Morning in Brief

Morning in Brief, 26. Jänner 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Maximilian Kern, Stephan Frank und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Vorschläge zur Lohnnebenkosten-Senkung. Mehrere Ökonomen forderten am Wochenende in der Krone eine raschere Senkung der Lohnnebenkosten. Margit Schratzenstaller vom Wifo schlägt zur Gegenfinanzierung eine Steuererhöhung auf Diesel oder eine Abschaffung der vergünstigten Mehrwertsteuersätze auf Kino- und Theatertickets, Restaurantumsätze, Tierfutter, Pflanzen oder Hotelzimmer vor. EcoAustria-Chefin Monika Köppl-Turyna geht davon aus, dass sich eine Senkung der Lohnnebenkosten bis zu 60 % selbst finanzieren würde, da Unternehmen mehr Beschäftigte anstellen und die Investitionen ausweiten würden. Dénes Kucsera von der Agenda Austria sieht Spielraum bei den Förderungen und Pensionen. Die Lohnnebenkosten belaufen sich jährlich auf 106 Mrd. Euro – der Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF), der gekürzt werden soll, beläuft sich auf 7 Mrd. Euro. [Quelle: Krone am Samstag]

Kommentar: Die notwendige Wehrpflichtverlängerung und ihre Tücken
von Alexander Purger

Alexander Purger Illustration

Den Staat gibt es in erster Linie zur Herstellung von Sicherheit. Dafür wurde er erfunden. Die Garantie von innerer, äußerer und Rechtssicherheit ist die zentrale Staatsaufgabe; eine ihrer wesentlichsten Komponenten ist die Organisation einer wirksamen und glaubwürdigen Landesverteidigung. Dass der österreichische Staat dieser Aufgabe seit Jahrzehnten nicht nachkommt, bedarf kaum der Erwähnung. Österreich ist, wie es der Schweizer Generalstab einmal so schön ausdrückte, ein militärisches Vakuum.

💡 Österreich hat fünftteuerste Arbeitsstunde in der EU. Im Jahr 2024 kostete eine durchschnittliche Arbeitsstunde in Österreich 44,5 Euro – das ergibt den 5. Platz im EU-Vergleich (hinter Luxemburg, Dänemark, Belgien und den Niederlanden). 2008 rangierte Österreich noch auf Platz 10. Österreich sticht mit überdurchschnittlich hohen Lohnnebenkosten hervor. Im Eurozonen-Durchschnitt kostete eine Arbeitsstunde 37,3 Euro. [Quellen: Eurostat, INSM | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

🇦🇹 Weniger aufrechte Gewerbe in Österreich, mehr Neuanmeldungen. 2025 sank die Zahl der aufrechten Gewerbe in Österreich im Jahresabstand um rund 1,7 % auf 942.896. Im vergangenen Jahr wurden jedoch um 5,4 % mehr neue Gewerbe angemeldet und zwar 103.187. Die Anmeldungen stiegen in allen Bundesländern. Die meisten Neuanmeldungen gab es im Handel (16.245) und im Bereich der automatischen Datenverarbeitung (5.003). [Quelle: BMWET]

🇦🇹 Weiterer Stromversorger senkt Preise. Nachdem der Verbund vor zwei Wochen angekündigt hatte, dass Haushaltskunden ab 1. März 2026 mit dem „Österreich-Tarif“ einen Strompreis von „unter 10 Cent/kWh“ beziehen können, folgt nun die EVN nach. Im Netzgebiet der Netz NÖ wird es ab 1. April 2026 mit dem „Garant Sonne“-Tarif einen Strompreis von „durchschnittlich rund 10 Cent/kWh“ geben. Die jährlichen Stromkosten eines Durchschnittskunden sollen sich dadurch um rund 15,5 % reduzieren. Wie die E-Control bereits Ende letzten Jahres ankündigte, wird es zwischen 1. April und 30. September jeden Jahres einen „reduzierten Sommerarbeitspreis“ (RSAP) geben, bei dem die Netzentgelte zwischen 10 und 16 Uhr um 20 % reduziert werden. [Quelle: EVN | Reaktionen: BMWET, SPÖ, NÖ Landesregierung, SPÖ NÖ | Service: E-Control RSAP]

🇦🇹 Zehetner will Inflationsberechnung im Tourismus prüfen. Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner will eine Überprüfung der Inflationsberechnung im Tourismus durch die Statistik Austria. Die Gewichtung von Regionen und einzelnen Positionen – etwa bei Getränken – sei fragwürdig. Außerdem sollten Lohnabschlüsse und Qualitätsverbesserungen stärker berücksichtigt werden. Hoteliers-Präsident Walter Veit verweist z. B. auf den Auf- und Ausbau von Wellnessbereichen. Darauf folge kein Preisaufschlag auf dasselbe Produkt, „sondern ein qualitativ hochwertigeres“. Die Gäste würden das gerne in Kauf nehmen und trotzdem kommen. Diese Woche soll ein erster Gesprächstermin mit der Statistik Austria stattfinden. Die Berechnung des VPI sei wichtig, weil sie über die Indexierung weit über einzelne Branchen hinaus wirke und mittelbar auch die Lohnabschlüsse beeinflusst, so Zehetner. [Quellen: BMWET, ÖHV | Grafik: Was die Inflation in Österreich antreibt

🇦🇹 Weniger Unternehmen müssen Handelsstatistiken melden. Seit Freitag ist eine Novelle der Handelsstatistik-Verordnung in Kraft, mit der die Schwellen für Meldungen zur Intra-EU-Handelsstatistik (Intrastat) angehoben werden. Dadurch sind rund 4.000 österreichische Unternehmen meldepflichtig, bisher waren es 8.100. Warenimporte aus EU-Staaten müssen nur noch dann monatlich an die Statistik Austria gemeldet werden, wenn ein Unternehmen 5 Mio. Euro pro Jahr überschreitet, Exporte ab der Schwelle von 1,2 Mio. Euro. [Quelle: BMWET]

🇦🇹 Personalstopp und Millionen-Sparprogramm bei WKÖ. Die neue WKÖ-Präsidentin Martha Schultz will das Kammer-Minus von 4,2 Mio. Euro heuer auf eine Null drücken. Ab sofort gibt es im Bund keine Nachbesetzungen oder Neueinstellungen mehr und auch bei Veranstaltungen soll gespart werden. Bis Ende 2027 soll Personal abgebaut werden. [Quelle: APA via Medienberichte | Grafik: Wachstum der Kammerumlagen in der WKÖ]

🇦🇹 Strom und Gas im Großhandel teurer. Die Großhandelspreise für Strom und Gas steigen im Februar im Monatsabstand. Der entsprechende Index der Energieagentur klettert für Strom um 4,6 % auf 130,94 Euro/MWh und für Gas um 16,0 % auf 35,24 Euro/MWh. Im Jahresabstand ist Gas im Großhandel um 27,5 % billiger. [Quelle: Energieagentur]

🇦🇹 ISTA erhält Millionenspende für KI-Forschung. Das Forschungsinstitut ISTA in Klosterneuburg hat eine Spende über 5 Mio. Euro von dem kanadischen Uber-Mitbegründer Garrett Camp erhalten, um die Forschung im Bereich KI auszubauen. Das ISTA plant bis 2036 eine Erweiterung von aktuell 90 auf 150 Forschungsgruppen und von 1.300 auf 2.000 Mitarbeiter. [Quelle: ISTA]

🇦🇹 Wiener Budgetdefizit 2025 voraussichtlich bei 2,8 Mrd. Euro. Das Wiener Budgetdefizit dürfte 2025 laut vorläufiger Zahlen 2,8 Mrd. Euro betragen haben und damit um rund 450 Mio. Euro weniger als zuletzt prognostiziert. Im Doppelbudget 2024/25 war man noch von einem Defizit für 2025 von 2,2 Mrd. Euro ausgegangen. Der Schuldenstand dürfte Ende 2025 bei 14,4 Mrd. Euro liegen und damit die Zinsbelastungen um bis zu 50 Mio. Euro sinken. Bei der Verschuldung pro Kopf bzw. in Prozent der Wirtschaftsleistung liege man damit weiterhin im Mittelfeld aller Bundesländer. [Quelle: Stadt Wien]

🇪🇺 🇮🇳 EU und Indien könnten morgen Abkommen unterzeichnen. Diese Woche soll es ernst werden bei dem angepeilten Handelsabkommen zwischen der EU und Indien. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist bereits in Neu Delhi und wird morgen den Indien-EU-Gipfel leiten. Am Dienstag könnte das Abkommen unterzeichnet werden. Teil des Abkommens soll Insidern zufolge eine Senkung der indischen Importzölle für europäische Autos sein. Indien hatte laut IWF 2025 ein BIP-Plus von 7,3 % und soll heuer um 6,2 % wachsen. Das Handelsvolumen zwischen Indien und der EU lag zuletzt bei 120 Mrd. Euro. Das Abkommen könnte laut Wifo-Ökonom Harald Oberhofer kurzfristig ähnliche Effekte wie das Abkommen mit Mercosur haben, langfristig jedoch stärkere Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum. In Österreich würden insbesondere die Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Fahrzeugzulieferer, Chemie und Kunststoffe sowie Umwelttechnik profitieren. [Quellen: EU-Kommission, IWF, Reuters I, Reuters II, Reuters III, WKÖ, Wifo, APA via Medienberichte | Interview: „Ein Handelskrieg würde insbesondere Österreich schaden“

🇪🇺 Meloni und Merz für provisorischen Start des Mercosur-Abkommens. Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz wollen sich für eine rasche Anwendung des Mercosur-Abkommens auf provisorischer Basis einsetzen – trotz der Anrufung des EuGH durch das EU-Parlament. Laut dem Kommissionssprecher Olof Gill haben sich bereits einige Regierungschefs für ein solches provisorisches Inkraft-Setzen ausgesprochen – eine Entscheidung dazu gebe es aber noch nicht. Man warte nun zunächst, bis die Mercosur-Staaten das Abkommen ratifiziert haben. Die deutschen Grünen unterstützen eine vorläufige Anwendung des Abkommens und würden einer Ratifizierung im EU-Parlament auch vor dem EuGH-Entscheid zustimmen, sagte der Vorsitzende der deutschen Abgeordneten, Erik Marquardt. [Quellen: Politico, EU-Kommission, Welt]

🇪🇺 EU setzt Importzölle gegen USA für weitere 6 Monate aus. Nach der Einigung zu Grönland hat die EU die vorbereiteten Importzölle gegen die USA mit einem Volumen von 93 Mrd. Euro für weitere 6 Monate außer Kraft gesetzt – sie hätten sonst ab dem 7. Februar gegolten. Die Zölle können jederzeit aktiviert werden. [Quelle: EU-Kommission | Grafik: USA & EU: füreinander wichtigster Exportmarkt]

🇩🇪 Ausländische Direktinvestitionen verdoppelt. Die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland dürften sich 2025 gegenüber dem Vorjahr auf 96 Mrd. Euro verdoppelt haben. Deutsche Unternehmen haben vergangenes Jahr im Ausland 86 Mrd. Euro investiert. „Rechtssicherheit und Kalkulierbarkeit werden im globalen Wettbewerb zum Standortvorteil für Deutschland“, sagt Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). [Quelle: IW]

🌐 Goldpreis knackt 5.000-Dollar-Marke. Der Preis für eine Feinunze Gold erreichte in den frühen Montagmorgenstunden ein neues Allzeithoch von 5.092,150 US-Dollar pro Feinunze. Erst vergangenen Oktober wurde die Rekordmarke von 4.000 Dollar zum ersten Mal überschritten. [Quelle: Tradingview]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: 5. Verhandlungsrunde des Kollektivvertrags für die Sozialwirtschaft

Heute, Brüssel: Europaministerin Bauer beim EU-Ministerrat Allgemeine Angelegenheiten [Info] – danach Treffen mit EU-Kommissar Brunner

Heute, Brüssel: Landwirtschaftsminister Totschnig beim EU-Ministerrat Landwirtschaft und Fischerei [Info]

Heute, Maskat, Oman: Außenministerin Meinl-Reisinger im Oman (bis 28.1.)

Heute, Indien: EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und EU-Ratspräsident Costa als Ehrengäste bei den Feierlichkeiten zum indischen Tag der Republik (bis 27.1.). [Info]

Heute, Hamburg: Internationaler Nordsee-Gipfel für unabhängige und sichere Energie in Europa (letzter Tag) [Info]

10:00 Uhr, Wien: Das Verteidigungsministerium präsentiert das „Risikobild 2026“ im Raiffeisen-Forum [live]

Wochenvorschau

Seit gestern sind Kommissionspräsidentin von der Leyen und Ratspräsident Costa in Indien, wo morgen ein Handelsabkommen unterzeichnet werden könnte. Am Montag gehen die KV-Verhandlungen für die rund 130.000 Beschäftigten in den privaten Gesundheits-, Sozial- und Pflegeberufen in die 5. Runde und im Raiffeisen-Forum in Wien wird das jährliche Risikobild des Militärs präsentiert. In Brüssel nimmt Landwirtschaftsminister Totschnig am EU-Agrar- und Fischereirat teil. Außenministerin Meinl-Reisinger beginnt am Montag eine sechstägige Reise in den Oman, nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate. 

Am Dienstag präsentiert die Industriellenvereinigung ihre Konjunkturumfrage für das 4. Quartal 2025. Der Europäische Autohersteller-Verband ACEA veröffentlicht die Pkw-Neuzulassungszahlen für Dezember.

Am Mittwoch trifft sich die Regierung zum Ministerrat, die Bank Austria veröffentlicht ihren Einkaufsmanagerindex und um 20 Uhr die US-Notenbank Fed ihren Zinsentscheid. 

Am Donnerstag veröffentlichen die Statistik Austria ihre Arbeitsmarktstatistik für Dezember 2025 und das Wifo seinen Konjunkturtest. 

Am Freitag folgt vom Wifo die BIP-Schnellschätzung zum 4. Quartal 2025 und von der Statistik Austria die Tourismus-Statistik für 2025. 

Bundeskanzler Christian Stocker reist am Sonntag nach Israel.

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Paul Severin ist Teil des Executive Management Committee (EMC) der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS).

Geburtstage: Wir gratulieren Erika Stubenvoll, Rupert Ursin und Erni Mangold zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

18:00 Uhr, Wien: Der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung lädt zu seinem Neujahrsempfang in das Lokal 8 des Parlaments. [invite only]

18:00 Uhr, Graz: Die SPÖ Steiermark lädt zum Neujahrsempfang in die Alte Universität [invite only]

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