Österreich

Kommentar von Laura Raggl

Wer zahlt die Pension? 

Das Pro-Kopf-Geldvermögen eines Landes lässt sich nur im Kontext seiner Sozial- und Steuersysteme sinnvoll einordnen. Eine einfache Regel: Hohe Steuern führen zu umfangreichen Sozialleistungen, wodurch weniger privates Vermögen benötigt wird, um den Lebensstandard zu sichern. Dieser Effekt wird auch in Österreich erhofft und der arbeitenden Bevölkerung versprochen. Hierzulande setzen viele Menschen nicht auf langfristige Vermögenswerte wie Immobilien oder Aktien, sondern verlassen sich auf das staatliche Pensionssystem. Doch angesichts des demografischen Wandels ist es schwer vorstellbar, dass dieses System langfristig tragfähig bleibt.

Kommentar von Alexander Purger

Eine neue Regierung? Na warte!

Was uns gleich mitten in das Drama der heimischen Regierungsbildung geführt hat. Vier Monate sind seit der Nationalratswahl vergangen (wer erinnert sich noch an den Sonntag im September?), und es wäre ein Wunder, wenn es bald eine Regierung gäbe. Denn wie sind die Aussichten? Na warte! Bisher ist, das muss man so sagen, so ziemlich alles schiefgelaufen.

Purger
Kommentar von Georg Renner

Lässt sich Kickl auf die EU einschwören?

Ich fürchte, die europapolitische Kernfrage dieser Koalitionsverhandlungen ist eine sehr einfache: Lässt man jemanden wie Herbert Kickl, der kein starkes Europa will, als Kanzler in jenes Gremium, das mehr als jedes andere darüber entscheidet, was für eine Union wir bekommen – oder nicht? Im Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs bestimmt auch unser Kanzler mit, wie die Union innen- und außenpolitisch agiert, welche Schwerpunkte sie setzt, wie sie sich weiterentwickeln soll. Er schreibt dort in letzter Konsequenz, ja, Weltpolitik mit.

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Die Regierungsverhandler von FPÖ und ÖVP

FPÖ und ÖVP wollen die künftige Regierung in kleineren Gruppen verhandeln, als es bei den gescheiterten Regierungsverhandlungen unter ÖVP, SPÖ und Neos …

Interview

Kapitalerträge kaum besteuert? Ein linkes Narrativ, sagt der Wiener-Börse-CEO

Warum ist der Kapitalmarkt in Österreich unterentwickelt? Einerseits hat die Finanzierung über Bankkredite eine gewisse kulturhistorische Tradition, es liegt aber auch an der Struktur des Sozialsicherungssystems, sagt der CEO der Wiener Börse, Christoph Boschan. Weil in der Altersvorsorge kaum auf den Kapitalmarkt gesetzt wird, steht zu wenig Kapital für risikoreichere Geschäftsmodelle zur Verfügung. Wenig hilfreich seien Ideen für höhere Steuern auf Kapitalerträge. Die Behaltefrist könnte helfen, sei aber nicht die bedeutendste Maßnahme.

Christoph Boschan ist CEO der Wiener Börse © Wiener Börse/Daniel Hinterramskogler
Interview

Köppl-Turyna: „Das ist eine zusätzliche Belastung der jungen Generation“

Ökonomin und EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna findet gut, dass das Budget primär ausgabenseitig saniert wird. „Positiv überrascht“ ist sie von Steueranpassungen für E-Autos, bei Klimaticket und Pensionen wäre aus ihrer Sicht jedoch mehr drin gewesen. Grundsätzlich mahnt sie, nicht aus dem Blick zu verlieren, dass der Sparbedarf für ein ausgeglichenes Budget noch wesentlich höher wäre – 12 Mrd. Euro müssten dafür pro Jahr eingespart werden.

Monika Köppl-Turyna ist Direktorin von Eco Austria © Selektiv
Kommentar von Sara Grasel

Wir müssen nicht nur 6,4 Mrd. Euro sparen!

Die Genese der Reaktionen auf das heimische Budgetdefizit ist eigentlich eine interessante Sache. Im Wahlkampf war das Thema unpraktisch, eh klar. Dann waren alle total überrascht („Natürlich wussten wir, dass es ein Problem gibt, aber das Ausmaß war dann schon überraschend“), gefolgt von gegenseitigen Schuldzuweisungen von „Koste es was es wolle“-Vorwürfen bis hin zur Idee, dass ein Rechenfehler des Wifo schuld sein könnte. Dann zuversichtlicher Pragmatismus: „Na 6,4 Milliarden Euro werden sich schon finden lassen, das kann ja nicht so schwer sein“. Wagen wir eine vorsichtige Prognose für die nahe Zukunft.

Kommentar von Elisabeth Zehetner

Die Lehren aus der Kärntner Windkraftabstimmung

Die Frage ist nicht, ob Windräder das Landschaftsbild verändern – das tun Stromleitungen, Autobahnen und Zugtrassen auch und viel stärker –, sondern ob wir bereit sind, Verantwortung für eine nachhaltige und sichere Energiezukunft zu übernehmen. Die wiederum schützt auch unsere Natur- und Kulturlandschaften nachhaltig. Das Ergebnis der Volksbefragung sollte daher als Weckruf verstanden werden. Wir können uns keinen Rückschritt in der Energiepolitik leisten.