Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Martha Schultz bleibt WKÖ-Präsidentin bis 2030. Die bisherige Übergangspräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich folgt damit dauerhaft auf Harald Mahrer. Der ÖVP-Wirtschaftsbund gab die Entscheidung am Dienstagabend auf Instagram bekannt, ein WKÖ-Funktionär bestätigte dies gegenüber der APA. Heute tritt das Wirtschaftsbund-Präsidium zusammen. Am Nachmittag soll die Angelobung von Martha Schultz durch Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer erfolgen. [Quellen: Wirtschaftsbund auf Instagram, APA via Medienberichte]
Kommentar: Kern sondiert herum, Stocker holt den Kurz-Mann
von Rainer Nowak
Personalspekulationen gehören als Suppensalz zur Politik. Journalistisch werden sie offiziell, weil unseriös ungerne gesehen. Aber wenn die bösen Medien schon spekulieren: Eine Personalrochade dürfte, so sie jetzt durchgezogen wird, die ÖVP in den kommenden Tagen/Wochen beschäftigen. Ist er ein Vorbote für eine Rückkehr von seinem alten Chef und vertrauten Mentor Kurz?
💡 Wachstum der Arbeitsproduktivität erreicht historisches Tief. In Österreich hat sich das Trendwachstum der Arbeitsproduktivität je Arbeitsstunde (10-Jahres-Glättung) innerhalb eines Jahrzehnts nahezu halbiert – von rund 1,1 % im Jahr 2014 auf nur noch 0,6 % im Jahr 2024. Zwischen 2023 und 2024 schrumpfte die heimische Produktivität pro Stunde im Schnitt um 1,1 %, während sie im EU-27-Raum leicht positiv verlief. Den stärksten negativen Beitrag leistete der produzierende Bereich (Herstellung von Waren), gefolgt von Bau, Handel, Verkehr sowie Tourismus und Gastronomie. Als wichtiger Erklärungsfaktor gilt die Zurückhaltung vieler Unternehmen beim Stellenabbau trotz schwacher Konjunktur („Arbeitskräftehortung“). [Quelle: Produktivitätsrat | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
🇦🇹 Energiebranche kritisiert zentrale Förderverordnungen. Die Begutachtung für zwei zentrale Förderverordnungen für erneuerbare Energie ist vergangenen Freitag ausgelaufen – dass sie genau in die Weihnachtsferien gefallen ist, verärgert die Branche weiterhin. Für eine eingehende fachliche Prüfung hätte man mehr Zeit gebraucht, so Oesterreichs Energie. Außerdem würde der Entwurf Änderungen durch das ElWG nicht berücksichtigen. Das Strommarktgesetz ElWG trat am Tag des Begutachtungsstarts in Kraft. Die Interessenvertreter fordern ein Weiterbestehen bisheriger Förderbedingungen bis die Änderungen des ElWG eingearbeitet wurden. [Quellen: Oesterreichs Energie, Marktprämienverordnung, Investitionszuschüsseverordnung]
🇦🇹 Gewerkschaft fordert bessere Angebote in laufenden KV-Verhandlungen. Die Kollektivvertragsverhandlungen in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie gehen am Freitag, dem 16. Jänner, in die 4. Runde. Die Gewerkschaft fordert von den Arbeitgebern ein verbessertes Angebot, nachdem bislang lediglich eine Erhöhung der Mindestlöhne um 1,8 % vorgelegt wurde. Auch in der IT-Branche verlaufen die Kollektivvertragsverhandlungen schwierig. Vor der 5. Verhandlungsrunde am 23. Jänner hat die Gewerkschaft zu Protestaktionen aufgerufen. Das Arbeitgeberangebot, die Mindestlöhne um 1,9 % anzuheben und eine Erhöhung der Ist-Gehaltssumme auszuschließen, wurde von der Gewerkschaft als inakzeptabel bezeichnet. [Quellen: ÖGB , ÖGB IT | Grafik: Zwischenstand der Herbstlohnrunden]
🇦🇹 Österreich droht Milliardenstrafe bei Verfehlung der Klimaziele. Eine Studie des Umweltbundesamtes im Auftrag des Finanzministeriums zeigt, dass Österreich mit dem derzeitigen politischen Kurs sein Klimaziel für 2030 voraussichtlich verfehlen wird. Demnach könnte der Treibhausgasausstoß bis 2030 um bis zu 20 Megatonnen CO₂ über dem erlaubten Niveau liegen, falls keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden. Das Ziel sieht eine Reduktion um 48 % gegenüber dem Basisjahr 2005 vor. Wird es nicht erreicht, müsste Österreich Emissionszertifikate von anderen Staaten kaufen. Laut einem Bericht der Kommunalkredit Public Consulting könnten dadurch Kosten von bis zu 5,9 Mrd. Euro entstehen. [Quellen: Umweltbundesamt, Österreichische Klimaschutzstrategie, Der Standard | Kommentar: Der Klimaziel-Fetischismus verstellt den Blick aufs Wesentliche | Grafik: Wie effizient Klimaschutzmaßnahmen sind]
🇦🇹 Österreich muss EU-Lohntransparenzrichtlinie bis Juni umsetzen. Die EU-Lohntransparenzrichtlinie muss bis spätestens 7.6.2026 in nationales Recht umgesetzt werden, allenfalls drohe ein EU-Vertragsverletzungsverfahren. In Österreich gibt es laut Arbeitsministerium bisher noch kein Datum für einen entsprechenden Gesetzesentwurf, die Verhandlungen laufen. Ziel der Richtlinie ist es, den Grundsatz gleichen Entgelts für gleiche oder gleichwertige Arbeit von Männern und Frauen besser und wirksamer zu verankern. Arbeitgeber sind u. a. verpflichtet, auf Anfrage Auskunft über Gehalt und Entgeltunterschiede von Beschäftigten, die gleichwertige Arbeit leisten, zu geben. [Quellen: EU-Lohntransparenzrichtlinie, Selektiv | Kommentar: EU-Lohntransparenz bringt neue Bürokratieflut]
🇦🇹 Mehrheit der Österreicher sieht finanzielle Lage angespannt. 52 % der Österreicher geben an, finanzielle Sorgen zu haben. Davon beurteilen 39 % ihre Situation als angespannt, 13 % können die laufenden Kosten kaum oder gar nicht decken. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Lage für 40 % der Befragten verschlechtert, für nur 14 % verbessert. Knapp jeder Zweite glaubt zudem nicht, dass die staatliche Pension künftig verlässlich sein wird. Viele Österreicher, bei den unter 30-Jährigen jeder Dritte, möchten ihr Finanzwissen verbessern. Zu den beliebtesten Vorsorgeinstrumenten zählen Sparkonten (51 %), Lebensversicherungen (38 %) sowie Wertpapiere und Fondssparpläne (25 %). [Quellen: Santander, Wiener Städtische]
🇪🇺 Forderung nach rechtlicher Prüfung des Mercosur-Abkommens. 145 Abgeordnete des Europäischen Parlaments (MEPs) hinterfragen die rechtliche Grundlage des Mercosur-Abkommens. Sie planen, einen Antrag zur Prüfung durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) einzubringen. Den Angaben zufolge stammen die 145 MEPs aus 5 Fraktionen und 21 Mitgliedstaaten. Eine Abstimmung über den Antrag könnte bereits kommende Woche stattfinden. Für eine Annahme wäre eine einfache Mehrheit der 720 Mitglieder des Parlaments erforderlich. Sollte der Antrag erfolgreich sein, könnte dies zu einer Verschiebung der Ratifizierung des Abkommens um min. 1 Jahr führen. Die Fraktionen Die Linke, Die Grünen/EFA und die ESN-Fraktion haben auf ihren Websites bereits ablehnende Stellungnahmen zur Ratifizierung des Mercosur-Abkommens veröffentlicht. [Quellen: Politico, Manon Aubry auf X, The Left im EU-Parlament, The Greens/EFA Group, ESN Group]
🇪🇺 EU erzielt Leistungsbilanzüberschuss im dritten Quartal 2025. Im dritten Quartal 2025 verzeichnete die EU einen Leistungsbilanzüberschuss von 57,3 Mrd. Euro (1,2 % des BIP), nach 80,5 Mrd. Euro im Vorquartal. Besonders hohe Überschüsse gab es mit dem Vereinigten Königreich (+75,7 Mrd. Euro), Kanada (+12,0 Mrd. Euro) und den USA (+9,2 Mrd. Euro), Defizite bestanden vor allem mit China (-58,3 Mrd. Euro) und Indien (-0,3 Mrd. Euro). [Quelle: Eurostat]
🇩🇪 SPD legt Entwurf zur Erbschaftssteuerreform vor. Die SPD hat einen Entwurf zur Reform der Erbschaftssteuer vorgelegt. Vorgesehen ist ein Lebensfreibetrag von 1 Mio. Euro sowie ein Unternehmensfreibetrag von 5 Mio. Euro für KMUs. Vererbungen, die über den Unternehmensfreibetrag hinausgehen, sollen einer progressiven Besteuerung unterliegen. Unternehmen, die Arbeitsplätze erhalten, sollen von großzügigeren Stundungsregelungen profitieren, die eine Steuerzahlung über bis zu 20 Jahre ermöglichen. Die zusätzlichen Steuereinnahmen sollen in den Bereich Bildung fließen. Das Institut der deutschen Wirtschaft kritisiert, dass eine solche Reform mittelständische Familienunternehmen mit höheren Steuern auf produktives Kapital belastet und Investitionen, Arbeitsplätze sowie langfristig die wirtschaftliche Stärke des Standorts Deutschland gefährden würde. [Quellen: Politico – Entwurf der SPD, Institut der deutschen Wirtschaft]
🇩🇪 Rekordniveau bei Aktionären in Deutschland. Im Jahr 2025 haben 14,1 Mio. Menschen in Deutschland Aktien, Aktienfonds oder ETFs besessen – ein Anstieg von 2 Mio. im Vergleich zum Vorjahr. Das Wachstum wird vor allem von den unter-40-Jährigen getragen, auf die 60 % des Anstiegs zurückgehen. Mit 4,9 Mio. Personen sind sie seit 2024 auch die größte Gruppe der Aktienbesitzer. Unter den 14,1 Mio. Aktienbesitzern sind 8,7 Mio. Männer und 5,4 Mio. Frauen – im Vorjahr stieg die Zahl der Aktienbesitzerinnen allerdings doppelt so stark wie jene der Männer (24 bzw. 12 %). [Quelle: Deutsches Aktieninstitut]
🇺🇸 US-Inflation bei 2,7 %. Die US-Inflation lag im Dezember bei 2,7 %. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Verbraucherpreise um 0,3 % – den größten Einfluss hatte der Anstieg der Wohnkosten um 0,4 %; die Lebensmittelpreise stiegen um 0,7 %. Die Kerninflation lag bei 2,6 % im Jahresabstand bzw. 0,2 % im Monatsabstand. Die Preissteigerungen liegen im Bereich der Erwartungen, eine weitere Zinssenkung der Fed wird nicht erwartet. Die nächste Sitzung der US-Notenbank findet am 27. und 28. Jänner statt. [Quellen: U.S. Bureau of Labor Statistics, Reuters, Federal Reserve]
🌐 Weltbank erwartet leicht schwächeres globales Wachstum 2026. Die Weltbank erwartet für 2026 ein globales Wachstum von 2,6 %, nach 2,7 % im Vorjahresbericht. Gründe sind schwächeres Handelswachstum, weniger Lageraufbau und steigende Zölle. Risiken, die das Wachstum weiter verschlechtern könnten, kommen von Handelsspannungen, Finanzmarktunsicherheiten und Inflation. Positiv könnten Aktivitäten im Bereich der KI wirken. Reformen in Schwellen- und Entwicklungsländern sollen Investitionen, Wachstum und Arbeitsplätze sichern. [Quellen: World Bank Januar 2026, World Bank Januar 2025]
Selektive Agenda:
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Kfz- Neuzulassungen sowie Kfz-Gebrauchtzulassungen für das Gesamtjahr 2025
11:00 Uhr, Wien: Ministerrat [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Martha Schultz bleibt für die gesamte Funktionsperiode bis 2030 WKÖ-Präsidentin. Kilian Wichmann ist seit dem 1. Jänner CSO von Swiss Life Select Österreich. Dr. Caroline Samwald hat die Position des Managing Directors bei CTP Austria übernommen. Konstantin Schaller wurde zum neuen Partner bei Simon-Kucher ernannt und verantwortet dort die Bereiche Energie & Versorgung sowie Insurance. Markus Blumauer verantwortet ab sofort Commercial Bereich bei wienerberger Österreich und Pipelife Austria.
Geburtstage: Wir gratulieren Brigitte Sindelar, Michael Höllerer und Oscar Bronner zum Geburtstag!
Sehen & gesehen werden:
17:00 Uhr, Graz: Neujahrsempfang des Militärkommandanten von Steiermark in der Belgier-Kaserne [invite only]