Morning in Brief

Morning in Brief, 29. Jänner 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 MwSt-Senkung dämpft Inflation um 0,1 %. Ab 1. Juli wird die Mehrwertsteuer u. a. für Milch, Hühnereier, Kartoffeln, tiefgekühltes Gemüse, Äpfel, Steinobst, Brot und Nudeln von 10 % auf 4,9 % gesenkt. Fleisch- und Wurstwaren sind aus budgetären Gründen von der Senkung nicht betroffen. Die Maßnahme hat heuer ein Volumen von 200 Mio. Euro und in den Folgejahren von 400 Mio. Euro. Die Ersparnis für einen durchschnittlichen Haushalt soll 100 Euro pro Jahr betragen. Raiffeisen-Research-Ökonom Matthias Reith erwartet für 2026 und 2027 einen inflationsdämpfenden Effekt von 0,1 Prozentpunkten. Ab 2028 würde der inflationssenkende Effekt jedoch herausfallen, die steuerlichen Mindereinnahmen jedoch bleiben. Als Gegenfinanzierungsinstrumente befinden sich eine Paketabgabe für Sendungen aus Drittstaaten sowie eine Steuer auf nicht recyclebare Kunststoffe in Ausarbeitung. [Quellen: Pressefoyer nach dem Ministerrat, Ministerratsvortrag, Lebensmittelliste, Reith auf Linkedin | Reaktionen: ÖVP, SPÖ, FPÖ, Greenpeace | Interview: Handelsverband: „Lebensmittelhandel ist Blitzableiter für politisches Versagen“]

Kommentar: Babybonds – Vermögensaufbau ist Privatsache
von Heike Lehner

Der Staat legt für jedes Neugeborene einen bestimmten Betrag auf den Finanzmärkten an und zahlt diesen nach 18 Jahren schlussendlich aus. In dieser oder einer ähnlichen Ausgestaltung sind die sogenannten „Babybonds“ immer wieder Thema politischer Diskussionen. Sogar US-Präsident Donald Trump hat gestern ein ähnliches Konzept mit dem klingenden Namen „Trump Accounts“ vorgestellt. Doch gerade in Österreich würde das die heimische Vollkaskomentalität weiter befeuern und die Bürger in eine noch größere Abhängigkeit vom Staat treiben.

💡 Österreich im EU-Mittelfeld bei MwSt auf Lebensmittel. 13 EU-Länder heben auf die Mehrzahl der Lebensmittel einen höheren Mehrwertsteuersatz ein als Österreich – am meisten müssen Konsumenten in Ungarn (27 %), Dänemark (25 %) und Estland (24 %) zahlen. In Italien und Spanien gilt mit 10 % derselbe ermäßigte Steuersatz wie in Österreich. Auch nach der Reduktion des MwSt-Satzes auf 4,9 % für Produkte wie Milch, Butter, Brot oder Eier werden die meisten heimischen Lebensmittel weiterhin mit 10 % besteuert. In 11 EU-Ländern ist der MwSt-Satz aktuell niedriger als in Österreich – in Malta und Irland beträgt er 0 %. [Quellen: Tax Foundation Europe, BKA | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

🇦🇹 3 Mrd. Euro für Grundlagenforschung. Der FTI-Pakt, 2027-2029 der auch die Forschungsfinanzierung in Österreich regelt, ist nach wie vor ausständig. Beschlossen werden hätte er eigentlich bereits Ende 2025 sollen. Wie die APA berichtet, hat Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner nun bekanntgegeben, dass darin für die Grundlagenforschung 3 Mrd. Euro enthalten sein sollen – ein Plus von 375 Mio. Euro zum letzten Pakt, der für die Periode 2024-2026 insgesamt 5,05 Mrd. Euro vorsieht. Die neue Vereinbarung werde „as soon as possible“ finalisiert, sagte die Ministerin. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 Industrieproduktion im Jänner gesunken. Die heimische Industrieproduktion ist im Jänner erstmals seit 4 Monaten wieder gesunken und verzeichnete ein 12-Monats-Tief (-3,1 Punkte auf 47,1 Punkte). Ausschlaggebend war der Mangel an Neuaufträgen (-1,6 Punkte), vor allem aufgrund von Einbußen im Auslandsgeschäft. Auch die Beschäftigung ist schneller zurückgegangen als in den Vormonaten (-2,9 Punkte). Der UniCredit Bank-Austria-Einkaufsmanagerindex ist somit von 49,3 Punkten auf 47,2 Punkte gesunken und verzeichnete im Jänner ein 7-Monats-Tief. Der Erwartungsindex sank jedoch nur um 0,9 Punkte auf 58,9 Punkte und bleibt somit über dem langjährigen Durchschnitt. [Quellen: Bank Austria, S&P Global]

🇦🇹 EcoAustria benotet Wirtschaftsstandort mit „Befriedigend“. Eine aktuelle Studie von EcoAustria hat die Stärken und Schwächen des heimischen Standorts anhand von 140 Indikatoren und 22 Standortfaktoren analysiert und kommt insgesamt zur Note „Befriedigend“. Stärken liegen im hohen Wohlstandsniveau und in der Forschung, Handlungsbedarf gibt es bei Lohnnebenkosten, Bürokratie und dem Kapitalmarkt. Bessere Noten gibt es demnach für die Innovationsförderung (2,3) und die Qualifizierung (2,4), schwächer ist Österreich bei Regulierung (4,4) und Kapitalmarkt (4,1). Die Studie sieht durch die österreichische Industriestrategie „zentrale Herausforderungen des österreichischen Industriestandorts“ adressiert und „wichtige Impulse“ gesetzt. Wie wirksam diese Impulse sein können, hänge aber davon ab, ob „bestehende strukturelle Bremsfaktoren“ reformiert werden. [Quelle: EcoAustria]

🇦🇹 Immobilienmarkt Österreich für Investoren weniger attraktiv. Die Mehrheit der für das EY Trendbarometer Immobilien-Investmentmarkt 2026 befragten Investoren rechnet für 2026 mit einem stagnierenden Investmentvolumen, ein knappes Drittel geht von einem Rückgang aus. 41 % sehen den Standort als „wenig attraktiv“, 5 % als „sehr attraktiv“ – ein Minus von 17 % zum Vorjahr. Fast alle Befragten gehen davon aus, dass sich die Insolvenzwelle in der Bau- und Immobilienwirtschaft 2026 fortsetzt und die Bedingungen bei der Kreditvergabe durch Banken herausfordernd bleiben. [Quelle EY]

🇦🇹 Auch nächstes Budget soll Doppelbudget werden. Finanzminister Markus Marterbauer will nach dem Doppelbudget 2025/2026 auch für die Jahre 2027/2028 ein gemeinsames Budget vorlegen. Marterbauer will 2028 das „Hauptziel“ der Budgetkonsolidierung erreichen, also das Defizitverfahren beenden und das Budgetdefizit unter 3 % bringen. Wo und wie viel mit dem nächsten Doppelbudget eingespart werden soll, gab Marterbauer noch nicht bekannt. „Das Volumen des Einsparungsbedarfes können wir erst dann feststellen, wenn wir eine gesicherte Datenbasis haben“, so der Finanzminister. Im Bundesbudget liege man jedenfalls „deutlich besser“ als noch bei der Budgeterstellung erwartet wurde. Die endgültige Abrechnung für 2025 publiziert Statistik Austria am 31. März 2026. Die nächste Budgetrede des Finanzministers wird für den 14. Oktober 2026 erwartet. [Quellen: Marterbauer im Podcast „Rohrer bei Budgen“, Parlamentskorrespondenz]

🇦🇹 Erneuerbare Stromproduktion im Dezember gesunken. Im Dezember 2025 ging die heimische Einspeisung aus Windkraft um 53,7 % zurück und jene von PV um 38,5 %, während die Wasserkrafteinspeisung um 6,4 % stieg. Insgesamt reduzierte sich die erneuerbare Stromproduktion im Dezember um 13,5 %, der heimische Stromverbrauch konnte nur zu 51,7 % aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. An keinem einzigen Tag konnte im Dezember 2025 Strom exportiert werden, insgesamt mussten 1.634 GWh Strom importiert werden. Im Jahr 2024 konnte noch an 3 Dezembertagen Strom exportiert werden, der Importsaldo war mit 728 GWh weniger als halb so hoch. „Die Bilanz der Einspeisung von Erneuerbaren zeigt, dass das österreichische Stromsystem nicht ohne Importe und Gaskraftwerke auskommt – vor allem im Winter“, so APG-Vorstand Gerhard Christiner. [Quelle: APG | Interview: „Europäisches Stromsystem ohne Atomkraft im Winter undenkbar“]

🇦🇹 Einwegpfand hebt Sammelquote auf 81,5 %. Durch die Einführung eines Einwegpfandsystems mit 1. Jänner 2025 konnte die Sammelquote auf 81,5 % angehoben werden, das Ziel von 80 % wurde somit erreicht. Im Jahr 2027 muss die Sammelquote auf 90 % steigen. 1,4 Mrd. Gebinde wurden letztes Jahr gesammelt, der Pfandschlupf machte 96 Mio. Euro aus und soll sich bis 2027 halbieren. Im Vorjahr wurden 58 % der gesammelten Einweggebinde recycled, die konkreten Auswirkungen auf die Recyclingquote aller Kunststoffabfälle sind noch nicht bekannt. Die Recyclingquote lag 2023 bei 26,9 %, das für 2025 von der EU vorgegebene Ziel liegt bei 50 %. Auch die Gesamtkosten des Pfandsystems wurden nicht beziffert, aus Mitteln der EU-Aufbau- und Resilienzfazilität wurden 80 Mio. Euro für die Förderung von Rückgabeautomaten, derer es in Österreich 6.400 gibt, sowie 60 Mio. Euro für die Förderung von Sortieranlagen aufgewandt. [Quellen: Pressekonferenz, Aussendung, Bestandsaufnahme der Abfallwirtschaft in Österreich | Reaktionen: FPÖ, Grüne, Behindertenrat]

🇦🇹 1,7 Mrd. Euro durch CO2-Bepreisung. Die Republik Österreich hat im Jahr 2025 rund 1,7 Mrd. Euro durch die CO2-Bepreisung eingenommen, wie die Presse berichtet. 302,6 Mio. Euro wurden über Zertifikate für große Industrieverbraucher lukriert, der Großteil von 1,4 Mrd. Euro stammte jedoch aus dem nationalen Emissionshandel. [Quelle: Die Presse]

🇦🇹 Sonderprüfung der Entwicklung der Spritpreise. Die Preiskommission tritt heute Nachmittag mit dem Auftrag zur Überprüfung der Spritpreisentwicklung erstmals in neuer Besetzung zusammen. „Allein im Jahr 2025 ist der Ölpreis um fast 30 Prozent gefallen, während die Spritpreise quasi stillstehen. Das ist nicht nachvollziehbar“, so Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig. Daher soll die Sonderprüfung der Preiskommission klären, „wo entlang der Wertschöpfungskette Preisnachlässe verloren gehen und warum sinkende Rohölpreise nicht in gleichem Ausmaß zu sinkenden Spritkosten führen“. In der Preiskommission sind der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB), die Arbeiterkammer (AK), das Sozialministerium (BMASGPK), das Finanzministerium (BMF), das Wirtschaftsministerium (BMWET), das Umweltministerium (BMLUK) sowie die Landwirtschaftskammer vertreten. [Quelle: BMASGPK | Reaktionen: ÖGB, AK]

🇪🇺 🇻🇳 EU und Vietnam vertiefen Wirtschaftsbeziehungen. Die EU und Vietnam wollen laut einer Vereinbarung ihre Wirtschaftsbeziehungen vertiefen. Der Fokus liegt dabei u. a. auf kritischen Rohstoffen, Halbleitern, erneuerbarer Energie und (Kommunikations-)Infrastruktur. [Quelle: EU-Rat, Vereinbarung]

🇩🇪 BIP-Prognose Deutschlands nach unten revidiert Die deutsche Wirtschaft soll in diesem Jahr um 1 % wachsen, prognostiziert die Bundesregierung in ihrem Jahreswirtschaftsbericht 2026. In der Herbstprognose 2025 war noch ein Wachstum von 1,3 % erwartet worden. Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stieg in diesem Monat um 1,4 Punkte auf 94,8 Punkte, liegt damit aber weiterhin unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Das DIW sieht dennoch erste Anzeichen dafür, dass die deutsche Wirtschaft aus der Rezensions-und Stagnationsphase herauskommt. Zudem verlangsamt sich der Stellenabbau in den Unternehmen, während die Verbraucher steigende Einkommen und höhere Konsumausgaben erwarten. [Quellen: Jahreswirtschaftsbericht 2026, Herbstprognose 2025, DIW, Stellenabbau, Konsumklima]

🌐 Weltweit 30 % mehr Elektroautos verkauft. Im Jahr 2025 wurden 13,7 Mio. Elektroautos verkauft, ein Anstieg um 3,1 Mio. bzw. 30 %. Elektroautos machten damit über ein Fünftel aller Autoverkäufe aus. Die globale Entwicklung wurde von China und Europa getragen, während der E-Auto-Absatz in den USA aufgrund der Streichung von Steuervorteilen ausgebremst wurde. In China wurden 2025 um 32,9 % mehr Elektroautos als 2024 zugelassen, in Europa um 29,7 % mehr und in den USA um 0,3 % weniger. Der gewichtete Durchschnittspreis der 10 meistverkauften Automodelle lag in China bei 13.000 Euro, in Europa bei 32.800 Euro und in den USA bei 37.400 Euro. [Quelle: Strategy&]

Selektive Agenda:

Heute, Saudi-Arabien und VAE: Außenministerin Meinl-Reisinger besucht Riad und Abu Dhabi

Heute, Lefkosia, Zypern: Informeller EU-Bildungsministerrat (bis 30.1.) [Info]

Heute, Wien: Preiskommission tritt zu einer Sonderprüfung der Spritpreisentwicklung zusammen

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Arbeitsmarktstatistik Dezember 2025, Frühschätzungen zu Industrie und Bau im Dezember 2025, die Konjunkturstatistik (Produktion einschl. Bauwesen) für Oktober 2025 und Frühschätzungen zu Industrie und Bau im Dezember sowie zum Straßengüterverkehr im 4. Quartal 2025

10:30 Uhr, Brüssel: EU-Ministerrat (Auswärtige Angelegenheiten) mit Staatssekretär Schellhorn [Info]

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht Wirtschafts-, Industrie- und Verbrauchervertrauen in der Eurozone im Jänner

12:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission präsentiert Migrationsstrategie

14:00 Uhr, Wien: Wifo veröffentlicht Konjunkturtest

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Sophie Uitz ist neue Geschäftsführerin des Vereins ScienceCenter-Netzwerk. Josef Fladischer und Philipp Karte wurden von der FCP-Geschäftsführung mit 1. Jänner 2026 zu Handlungsbevollmächtigten ernannt. Andreas Kaiser wird ab September neuer Generalvikar der Erzdiözese Wien.

Geburtstage: Wir gratulieren Maresa Hörbiger, Julia Stemberger, Peter Cornelius und Florian Gschwandtner zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Spotted: Beim Neujahrsempfang des Zukunft.Frauen Alumnae Club im Haus der Industrie wurden u.a. gesehen: Christoph Neumayer, Annika Ben David, Axel Anderl, Beatrix Czipetits , Michaela Dietl-Drack, Karen Fanto, Gudrun Feucht, Monika Köppl-Turyna, Gerlinde Layr-Gizycki, Gerlinde Macho, Eva Mandl, Natascha Mißbach, Eva Mitsche, Susanne Müller-Taborsky, Jutta Perfahl-Strilka, Beatrix Praeceptor, Selma Prodanovic, Maria Rauch-Kallat, Jana Streitmayer-Raith, Gerlinde Tröstl-Katinger, Eva Weissenberger uvm.

12:00 Uhr, Wien: Die Deutsche Handelskammer in Österreich (DHK) lädt zum Lunch mit Jahresausblick ins Hoxton Vienna [invite only]

16:00 Uhr, Graz: Die ÖVP Steiermark lädt zum Wirtschaftsforum in die Helmut List Halle [invite only]

18:00 Uhr, Graz: ACstyria lädt zum Neujahrsempfang im Flughafen Graz [invite only]

18:00 Uhr, Wien: 13 Jahre Büroschluss im O-Klub [Info]

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