Die staatliche Pension macht uns ärmer

12. Februar 2026Lesezeit: 4 Min.
Kommentar von Heike Lehner

Heike Lehner ist freiberufliche Ökonomin und Generalsekretärin der Aktion Generationengerechtigkeit. Ihre Spezialgebiete liegen im Bereich der Geldpolitik und Finanzwirtschaft, wozu sie aktuell ebenso promoviert.

„Die Pensionen sind sicher.“ Die Finanzierbarkeit des Umlageverfahrens steht für viele außer Frage. Das System auf mehr kapitalgedeckte Füße zu stellen, ist dagegen mit viel Gegenwind verbunden. Und obwohl die Mehrheit der Österreicher für die Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters ist, wird nichts geändert. Die bisherigen Schritte verdienen den Namen „Pensionsreform“ nicht. Doch Stillstand ist keine neutrale Position. Er bedeutet nicht, dass wir einfach auf derselben Stelle treten. Ganz nach dem Motto „Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein“: In einem dynamischen Umfeld, einer alternden Bevölkerung, mit dem Klimawandel und geopolitischen Bedrohungen im Hintergrund muss klar sein, dass Stillstand Rückschritt bedeutet. Und langfristig macht uns dieser Rückschritt arm.

Die Durchschnittspension in Österreich fußt zu rund 90 Prozent auf der staatlichen Säule. Die kapitalgedeckte betriebliche und private Vorsorge macht also nur mickrige zehn Prozent aus. In Dänemark und den Niederlanden sieht das beispielsweise ganz anders aus. Anders als oft propagiert ist das staatliche Umlagesystem allerdings nicht sicher. Es verlässt sich ausschließlich auf die Performance der heimischen Wirtschaft, um das System zu finanzieren. Es setzt auf Bevölkerungs- und Produktivitätswachstum made in Austria. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte lassen an der Nachhaltigkeit dessen Zweifel aufkommen. Dazu kommt, dass eine alternde Bevölkerung das Wachstumspotenzial drückt. Dass der Aufschwung – sofern er diesen Namen überhaupt verdient – alles wieder richtet, ist unwahrscheinlich. Schritt für Schritt, Jahr für Jahr, wird das System weniger finanzierbar. Die Angst, Wähler zu verschrecken, macht das Problem größer. Und uns ärmer.

Was fehlt ist private Vermögens- und Kapitalbildung. Während andere Staaten munter investieren und Renditen erwirtschaften, tun wir das alles nicht. In Österreich sind aktuell Vermögenswerte in einer Höhe von nur rund sieben Prozent des BIPs für Altersvorsorge vorgesehen. OECD-weit liegt dieser Wert bei rund 95 Prozent. Die Summe der Pensionsversprechen hierzulande lagen vor ein paar Jahren noch bei über 400 Prozent des BIPs, fast alles davon basiert auf dem staatlichen Umlageverfahren.

Mehr Kapitaldeckung für die Altersvorsorge setzt auf globale Märkte. In jedem Basiskurs zur Finanzbildung wird erklärt, dass man beim Investieren nicht alles auf eine Karte setzen sollte. Um das Risiko zu minimieren, sollte man so breit gestreut wie möglich investieren. Bei einem derart großen Teil des Pensionsvolumens auf den Staat zu setzen, ist ein Widerspruch hierzu und ein maximal großes Klumpenrisiko. Dass europäische Unternehmen von mehr privater Veranlagung ebenso massiv profitieren, und Beschäftigung und Investitionen gestärkt werden würden, wird auch gerne außer Acht gelassen.

Kapitalgarantien im jetzigen System, die Anleger an vielen Stellen vor dem bösen Aktienmarkt schützen sollen, sind fehlgeleitet. Nur weil garantiert ist, dass zumindest das nominelle, eingezahlte Kapital ausgezahlt wird, heißt das nicht, dass es sicher ist. Verluste können nicht nur am Aktienmarkt entstehen, sondern auch durch den langfristigen Effekt der Inflation. Ersteres schwankt sichtbar, während letzterer schleichend enteignet. Dass immer mehr Österreich ihr Geld anlegen, ist eine gute Entwicklung. Doch es denken noch immer viel zu viele, dass der Aktienmarkt ein Glücksspiel ist und dass nur Reiche ihr Vermögen erfolgreich anlegen können. Solange hier von Seiten der Politik kein klares Umdenken einsetzt, wird das auch so bleiben. Währenddessen bauen die Bürger nachhaltig denkender Staaten Vermögen auf, Unternehmen profitieren von diesen zusätzlichen Veranlagungen und wir fallen zurück.

Während andere Staaten ihre Systeme reformieren, Kapital aufbauen und Renditen erwirtschaften, verharren wir im Status quo.

Heike Lehner

Das dynamische Umfeld und die vielen Krisen der letzten Jahre zeigen, dass wir uns bewegen müssen und nicht weiter stillstehen dürfen. Sich darauf zu fokussieren, ob wir das bestehende System mit ein paar kleinen Eingriffen einige Jahre weiter finanzieren können, greift zu kurz. Stillstand bedeutet keine Sicherheit, sondern langfristig Instabilität und Vermögensverluste im Vergleich zu vielen anderen Staaten, die derzeit vorausschauender agieren. Die Angst vor Reformen betrifft natürlich nicht nur das Pensionssystem. Da es aber jedes Jahr Zuschüsse in Milliardenhöhe verschlingt, hat es höchste Priorität. Wer Angst vor Reformen und möglicher kurzfristiger Unruhe hat, verschiebt die Kosten in die Zukunft und erhöht sie nur weiter. Während andere Staaten ihre Systeme reformieren, Kapital aufbauen und Renditen erwirtschaften, verharren wir im Status quo und verlieren damit relativ an Wohlstand. Sicherheit entsteht nicht durch das Konservieren eines bestehenden Systems, sondern durch eine rechtzeitige Anpassung an eine sich stetig ändernde Realität.

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