel von 10 % auf unter 5 % werde „nach Möglichkeit 1:1 an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Kritisch sei jedoch die zusätzliche Bürokratie die dies schaffe. „Ich kenne keinen Mitarbeiter, der gratis zur Verfügung steht, um Meldepflichten zu realisieren.“ Die Abschaffung der territorialen Lieferbeschränkungen im EU-Binnenmarkt ist laut Will der „größte Hebel, um leistbare Lebensmittel sicherzustellen.“ Zentrale Probleme des Handels bleiben jedoch die stark gestiegenen Energiepreise sowie die im EU-Vergleich hohen Personalkosten. Der Billigstpreiskampf, der durch die Politik befeuert werde, gefährde langfristig regionale Produktion und Arbeitsplätze.
Ökonom: „Aktion 20.000 entfernt Stigma der Langzeitarbeitslosigkeit“
Die 2017 gestartete Aktion 20.000 bot Langzeitarbeitslosen staatlich geförderte Jobs – wurde aber rasch von der Nachfolge-Regierung mit Verweis auf Kosten und Ineffizienz gestoppt. Eine neue Studie des Arbeitsmarktökonomen Martin Halla (WU Wien) kommt nun zu einem gegenteiligen Schluss: „Entgegen allen Befürchtungen war die Aktion 20.000 ein klarer Erfolg“, so Halla. Sie bewirkte eine langfristige Integration in reguläre Jobs und entfernte des Stigma der Langzeitarbeitslosigkeit. Zudem zeigte sich eine weitgehende finanzielle Kostendeckung. „Höhere Steuer- und SV-Beiträge sowie geringere Ausgaben für Arbeitslosigkeit und Frühpension decken rund 68 % der direkten Programmkosten innerhalb der ersten vier Jahre ab“, so Halla. Im Interview erläutert Halla die Schlüsselfaktoren hierfür und Lehren für die neue Aktion 55+.
Handelsökonom: „Müssen in Zukunft aus Situation wirtschaftlicher Stärke agieren“
Der Außenhandelsökonom Martin Braml sieht Trumps jüngste Zolldrohung als konsequente Fortführung seines unberechenbaren Stils: „Trump unterscheidet erkennbar nicht zwischen Freund und Feind.“ Auch die Existenz von Abkommen schütze einen nicht. Volkswirtschaftlich wären zusätzlich 10-Prozent-Zölle verkraftbar gewesen, der wahre Schaden entstehe jedoch durch geopolitische Unsicherheit und Investitionsrückgang, so Braml. Er rät der EU zu entschlossenen Gegenmaßnahmen und Strukturreformen. „Wir müssen in Zukunft aus einer Situation der wirtschaftlichen Stärke heraus agieren können.“ Nur dann könne man auch Augenhöhe mit den USA und China herstellen.