Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 BIP im 4. Quartal 2025 leicht gestiegen. Die heimische Wirtschaftsleistung legte vom 3. auf das 4. Quartal 2025 um 0,2 % zu. Gegenüber dem 4. Quartal 2024 ergibt sich ein Anstieg von 0,7 %. Für das Gesamtjahr 2025 rechnet das Wifo nun mit einem Wirtschaftswachstum von 0,6 % (+0,1 Prozentpunkte zur Wifo-Winterprognose). Die Industriekonjunktur entwickelte sich im 4. Quartal 2025 zwar besser als im Vorjahresquartal (+1,9 %), aber schlechter als im Vorquartal (-0,3 %). In der Bauwirtschaft gab es im Quartalsabstand erneut einen Rückgang (-0,8 %). Die Bruttoanlageinvestitionen waren mit minus 0,7 % ebenfalls rückläufig, während die Konsumausgaben privater Haushalte und des Staates mit jeweils 0,4 % zulegen konnten. [Quelle: Wifo | Grafik: Wirtschaftsprognosen für Österreich]
„Industrie verliert langsam die Geduld“
Interview mit Christoph Knogler
Christoph Knogler ist CEO der oberösterreichischen Keba und mit seinem Unternehmen einigermaßen gut durch die vergangenen Krisenjahre gekommen, auch, weil es breit aufgestellt ist. „Unser asiatisches Geschäft ist von der Wettbewerbsschwäche Österreichs unbeeindruckt“, sagt Knogler. Die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitet aber in Österreich: „Und wenn man sich anschaut, wie sich die Personalkosten in Österreich entwickelt haben, dann spüren wir das“. Er versteht, dass die Spielräume klein sind, hätte sich etwa bei den Lohnnebenkosten mehr Mut gewünscht. „Damit gehen schleichend Arbeitsplätze verloren“.
💡 Budgetdefizit des Bundes 2025 liegt bei 14,4 Mrd. Euro. Laut vorläufigem Ergebnis des Budgetvollzugs beträgt das Defizit des Bundes im Jahr 2025 rund 14,4 Mrd. Euro. Damit liegt es 3,7 Mrd. Euro unter dem ursprünglich geplanten Defizit von rund 18,1 Mrd. Euro. Gegenüber 2024 stiegen die Ausgaben des Bundes um 0,6 % auf 121,5 Mrd. Euro, während die Einnahmen deutlich stärker um 5,4 % auf 107,1 Mrd. Euro zunahmen. Laut Bundesregierung wirken sich die gestiegenen Einnahmen – insbesondere aus Zinsen und konjunkturbedingten Steuern – im Rahmen der EU-Fiskalregeln jedoch nicht positiv auf den Maastricht-Saldo aus. Aus diesem Grund bleibt ein strenger Budgetvollzug in allen Gebietskörperschaften weiterhin erforderlich. Die gesamtstaatlichen Budgetzahlen (einschließlich Länder und Gemeinden) sollen Ende März veröffentlicht werden. [Quellen: Statistik Austria, BMF, Bundesvoranschlag 2025, ORF-Pressestunde | Reaktionen: Neos, Die Grünen, FPÖ | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
🇦🇹 Bundeskanzler Stocker erteilt Vermögens- und Erbschaftssteuern Absage. In der ORF-Pressestunde am Sonntag schlägt Bundeskanzler Christian Stocker ein Initiativrecht der Staats- und Regierungschefs für Gesetzesanträge auf EU-Ebene vor. Als erste Initiativen würde er die Abschaffung des „Österreich-Aufschlags“ im Lebensmittelhandel sowie eine Reform des Merit-Order-Systems, die einen Mischpreis anstelle des aktuellen Höchstpreises vorsieht, beantragen. Stocker erteilt der Einführung von Vermögens- und Erbschaftsteuern eine klare Absage: Diese würden dringend benötigtes Kapital aus Österreich abwandern lassen. Eine Volksbefragung zur Wehrpflicht soll voraussichtlich im Herbst stattfinden – die konkrete Fragestellung ist noch in Ausarbeitung. Im Gesundheitsbereich sollen bis Jahresende Reformen vorliegen, die u. a. eine bessere Versorgung im niedergelassenen Bereich sowie eine auf die Basisversorgung beschränkte Leistung für Asylbewerber vorsehen. [Quellen: ORF Pressestunde, Stocker auf X | Reaktionen: ÖVP, SPÖ, Neos, Die Grünen, FPÖ, Wirtschaftsbund]
🇦🇹 Strom- und Gasverbrauch 2025 gestiegen. Der Endverbrauch von Strom ist im Vorjahr um 1,7 Terawattstunden (TWh) auf 66,75 TWh gestiegen – ein Plus von 2,6 %. Gleichzeitig lag die inländische Stromerzeugung 2025 um 10,6 % unter dem Niveau von 2024. Die Stromexporte sind 2025 um 15,9 % gesunken, während die Stromimporte um 36 % gestiegen sind. Der Gasverbrauch ist 2025 um 6,5 TWh bzw. 8,8 % auf 80,9 TWh gestiegen. Die inländische Gasproduktion inkl. Biogas lag 2025 um 7,8 % unter dem Niveau von 2024. [Quelle: E-Control]
🇦🇹 Neuer Höchstwert bei Nächtigungen im Jahr 2025. Mit 157,27 Mio. Nächtigungen in Österreichs Beherbergungsbetrieben wurde 2025 der höchste Wert seit Beginn der digitalen Aufzeichnungen im Jahr 1974 erreicht. Es war das dritte Jahr in Folge mit mehr als 150 Mio. Nächtigungen nach 154,32 Mio. im Jahr 2024 und 151,7 Mio. im Jahr 2023. Rund drei Viertel der Nächtigungen entfielen auf internationale Gäste, vor allem aus Deutschland und den Niederlanden. Auf Bundesländerebene entfiel mehr als die Hälfte der Nächtigungen auf Tirol und Salzburg, während Wien mit 6,5 % gegenüber 2024 den stärksten prozentualen Zuwachs verzeichnete. [Quelle: Statistik Austria | Reaktionen: BMWET, WKÖ | Grafik: Tourismus erreicht Vor-Corona-Niveau]
🇦🇹 Erzeugerpreise im produzierenden Bereich 2025 gesunken. Im Jahresdurchschnitt waren die Erzeugerpreise für den produzierenden Bereich im Jahr 2025 um 0,8 % günstiger als im Jahr 2024, nachdem sie 2024 um 3,5 % zurückgegangen waren. Ausschlaggebend hierfür waren die um 3,7 % niedrigeren Energiepreise. Diese sind 2024 um 15,5 % zurückgegangen. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 🇪🇺 Österreich verzeichnet 59 EU-Vertragsverletzungsverfahren. Die EU-Kommission hat mehrere Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich eingeleitet, weil EU-Recht nicht vollständig oder nur unzureichend umgesetzt wurde. Betroffen sind u. a. Berichtspflichten in den Bereichen Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, Geräuschemissionen im Freien, Patientenrechte und Funkanlagen, die Richtlinie über Fernabsatz-Finanzdienstleistungsverträge, die Richtlinie über Verbraucherkreditverträge, die Methanverordnung, Asbestschutzvorschriften sowie die Umsetzung haushaltspolitischer Rahmenbedingungen. Gegen Österreich sind aktuell 59 offene Verfahren anhängig – man liegt damit im EU-Mittelfeld. [Quellen: EU-Kommission I, EU-Kommission II]
🇪🇺 Eurozonen-BIP wächst im 4. Quartal 2025. Im Vergleich zum 3. Quartal ist das BIP der Eurozone und der EU im 4. Quartal 2025 laut Vorausschätzung um 0,3 % gestiegen. Nach einem Plus von 0,3 % vom 2. auf das 3. Quartal. Für das Gesamtjahr 2025 ergibt die Vorausschätzung von Eurostat ein Wachstum des BIP von 1,5 % in der Eurozone und 1,6 % in der EU. Die Arbeitslosenquote sank in der Eurozone im Dezember 2025 im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkt auf 6,2 % (10,8 Mio. Menschen), in der EU blieb sie mit 5,9 % (13,043 Mio. Menschen) unverändert. [Quellen: Eurostat – BIP, Arbeitslosenzahlen]
🇪🇺 EU-Bericht zeigt rückläufigen EU-Warenhandel und Privatinvestitionen. Ein aktueller Bericht der EU-Kommission zum Binnenmarkt und zur Wettbewerbsfähigkeit kommt zu gemischten Ergebnissen. Von 29 Kennzahlen verbesserten sich 6, verschlechterten sich 6 und blieben 15 weitgehend unverändert. Bei 2 liegen noch keine Vergleichswerte vor. Rückschritte gab es u. a. beim Anteil des Warenhandels gemessen am BIP zwischen EU-Mitgliedstaaten, der von 23,5 % im Jahr 2023 auf 22 % im Jahr 2024 sank, sowie bei den Privatinvestitionen, die von 18,6 % auf 17,6 % des BIP zurückgingen. Die öffentlichen Investitionen stiegen leicht von 3,6 % auf 3,7 % des BIP und der Dienstleistungshandel legte von 7,7 % auf 7,9 % zu. Das kumulierte Volumen der InvestEU-Mittel zur Unterstützung des industriellen Wandels wuchs von 52,7 Mrd. Euro im Juni 2024 auf 115,5 Mrd. Euro im Juni 2025. [Quellen: EU-Kommission – Überblick, Bericht]
🇩🇪 Deutsches BIP, Arbeitslosenquote und Inflation gestiegen. Im 4. Quartal 2025 ist das deutsche BIP im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 % gestiegen. Im Gesamtjahr 2025 wuchs die deutsche Wirtschaft preis- und kalenderbereinigt ebenfalls um 0,3 %. Die Arbeitslosigkeit stieg im Jänner 2026 um 177.000 auf rund 3,1 Mio. Menschen, die Arbeitslosenquote liegt damit bei 6,6 %. Im Vergleich zum Jänner 2025 sind 92.000 Menschen mehr arbeitslos. Die Inflation wird im Jänner voraussichtlich bei 2,1 % liegen und damit 0,1 % höher ausfallen als im Vormonat. [Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit]
🌐 Warnung vor „finanziellem Kollaps“ der Vereinten Nationen. Aufgrund unbezahlter Beiträge und einer Haushaltsregel, die die UN zur Rückzahlung nicht ausgegebener Gelder verpflichtet, warnt Generalsekretär Antonio Guterres vor dem „unmittelbaren finanziellen Kollaps“ der UN. Bis Ende 2025 beliefen sich die ausstehenden Beiträge auf 1,57 Mrd. US-Dollar. Die Länder, deren Beiträge ausstehend sind, wurden nicht genannt. Guterres warnte, dass den UN schon im Juli dieses Jahres das Geld ausgehen könnte. [Quelle: Reuters]
🌐 Gold- und Silberpreise nach Rekordhochs deutlich gefallen. Der Preis für eine Feinunze Gold sank Montagmorgen im Vergleich zum vor kurzen erreichten Rekordhoch um fast 20 % auf 4.519,76 US-Dollar. Silber verlor rund 38 % und steht bei 73,96 US-Dollar pro Feinunze. [Quellen: Tradingview – Gold, Silber]
Selektive Agenda:
Heute, Nikosia, Zypern: Informeller EU-Rat Wettbewerbsfähigkeit (Binnenmarkt und Industrie)
Heute, Wien: Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten Jänner
10:00 Uhr, Frankfurt: Bekanntgabe des Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sowie Dienstleistungen in der EU, Eurozone und Deutschland Jänner
Wochenvorschau
Am heutigen Montag beginnt in Nikosia, Zypern, ein zweitägiges informelles Treffen des Rates der EU zum Thema Wettbewerbsfähigkeit. In Österreich werden die Arbeitsmarktdaten für Jänner veröffentlicht und in Frankfurt die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor in der EU und der Eurozone. Die Israelreise von Bundeskanzler Christian Stocker wurde aufgrund einer „Terminkollision” im Kalender des israelischen Präsidenten Benjamin Netanyahu abgesagt.
Die zweitägige, informelle Sitzung des Rates der EU zum Thema Wettbewerbsfähigkeit endet am Dienstag.
Am Mittwoch werden weitere Konjunkturdaten veröffentlicht. Die Statistik Austria gibt ihre Schnellschätzung der Inflation im Jänner bekannt. Auch Eurostat veröffentlicht Daten zur Inflation in der Eurozone. Das Europäische Parlament stellt eine neue Eurobarometer-Umfrage vor. In Wien stellt das Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) seine Winter-Konjunkturprognose für 23 Staaten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, einschließlich Russlands und der Ukraine, vor. In Oberösterreich werden zudem die Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag für die Mitarbeitenden der Ordensspitäler fortgesetzt.
Am Donnerstag findet in Nikosia eine weitere informelle Sitzung des Rates der EU statt, diesmal zum Thema Umwelt. Der Bundesrat tagt im Parlament. Zudem veröffentlicht die Statistik Austria Daten zum Außenhandel im November sowie zu offenen Stellen im 4. Quartal und im Gesamtjahr 2025.
Nachmittags gegen 14:15 Uhr wird die EZB ihre Zinsentscheidung bekannt geben. Auf internationaler Ebene läuft der New-Start-Vertrag zur Reduzierung von Nuklearwaffen zwischen den USA und Russland aus.
Am Freitag veröffentlicht die Statistik Austria die Großhandelspreise für den Jänner.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Anton Larcher ist neuer Präsident von Jagd Österreich. Alexandra Maritza Wachter und Martina Madner sind erneut als Vorsitzende des „Frauennetzwerk Medien“ gewählt worden. Martina Sauer und Matthias Lippert-Primus ergänzen die Geschäftsführung von Decus Immobilien. Andreas Holzer bleibt für weitere 5 Jahre Direktor des österreichischen Bundeskriminalamtes. Gerhard Schmid wurde als Bundesbildungsvorsitzender der SPÖ wiedergewählt. Andrea Mattioli ist neue Superintendentin der Evangelischen Kirche in Kärnten und Osttirol.
Geburtstage: Wir gratulieren Hubertus von Hohenlohe, M. Christian Ortner, Georg Markus und Hansi Hinterseer zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
19:30 Uhr, Innsbruck: Die ÖVP Tirol lädt zum 4. Tiroler Zukunftsgespräch zur Gesundheitsversorgung ins Hotel Sailer u. a. mit Anton Mattle [invite only]