International

Interview

US-Sicherheitsberater: „Der größte Sieger des Iran-Kriegs ist Wladimir Putin“

US-Sicherheitsberater Jake Sullivan kritisiert scharf, dass es sich beim Iran-Krieg um „einen Krieg der Wahl, keinen Krieg der Notwendigkeit“ handelt, den Donald Trump begonnen habe – ohne unmittelbare Bedrohung und ohne klare Ziele. „Die Trump-Administration hat die Möglichkeit verpasst, den diplomatischen Weg zu gehen“, so Sullivan. Er verweist auf ernsthafte iranische Vorschläge kurz vor der Eskalation. Der fragile Waffenstillstand sei nun kurzfristig positiv, weil er Kämpfe und die Blockade der Straße von Hormus beende. Langfristig warnt Sullivan jedoch vor einem neuen Status Quo, in dem der Iran die Meerenge stärker kontrolliert. Größter Profiteur des Konflikts sei Wladimir Putin durch höhere Ölpreise, gelockerte Sanktionen und aus der Ukraine umgelenkte US-Waffen. Sullivan plädiert für internationale Einheit gegen Irans Druckmittel und mehr Energie-Resilienz in Europa. In der neuen Ära der Geopolitik, in der wir uns befinden, sei es auch legitim, dass über Österreichs Neutralität neu debattiert werde.

Jake Sullivan war von 2021 bis 2025 Nationaler Sicherheitsberater im Kabinett Biden © Jake Sullivan/Montage: Selektiv
Kommentar von Laura Raggl

Österreich exportiert viel, aber zu wenig Neues

Exportwachstum gibt es in Österreich vor allem innerhalb bestehender Handelsbeziehungen. Neue Märkte, neue Produkte und neue Unternehmen spielen eine geringe Rolle. Österreich lebt wirtschaftlich von dem, was es gestern schon gut konnte – und genau das wird zum Problem, wenn die Dynamik nachlässt.

Kommentar von Heike Lehner

Der Nährboden der nächsten Inflationswelle

Die Zinsen halten still. Doch bei all dem Abwarten und Tee trinken dürfen wir nicht den Fehler machen, die Anfänge der letzten Hochinflationsphase vor ein paar Jahren mit der aktuellen zu vergleichen. Die Ausgangslage hat sich verändert. Damals kamen wir aus einem Jahrzehnt mit niedrigen Zinsen und niedriger Inflation. Heute rutschen wir von der einen Hochinflationsperiode potenziell in die nächste. Und genau dieser Nährboden ist es, wieso wir vorsichtig sein müssen.

Wohin mit dem Geld? Von Monika Rosen

Öl und Gold vom Krieg unterschiedlich betroffen

Der Krieg im Mittleren Osten hat den Ölpreis massiv in die Höhe getrieben. Gleichzeitig konnte Gold seine Rolle als Krisenwährung nicht in gewohnter Manier ausspielen. Was sind die Hintergründe, und warum hat Europa mit dem aufgewerteten Dollar jetzt ein zusätzliches Problem?

Kommentar von Bernhard Seyringer

Für China ist der Irankrieg ein katastrophales Erdbeben

Chinas außenpolitische Architektur im Nahen Osten ist wie ein Kartenhaus zusammengebrochen. Der Iran war die wichtigste Säule im diplomatischen Konzept in einer Region, über die Peking bis dato weder Expertise oder Erfahrung hatte. China verliert dadurch massiv an Einfluss.

Interview

Copa-Data-CEO: „Das ist ein Teufelskreis der digitalen Abhängigkeit“

„Es schmerzt mich persönlich, wenn ich sehe, wie europäisches Geld in US-Tech-Riesen fließt und dieses Spielgeld dann verwendet wird, um europäische Player zu kaufen“, sagt Johannes Wolf, der mit Copa-Data einen Industrie-Software-Marktführer aus Österreich leitet. Es bräuchte seiner Meinung nach Anreize, damit heimische Gründer das Kapital aus einem Exit wieder in heimische Startups reinvestieren. Zudem plädiert er darauf, stärker auf Technologien aus Europa oder Österreich zu setzen.

Johannes Wolf ist Geschäftsführer der Copa-Data CEE/ME © Copa-Data / Montage: Selektiv
Interview

ABA-Chef: „USA im Spitzenfeld qualifizierter Zuwanderer“

René Tritscher, Geschäftsführer der Austrian Business Agency (ABA), zieht trotz geopolitischer Unsicherheiten und Schwächeln des traditionell stärksten Markts Deutschland eine positive Bilanz für 2025: Die ABA begleitete Investitionen von 900 Mio. Euro und die Schaffung 2.800 neuer Arbeitsplätze. Besonders stark wuchsen Projekte aus Nordamerika (USA/Kanada), dem CEE-Raum, sowie in der IKT-Branche (72 Projekte). Inzwischen werden jährlich rund 10.000 positive Bescheide der Rot-Weiß-Rot-Karte ausgestellt – dennoch muss die Zuwanderung qualifizierter Kräfte weiter steigen. „Auf Basis der demografischen Daten, die wir haben, wird es weiterhin einen Arbeitskräftemangel geben und der wird nicht durch inländisches Personal allein abgedeckt werden können.“

René Tritscher ist Geschäftsführer der Austrian Business Agency © ABA/Patricia Weisskirchner / Montage: Selektiv
Kommentar von Rainer Nowak

Bettvorleger Merz, Nett-US-Onkel Rubio

Die Münchner Sicherheitskonferenz und das Weltwirtschaftsforum in Davos sind die einzigen europäischen Signatur-Events von internationaler Relevanz. Kalt sind beide, erstere gilt geopolitisch als die wesentlich wichtigere. Friedrich Merz, schon als Bettvorleger gestarteter und noch immer nicht gelandeter Politiktiger, hat zumindest ein paar Thesen aufgestellt, die das von Sozialsystemen, Masseneinwanderung und Pazifismus eingelullte Europa ein wenig aufscheuchen könnten.