Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von David Schima, Sara Grasel, Stephan Frank, Maximilian Kern und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Heimische Wirtschaft erholt sich langsam. Vor dem Jahreswechsel hat sich die Stimmung in allen Wirtschaftssektoren außer dem Bau merklich verbessert. Der Konjunkturindikator der Bank Austria stieg im Dezember auf minus 0,7 Punkte – das ist der höchste Wert seit Mitte 2022. Für 2025 wird ein Anstieg des BIP um 0,5 % erwartet, heuer soll die österreichische Wirtschaft um 1,0 % und 2027 um 1,5 % wachsen. Auch der Arbeitsmarkt erholt sich langsam: Nach 7,4 % im Gesamtjahr 2025 soll die Arbeitslosenquote 2026 auf 7,3 % und 2027 zumindest auf 7,2 % zurückgehen. Da der Effekt des Auslaufens der Strompreisbremse nun wegfällt, dürfte die Inflation heuer auf 2,4 % sinken. Das EZB-Inflationsziel von 2,0 % scheint jedoch erst 2027 in Reichweite. [Quelle: Bank Austria | Grafik: Wirtschaftsprognosen für Österreich]
„Wirtschaftspolitik muss messbar sein“
Interview mit Kari Ochsner
Es sei gut, dass die Politik erkannt hat, „dass die Industrie ein massives Problem hat“, sagt der Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich, Kari Ochsner. Jetzt gehe es aber um die Umsetzung: „Es ist jetzt nicht die Zeit für Reförmchen, wir brauchen echte Reformen“. Was ihm fehlt, sind Strukturreformen bei Pensionen und Gesundheit, um Spielräume zu schaffen für Investitionsanreize. Das sei den Menschen zumutbar. Das gelte auch für ein Anheben der Arbeitszeit – wenn Metaller 39,5 statt 38,5 Wochenstunden arbeiten würden, würde sich das im BIP mit Milliarden niederschlagen. „Die Wahlen wird man dann verlieren, wenn man diese Reformen nicht umsetzt.“
💡 Mindestlöhne stärker als Inflation gestiegen. Der Tariflohnindex ist im Jahr 2025 mit 3,9 % deutlich stärker gestiegen als die Inflationsrate des Jahres 2024 von 2,9 %. „Seit der Jahrtausendwende sind die Mindestlöhne und -gehälter in Österreich mit wenigen Ausnahmen jährlich stärker gestiegen als die Inflation des Vorjahres. Auch 2025 gab es einen Reallohngewinn“, hält Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria, fest. Im Jahr 2023 gab es zwar einen Reallohnverlust (0,9 Prozentpunkte unter VPI), im Jahr 2024 konnte dieser mit einem Plus von 0,7 Prozentpunkten aber wieder weitestgehend ausgeglichen werden. [Quelle: Statistik Austria | Grafik von Christoph Hofer und Stephan Frank]

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Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
🇦🇹 Industrie vermisst noch ein paar Maßnahmen. Die Industriellenvereinigung hat gestern die ersten Teile, die von der Industriestrategie präsentiert wurden, gelobt. Man vermisse aber noch einige wichtige Maßnahmen, sagte IV-Präsident Georg Knill. Der FTI-Pakt ist demnach nach wie vor ausständig – er hätte bereits Ende 2025 vorgestellt werden sollen. Knill betonte, dass es bei der Forschungsfinanzierung keine Kürzungen geben dürfe. Das Bekenntnis zu einer Lohnnebenkosten-Senkung sei gut, stehe aber nur unter Vorbehalt. Es brauche außerdem messbare Leistungsindikatoren für den Standort, Innovationsanreize wie Superabschreibungen, eine Stärkung des Kapitalmarkts und ein Moratorium für Berichtspflichten. Außerdem mahnte die IV Strukturreformen ein. Maßnahmen über zusätzliche Belastungen zu finanzieren, sei der falsche Weg, so Knill. Viele Unternehmen und Branchen seien nach wie vor unter Druck, denn „die Rahmenbedingungen haben sich noch nicht geändert“ – einen Aufschwung hält Knill heuer nicht für einen Selbstläufer. Heute um 10 Uhr wird die vollständige Industriestrategie präsentiert. [Quellen: Pressekonferenz, IV]
🇦🇹 Industriestrategie bringt KPI-Monitoring mit Wettbewerbsradar. Um die Umsetzung der Industriestrategie 2035 zu überwachen, wird der Produktivitätsrat seinen jährlichen Produktivitätsbericht um ein Wettbewerbsradar erweitern. Zentrale KPIs der Strategie sind der Industrieproduktionsindex und der Anteil der Industrie an der heimischen Wertschöpfung. Die neue Taskforce Industrie (BMWET, BMIMI, BMEIA, Sozialpartner, IV und drei Experten) soll die Ergebnisse bewerten. „Entscheidungen werden nicht nach Bauchgefühl getroffen, sondern auf Basis von Studien, Daten und Fakten“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. [Quelle: BMWET-Aussendung]
🇦🇹 Handel fordert mehr Wettbewerb im Energiebereich. Nach über 1.200 Insolvenzen und einem realen Umsatzplus von 1 % im Jahr 2025 sieht sich der heimische Handel auch 2026 großen Unsicherheiten ausgesetzt. Zentraler Faktor bleibt die Inflation, getrieben vor allem durch hohe Energiepreise. „Wir brauchen eine Liberalisierung des Energiesektors und eine Auflösung der Kreuzbeteiligungen“, forderte die Vizepräsidentin des Handelsverbands (HV) Andrea Heumann. Zudem müsse man den Gedanken des Industriestrompreises auch auf den Handel übertragen. In Bezug auf die Mehrwertsteuersenkung auf bestimmte Lebensmittel zeigt sich HV-Geschäftsführer Rainer Will „froh, dass keine planwirtschaftlichen Ideen wie Preisdeckel gekommen sind.“ Man wolle die Senkung jedenfalls „1 zu 1“ an die Konsumenten weitergeben. [Quellen: Pressekonferenz, HV, Ö1]
** (Anzeige) Industrie ist überall! 2026 feiert die Industriellenvereinigung ihr 80-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum ist Anlass, die zentrale Rolle der Industrie für Österreich sichtbar zu machen – damals wie heute. [Mehr Info]

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🇦🇹 MwSt-Senkung auf Lebensmittel von Gegenfinanzierung abhängig. Der Warenkorb jener Produkte, die ab 1. Juli 2026 von der Mehrwertsteuersenkung betroffen sein werden, soll „entlang der Gegenfinanzierung“ zusammengestellt werden, so Vizekanzler Andreas Babler. Darin sollen Produkte des alltäglichen Bedarfs enthalten sein, die „massiv VPI-relevant“ sind, um das generelle Preisniveau zu senken, so Außenministerin Beate Meinl-Reisinger. Selbst wenn dadurch die Inflation nur um 0,2 Prozentpunkte gedämpft wird, wäre das „wesentlich“, um das Inflationsziel von 2,0 % zu erreichen, so Meinl-Reisinger weiter. Jedenfalls sollen Milch, Eier, Brot und Gemüse davon profitieren. „Sicherlich einige Euro“ pro Monat würde sich dadurch ein Durchschnittshaushalt laut Vizekanzler Babler ersparen. [Quellen: Ö1 – Babler, Meinl-Reisinger]
🇦🇹 Langfristige Strategie für Erdgas-Ausstieg gefordert. Nach der gesetzlichen Neuregelung des Strommarktes durch das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) fordern die Netzbetreiber auch die Neuregelung des Gasmarktes durch das Gaswirtschaftsgesetz (GWG), das Erneuerbaren-Gase-Gesetz (EGG) und entsprechenden Regelungen für Wasserstoff. „Der Ausstieg aus Erdgas muss strategisch gut geplant werden, da es sonst zu sehr teuren Doppelgleisigkeiten kommt“, mahnt Brigitte Ederer, die Sprecherin des Forums Versorgungssicherheit. Eine umfassende Energie-Raumplanung soll daher vorgeben, welche Gebiete weiterhin mit Gas versorgt werden sollen und welche nicht – und hierfür Ausstiegspflichten vorgeben. Der ungesteuerte Rückgang an Zählpunkten und die schrumpfende Nutzung führen derzeit dazu, dass gleichbleibende Kosten auf weniger Nutzer verteilt werden müssen. [Quelle: Forum Versorgungssicherheit, Pressegespräch | Grafik: Anstieg der Netzentgelte 2026]
🇪🇺 Industrieproduktion in der Eurozone gestiegen. Zwischen Oktober und November legte die Industrieproduktion im Euroraum um 0,7 % und in der EU um 0,2 % zu. Im Vergleich zum Vorjahr gab es Zuwächse von 2,5 % in der Eurozone und 2,2 % in der EU. In Österreich ging die Industrieproduktion im Monatsabstand um 0,9 % zurück, während sie im Jahresabstand um 1,0 % anstieg. Deutschland verzeichnete im Monatsvergleich ein Plus von 1,1 % und gegenüber 2024 einen Anstieg um 1,0 %. [Quelle: Eurostat | Grafik: Österreichs Industrie kommt nicht vom Fleck]
🇪🇺 Zustimmung des Parlaments entscheidend für Mercosur-Abkommen. Nach 25 Jahren Verhandlungen werden morgen in Asunción, Paraguay, das EU-Mercosur-Partnerschaftsabkommen (EMPA) sowie das zugehörige interimistische Handelsabkommen (iTA) unterzeichnet. Die formelle Umsetzung hängt jedoch noch von der Zustimmung des EU-Parlaments ab. Politico berichtet aus Parlamentskreisen, dass die Zustimmung zum Gesamtabkommen derzeit voraussichtlich sehr knapp ausfallen könnte. Am 21.1.2026 stimmen die Abgeordneten zudem über einen Antrag ab, der ein Gutachten des Europäischen Gerichtshofs zur Vereinbarkeit der Abkommen mit den EU-Verträgen vorsieht. Wird der Antrag angenommen, würde dies den Ratifizierungsprozess bis zur Klärung durch den EuGH aussetzen. [Quellen: Europäischer Rat, Rat der EU, EU-Parlament, Euronews, Politico Brussels Playbook]
🇪🇺 🇮🇳 EU-Indien-Gipfel Ende Jänner. Am 27. Jänner empfängt Indiens Premierminister Narendra Modi EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, in Neu Delhi. Im Mittelpunkt des Treffens stehen die bereits fortgeschrittenen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien, ergänzt um Gespräche zu Sicherheits- und Verteidigungsfragen. Vor diesem Hintergrund sprechen sich sowohl der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz als auch der indische Staatssekretär für Handel, Rajesh Agrawal, für einen zügigen Abschluss aus. Agrawal geht davon aus, dass das Abkommen bis Ende des Monats abgeschlossen werden kann. [Quellen: Europäischer Rat, Indisches Außenministerium, Deutsche Bundesregierung, Reuters | Reaktionen: Neos]
🇩🇪 Deutsche Wirtschaft 2025 gewachsen. Das deutsche BIP ist 2025 nach 2 Jahren Rezession im Vergleich zum Vorjahr real um 0,2 % gestiegen. Getrieben wurde das Wachstum vor allem durch höhere Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates. Die Exporte sowie die Investitionen gingen erneut zurück. Das staatliche Haushaltsdefizit sank um 0,3 Prozentpunkte auf 2,4 % des BIP. Die Staatsquote stieg zum ersten Mal seit 2020/21 wieder auf über 50 %. [Quellen: Statistisches Bundesamt, dt. Wirtschaftsministerium]
🇨🇳 Chinas Notenbank will Wirtschaft ankurbeln. Die chinesische Zentralbank senkt ihren Leitzinssatz ab 19. Jänner um 0,25 Prozentpunkte. Damit soll dem Einbruch des Immobilienmarktes entgegengewirkt und der private Konsum wieder angetrieben werden. Ökonomen erwarten für 2026 ein Wachstum der chinesischen Wirtschaft um 4,5 %, was einer Verlangsamung im Vergleich zu den Vorjahren entsprechen würde. Das jährliche Wachstumsziel der Regierung in Peking liegt bei etwa 5 %. [Quelle: Reuters]
🇬🇧 Britische Wirtschaft wächst dank Industrie. Im November stieg das BIP in Großbritannien gegenüber dem Vormonat um 0,3 %. Analysten hatten mit einem Wachstum von lediglich 0,1 % gerechnet. Hauptgrund für den Anstieg war die starke Industrieproduktion, die allein zwischen Oktober und November um 1,1 % zulegte. Die Bauwirtschaft bremste mit einem Rückgang von 1,3 % ein noch stärkeres Wachstum. [Quelle: ONS]
🌐 Preisdeckel für russisches Öl wird gesenkt. Mit 1. Februar wird die Preisgrenze für ein Barrel russischen Öls von 47,60 auf 44,10 US-Dollar herabgesetzt. Diese Obergrenze stellt eine gemeinsame Sanktion der EU, USA, Japan, Kanada und Großbritannien dar. [Quellen: EU-Kommission, Commission Notice]
Selektive Agenda:
Heute, Berlin: Außenministerin Meinl-Reisinger trifft deutschen Amtskollegen Wadephul
10:00 Uhr, Wien: Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer, Infrastrukturminister Hanke und Staatssekretär Schellhorn präsentieren die Industriestrategie [Info, Livestream]
12:00, Wien: EU-Parlamentspräsidentin Metsola in Österreich – 13:00 Uhr: Empfang durch Bundeskanzler Stocker [Info]
Samstag, Asuncion, Paraguay: Unterzeichnung des Mercosur-Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten u. a. mit EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Mit Jahresanfang 2026 hat Regina Fuchs die Leitung der Hauptabteilung Statistik in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) übernommen. Sandra Bodi, Anthony Crow und Anna Geher sind neu in der Geschäftsleitung von OTTO Immobilien.
Geburtstage: Wir gratulieren Reinhard Bösch und Thaddaeus Ropac zum Geburtstag! Am Samstag haben Adele Neuhauser und Stefan Petzner, am Sonntag Alexander Van der Bellen, Viktor Gernot und Karin Kneissl Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
Heute, 15:00 Uhr, St. Pölten: Verleihung des österreichweiten kirchlichen Umweltpreises 2025 u. a. mit Alois Schwarz und Norbert Totschnig im Bildungshaus St. Hippolyt [Info, Anmeldung]
Samstag, 19:00 Uhr, Salzburg: Premiere „Giulio Cesare“ von Georg Friedrich Händel im Salzburger Landestheater [Info]
Samstag, 19:30 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion zum 100. Geburtstag des Künstlers Hubert Aratym u. a. mit André Heller und Andrea Eckert im [Info]