Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von David Schima, Maximilian Kern, Stephan Frank und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Ruf nach Industriestrompreis wird lauter. WKÖ und Industriellenvereinigung erhöhen im Vorfeld der Präsentation der Industriestrategie erneut den Druck auf die Regierung, den Strompreis für die Industrie zu senken. Vorbild soll der deutsche Industriestrompreis von 5 Cent pro Kilowattstunde sein, außerdem brauche es eine Verlängerung der Strompreiskompensation bis 2030 statt deren Auslaufen Ende 2026. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sieht ebenfalls Handlungsbedarf, Finanzminister Markus Marterbauer meinte am Sonntag, es brauche jedenfalls eine konkrete Gegenfinanzierung. IHS-Ökonom Klaus Weyerstrass und die Grünen bringen die Aufhebung des Dieselprivilegs als mögliche Finanzierungsquelle ins Spiel. Weyerstrass und Wifo-Chef Gabriel Felbermayr weisen zudem darauf hin, dass eine Senkung der Lohnnebenkosten ebenso wichtig ist wie eine Reduktion des Industriestrompreises. Jan Kluge von der Agenda Austria betont die internationale Abhängigkeit bei den Industriestromkosten und fordert zugleich eine stärkere Privatisierung des Strommarktes, um den Wettbewerb zu fördern. [Quellen: Ö1-Mittagsjournal, IV, WKÖ, Kronen Zeitung, Kurier, Die Grünen, Unos | Grafik: Industriestrompreis stieg in der Krise]
„Der Staat ist das größte Wachstumsproblem“
Interview mit Hanno Lorenz
Die jüngsten Konjunkturprognosen zeigen für 2025 und 2026 wieder leicht positives Wachstum. Hanno Lorenz, stv. Direktor der Agenda Austria warnt jedoch vor zu viel Optimismus: „Bei rund 1 Prozent Wachstum den großen Aufschwung zu sehen, halte ich für schwierig. Der Wohlstand pro Kopf ist in Österreich dann sechs Jahre lang stagniert.“ Als zentrales Wachstumshemmnis sieht er vor allem den Staat, da sich dieser „in sehr viele Bereiche hineingezwängt hat und eine Abgabenbelastung erzeugt, die Unternehmen und Beschäftigten die Luft abschnürt.“ Lorenz analysiert die fehlende Investitionsstimmung, strukturelle Reformdefizite und erklärt, warum 2026 mehr als kleine Korrekturen nötig sind, um Österreich wieder auf Wachstumskurs zu bringen.
💡 Der Stellenmarkt kühlt weiter ab. Im 3. Quartal 2025 meldeten österreichische Unternehmen nur noch 138.100 offene Stellen – ein Rückgang von 6,6 % zum Vorquartal und 17,7 % zum Vorjahr (167.800). Damit liegt man auch erstmals wieder unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Im Handel- und Dienstleistungsbereich wurden 82.900 Stellen gemeldet, im produzierenden Sektor 32.700 und im öffentlichen und sozialen Bereich 22.500. „Seit mittlerweile sechs Quartalen setzt sich der rückläufige Trend am österreichischen Stellenmarkt fort“, so Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk. [Quelle: Statistik Austria | Grafik von Christoph Hofer]

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🇦🇹 Weitere Details zur Industriestrategie. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hat gestern im Rahmen eines Betriebsbesuchs bei BRP Rotax weitere Details zur Industriestrategie skizziert, die am Mittwoch präsentiert werden soll. Insgesamt 9 Schlüsseltechnologien werden es sein, auf die die Industriepolitik ausgerichtet wird. In diesen Feldern – darunter wie berichtet Halbleiter oder Quantentechnologien – soll es Anreize für Investitionen geben. Die Standortagentur ABA soll neu aufgestellt werden und gezielt ausländische Unternehmen in den Schlüsselfeldern zur Ansiedlung bringen. In allen 9 Bereichen soll es neue Lehrberufe geben und die RWR-Karte soll für volljährige Lehrlinge geöffnet werden. [Quelle: Pressekonferenz]
🇦🇹 Verbund senkt Strompreise für Haushaltskunden. Ab März soll der Arbeitspreis auf unter 10 Cent netto pro Kilowattstunde sinken. Laut Verbund-Chef Strugl ergibt sich für einen Durchschnittshaushalt dadurch eine jährliche Ersparnis von rund 200 Euro. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze soll zudem die Abhängigkeit von teuren Stromimporten verringert werden. Dafür plant die Verbund AG bis 2030 Investitionen in Höhe von rund 8 Mrd. Euro. [Quelle: Klub der Wirtschaftspublizisten | Reaktionen: BMWET, BMWKMS, SPÖ, Neos, FPÖ]
🇦🇹 🇩🇪 Firmeninsolvenzen in Österreich und Deutschland sind 2025 gestiegen. In Österreich wurden laut Alpenländischem Kreditorenverband 4.189 Unternehmensinsolvenzen eröffnet, 0,72 % mehr als im Vorjahr. Unter Einbeziehung von Verfahren, die mangels Masse nicht eröffnet wurden, lag die Gesamtzahl bei 7.156 Insolvenzen, ein Anstieg von rund 8 %. Von den eröffneten Insolvenzen waren 16.252 Beschäftigte betroffen. Der Kreditorenverband erwartet für 2026 einen leichten Rückgang, jedoch keine deutliche Entspannung. In Deutschland beantragten im Oktober 2025 4,8 % mehr Unternehmen Insolvenz als im Vorjahresmonat. Besonders betroffen waren die Branchen Verkehr und Lagerei, das Gastgewerbe sowie die Baubranche. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer rechnet für das Gesamtjahr mit „deutlich mehr“ als 23.000 Insolvenzen. Dies wäre die höchste Zahl insolvenzbedingter Betriebsaufgaben seit 11 Jahren. [Quellen: Alpenländischer Kreditorenverband, Statistisches Bundesamt, DIHK]
🇦🇹 Die Konjunkturerwartungen in Österreich steigen. Der Sentix-Konjunkturindex attestiert Österreich den höchsten Wert seit Juni 2022 mit -1,9 Punkten. Dabei tragen vor allem die Erwartungen (+20,3%) zum Anstieg des Index bei. Auch die aktuelle Lage wird um mehr als 10 Punkte besser eingeschätzt als noch im Dezember, bleibt jedoch weiterhin im negativen Bereich (-21,8). In der Eurozone verzeichnet der Index einen Anstieg um 4,4 Punkte auf -1,8 Punkte. In Deutschland verbessert sich die Stimmung ebenfalls, bleibt jedoch weiterhin negativ bei -16,4 Punkten. [Quelle: Sentix]
🇦🇹 Noch keine Entspannung am Immobilienmarkt. Laut WKÖ gibt es zwar Anzeichen für eine „Beruhigung“ am heimischen Immobilienmarkt, aber noch sei keine „wirkliche Entspannung“ auszumachen. Das Jahr 2026 bringt aufgrund neuer rechtlicher Rahmenbedingungen aber jedenfalls einen „Wendepunkt“ – das Mietenwertsicherungsgesetz etwa sorge für zusätzliche Bürokratie und verunsichere bestehende Mietverhältnisse. Besonders Sanierungen und Neubau sind laut WKÖ weiterhin unter Druck, die Neubauzahlen befinden sich österreichweit auf einem historischen Tiefstand und viele Sanierungsprojekte würden verschoben oder ganz abgesagt werden. Vor allem die Finanzierung sei für Bauträger nach wie vor eine Herausforderung – Banken sollten den Spielraum, den sie haben, auch weitergeben, so Fachverbands-Obmann Roman Oberndorfer. [Quellen: WKÖ, Pressekonferenz]
🇦🇹 Neos lehnen Koalitionsvereinbarung zu Wahlärzten ab. Nachdem die SPÖ zuletzt gefordert hatte, dass Wahlärzte auch Kassenpatienten zum Kassentarif behandeln sollten, kam von den Neos dazu ein Nein. Man könne einem freien Beruf nicht Tarife vorschreiben, begründete Neos-Gesundheitssprecher Christoph Pramhofer die Absage auf Ö1. Im Regierungsprogramm ist jedoch die Verpflichtung verankert, dass Patienten „im Notfall in einem gewissen Ausmaß“ zu Kassenkonditionen behandelt werden müssen. Dennoch werde es mit den Neos keine Tarifvorschriften geben, so Pramhofer. Vorstellbar sei lediglich, dass die Krankenkasse die Wahlarztkosten übernimmt, wenn Patienten bei einem Kassenarzt keinen Termin bekommen. [Quellen: Ö1, Regierungsprogramm (S. 120/121)]
🇦🇹 🇪🇺 Dienstleistungsproduktion in Österreich stagniert, EU im Wachstum. Die Dienstleistungsproduktion in Österreich stieg im Oktober 2025 gegenüber dem Vormonat um 0,4 %, sank im Jahresvergleich jedoch um 0,2 %. In der EU und der Eurozone wuchs die Dienstleistungsproduktion im gleichen Zeitraum um 2,1 %. Innerhalb der einzelnen Branchen legte insbesondere die Informations- und Kommunikationsdienstleistung zu. Bei der Gesamtentwicklung der Dienstleistungsproduktion verzeichnete Griechenland den stärksten Zuwachs mit 16,9 %, Luxemburg den größten Rückgang mit -3 %. [Quelle: Eurostat]
🇪🇺 🇨🇳 Mindestpreise statt Zölle auf Chinesische E-Fahrzeuge. Die EU und China haben sich auf einen Leitfaden für Preisverpflichtungen chinesischer E-Fahrzeug-Hersteller geeinigt, den die Kommission gestern veröffentlicht hat. Demnach können chinesische Hersteller bei der Einfuhr ihrer Fahrzeuge in die EU ein Preisangebot einreichen, das die Effekte der Subventionen neutralisiert eine den Zöllen gleichwertige Wirkung erzielt. Die im Antisubventionsverfahren verhängten Zölle (7,8 % – 35,3 %) bleiben zwar in Kraft, werden aber für einzelne Hersteller ausgesetzt, wenn ihr Preisangebot von der EU akzeptiert wird. Das chinesische Handelsministerium bezeichnet die Einigung als Erfolgsbeispiel dafür, wie Differenzen im Rahmen der WTO-Regeln durch Dialog gelöst, Lieferketten stabilisiert und die regelbasierte internationale Handelsordnung gestärkt werden können. [Quellen: EU-Kommission, Chinesisches Handelsministerium, Leitfadendokument]
🌐 Gold und Silber auf Rekordhoch. Der Goldpreis erreichte gestern erstmals die Marke von 4.600 Dollar je Feinunze und erzielte damit allein in diesem Jahr ein Kursplus von 6 %. Auch Silber stieg mit 85,48 Dollar heute Früh auf sein bisheriges Allzeithoch. Gründe für die Preisanstiege der Edelmetalle sind vor allem geopolitische Unsicherheiten wie die aktuelle Lage im Iran sowie wachsende Sorgen über die Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Silber gilt zudem als wichtiges Industriemetall, etwa in den Bereichen Robotik und Energie. [Quellen: Reuters, Tradingview – Gold, Silber]
Selektive Agenda:
11:45 Uhr, Mauerbach: Regierungsspitze trifft Bundespräsident Alexander van der Bellen in der Hofburg und hält danach Arbeitsklausur im Hotel Schlosspark Mauerbach ab – Im Fokus stehen die Bekämpfung der Inflation, die Stärkung des Wirtschaftsstandorts und Maßnahmen im Bereich Migration.
9:00 Uhr, Wien: Finanzminister Marterbauer und OeNB-Gouverneur Kocher nehmen am „Central & Eastern European Forum 2026“ teil [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Magda Groissenberger, Peter Kritzinger und Viktoria Schlögl wurden mit Anfang 2026 zu Partnern im Bereich Tax & Legal bei Deloitte Österreich ernannt. Neuer Partner bei Kearney in Wien, mit Fokus auf die Industrie-, Technologie- und Energietransformation, ist Andreas Kaltenbrunner. Silvia Polan übernimmt mit Jahreswechsel die Funktion als Director Corporate Affairs & Communication und wird Teil des Management Teams von JTI Austria und Austria Tabak. Bei Ankerbrot übernimmt Johannes Ruisz zusätzlich zu Produktion & Supply Chain Management nun auch den B2B-Vertrieb, CFO Gerold Hellmich vertritt neben Finanzen & IT künftig auch das HR-Management, und Tina Schrettner, bisher Marketingleiterin und Prokuristin, ist ab sofort zusätzlich für den Anker-Filialbereich sowie das Nachhaltigkeits-Management verantwortlich. Martina Fürrutter ist ab sofort Teil der Leitung des Innovation in Politics Institute. Helfried Carl wird CEO der European Capital of Democracy GmbH. Neue Geschäftsführerin bei Kulturformat ist Heike Fischer.
Geburtstage: Wir gratulieren Alois Partl, Hans Winkler, Erich Haider und Daniel Kehlmann zum Geburtstag!
Sehen & gesehen werden:
18:30 Uhr, St. Pölten: Neujahrsempfang des Sozialdemokratischen GemeindevertreterInnenverbands, u. a. Markus Marterbauer, Sven Hergovich und Markus Wieser [invite only]