Babybonds: Vermögensaufbau ist Privatsache

29. Januar 2026Lesezeit: 4 Min.
Kommentar von Heike Lehner

Heike Lehner ist freiberufliche Ökonomin und Generalsekretärin der Aktion Generationengerechtigkeit. Ihre Spezialgebiete liegen im Bereich der Geldpolitik und Finanzwirtschaft, wozu sie aktuell ebenso promoviert.

Eigentlich müsste man bei der Idee freudig aufspringen: Förderung von Vermögensaufbau statt bürokratisch aufwendiger neuer Vermögenssteuern. Jeder junge Erwachsene würde mit 18 Jahren ein finanzielles Startkapital erhalten, um seine Träume zu verwirklichen. Dieser Traum kann beispielsweise ein Studium, eine Unternehmensgründung oder eine Anzahlung für einen Immobilienkauf sein. Wichtig ist, dass das Geld für etwas Vernünftiges ausgegeben wird. Endlich Chancengerechtigkeit! Finanziert wird das natürlich vom Staat, der für jedes Neugeborene einen bestimmten Betrag auf den Finanzmärkten anlegt und nach 18 Jahren schlussendlich auszahlt – vorausgesetzt, das Geld wird für eines der vorab definierten Beispiele genutzt.

In dieser oder einer ähnlichen Ausgestaltung sind die sogenannten „Babybonds“ immer wieder Thema politischer Diskussionen. Sogar US-Präsident Donald Trump hat gestern ein ähnliches Konzept mit dem klingenden Namen „Trump Accounts“ vorgestellt. Und es klingt ja auch gut: Es geht um Kinder, um die Zukunft. Doch gerade in Österreich ist diese Idee fehl am Platz. Babybonds würden nicht dabei helfen, nachhaltig Vermögen aufzubauen, sondern die österreichische Vollkaskomentalität nur noch weiter befeuern und die Bürger in eine noch größere Abhängigkeit vom Staat treiben.

Österreich muss von einer Sparbuch- zur Aktiennation werden, das ist klar. Zwar geht der Weg in die richtige Richtung, etwa durch den geplanten Ausbau der betrieblichen, kapitalgedeckten Altersvorsorge. Doch insgesamt reicht das bei weitem noch nicht aus. Babybonds würden zwar auch Kindern aus Familien mit geringen finanziellen Mitteln eine Möglichkeit geben, bereits früh mit den Themen Vermögensaufbau und Investieren in Kontakt zu kommen. Dennoch bleibt fraglich, ob der Staat, der am Kind vorbei Vermögen verwaltet, diesem dadurch wirklich beibringen kann, wie man verantwortungsvoll spart und langfristig Vermögen aufbaut. Ein oft kolportierter Finanzbildungsnachweis des Jugendlichen, bevor das Geld ausgezahlt werden kann, ist zwar eine nette Idee. Auch dass der Staat regelmäßig informiert, wie sich das Vermögen entwickelt. Es geht aber nicht nur um das Wissen, sondern vor allem um die Gewohnheiten, um den Vermögensaufbau in der Praxis. Selbst ein Lottogewinn ist schnell weg, wenn man nicht mit Geld umgehen kann. Hier kann das Finanzwissen aus dem Lehrbuch unterstützend wirken. Es hilft jedoch nicht, wenn die Gewohnheit nicht im Alltag etabliert und in Fleisch und Blut übergegangen ist. Das muss nicht einmal mit echtem Geld passieren: Musterdepots im Unterricht, in denen mit fiktivem Kapital investiert wird, ermöglichen es Jugendlichen, Marktschwankungen auszuhalten und die Psychologie des Investierens zu verstehen.

Davon abgesehen ist es fraglich, ob ein Staat wie Österreich das Kapital tatsächlich vernünftig anlegen würde. Aktuell diskutieren wir ja schon wieder darüber, ob langfristige Wertpapieranlage in seriösen öffentlichen Pensionskassen bereits böse Spekulation ist. Mit Mündelsicherheit lässt sich wenig Gewinn erzielen. Am Ende wäre der politische Kompromiss vermutlich ein Bausparvertrag oder ein Depot mit österreichischen Staatsanleihen für jeden. Gut für den Finanzminister, der noch mehr Abnehmer für heimische Staatsschulden finden würde. Schlecht für jedes Kind, das mit 18 Jahren nur einen mageren Ertrag verzeichnen kann. Wenn die Republik für die im Jahr 2024 rund 77.200 Neugeborenen im Zeitpunkt ihrer Geburt 8.000 Euro anlegen würde, könnte jedem 18-Jährigen bei einer durchschnittlichen realen Rendite rund 25.000 ausbezahlt werden. Das ist ein guter Batzen Geld, aber etwa ein Immobilienkauf ist damit nicht möglich. Den Staat würde das rund 600 Millionen Euro pro Jahr kosten.

Dass der österreichische Staat schon für weit ineffizientere Maßnahmen Geld ausgegeben hat, ist unumstritten. Und dass es besser ist, dass das Geld für Kinder als für eine weitere Aufblähung des Staatsapparates ausgegeben wird, ebenso. Aber Babybonds wären am Ende nur eine weitere Maßnahme, durch die der Staat privaten Vermögensaufbau verdrängt. Wenn dieser noch stärker als bisher signalisiert, dass er sich auch um den Vermögensaufbau kümmert, sinkt der Anreiz, selbst langfristig vorzusorgen. Diesen Effekt sehen wir bereits beim Pensionssystem zur Genüge. Babybonds würden damit genau jene Eigenverantwortung untergraben, die für nachhaltigen Vermögensaufbau notwendig ist.

Babybonds klingen wunderbar. Doch sie sind kein Instrument der sozialen Fairness, sie erweitern lediglich die Abhängigkeit vom Staat um einen weiteren Bereich. Nachhaltiger Vermögensaufbau funktioniert durch Finanzbildung, aber nicht nur durch ein Schulfach, sondern bereits spielerisch im Kindergarten von klein auf. Dadurch etablieren sich langfristige Gewohnheiten, die staatliche Umverteilungsexperimente obsolet machen. Für die Kinder.

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