Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Christoph Hofer, Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇺🇸 🌐 Trump sagt Zusatzzölle ab. US-Präsident Donald Trump hat nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte die Einigung auf ein Rahmenabkommen im Bezug auf Grönland verkündet. Daher werde er die Zusatzzölle auf 8 Nato-Staaten in Höhe von 10 % nicht wie ursprünglich angedroht mit 1. Februar einheben. Zuvor hatte Trump in seiner Rede am Weltwirtschaftsforum in Davos noch „sofortige Verhandlungen zum Erwerb Grönlands durch die USA“ gefordert. Weitere Gespräche zum Thema Grönland und dem geplanten US-Raketenabwehrschirm „Golden Dome“ sollen nun von US-Vizepräsident Vance, US-Außenminister Rubio und US-Sondergesandtem Witkoff geführt werden, so Trump. Heute Abend findet ein Sondergipfel des Europäischen Rates in Brüssel statt, bei dem die EU-Staats- und Regierungschefs das weitere Vorgehen besprechen wollen. [Quellen: Trump auf Truth Social, Rede Trumps beim WEF, Europäischer Rat, Reuters]
„Müssen in Zukunft aus Situation wirtschaftlicher Stärke agieren“
Interview mit Martin Braml
Der Außenhandelsökonom Martin Braml sieht Trumps jüngste Zolldrohung als konsequente Fortführung seines unberechenbaren Stils: „Trump unterscheidet erkennbar nicht zwischen Freund und Feind.“ Auch die Existenz von Abkommen schütze einen nicht. Volkswirtschaftlich wären zusätzlich 10-Prozent-Zölle verkraftbar gewesen, der wahre Schaden entstehe jedoch durch geopolitische Unsicherheit und Investitionsrückgang, so Braml. Er rät der EU zu entschlossenen Gegenmaßnahmen und Strukturreformen. „Wir müssen in Zukunft aus einer Situation der wirtschaftlichen Stärke heraus agieren können.“ Nur dann könne man auch Augenhöhe mit den USA und China herstellen.
💡 Kaum Vorkommen Seltener Erden im Westen. Der Markt für Seltene Erden wird aktuell stark von China dominiert. Nicht nur der Großteil der weltweiten Verarbeitung findet dort statt – China verfügt auch über die mit Abstand größten bekannten Reserven: rund 44 Mio. Tonnen REO (Rare-Earth-Oxide-Äquivalent), was etwa 48 % der globalen Gesamtreserven entspricht. Weitere bedeutende Reserven befinden sich in Brasilien (23,1 %), Indien (7,6 %) und Australien (6,3 %). Die USA kommen auf 1,9 Mio. Tonnen (2,1 %), Grönland auf 1,5 Mio. Tonnen (1,7 %) REO. Seltene Erden wie Neodym, Dysprosium oder Terbium sind für die Produktion moderner Halbleiter und damit für die Schlüsseltechnologien der Künstlichen Intelligenz unverzichtbar. [Quelle: U.S. Department of the Interior | Grafik von Christoph Hofer]

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Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
🇦🇹 Neue Abkommen gegen „darwinistische Weltordnung“. Im Rahmen eines Pressegesprächs bei der Industriellenvereinigung (IV) warnte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer vor einer neuen „darwinistischen Weltordnung“, die die regelbasierte internationale Ordnung ablöst. Als Antwort brauche es bei künftigen Handelsabkommen einen stärkeren Fokus auf Versorgungssicherheit sowie engere Partnerschaften mit nahestehenden Ländern wie Israel, Kanada, Japan oder Südkorea. „Die wirksamste Waffe gegen USA und China ist, wenn der Rest der Welt sich zusammenschließt”, so Hattmannsdorfer. Ein patriotisches Vergaberecht schaffe darüber hinaus Wertschöpfung in der Region und sichere heimische Arbeitsplätze. Die öffentliche Hand könne hierdurch „erster Kunde werden, um neue Technologien auf den Markt zu bringen“, so IV-Präsident Georg Knill. Bis Ende Februar soll eine UVP-Novelle vorliegen, um Energieprojekte zu beschleunigen. Für die 9 in der Industriestrategie definierten Schlüsseltechnologien ist ein eigenes Beschleunigungsgesetz geplant. [Quelle: IV-Pressegespräch]
🇦🇹 Rückgang der CO₂-Emissionen 2024. Von 2023 auf 2024 sind Österreichs Treibhausgasemissionen um 3 % gesunken. Kumuliert über die letzten 3 Jahre ergibt sich damit ein Rückgang von 15 % beziehungsweise 11 Mio. Tonnen CO₂‑Äquivalente. Das Umweltbundesamt führt den Rückgang 2024 auf die schwache Konjunktur, geopolitische Unsicherheiten und die milde Witterung zurück. Für 2025 wird ein Anstieg von 1,5 % erwartet. [Quelle: Umweltbundesamt]
🇦🇹 Rekordnachfrage nach neuen Bundesanleihen. Die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) hat gestern die ersten Anleihen des Jahres begeben. Neu war eine 10-jährige Anleihe mit einem Volumen von 5,5 Mrd. Euro, aufgestockt wurde eine grüne Anleihe mit Laufzeit bis 2049 um 1,25 Mrd. Euro. Die Nachfrage war stark – am Ende stand das Orderbuch bei 116 Mrd. Euro und damit laut OeBFA auf einem Rekordstand. Für heuer sind noch zwei weitere Syndizierungen geplant. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 Neuer Kollektivvertrag für die Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie. Ab 1. Februar steigen die Ist- und Mindestbezüge, die Lehrlingseinkommen sowie die Zulagen in der Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie um 3,2 %. Zusätzlich ist eine Einmalzahlung von 400 Euro brutto vorgesehen. Diese kann entweder ausgezahlt oder alternativ als ein zusätzlicher freier Arbeitstag in Anspruch genommen werden. [Quelle: WKÖ]
🇦🇹 Nationalrat beschließt Sommerschule und Überstundenregeln. Der Nationalrat hat die Einführung einer verpflichtenden Sommerschule mit Deutschunterricht für außerordentliche Schüler ab Sommer 2026 beschlossen. Weiters wurde eine Novelle zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen beschlossen. Sie setzt die EU-Richtlinie um, die eigentlich schon 2024 in nationales Recht hätte übernommen werden sollen. Eine Novelle des Einkommensteuergesetzes reduziert die Zahl steuerlich begünstigter Überstunden schrittweise von 18 auf 10 Stunden. Rückwirkend ab 1.1.2025 bleiben Zuschläge für bis zu 15 Überstunden im Monat und bis zu 170 € steuerfrei. Ab 2027 gilt wieder der ursprüngliche Wert von 10 Überstunden bis maximal 120 €. Das Feiertagsarbeitsentgelt ist bis 400 € steuerfrei. Der ursprünglich für gestern geplante Beschluss der „Beleglotterie“ wurde vertagt. [Quellen: Parlamentskorrespondenz – Sommerschule, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Überstunden, Beleglotterie | Reaktionen: WKÖ]
🇦🇹 🇩🇪 Fachkräftemangel belastet Mittelstand. Zwei Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Österreich gaben 2025 an, Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Fachkräften zu haben. Die Hälfte der KMU kann offene Stellen generell nicht besetzen, im Gesundheits- und Life-Science-Sektor liegt dieser Anteil bei 79 %. 35 % der mittelständischen Unternehmen berichten, dass unbesetzte Stellen zu Umsatzeinbußen oder nicht ausgeschöpften Geschäftspotenzialen führen. Neben dem Fachkräftemangel sehen die Unternehmen weitere zentrale Risiken in einer möglichen Rezession (65 %), hohen Energiepreisen (61 %) und der Inflation (62 %). In Deutschland entfallen 71,1 % der Fachkräftelücke auf kleine und mittlere Unternehmen. [Quellen: EY, IW Köln | Grafik: Zahl offener Stellen fällt auf Vorkrisenniveau]
🇩🇪 Stahlproduktion in Deutschland sinkt. 2025 wurden in Deutschland 34,1 Mio. Tonnen Stahl produziert, 3,1 Mio. Tonnen weniger als 2024. Seit 1990 gab es nur 2009 eine vergleichbar niedrige Produktion. Zum 4. Mal in Folge lag die Stahlproduktion unter der Schwelle der Kapazitätsauslastung, die 2025 bei unter 70 % lag. Auch die Stahlnachfrage blieb unter dem Durchschnitt der letzten 4 Jahre. Jede 3. in der EU eingesetzte Tonne Stahl stammt aus dem Nicht-EU-Ausland. [Quelle: WV Stahl – 2025, 2024]
🇪🇺 🇺🇸 EU-US-Zolldeal auf Eis. Der Handelsausschuss des Europäischen Parlaments hat beschlossen, die rechtliche Umsetzung des EU-US-Zolldeals vorerst auszusetzen. Es bleibe „angesichts der eskalierenden Drohungen und Zolldrohungen gegen Grönland und Dänemark sowie europäische Verbündete keine andere Wahl“, als die Arbeit an den Gesetzesvorschlägen auszusetzen. Weitere Schritte würden erst unternommen werden, wenn die USA „einen Weg der Zusammenarbeit statt der Konfrontation einschlagen“. Die von den USA angedrohten – und nun vorerst wieder abgesagten – Zusatzzölle auf 8 Nato-Länder hätten Österreich laut einer OeNB-Analyse kurzfristig einen Rückgang der Wertschöpfung von 0,02 % beschert. Langfristig hätten die Zölle zu Einbußen von 0,15 % des heimischen BIP führen können. [Quellen: Europäisches Parlament, Bernd Lange auf X, OeNB-Analyse | Grafik: USA & EU: füreinander wichtigster Exportmarkt]
🇪🇺 EU-Parlament verzögert Mercosur. Mit einer knappen Mehrheit von 334 zu 324 Stimmen hat das Europäische Parlament beschlossen, dass der EuGH die Vereinbarkeit des EU-Mercosur-Abkommens mit den EU-Verträgen prüfen soll. Diese Prüfung verzögert die Ratifizierung des Abkommens um bis zu 2 Jahre. Wirtschafts- und Industrievertreter sprechen von einer „grob fahrlässigen“ Entscheidung; das sei ein „Eigentor“, so Bernd Lange, der Handelsausschussvorsitzende des Europäischen Parlaments. Auch für Wirtschaftsstaatssekretärin Elisabeth Zehetner kommt die „bedauerliche“ Entscheidung „zur Unzeit“ – gerade jetzt brauche es strategische Partnerschaften und verlässliche Handelsabkommen, so Zehetner. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Neos sprechen sich für eine vorläufige Anwendung des Abkommens aus. [Quellen: Europäisches Parlament, Merz auf X, Söder auf X, Lange auf X, Statement BMWET | Reaktionen: IV, IV Wien, Neos, Unos, WKÖ, Attac, FPÖ, Grüne | Grafik: Oberösterreich profitiert am meisten von Mercosur]
🌐 USA bei KI führend, Europa und China mit Abstand. Der Strategic AI Capability Index (SACI) von KPMG weist die USA als klar führend bei den globalen KI-Fähigkeiten aus. Mit 75,2 Punkten liegen sie vor Europa (48,7) und China (48,2), getragen von einer raschen KI-Adoption in Unternehmen, tiefen Kapitalmärkten und einer skalierbaren digitalen Infrastruktur. Während Europa im Index v. a. bei Governance und Responsible AI punktet, bremsen eine fragmentierte Marktstruktur und die langsame Kommerzialisierung von Innovationen den Ausbau der KI-Wettbewerbsfähigkeit. China wiederum verfügt über starke industrielle Kapazitäten und eine hohe Hardware-Souveränität, wird jedoch durch geringere internationale Offenheit und ein niedrigeres öffentliches Vertrauen eingeschränkt. [Quelle: KPMG]
🌐 Ölangebot und -nachfrage steigen 2026. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet für 2026, dass das weltweite Ölangebot um 2,5 Mio. Barrel pro Tag (bpd) auf 108,7 Mio. bpd steigt, nach einem Plus von 3 Mio. bpd im Vorjahr. Die globale Ölnachfrage soll um 930.000 bpd zunehmen, nach 850.000 bpd im Vorjahr. Laut IEA wird das Nachfragewachstum von der Normalisierung der Wirtschaft nach den Handelsspannungen des Vorjahres sowie niedrigeren Ölpreisen beeinflusst und kommt vollständig aus Nicht-OECD-Ländern. Nach den Entwicklungen im Iran und Venezuela stiegen die Rohölpreise zu Jahresbeginn um etwa 6 Dollar pro Barrel, haben seitdem aber wieder nachgegeben und liegen derzeit bei rund 64 Dollar. [Quelle: IEA]
Selektive Agenda:
Heute, Straßburg: Plenartagung des Europaparlaments u. a. Abstimmung über Misstrauensantrag gegen die EU-Kommission (letzter Tag) [Info]
Heute, Davos: 4. Tag des Weltwirtschaftsforums WEF (bis 23.1.) [Info]
Heute, Oberösterreich: Streik in den Ordensspitälern [Info]
Heute, Lefkosia, Zypern: Innenminister Karner nimmt am informellen Treffen der EU-Justiz- und Innenminister teil (bis 23.1.) [Info]
13:00 Uhr, Wien: Demonstration der Gewerkschaft GPA anlässlich der 5. Verhandlungsrunde in der IT-Branche [Info]
16:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission gibt Vorabschätzung des Verbrauchervertrauens im Jänner bekannt
19:00 Uhr, Brüssel: Sondergipfel des Europäischen Rates mit Bundeskanzler Stocker [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Petr Snobl wird Chief Operating Officer und Marjan Hudoklin Chief Technology Officer bei Steyr Arms. Sandra Pillwatsch ist seit Dezember 2025 neue Leiterin des Bereichs Human Resources der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Boris Vujčić wird EZB-Vizepräsident. Oliver Stribl übernimmt interimistisch die Geschäftsführung der Wien Holding.
Geburtstage: Wir gratulieren Christoph Schönborn und Peter Pilz zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
10:00 Uhr, Wien: ÖBB-CEO Andreas Matthä im Klub der Wirtschaftspublizisten [Info]
18:30 Uhr, Kitzbühel: „Special Dinner for Climate Action“ im Stanglwirt mit Arnold Schwarzenegger [Info]
19:00 Uhr, Wien: „Bruno Kreisky and the Middle East – Building diplomacy and reconstructing peace“ anlässlich des 115. Geburtstags von Bruno Kreisky; u. a. mit Andreas Babler, Corinna Milborn und Wolfgang Petritsch im Bruno Kreisky Forum [Info]
19:30 Uhr, Salzburg: Eröffnungskonzert der Mozartwoche [Info]