Morning in Brief

Morning in Brief, 27. Jänner 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Bundesheer warnt vor Deindustrialisierung. Neben der als „sehr hoch“ eingestuften Gefahr einer Konfrontation zwischen Russland und der EU, dem unilateralen Agieren der USA sowie Cyberangriffen und kognitiver Kriegsführung stuft das neue „Risikobild 2026“ des österreichischen Bundesheeres auch die Gefahren des wirtschaftlichen Protektionismus und der Deindustrialisierung als „hoch“ ein. „Protektionismus und die Nutzung von Abhängigkeiten als Waffe gefährden Europas industrielle Basis“, daher muss Europa „sicherheits- und verteidigungspolitisch eigenständiger werden und weiterhin in die eigene Verteidigung und Rüstungsindustrie investieren“. Österreich sollte sich daher für „kooperative und faire Handelsmodelle“ – wie etwa das Mercosur-Abkommen – einsetzen, heißt es dort. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer will die heimische Rüstungsindustrie u. a. durch eine Novelle des Außenwirtschaftsgesetzes, die sich derzeit in Koordinierung mit den Koalitionspartnern befindet, unterstützen. [Quellen: Risikobild 2026, Pressekonferenz, BMWET]

„Aktion 20.000 entfernt Stigma der Langzeitarbeitslosigkeit“
Interview mit Martin Halla

Die 2017 gestartete Aktion 20.000 bot Langzeitarbeitslosen staatlich geförderte Jobs – wurde aber rasch von der Nachfolge-Regierung mit Verweis auf Kosten und Ineffizienz gestoppt. Eine neue Studie des Arbeitsmarktökonomen Martin Halla kommt nun zu einem gegenteiligen Schluss: „Entgegen allen Befürchtungen war die Aktion 20.000 ein klarer Erfolg“, so Halla. Sie bewirkte eine langfristige Integration in reguläre Jobs und entfernte des Stigma der Langzeitarbeitslosigkeit. Zudem zeigte sich eine weitgehende finanzielle Kostendeckung.

💡 Edelmetalle auf Rekordkurs. Seit Jänner 2025 hat sich der Goldpreis in US-Dollar gemessen nahezu verdoppelt. Der Silberpreis verzeichnete mit einem Anstieg von 271 % ein noch stärkeres Wachstum. Bei beiden Edelmetallen jagt derzeit ein Rekordhoch das nächste. Gestern hat der Preis für eine Feinunze Gold kurzfristig die Schwelle von 5.110 US-Dollar überschritten, eine Feinunze Silber erreichte die Marke von 110 US-Dollar. Analysten zufolge könnte der Goldpreis heuer auch noch die Marke von 6.000 US-Dollar erreichen. Aktuelle Preistreiber sind „Trump und nochmal Trump“ sowie Privatpersonen, die erstmals in Edelmetalle investieren, so Ökonom Adrian Ash gegenüber Reuters. [Quellen: Bullionvault, Reuters, eigene Berechnungen | Grafik von Stephan Frank]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

🇦🇹 KV-Abschluss in der Sozialwirtschaft bringt 2,6 % mehr Lohn. Die 5. Verhandlungsrunde über einen neuen Kollektivvertrag für den privaten Gesundheits,-Sozial- und Pflegebereich brachte in der Nacht auf Dienstag den Durchbruch. Die Gewerkschaften GPA und vida einigten sich mit der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) auf eine Erhöhung der Gehälter und Löhne um 2,6 % ab April 2026 und mindestens 2,3 % ab Jänner 2027, abhängig von der Inflationsrate. [Quelle: APA via Kurier]

🇦🇹 Pensionskassen verzeichnen 2025 Plus von 4,88 %. Der Fachverband der Pensions- und Vorsorgekassen (WKÖ) zeigte sich mit der Performance des letzten Jahres zufrieden. Die Pensionskassen erzielten ein Plus von 4,88 % – nahe am Langzeitschnitt von 5,02 %. Das Veranlagungsvolumen betrug zuletzt 30,6 Mrd. Euro, 939 Mio. Euro wurden 2025 an mehr als 160.000 Pensionisten ausgezahlt – im Schnitt 419 Euro monatlich (14-mal/Jahr). Die Vorsorgekassen (Abfertigung Neu) erzielten ein Plus von 3,64 %, das Veranlagungsvolumen betrug 23,7 Mrd. Euro. Fachverband-Obmann Andreas Zakostelsky fordert von der Bundesregierung im Rahmen der geplanten Reform der betrieblichen Vorsorge eine verpflichtende Verlängerung der Liegedauer des eingezahlten Kapitals bis Pensionsantritt zur Performance-Steigerung und sieht weiteren Diskussionsbedarf bei Entnahmemöglichkeiten. [Quellen: Pressekonferenz, WKÖ]

🇦🇹 Österreich unterstützt EU-Lebensmittelkennzeichnung. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig hat gestern eine Initiative Frankreichs für eine EU-weite Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln unterstützt. Totschnig ortet aufgrund zunehmender Freihandelsabkommen den „Wunsch der Konsumenten nach mehr Transparenz“. Vor allem bei „sensiblen Produkten“ wie Fleisch, Zucker, Milch- und Milchprodukten brauche es eine Herkunftskennzeichnung – auch in der Gastronomie. Durch „einfache, niederschwellige und praxisnahe Lösungen“ will Totschnig sicherstellen, dass dies keinen unzumutbaren bürokratischen Mehraufwand für Gastronomiebetriebe bedeutet. [Quellen: Doorstep Totschnig, Information der Mitgliedsstaaten u. a. Österreich]

🇦🇹 Weiterhin keine Einigung auf IT-Kollektivvertrag. Auch in der 5. Verhandlungsrunde erzielten Arbeitgeber und Gewerkschaft keine Einigung über einen neuen Kollektivvertrag für die IT-Branche. Die Arbeitgeber betrachten die Gehaltsforderungen der Gewerkschaft als standortgefährdend für die Wettbewerbsfähigkeit der Branche. Die Gespräche sollen nach Beratungen mit den Betrieben fortgesetzt werden. Die Gewerkschaft plant österreichweite Betriebsversammlungen zur Abstimmung über die weitere Verhandlungsstrategie. [Quellen: WKÖ, ÖGB]

🇪🇺 🇦🇹 Rat der EU für allgemeine Angelegenheiten unter zyprischem Vorsitz. Gestern fand das erste Treffen des Rates der EU für allgemeine Angelegenheiten unter zyprischem Vorsitz statt. Die zyprische Ratspräsidentschaft setzt auf die Stärkung der strategischen Autonomie der EU, Sicherheits- und Verteidigungsbereitschaft, Wettbewerbsfähigkeit und sozialen Zusammenhalt. Im Rat für allgemeine Angelegenheiten liegen die Schwerpunkte auf Rechtsstaatlichkeit, dem Mehrjährigen Finanzrahmen, EU-Erweiterung, Bürokratieabbau, Demokratie sowie den EU-UK-Beziehungen. Am Rande der Sitzung betonte Europaministerin Claudia Bauer die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit Europas durch mehr Industrie, weniger Bürokratie, niedrigere Energiepreise und mehr Innovationen zu fördern. Sie bekräftigte die ablehnende Haltung Österreichs zum Mercosur-Abkommen, hält jedoch erste Schritte in Richtung eines Handelsabkommens während der Prüfung durch den Europäischen Gerichtshof für legitim. [Quellen: Rat der EU, Doorstep Claudia Bauer]

🇪🇺 Schrittweise Abschaffung russischer Gasimporte beschlossen. Der Rat der EU hat gestern formell die Verordnung verabschiedet, die die Einfuhr von russischem Piplinegas und Flüssigerdgas (LNG) schrittweise beendet. 24 der 27 Mitgliedstaaten stimmten für die Annahme, dagegen votierten Ungarn und die Slowakei, Bulgarien enthielt sich. 6 Wochen nach Inkrafttreten der Verordnung wird die Einfuhr von russischem Pipelinegas und LNG verboten. Für bestehende Verträge gilt eine Übergangsfrist. Ab Anfang 2027 tritt ein vollständiges Verbot für LNG-Importe in Kraft, ab Herbst 2027 auch für Pipelinegas. Bis zum 1. März müssen die Mitgliedsstaaten nationale Pläne zur Diversifizierung ihrer Gasversorgung vorlegen. Eine Zusatzklausel ermöglicht es der Kommission, das Einfuhrverbot für 4 Wochen auszusetzen, falls die Versorgungssicherheit in einem oder mehreren EU-Ländern ernsthaft gefährdet ist. Außerdem plant die Kommission, einen Gesetzesvorschlag zur schrittweisen Abschaffung russischer Ölimporte bis Ende 2027 vorzulegen. [Quellen: Rat der EU, Abstimmungsergebnisse]

🇪🇺 3. Nordsee-Gipfel beschließt Ausbau der Windenergie. Gestern und vorgestern trafen sich die Staats- und Regierungschefs sowie die Energieminister 10 europäischer Staaten gemeinsam mit Vertretern der Wirtschaft und NGOs, um den Ausbau der Windenergie in der Nordsee und die Stärkung der Offshore-Branche zu koordinieren. Beschlossen wurde u. a. der vermehrte Bau von Offshore-Windparks mit Stromanbindung an mehr als ein Land, wodurch bis zu 100 Gigawatt Erzeugungsleistung grenzüberschreitend vernetzt werden sollen. Außerdem wurde ein Investitionspakt vereinbart, das der Windenergie- und Netzindustrie durch zugesicherte Offshore-Wind-Ausschreibungen Planungs- und Investitionssicherheit bis 2030 geben soll. Im Gegenzug verpflichtet sich die Branche, die Stromentstehungskosten bis 2040 um 30 % zu senken, in Europa bis 2030 9,5 Mrd. Euro in neue Produktionskapazitäten zu investieren und 91.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. [Quellen: Deutsches Wirtschaftsministerium, E3G]

🇪🇺 BCG-Studie zeigt Reformbedarf für Europas Wirtschaft. In einer BCG-Studie geben 96 % der befragten Unternehmer und 85 % der Bürger an, dass Europa seine wirtschaftlichen Interessen schützen muss, um u. a. Beschäftigungsabbau und Offshoring zu vermeiden. Zwei Drittel der Befragten sprechen sich zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit für „mehr Europa“ aus. 85 % der Unternehmer beurteilen die institutionelle Entwicklung Europas als blockiert. Rund 40 % halten das bestehende System für nicht mehr handhabbar. Sie sehen eine vollständige Überarbeitung auch dann als notwendig an, wenn dies vorübergehende Beeinträchtigungen mit sich bringt. Eine Mehrheit der Bürger (76 %) und Unternehmer (93 %) ist zudem der Ansicht, dass Unternehmer aktiv an Reforminitiativen mitwirken sollten, um Reformen voranzutreiben und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, etwa durch Einrichtung eines EU-weiten CEO-Arbeitsgremiums. [Quelle: BCG]

🇩🇪 Deutsches Geschäftsklima stagniert zu Jahresbeginn. Der Ifo-Geschäftsklimaindex blieb im Januar bei 87,6 Punkten und damit unverändert nach zwei Rückgängen in Folge. Die aktuelle Geschäftslage wurde minimal besser eingeschätzt als im Dezember 2025, während die Erwartungen für die nächsten sechs Monate sanken. Im verarbeitenden Gewerbe bewerteten die Unternehmen sowohl die aktuelle Lage als auch ihre Erwartungen besser, gleichzeitig ging die Kapazitätsauslastung zurück. Auch im Handel und Bauhauptgewerbe verbesserte sich das Geschäftsklima, während es sich im Dienstleistungsbereich eintrübte. [Quelle: Ifo-Institut]

🇩🇪 Bundesbankpräsident sieht deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs. Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Joachim Nagel, erwartet im Laufe des Jahres eine Erholung der deutschen Wirtschaft. In einer Prognose aus dem Dezember 2025 geht die Bundesbank von einem BIP-Wachstum von 0,6 % im Jahr 2026 bei einer Inflation von 2,2 % aus. Gleichzeitig wird prognostiziert, dass die Staatsschulden bis 2028 auf 68 % des BIP und das Defizit auf 4,8 % des BIP ansteigen werden. Angesichts der unsicheren internationalen Handelsbeziehungen und der geopolitischen Lage fordert Nagel, die regelbasierte internationale Kooperation zu stärken. Es wird empfohlen die EU-Handelskooperationen, u. a. mit Indien, auszubauen, um insbesondere exportorientierten europäischen Staaten weitere Wachstumsmöglichkeiten zu eröffnen. [Quellen: Rede von Joachim Nagel, Vorhersage 2026, IW Köln]

Selektive Agenda:

Heute, Neu Delhi, Indien: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa nehmen am 16. EU-Indien-Gipfel teil. [Info]

Heute, Maskat, Oman: Außenministerin Meinl-Reisinger im Oman (bis 28.1.)

6:00 Uhr, Brüssel: Europäischer Autohersteller-Verband ACEA veröffentlicht Pkw-Neuzulassungen Dezember

10:00 Uhr, Wien: Industriellenvereinigung veröffentlicht Konjunkturumfrage 4. Quartal 2025

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Alice Assinger ist neue Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kardiovaskuläre Forschung. Andreas Hampel ist neuer Partner im Bereich Strategy, Risk & Transactions bei Deloitte Österreich. Florian Hirner ist neuer Head of Content Media Solutions bei Austrian Standards. Petra Bayr wurde zur Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarats gewählt.

Geburtstage: Wir gratulieren Christine Catasta, Angelika Sommer-Hemetsberger und Reinhold Lopatka zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Spotted. Beim Neujahrsempfang des Forwit wurden neben den Gastgebern Thomas Henzinger und Thomas König u. a. gesehen: Wolfgang Hattmannsdorfer, Eva-Maria Holzleitner, Holger Bonin, Brigitte Hütter, Henrietta Egerth, Sigrid Maurer, Alexander Svejkovsky, Brigitte Bach, Andreas Kugi, Florian Frauscher, Michael Hlava, Martin Hetzer, Heinz Faßmann, Jakob Steinschaden, Markus Raunig, Tanja Spennlingwimmer uvm.

9:00 Uhr, Brüssel: Europäische Weltraumkonferenz u. a. mit Andrius Kubilius, Josef Aschbacher [Info]

12:00 Uhr, Graz: Neujahrsempfang der ÖVP Graz im Rathaus [invite only]

18:00 Uhr, Wien: Das AIES lädt zur Diskussion „Hotspot East Asia – Korea, Taiwan, South China Sea“ in die Diplomatische Akademie u. a. mit Hans Dietmar Schweisgut, Michael Reiterer, Brig. Nikolaus Rottenberger [Info]

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