Morning in Brief

Morning in Brief, 20. Jänner 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von David Schima, Stephan Frank, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Immobilienpreise sollen 2026 stark steigen. Nachdem die Preise am heimischen Immobilienmarkt zwischen dem 3. Quartal 2022 und dem 4. Quartal 2024 um 5 % zurückgegangen waren, zogen sie im Gesamtjahr 2025 wieder um 0,9 % an. Heuer soll Wohneigentum um 2,5 % teurer werden als im Vorjahr. „Die Zeit sinkender Immobilienpreise in Österreich ist vorbei“, so Raiffeisen-Research-Ökonom Matthias Reith. Gründe dafür seien gestiegene Einkommen sowie ein Rückgang bei den Fertigstellungen bei wachsender Bevölkerung. Auch die Zinswende der EZB, die den Leitzinssatz schrittweise von 3,15 auf 2,15 % senkte, und die KIM-Verordnung, die strengere Kreditvergaberegeln vorgab, hatten einen preistreibenden Effekt. „Anders als für die Gesamtwirtschaft ist für den Wohnbau wohl auch 2026 ein Stagnations- oder gar Rezessionsjahr“, prognostiziert Raiffeisen-Research-Chefanalyst Gunter Deuber. Das zeige sich vor allem in Wien, wo von einer weiteren Wohnraumverknappung auszugehen sei. [Quelle: Raiffeisen | Grafik: Neubau-Tiefpunkt noch nicht erreicht]

„Ein Handelskrieg würde insbesondere Österreich schaden“
Interview mit Igor Sekardi

Kein halbes Jahr nach Abschluss des Handelsdeals mit den USA droht US-Präsident Donald Trump mit neuen Strafzöllen gegen einzelne EU-Länder – ausgelöst durch den Streit um Grönland. Ein Handelskrieg würde vor allem exportstarke Volkswirtschaften wie Österreich hart treffen. „Im Handel mit den USA gab es im Vorjahr bereits einen Einbruch um 21 Prozent. Das ist für Österreich besonders schwierig“, analysiert IV-Bereichsleiter Igor Sekardi. Die Souveränität der EU-Staaten sei jedoch eine rote Linie. Europa brauche nun dringend mehr Unabhängigkeit im Welthandel. Nach einer schnellen Ratifizierung von Mercosur sollte man neue Handelspartnerschaften etwa mit Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten zügig vorantreiben, so Sekardi.

💡 Inflationsrate sinkt zum Jahresabschluss leicht. Die jährliche Inflationsrate im Dezember sank in Österreich auf 3,8 % (HVPI) – nach 4,0 % im November. Im Euroraum war die Inflation mit 1,9 % nur halb so hoch (November: 2,1 %) während sie in Deutschland 2,0 % betrug (November: 2,6 %). Österreich und Kroatien hatten im Dezember 2025 mit 3,8 % die vierthöchste Inflationsrate in der EU, nachdem sie in Österreich ein Jahr zuvor noch bei 2,1 % lag. Die höchste Inflationsrate wurde in Rumänien mit 8,6 % gemessen, die niedrigste in Zypern mit 0,1 %. [Quelle: Eurostat | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

🇦🇹 Inflation 2025 bei 3,6 %. Die Teuerung in Österreich lag im Gesamtjahr 2025 bei 3,6 % und damit um 0,7 Prozentpunkte über der Jahresinflation von 2024. Preistreiber waren vor allem die hohen Energiepreise (+5,1 %) vor dem Hintergrund des Auslaufens der Strompreisbremse sowie Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak (+3,6 %) aufgrund des steigenden Preisdrucks. In der Gastronomie lagen die Preise unter dem Vorjahresniveau, zogen jedoch um 5,8 % an. Die Treibstoffpreise wirkten hingegen mit einem Rückgang um 3,6 % preisdämpfend. Die Kerninflation lag im Jahresdurchschnitt bei 3,3 %, nach 3,8 % im Vorjahr. Auch der international vergleichbare harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) zeigte für Österreich einen Anstieg des Preisniveaus um 3,6 %. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Datenbank für Entwicklung von Lebensmittelpreisen gestartet. Das neue „Preisradar“ der Statistik Austria zeigt Preisveränderungen bestimmter Produkte ab 2023 an. Auch internationale Vergleiche verschiedener Produktgruppen sind möglich. Enthalten sind rund 100 Lebensmittel, darunter Brot, Milch, Eier sowie bestimmte Obst- und Gemüsesorten. Es stützt sich auf die Verbraucher-, Großhandels-, Import-, Agrar- und Erzeugerpreise. Dadurch könne man die Preisentwicklung entlang der gesamten Wertschöpfungskette „vom Feld bis zum Supermarktregal“ untersuchen, so Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig. Ob die Mehrwertsteuersenkung auf bestimmte Lebensmittel einen inflationsdämpfenden Effekt habe, sei vorerst abzuwarten, so Statistik-Austria-Direktorin Manuela Lenk. Die von Vizekanzler Babler am Sonntag vorgestellte Lebensmittelliste sei jedenfalls „nicht akkordiert“ und müsse erst ausverhandelt werden, erklärte Staatssekretär Sepp Schellhorn. [Quellen: Statistik Austria I, Statistik Austria II, BMF – Pressekonferenz, Aussendung I, Aussendung II, | Reaktionen: Foodwatch]

🇦🇹 Handelsarbeiter stimmen über KV-Abschluss ab. In der 4. Runde der Kollektivvertragsverhandlungen haben die Arbeitgeber weiterhin eine Lohnerhöhung von 2,55 % angeboten. Das entspricht dem Abschluss der Handelsangestellten und der Empfehlung für eine freiwillige Erhöhung ab 1. Jänner, die die WKÖ vor einer Woche ausgesprochen hatte. Die Kältezulage soll um 4,65 % steigen und die Nachtzulage um 4,35 %. Das sei kein „Quantensprung“, so die Gewerkschaft vida, aber „mehr, als die Arbeitgeber ursprünglich zugestehen wollten“. Nun sollen die Beschäftigten über das Angebot abstimmen – ein Ergebnis werde erst „in den kommenden Wochen“ erwartet. [Quellen: vida, WKÖ | Grafik: Zwischenstand der Herbstlohnrunden 2025]

🇦🇹 Industrie lehnt Bonus-Malus-System zur Beschäftigung Älterer ab. Im Jahr 2025 ist die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter erstmals geschrumpft. Auch heuer wird ein Rückgang um 13.000 Personen erwartet, nächstes Jahr um weitere 19.000. Damit die Zahl der Erwerbspersonen trotzdem weiter zunehmen kann, muss die Beschäftigung von Älteren steigen, so Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr. Die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters bringt hier bereits erste Wachstumseffekte. Arbeiterkammerpräsidentin Renate Anderl will die Beschäftigung Älterer durch ein Bonus-Malus-System forcieren. Unternehmen, die überdurchschnittlich viele Über-60-Jährige anstellen, sollen einen finanziellen Vorteil haben, während Unternehmen unter dem Schnitt finanziell belastet werden sollen. 29 % der mittleren und größeren Betriebe würden nämlich gar keine 60- bis 64-Jährigen beschäftigen, wie Anderl kritisierte. Die Industriellenvereinigung lehnt ein Bonus-Malus-System ab, viel eher müssten die „Altersgrenzen den demografischen Realitäten angepasst werden“ und die „Türen in die Frühpension geschlossen“ werden, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. [Quellen: Pressekonferenz Anderl/Felbermayr, Arbeiterkammer | Reaktionen: IV, Seniorenbund, WKÖ, Wirtschaftsbund | Grafik: Was die Anhebung des Frauenpensionsalters bringt]

🇦🇹 Logistikstandortstrategie soll im Juni 2026 präsentiert werden. In Abstimmung mit den Zielsetzungen der Industriestrategie entwickelt das Infrastrukturministerium bis Juni 2026 die Logistikstandortstrategie. Diese konzentriert sich auf 10 definierte Themenfelder. Ziel ist es, Lösungen für die Herausforderungen des Fachkräftemangels, der technologischen Transformation durch den Einsatz von KI und der zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeit, insbesondere der ESG-Kriterien, zu erarbeiten. Bis Juni sollen in Zusammenarbeit mit der Logistikbranche, Fachleuten, Sozialpartnern und Interessenvertretungen konkrete Maßnahmen erstellt werden. [Quellen: BMIMI Pressemeldung, Logistikstandortstrategie | Reaktion: Zentralverband Spedition & Logistik

🇪🇺 EU bereitet Antwort im Zoll-Streit um Grönland vor. Der EU-Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs zum Streit um Grönland und die im Raum stehenden höheren US-Zölle gegen einige EU-Länder wird am Donnerstag um 19 Uhr stattfinden. Der Fokus liege auf Deeskalation, so Bundeskanzler Christian Stocker gestern. Man müsse aber selbstbewusst und geschlossen reagieren sowie „alle zur Verfügung stehenden Instrumente in Betracht ziehen“. Schon am 7. Februar könnten Gegenzölle im Ausmaß von 93 Mrd. Euro in Kraft treten. Diese wurden im Zuge der Zoll-Verhandlungen vergangenen Sommer vorbereitet und aufgrund der Einigung Anfang September bis 6. Februar ausgesetzt. Gleichzeitig warnten die EU-Spitzen vor Strafzöllen und pochten auf Deeskalation. Dänemark und Grönland haben gestern eine NATO-Mission für Grönland vorgeschlagen. [Quellen: EU-Kommission, APA via Medienberichte]

🇩🇪 6.000 Euro E-Auto-Förderung. Deutschland hat ein neues Förderprogramm für die Anschaffung von Elektroautos und Plug-In-Hybriden aufgelegt. Unabhängig vom Listenpreis können je nach Fahrzeug, Einkommen und Familiengröße rückwirkend ab 1. Jänner 2026 zwischen 1.500 und 6.000 Euro beantragt werden. Hierfür werden insgesamt 3 Mrd. Euro budgetiert, was für 800.000 Fahrzeuge im Zeitraum von 2026 bis 2029 ausreichen soll. Alle geförderten Fahrzeuge müssen mindestens 36 Monate gehalten werden. [Quelle: BMUKN]

🇩🇪 Deutsche Mietpreise steigen. Im 4. Quartal erhöhten sich die Angebotsmieten im Quartalsvergleich real um 0,7 % und im Vorjahresvergleich um 2,3 %. Damit sind die Angebotsmieten seit 2015 um 14 % stärker gestiegen als die Teuerung. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Wohnungsinserate, und der Anteil befristeter Verträge sowie möblierter Wohnungen erreicht ein Rekordhoch. [Quelle: Kiel Institut]

🌐 Weltwirtschaft soll heuer um 3,3 % wachsen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognosen zur globalen Konjunkturentwicklung nach oben korrigiert. Statt 3,1 % soll die Weltwirtschaft heuer um 3,3 % wachsen. Nächstes Jahr werden dann 3,2 % erwartet. Der „Gegenwind“ wechselhafter Handelspolitik würde durch den „Rückenwind“ steigender Technologie- und KI-Investitionen ausgeglichen. Abwärtsrisiken sieht der IWF in der Reevaluierung der erwarteten Produktivitätszuwächse durch KI, was eine „abrupte Finanzmarktkorrektur“ auslösen könnte. Auch eine Verschärfung der Handelskonflikte könnte Unsicherheiten verlängern und die Wirtschaftsaktivität dämpfen. Die weltweite Inflation soll heuer von 4,1 auf 3,8 % sinken, nächstes Jahr dann weiter auf 3,4 %. [Quelle: IWF]

🌐 Neues Gold- und Silber-Rekordhoch. Vor dem Hintergrund der US-Bedrohung Grönlands hat der Goldpreis heute früh mit 4.706,12 US-Dollar pro Feinunze einen neuen Höchstpreis erzielt. Der Preis stieg damit allein in diesem Jahr um über 8 %. Der Silberpreis legte seit Jahresbeginn um mehr als ein Viertel zu und erreichte mit 94,61 US-Dollar pro Feinunze heute früh ebenfalls einen neuen Rekord. [Quellen: Reuters, Tradingview – Gold, Silber]

Selektive Agenda:

Heute, Straßburg, Frankreich: Plenartagung des Europaparlaments (bis 22.1.) [Info]

Heute, Davos, Schweiz: 2. Tag des Weltwirtschaftsforums WEF u. a. mit Bundeskanzler Stocker und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen (bis 23.1.) – 10:50 Uhr: Grundsatzrede von der Leyen [Info]

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Beherbergungsbetriebe und Betten der Wintersaison 2024/25 und Sommersaison 2025

10:00 Uhr, Wien: Wehrdienstkommission präsentiert Abschlussbericht [Info]

10:00 Uhr, Brüssel: EU-Rat „Wirtschaft und Finanzen“ (ECOFIN) mit Finanzminister Marterbauer [Info]

10:00 Uhr, Wien: Ministerrat [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Werner Seirlehner und Roger Roth werden neue Competence Center Manager bei GrECo. Ernst Gauhs folgt Josef Dietrich als Präsident der Wiener Produktenbörse. Julia Lessacher wurde als Nachfolgerin von Markus Rumelhart als Bezirksvorsteher von Mariahilf vorgeschlagen. Tina Altmann, Stephan Heschl und Matthew Rossetti sind mit Jahreswechsel auf Partnerlevel bei Deloitte Österreich gewechselt. Peter Saak übernimmt mit Jahresbeginn die Funktion des Chief of Integrated Printing & Services Group bei Canon EMEA.

Geburtstage: Wir gratulieren Hannes Ametsreiter und Günther Steinkellner zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

Spotted. Beim Neujahrsempfang des Europäischen Parlaments in Wien wurden neben dem Gastgeber Georg Pfeifer u. a. gesehen: Lukas Mandl, Alexander Bernhuber, Andreas Schieder, Evelyn Regner, Helmut Brandstätter, Anna Stürgkh, Thomas Waitz, Otmar Lahodynsky uvm.

18:00 Uhr, Wien: Neujahrsempfang der Universitätenkonferenz am Erste Bank Campus [invite only]

19:30 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion „Europa am Scheideweg – Zwischen Angst und neuer Hoffnung“ mit Alma Zadić, Sigrid Stagl und Erwin Wagenhofer im WUK [Info]

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