Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Unternehmensgründungen 2025 um rund 10 % gestiegen. 2025 wurden in Österreich 39.978 neue Unternehmen gegründet, exklusive der selbstständigen Personenbetreuung. Das entspricht einem Anstieg von 9,4 % gegenüber 2024. 78,5 % der Neugründungen entfielen auf nicht eingetragene Einzelunternehmen, 11,9 % auf GmbHs. Von den nicht eingetragenen Einzelunternehmen wurden 50,8 % von Frauen gegründet. Das Durchschnittsalter der Gründer betrug 37,8 Jahre. Fast die Hälfte aller Neugründungen entfiel auf die Branchen Gewerbe und Handwerk, gefolgt von Handel sowie Information und Consulting. [Quelle: WKÖ | Reaktionen: BMWET, WKNÖ]
Kommentar: Chinas digitale Währung gewinnt an Boden
von Bernhard Seyringer
Verglichen mit der chinesischen Wirtschaftsleistung, ist die Landeswährung „Renminbi (CNY)“ im internationalen Zahlungsverkehr unbedeutend: Weniger als 5 Prozent der internationalen Zahlungen werden damit getätigt. Peking ist sich der Bedeutung bewusst und strebt daher nach einem strategischen Gegengewicht zum US-Dollar. Dem Digital-Yuan (e-CNY) fällt bei diesem Vorhaben die Schlüsselrolle zu.
💡 EU-Indien-Abkommen bringt heimischer Industrie 665 Mio. Euro. Durch das jüngst zwischen der EU und Indien vereinbarte Freihandelsabkommen könnten sich die österreichischen Exporte nach Indien verdoppeln. Das würde österreichweit eine zusätzliche Wertschöpfung von 665 Mio. Euro und über 5.000 Industriearbeitsplätze schaffen, so eine Berechnung der Bank Austria. Relativ gesehen würde Vorarlberg am stärksten vom Abkommen profitieren, absolut gewinnt Oberösterreich am meisten dazu. Die KFZ‑Industrie und der Maschinenbau würden überproportional von den zu erwartenden Zollsenkungen profitieren. „Indien erhebt im internationalen Vergleich hohe Einfuhrzölle. Der Wegfall dieser Belastungen wäre für viele heimische Industriebetriebe ein klarer Impuls, insbesondere in den technologieintensiven Branchen“, so Bank-Austria-Ökonom Robert Schwarz. [Quelle: UniCredit Bank Austria | Grafik von Stephan Frank]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
🇦🇹 AHS-Oberstufe: Mehr KI, weniger Latein. Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat angekündigt, im Zuge einer Lehrplanreform den Lateinunterricht zu kürzen und dafür neuen Themen wie Künstlicher Intelligenz mehr Raum zu geben. Dafür soll ab 2027/28 an den AHS-Oberstufen „Informatik und Künstliche Intelligenz“ sowie „Medien und Demokratie“ unterrichtet werden, statt 12 Stunden Latein sollen es in den 4 Schuljahren nur noch 8 sein. In Zukunft immer wichtiger werdenden Themen wie Informatik und Künstliche Intelligenz müsse man „einen eigenen Raum im Unterricht geben, in einem eigenen Fach mit entsprechend ausgebildeten Lehrkräften“, so Wiederkehr in der ZIB2. [Quellen: Krone, ZIB2 | Reaktionen: WKÖ/UBIT, IV, Unicef]
🇦🇹 Regierung will Spritpreisuntersuchung im 1. Quartal abschließen. Die Bundesregierung leitete gestern eine Sonderprüfung der Spritpreise ein. Bis Ende des 1. Quartals 2026 soll geklärt werden, ob sinkende Rohölpreise rasch genug an den Tankstellen ankommen. Aufgrund der Gesetzeslage handelt es sich um keine offizielle Preiskommission, da die heimischen Preise geringer sind als im europäischen Vergleich. Stattdessen wird eine Sonderuntersuchung mit den Mitgliedern der Preiskommission gestartet. [Quelle: BMWET]
🇦🇹 Gewerbe und Handwerk 2025 erneut geschrumpft. Das heimische Gewerbe und Handwerk ist im Vorjahr zum 6. Mal in Folge geschrumpft, das Minus für 2025 wird auf 4,3 % geschätzt. Auch für das heurige Jahr erwarten 27 % der Unternehmen weitere Umsatz- und Auftragsrückgänge, nur 15 % erwarten eine Steigerung. WKÖ-Spartenobmann Manfred Denk hofft auf steigende Bautätigkeit, was im Winter aber „schwierig“ sei. „Wir setzen jetzt auf ein kräftiges Frühlingserwachen. Die deutlich gestiegene Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten gibt uns Anlass zur Hoffnung“, so Denk. [Quelle: WKÖ]
🇦🇹 Preise für Wohnimmobilien 2025 real gesunken. Die Preise für Wohnimmobilien haben im vergangenen Jahr um 2,1 % zugelegt und sich damit unterhalb der Inflationsrate von 3,8 % entwickelt. In Wien stiegen die Immobilienpreise mit einem Plus von 2,9 % deutlich stärker als im Rest Österreichs (1,6 %). „Inflationsbereinigt sind Immobilien günstiger als vor einigen Jahren“, so OeNB-Gouverneur Martin Kocher. [Quelle: OeNB]
🇦🇹 Industrieumsätze im Dezember gewachsen. Laut Frühschätzung der Statistik Austria sind die Umsätze im produzierenden Bereich im Dezember leicht gewachsen. Im Jahresabstand gehen die Statistiker von einem unbereinigten Plus von 1,4 % aus. Die Beschäftigung ging laut entsprechendem Index unbereinigt um 1,4 % zurück. Im Bau gab es erneut ein Umsatzminus, während die Industrie leicht wuchs. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 Gesundheitsausgaben weiter gestiegen. Die Gesundheitsausgaben in Österreich sind 2024 auf 57,8 Mrd. Euro gestiegen (ohne Investitionen) und entsprechen damit 11,7 % des BIP. Das sind 4,4 Mrd. Euro mehr als 2023. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 lagen die Ausgaben bei 35,9 Mrd. Euro. Die öffentliche Hand trägt 75,7 % der Gesundheitsausgaben. Im OECD-Vergleich liegt Österreich mit 11,7 % des BIP auf Rang 4, nach der OECD-Schätzung (11,8 %) auf Rang 3. An erster Stelle stehen die USA mit 17,2 % des BIP, gefolgt von Deutschland (12,3%). Der OECD-Schnitt liegt bei 9,3 %. [Quelle: Statistik Austria – Ausgaben 2024, Übersicht; Health at a Glance 2025]
🇪🇺 Wirtschaftsstimmung in der Eurozone verbessert. Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone ist im Vergleich zum Vormonat um 2,2 Punkte auf 99,4 Punkte gestiegen. Damit liegt sie erstmals seit Anfang 2023 wieder nahe am langfristigen Durchschnitt von 100. Die Stimmung erhöhte sich in Industrie, Dienstleistungssektor und Einzelhandel, im Baugewerbe ging sie zurück. Auch das Verbrauchervertrauen stieg. In Österreich sank die Stimmung leicht von 94,9 auf 94,8 Punkte. [Quellen: Eurostat – Bericht, Daten]
🇪🇺 EU-Förderbank vergab 4 Mrd. Euro für Verteidigung. Die Europäische Investitionsbank hat 2025 ihre Förderungen im Bereich Sicherheit und Verteidigung auf über 4 Mrd. Euro vervierfacht. Damit stieg der Anteil an allen EU-Finanzierungen der EIB auf fast 5 %. Fast 60 % der Finanzierungen flossen in grüne Projekte. In Summe wurden Fördergelder im Umfang von 100 Mrd. Euro vergeben. [Quelle: EIB]
🇪🇺 Atomenergie-Produktion in der EU 2024 gestiegen. In der EU wurden 2024 insgesamt 649.524 GWh Strom aus Atomenergie erzeugt. Das entspricht einem Anstieg von 4,8 % gegenüber 2023 und dem 2. Zuwachs in Folge. Atomkraftwerke sind in 12 der 27 EU-Mitgliedstaaten in Betrieb und trugen 23,3 % zur gesamten Stromerzeugung in der EU bei. Den stärksten Produktionsanstieg verzeichnete Frankreich mit 12,5 % im Jahresvergleich, während die Erzeugung in den Niederlanden um 10,3 % zurückging. Der Anteil von Atomenergie an der nationalen Stromproduktion lag 2024 in Frankreich bei 67,3 %, in der Slowakei bei 61,6 % und in den Niederlanden bei 2,9 %. [Quelle: Eurostat | Interview: APG-Vorstand: „Europäisches Stromsystem ohne Atomkraft im Winter undenkbar“ | Grafik: Die EU ist Atomkraft-Powerhouse]
🇩🇪 Auftragslage deutscher Unternehmen bleibt angespannt. Mehr als ein Drittel der deutschen Unternehmen gibt an, zu wenig Aufträge zu erhalten. Der Anteil sank seit Oktober 2025 (36,9 %) leicht auf 36,3 %. In der Industrie berichten 35,9 % der Unternehmen von zu wenig Aufträgen, speziell im Maschinenbau 43,9 %. In der Automobilindustrie ist knapp jedes vierte Unternehmen betroffen. Im Dienstleistungssektor hat sich die Lage im Vergleich zu Oktober 2025 leicht entspannt. Im Handel berichten 62 % der Großhändler und 51,3 % der Einzelhändler von einer zu geringen Auftragslage. [Quellen: Ifo-Institut – Jänner, Oktober 2025]
🇨🇭 Schweiz erzielte 2025 Exportrekord. Die Exporte der Schweiz stiegen im Vorjahr um 1,4 % auf 287 Mrd. Franken und erreichten damit einen neuen Rekordwert. Die Importe stiegen um 4,5 % auf 232,7 Mrd. Franken. Der Handelsbilanzüberschuss lag somit bei 54,3 Mrd. Franken. 53 % der Exporte gingen auf die Warengruppe Chemie-Pharma zurück, ebenfalls ein neuer Rekordwert. Die Schweiz setzte um 3,9 % mehr Produkte in die USA ab, Exporte nach Europa stiegen um 1,8 %. Hingegen sanken die Lieferungen nach China um 6,1 % und erreichten den niedrigsten Stand seit 2020. [Quelle: BAZG]
🇺🇸 US-Handelsdefizit steigt stark. Das Handelsdefizit der USA stieg von Oktober auf November 2025 um 94,6 % auf 56,8 Mrd. US-Dollar. Das ist der prozentual stärkste Anstieg des US-Handelsdefizits seit fast 34 Jahren. Die Exporte gingen hierbei um 3,6 % zurück, während die Importe um 5,0 % stiegen. [Quellen: Bureau of Economic Analysis, Reuters]
🌐 Goldpreis stieg auf über 5.500 US-Dollar. Der Preis für eine Feinunze Gold hatte gestern die Schwelle von 5.500 US-Dollar pro Feinunze überschritten. Die Höchstmarke von 5.593,57 US-Dollar konnte der Goldpreis jedoch nicht halten und hat danach auf rund 5.200 US-Dollar nachgegeben. Seit Jahresbeginn ergibt das einen Anstieg um ein Fünftel. Seit 2020 hat sich der Goldpreis mehr als verdreifacht. [Quelle: Tradingview | Grafik: Goldpreisentwicklung seit 2020]
Selektive Agenda:
Heute, Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate: Außenministerin Meinl-Reisinger in den Vereinigten Arabischen Emiraten
9:00 Uhr, Wien: Wifo veröffentlicht Schnellschätzung zum BIP im 4. Quartal
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Zahlen zu Öko-Steuern 1995-2024, die Ankünfte und Nächtigungen im Dezember 2025 bzw. für das Kalenderjahr 2025 und den Erzeugerpreisindex produzierender Bereich Dezember 2025
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht Schnellschätzung zum Eurozone-BIP 4. Quartal und EU-Arbeitsmarktdaten Dezember
Samstag: 6. Jahrestag des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Teresa Schweiger ist neue Leiterin der Abteilung Gender & Diversity Management an der Hochschule Campus Wien. Victoria Swarovski und Michael Ostrowski moderieren den 70. Eurovision Song Contest. Bei der APA-Comm wird Christoph Bauer zum COO und Luzia Strohmayer-Nacif zur CCO. Seit Jahresbeginn sind Nora Eberharter-Rhomberg und Bernd Hartweger die neuen CEOs von Sindbad Social Business.
Geburtstage: Wir gratulieren Thomas Brezina zum Geburtstag. Am Samstag haben Maria Rauch-Kallat, Mariana Kühnel, Karl Sevelda, Peter L. Eppinger und Alfred Stern Geburtstag. Am Sonntag haben Sabine Herlitschka und Hans Peter Haselsteiner Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
11:00 Uhr, Wien: Politischer Neujahrsauftakt der ÖVP in der METAStadt
20:00 Uhr, Wien: Ball der Wiener Wirtschaft in der Hofburg [Info]
Samstag, Wien: Wiener Ärzteball in der Hofburg
Samstag, 21:00 Uhr, Graz: Opernredoute in der Grazer Oper