Alexander Purger

Alexander Purger ist Redakteur der Salzburger Nachrichten und schreibt die satirische Kolumne „Purgertorium“. Er ist Autor mehrerer Bücher, darunter der Kanzlerbiografie „Wolfgang Schüssel – Offengelegt“.

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Das Wunderknopferl fürs Budget

Ein österreichischer Geschäftsmann mit guten Kontakten zur südkoreanischen Unterhaltungselektronik erzählte einmal folgende Anekdote: Es war zu Beginn des DVD-Booms, da fragte er einen der dortigen Konzernchefs, warum die Fernbedienungen seiner Recorder mit gefühlten 95 Knöpfen ausgestattet seien? Wo doch fünf reichen würden? Ja, schauen Sie, antwortete der Firmenchef schlau, so ein Knopferl kostet mich in der Produktion praktisch nichts, und die meisten haben auch gar keine Funktion. Aber die Konsumenten glauben halt, je mehr Knöpfe eine Fernbedienung hat, desto besser und hochwertiger sei sie. Nach dieser Strategie geht auch die österreichische Politik vor.

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Die notwendige Wehrpflicht-Verlängerung und ihre Tücken

Den Staat gibt es in erster Linie zur Herstellung von Sicherheit. Dafür wurde er erfunden. Die Garantie von innerer, äußerer und Rechtssicherheit ist die zentrale Staatsaufgabe; eine ihrer wesentlichsten Komponenten ist die Organisation einer wirksamen und glaubwürdigen Landesverteidigung. Dass der österreichische Staat dieser Aufgabe seit Jahrzehnten nicht nachkommt, bedarf kaum der Erwähnung. Österreich ist, wie es der Schweizer Generalstab einmal so schön ausdrückte, ein militärisches Vakuum.

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Bei uns ist das ganze Jahr Weihnachten!

Manche meinen, die österreichische Politik gleiche einem Ganzjahresfasching. Möglicherweise sollte man aber von Ganzjahresweihnachten sprechen. Denn Weihnachten ist das Fest der Stille und der Liebe, die Zeit, in der man über Konflikte die Decke des allgemeinen Wohlwollens und Schweigens breitet. Wie das ist, wenn man dieses absolute Ruhegebot der Republik bricht, hat unlängst die Salzburger Landesregierung erlebt.

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Die Neutralität – Knien vor einem Mythos

Vor 70 Jahren wurde eine Volksabstimmung über die Einführung der Neutralität 1955 aus dem Grund unterlassen, da sie mit einem glatten Nein geendet hätte. Heute ist es umgekehrt. Heute würde eine Volksabstimmung über die Abschaffung der Neutralität mit einem glatten Nein ausgehen, denn mittlerweile ist sie den Österreichern so ans Herz gewachsen, dass selbst die ÖVP, die immer wieder gerne an dem Mythos gekratzt hatte, kapituliert hat und den Mythos mit-anbetet. Tatsächlich befindet sich Österreich mit seiner zweideutigen Neutralsolidarität bzw. Solidarneutralität in einer komfortablen Situation.

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Der Elch und die Bundesregierung

Ohne jetzt in überpatriotisches Selbstlob verfallen zu wollen: Was uns Österreicher vor allen anderen auszeichnet, ist unser untrügliches Gespür für das Wesentliche. Wie kaum eine andere Nation vermögen wir Wichtiges von Unwichtigem klar zu unterscheiden. Dazu braucht man nur in die Zeitungen oder besser noch in ihre legitimen Nachfolger, die sozialen Medien zu schauen. Dort ist kostenfrei zu besichtigen, was den Österreichern als wirklich wichtig ins gestrenge Auge sticht.

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Plädoyer für die Permanenz-Erklärung des Sommerlochs

Keine Frage: Wir befinden uns mitten im Sommerloch. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Zeitungssprache und kennzeichnet eine Zeitspanne, in der nachrichtenmäßige Flaute herrscht und sich das öffentliche Interesse daher automatisch der Flora und vor allem Fauna im schottischen Loch Ness zuwendet. Mittlerweile hat sich das Sommerloch aber auch als fixer Bestandteil des heimischen Politkalenders etabliert und bezeichnet eine Zeit, in der man als Politiker einfach nichts tun muss.

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Vom Schweigen der Regierung

Auffällig, wie wenig Wert die neue, seit nunmehr rund hundertzehn Tagen im Amt befindliche Dreierkoalition auf ihre Außenwirkung legt: wenige Interviews, wenige Pressekonferenzen, wenig selbstverliebte Fotos, Videos und Kurznachrichten auf den sogenannten Sozialen Medien. Nicht, dass deswegen irgendjemandem etwas abgehen würde. Echt nicht! Aber nach Monaten und Jahren, in denen Selbstbespiegelung das wichtigste Betätigungsfeld der österreichischen Politik zu sein schien, ist es immerhin ungewöhnlich.

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Es müsste Strafen hageln für diese schlimme Budgetpolitik

Ungefähr gleichzeitig mit der Budgetrede des Finanzministers wurde im Parlament übrigens über ein geplantes Gesetz debattiert, laut dem Eltern schlimmer Schüler, die das Gespräch mit dem Lehrpersonal verweigern und ihre Mitwirkungspflicht an der Erziehung ihrer Kinder vernachlässigen, künftig bestraft werden können. Nun soll man zwar nicht Äpfel mit Birnen und Schlingel mit Ministern vergleichen, aber sind nicht die Mitglieder der Bundesregierung und auch die Abgeordneten des Parlaments irgendwie die Eltern des Budgets?

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Trumponomics bald auch in Österreich?

Schön langsam kommt die Welt zwar drauf, dass das ständige Drohen ein Teil von Trumps Deal-Making der Marke Hinterhof-Immobilienhai ist, und zwar ein Teil, den man nicht unbedingt ernst nehmen muss. Allzu oft wird die Masche also nicht mehr funktionieren. Aber bis dahin: Wie wäre es, wenn Österreich sich ein bissel etwas von den Trumponomics abschaut und ebenfalls zu drohen beginnt?

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Die Blauen bleiben unser Blitzableiter

Dass Benjamin Franklin, der Erfinder des Blitzableiters, nebenbei Politiker war (beziehungsweise Politiker war und nebenbei den Blitzableiter erfand), kann kein Zufall sein. Denn zerstörerische Energie vom Staatsgebäude abzuleiten, ist eine der ureigenen Aufgaben der Politik. In Österreich wird sie von der FPÖ wahrgenommen.

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Die ÖVP, der mittlere Puzzleteil

Herbert Kickl legte nach dem Scheitern seiner Gespräche mit der ÖVP lieber den Regierungsbildungsauftrag zurück, als die Telefonnummer von Andreas Babler zu wählen. Was man zwar irgendwie verstehen kann, doch andererseits ist durch die rot-blaue Eiszeit die ÖVP als Regierungspartei pragmatisiert und zementiert.

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Eine neue Regierung? Na warte!

Was uns gleich mitten in das Drama der heimischen Regierungsbildung geführt hat. Vier Monate sind seit der Nationalratswahl vergangen (wer erinnert sich noch an den Sonntag im September?), und es wäre ein Wunder, wenn es bald eine Regierung gäbe. Denn wie sind die Aussichten? Na warte! Bisher ist, das muss man so sagen, so ziemlich alles schiefgelaufen.

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Vom Wesen des Leuchtturms

Die angewandte Psychologie kennt den sogenannten Masselon-Test: Die Probanden bekommen drei Wörter vorgegeben (zum Beispiel Spiegel, Schnitzel und Freude) und müssen mit …

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Mehr Nonsens als Konsens bei den Regierungsverhandlungen?

In einem Museum für „Gehobenen Unsinn“ hätten sich die aktuellen Regierungsverhandlungen einen Extrasaal verdient. Einerseits haben wir einen Spitzensteuersatz von 55 Prozent, andererseits hören wir, dass die Reichen endlich einen gerechten Beitrag zum Sozialstaat leisten sollen. Einerseits wissen wir, dass die Wirtschaft bei den Lohnkosten nicht mehr konkurrenzfähig ist, andererseits heißt es, die Lohnnebenkosten könnten unmöglich gesenkt werden. Einerseits sagen alle, dass gespart werden muss, andererseits fordern alle mehr Geld.

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Die FPÖ, unsere Anti-Faltencreme 

Die Wähler wissen, dass sie von den Blauen, die immer im Chaos versinken, wenn sie im Bund regieren müssen, keine Änderungen erwarten können. Sie wollten nur einmal gesagt haben, dass sie solche Änderungen wünschen. Das ist wie mit einer Anti-Faltencreme: Man weiß, dass man damit nicht um 20 Jahre jünger wird, wenn man sie aufträgt. Aber man hätte es halt gerne.
Und von wem erwarten sich die Wähler in Wahrheit eine Behebung der Missstände?

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Juhu, Österreich hat einen Geldschei**er!

Da führt Österreich als Lenkungsmaßnahme (damit die Leute weniger Autos lenken) eine CO2-Steuer ein und kompensiert sie, damit die Leute sie nicht merken, mit einem Klimabonus. Und dieser Klimabonus bringt den Leuten – das hat eben der Fiskalrat errechnet – in vier Jahren um 4,1 Milliarden Euro mehr, als sie die gesamte CO2-Steuer kostet. Das nennt man Lenkungseffekt. Willkommen in der Klimapolitik a la Schilda!