Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Industrie erwartet schwache Erholung. Das Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung drehte im 4. Quartal erstmals seit langem wieder in den positiven Bereich. Nach „der längsten Rezession der jüngeren österreichischen Wirtschaftsgeschichte“, gefolgt von einer Phase der Stagnation, rechnet IV-Chefökonom Christian Helmenstein für 2026 mit einer auffallend schwachen Erholung. Diese sei getragen von Pharma, elektrischer Ausrüstung sowie Nahrungs- und Futtermitteln. Die Automobilbranche stabilisiere sich, und der Bereich „sonstige Waren“ expandiere stark aufgrund des Aufschwungs bei Gold und Edelmetallen. Noch nicht gut sehe es bei Mineralölverarbeitung, Energieversorgung, Bekleidungsherstellung, Papier- und Pappeerzeugung sowie Metallbearbeitung und -verarbeitung aus. Der Auftragsbestand ist deutlich positiv, der Beschäftigungsstand jedoch weiterhin im negativen Bereich. Helmenstein rechnet nicht vor dem Sommer mit einem Ende des Stellenabbaus. Eine Lohnnebenkostensenkung wäre hier ein hilfreicher Beitrag mit hoher Symbolkraft, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Die Industrie warte außerdem dringend auf das 2. Entbürokratisierungspaket, das im Juni folgen soll. [Quellen: Pressekonferenz, IV]
Kommentar: Große Industriestrategie, große Chance für Startups?
von Laura Raggl
Die Industriestrategie ist ein wichtiger Ansatz, Industriepolitik systematisch und ressortübergreifend zu denken. Besser spät als nie. Über Jahre wurde in der politischen Debatte übersehen, dass Industrie und Unternehmertum die zentrale Einnahmequelle des Staates und Grundlage des Sozialmodells sind. Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Stagnation ist diese Erkenntnis nun wieder angekommen. Zumindest mal am Papier. Auffällig ist, dass Startups erstmals nicht nur am Rand mitgedacht werden.
💡 EU-Indien-Handelsdeal bringt heimischen Unternehmen 108 Mio. Euro Zollersparnis. Das neue Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien senkt Zölle auf EU-Exporte teils erheblich – besonders in für Österreich relevanten Bereichen wie Maschinen und Maschinenteile, optische Geräten, Eisen und Stahl. Hier fallen die Zölle in den nächsten Jahren von bis zu 44 % meist auf 0 %. Im Automobilsektor sinkt der indische Zollsatz für ein jährliches Kontingent von 250.000 Pkw schrittweise von 110 % auf 10 %. Österreichische Unternehmen können jährlich mit einer Zollersparnis von rund 108 Mio. € rechnen. Kurzfristig erwartet Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr ein BIP-Plus von etwa 0,1 %. „Langfristig steigen die Effekte dann aber an, sofern die Zollsenkungspläne eingehalten werden“. [Quellen: Europäische Kommission, BMWET, Felbermayr auf X | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
🇦🇹 Sorge um Kürzungen bei der Forschungsfinanzierung. Der FTI-Pakt, der die Forschungsfinanzierung regelt, lässt weiter auf sich warten. Eigentlich hätte er Ende 2025 vorgestellt werden sollen, dann mit der Industriestrategie, doch auch diese Woche soll es nichts werden, wie Selektiv von Menschen erfahren hat, die mit dem Thema vertraut sind. Diskutiert wird bis zuletzt ums Geld. Rund 5,2 Mrd. Euro standen im Forschungspakt 2024-2026 bereit. Forschung Austria und Industriellenvereinigung warnten gestern erneut vor Kürzungen für die nun anstehenden Jahre 2027-29. Auch der Forschungsrat Forwit, der die Regierung berät, pochte auf einen raschen Beschluss ohne Einbußen. 2,8 Mrd. Euro aus dem Pakt sind jedenfalls bereits im Rahmen der Industriestrategie verplant worden, und zwar für die 9 Schlüsseltechnologien. [Quellen: IV/Forschung Austria, Forwit]
🇦🇹 Spritpreis-Kommission tagt erstmals. Morgen soll Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer das erste Mal die Preiskommission zur Prüfung der Spritpreise einberufen, wie die Krone berichtet. Diese soll die Preise am österreichischen Treibstoffmarkt analysieren und fallweise Maßnahmen empfehlen. [Quelle: Krone]
🇦🇹 Durch hohe Lohnkosten gingen Arbeitsplätze verloren. 83 % der mittleren und größeren Unternehmen aus Österreich waren 2023 in globale Lieferketten eingebunden. 4 von 5 dieser Unternehmen bezogen Waren oder Dienstleistungen aus dem Ausland, 3 von 5 lieferten diese in andere Länder. Rohstoffe und Zwischenprodukte wurden stärker aus dem Ausland bezogen, selbst entwickelte Produkte eher exportiert. Mehr als jedes zweite Unternehmen war auch in Lieferketten über die EU hinaus eingebunden. 4,8 % der Unternehmen verlagerten zwischen 2021 und 2023 Tätigkeiten ins Ausland („Outsourcing“). 3.500 Arbeitsplätze in Österreich waren davon betroffen, die meisten gingen durch Produktionsverlagerungen verloren. Das stärkste Motiv neben strategischen Entscheidungen: eine Reduktion der Lohn- und Lohnnebenkosten. [Quelle: Statistik Austria | Grafik: Arbeitsstunde ist in Österreich besonders teuer]
🇦🇹 Kürzungen bei der Infrastruktur für Privatbahnen. Fachverbände der Wirtschaftskammer machten gestern auf eine Finanzierungslücke bei der Infrastruktur für private Schienenbahnen hin. Der entsprechende Fünfjahresplan sehe Kürzungen um 50 % vor, während die ÖBB in ihrem Rahmenplan 7 % einsparen würden. Beim Bund wurde ein Finanzierungsbedarf von 173 Mio. Euro pro Jahr gemeldet, budgetiert wurden nun aber nur 89 Mio. Euro, die von den Ländern üblicherweise aufgedoppelt werden. Geplant wären Infrastrukturprojekte im Wert von 346 Mio. Euro pro Jahr. Die Infrastruktur stamme teilweise aus der Gründerzeit. Man suche nun weiterhin das Gespräch mit der Politik. [Quelle: Die Presse]
🇦🇹 Maximal 50 Windräder für Kärnten. Die Zahl der Windkrafträder in Kärnten wird künftig auf maximal 50 begrenzt, wie der Ausschuss für Standort, Energie und Raumordnung des Kärntner Landtags gestern einstimmig beschlossen hat. Der Beschluss folgt einer Volksbefragung aus dem Jänner 2025, bei der sich 51,5 % der Kärntner für ein Verbot von Windkraftanlagen ausgesprochen hatten. Diese Volksbefragung wurde zwar vom Verfassungsgerichtshof für gesetzeswidrig erklärt, hat jedoch keine Auswirkungen auf den Gesetzesantrag. Dieser soll nun am 5. Februar im Kärntner Landtag verabschiedet werden. [Quellen: APA via Medienberichte, Volksbefragung, VfGH | Grafik: Wo in Österreich Windräder stehen]
🇪🇺 🇮🇳 EU und Indien einigen sich auf Freihandelsabkommen. Das Abkommen soll EU-Exporteuren rund 4 Mrd. Euro pro Jahr ersparen, da bestehende Zölle Indiens auf 96,6 % des Export-Warenwertes entweder ganz entfallen oder schrittweise reduziert werden. Laut EU-Kommission hat bisher kein anderer Handelspartner Indiens so weitreichenden Marktzugang wie die EU erhalten. Bis zum Jahr 2032 sollen sich die EU-Exporte nach Indien somit verdoppeln. „Wir haben die ‚Mutter aller Deals‘ abgeschlossen“, so EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Der finale Text des Vertrags soll „in Kürze“ veröffentlicht werden, danach kann der Europäische Rat das Abkommen annehmen und die Vertragsparteien offiziell unterzeichnen. Danach muss der Vertrag noch durch das Europäische Parlament ratifiziert werden. Im Gegensatz zum Mercosur-Abkommen wird kein signifikanter Widerstand gegen das EU-Indien-Abkommen erwartet. [Quellen: EU-Kommission – Aussendung, Q&A, Rede von der Leyen; Europäischer Rat – Statement Costa, Joint Statement; von der Leyen auf X]
🇪🇺 🇦🇹 Heimische Wirtschaft begrüßt EU-Indien-Abkommen. Die heimische Wirtschaft begrüßt die Einigung auf das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer bezeichnet Indien als „Wachstumsmarkt für Europa und Österreich“, WKÖ-Präsidentin Martha Schultz spricht von einem „Hoffnungsschimmer und wichtigen Schritt in die richtige Richtung“ – das zusätzlich nutzbare Exportpotenzial österreichischer Unternehmen beziffert die WKÖ mit 1,1 Mrd. Euro. Laut einer Studie des IfW Kiel bringt das Abkommen einen dauerhaften Mehrwert für die EU und Indien – unabhängig von externen Umständen. Die Berechnungen prognostizieren langfristige gegenseitige Wohlfahrtsgewinne von 0,12 bis 0,13 % des BIP sowie eine Ausweitung des bilateralen Handels um 41 bis 65 %. [Quellen: IV, WKÖ, IfW Kiel | Reaktionen: WKK, BusinessEurope, ÖVP, ÖVP-EU, Neos, Unos, Oö. Landesregierung]
„Lebensmittelhandel ist Blitzableiter für politisches Versagen“
Interview mit Rainer Will
Die Senkung der MwSt auf Grundnahrungsmittel von 10 % auf unter 5 % werde „nach Möglichkeit 1:1 an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Kritisch sei jedoch die zusätzliche Bürokratie die dies schaffe. „Ich kenne keinen Mitarbeiter, der gratis zur Verfügung steht, um Meldepflichten zu realisieren.“ Die Abschaffung der territorialen Lieferbeschränkungen im EU-Binnenmarkt ist laut Will der „größte Hebel, um leistbare Lebensmittel sicherzustellen.“ Zentrale Probleme des Handels bleiben jedoch die stark gestiegenen Energiepreise sowie die im EU-Vergleich hohen Personalkosten.
🇪🇺 EU-Automarkt erholt sich nur langsam. Im Vorjahr stiegen die Pkw-Neuzulassungen in der EU um 1,8 % auf rund 10,8 Mio. Fahrzeuge und bleiben damit weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 15,3 Mio. Fahrzeugen (2019). Im Jahr 2025 entfielen 34,5 % der Neuzulassungen auf Hybridfahrzeuge, 26,6 % auf Benziner, 17,4 % auf E-Autos, 9,4 % auf Plug-in-Hybride sowie 8,9 % auf Diesel. Stärkster Wachstumsmarkt bei den E-Auto-Zulassungen war Deutschland (+43,2 %), in Österreich stiegen sie um 35,9 %. Deutschland fördert die Anschaffung von E-Autos heuer mit bis zu 6.000 Euro, Österreich kann aus Budgetgründen hier aber nicht mitziehen, so Infrastrukturminister Peter Hanke. [Quellen: ACEA, Pressekonferenz Hanke | Grafik: Hybrid- und E-Autos auf der Überholspur]
🇸🇰 🇭🇺 Slowakei und Ungarn klagen gegen EU-Gas-Stopp. Ungarn und die Slowakei wollen vor dem EuGH gegen den von der EU beschlossenen Einfuhrstopp von russischem Gas ab 2027 klagen. Sanktionen müssten im Europäischen Rat von den Staats- und Regierungschefs einstimmig beschlossen werden, nicht mit qualifizierter Mehrheit auf Ministerebene, so die Argumentation. „Wir werden gegen die Verletzung der Grundsätze der Subsidiarität und Verhältnismäßigkeit Einspruch erheben“, so der slowakische Regierungschef Robert Fico. Die FPÖ begrüßt die Klage, das Importverbot gefährde die Energiesicherheit Österreichs und verschärfe das Problem der hohen Energiepreise, so Petra Steger. [Quellen: Reuters, FPÖ, Rat der Europäischen Union]
🇩🇪 Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft weiter verhalten. Seit der Ifo-Index für Exporterwartungen im September 2025 auf +2,8 Punkte gestiegen ist, hat sich die Stimmung wieder verschlechtert und liegt im Januar dieses Jahres bei -1,2 Punkten. Im Vergleich zum Vormonat ist dies ein leichter Anstieg, dennoch sind die Exporterwartungen der Unternehmen negativ. Während die Branchen der Getränkeherstellung, elektrische Ausrüstungen und Automobilindustrie positiv auf die kommenden drei Monate blicken, wird vor allem in der Herstellung von Bekleidung, Möbeln, Metallerzeugnissen und Druckerzeugnissen mit einem Rückgang der Exporte gerechnet. [Quelle: Ifo-Institut]
🇩🇪 Empfehlungen zur deutschen Sozialstaatsreform. Die Kommission zur Sozialstaatsreform (KSR) hat gestern ihren Abschlussbericht an die deutsche Arbeitsministerin Bärbel Bas übergeben. Der Bericht enthält 26 Empfehlungen, um Sozialleistungen effizienter, einfacher und digitaler zu gestalten. Vorgeschlagen wird unter anderem, Grundsicherung, Kinderzuschlag und Wohngeld zu einem einheitlichen Sozialleistungssystem mit zentraler Anlaufstelle zusammenzuführen. Weitere Empfehlungen betreffen Erwerbsanreize, rechtliche Vereinfachungen sowie Digitalisierung und Modernisierung der Verwaltung. Die Empfehlungen sollen bis Ende 2027 umgesetzt werden. [Quellen: Deutsches Arbeitsministerium, Offizieller Bericht | Reaktion: Ifo-Institut]
🇺🇸 🇰🇷 Trump erhöht Zölle für Südkorea auf 25 %. US-Präsident Donald Trump will die Zölle für Südkorea von 15 auf 25 % anheben, da die im Juli des Vorjahres erzielte Vereinbarung noch nicht vom koreanischen Parlament ratifiziert wurde. „Die südkoreanische Legislative hält sich nicht an ihre Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten“, so Trump auf Truth Social. Eine offizielle Präsidentenverfügung zur Zollerhöhung liegt bisher nicht vor, somit ist unklar, ab wann die höheren Zölle in Kraft treten sollen. Südkorea will an der Zollvereinbarung festhalten: „Unsere Regierung plant, den USA ihre Bereitschaft zur Umsetzung des Zollabkommens zu signalisieren“. Bilaterale Treffen auf Ministerebene sollen nun die offenen Fragen klären. [Quellen: Trump auf Truth Social, südkoreanisches Präsidialamt, Reuters]
🌐 Goldpreis steigt auf weiteres Rekordhoch. Der Preis für eine Feinunze Gold erreichte in den frühen Morgenstunden ein neues Allzeithoch von 5.266,180 US-Dollar pro Feinunze. Damit hat sich der Goldpreis seit Jahresbeginn um über 21 % erhöht. [Quelle: Tradingview]
Selektive Agenda:
Heute, Maskat, Oman / Riad, Saudi-Arabien: Außenministerin Meinl-Reisinger im Oman, anschl. Weiterreise nach Saudi-Arabien
Heute, Brüssel: 18. Europäische Weltraumkonferenz (letzter Tag) [Info]
9:00 Uhr, Wien: BankAustria veröffentlicht ihren Einkaufsmanagerindex
10:00 Uhr, Wien: Ministerrat und anschließend das Pressefoyer [Info]
11:30 Uhr, Wien: Recycling Pfand Österreich (EWP) zieht Bilanz zu einem Jahr Einweg-Pfandsystem
20:00 Uhr, Washington, USA: US-Notenbank Fed gibt ihren Zinsbeschluss bekannt
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Michael Hempt ist neuer CEO von Würth Österreich. Thomas Petrik undBernd Schellnast übernehmen Ende 2026 die Geschäftsführung von Sphinx IT Consulting. Paul Amon ist seit Jahresbeginn neuer Partner der Crowe SOT. Cornelia Sucher ist neue Vorstandsvorsitzende des Vereins Lokale Agenda 21 Wien. Neuer Leiter der Niederlassung von Delta Pods Architects in Wels ist Manuel Neyder. Michael Hempt ist neuer CEO von Würth Österreich.
Geburtstage: Wir gratulieren Karl Schlögl zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
17:00 Uhr, Innsbruck/online: Die Innsbrucker Uni MCI lädt zum Online-Talk mit Jörg Wuttke zum Thema „China & Europa: Partnerschaft oder Rivalität?“ [Info]
17:00 Uhr, Wien: Die ÖAW lädt zum Vortrag „Familiennetzwerke und Hofpolitik“ [Info]
18:00 Uhr, Wien: Die Uni Wien lädt zur Podiumsdiskussion „Dynamiken des Neuen: Was ist Innovation und wer treibt sie an?“ [Info]