Morning in Brief

Morning in Brief, 31. Dezember 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Industriestrategie sollte heute fertig sein. Bis zuletzt wird mit Hochdruck an der Industriestrategie gearbeitet, die heute fertig sein soll und voraussichtlich am 14. Jänner präsentiert wird. Im Zentrum der Strategie steht die Frage, welche Schlüsselindustrien in 10-20 Jahren Wertschöpfung bringen und welche Maßnahmen es braucht, um in diesen erfolgreich zu sein. Halbleiter und Quantentechnologie dürften nach Selektiv-Informationen unter diesen Technologiefeldern sein. Für diesbezügliche Projekte soll es ein eigenes Beschleunigungsgesetz geben. Die öffentliche Beschaffung und das Beihilfenrecht sollen auf nationale und europäische Wertschöpfung ausgerichtet werden. Außerdem werden auf höchster Ebene noch Punkte verhandelt, die nicht im Regierungsprogramm stehen. Federführend zuständig für die Strategie sind neben Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer auch Infrastrukturminister Peter Hanke und Staatssekretär Sepp Schellhorn. [Quelle: Selektiv]

„Regierung ist 2026 verdammt dazu, zu liefern“
Interview mit Christoph Haselmayer

Der Geschäftsführer des Instituts für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD), spricht sich im Interview für eine mutigere Reformpolitik aus – die Wahrheit sei der Bevölkerung zumutbar. „Reformen verständlich erklären und dann entsprechend umsetzen“ lautet sein dringender Ratschlag an die Politik. Bleibt die Stimmungslage noch länger so getrübt und kann die Regierung keine Trendwende einleiten, würde bald der „Tag X“ kommen, an dem die Landeshauptleute die „Bundesregierung vor die Wiener U-Bahn werfen, bevor sie selbst vom Postbus überfahren werden“, so Haselmayer.

💡 Jeder Zweite ist bereits für höheres gesetzliches Pensionsalter. In einer Eurobarometer-Erhebung im Herbst gaben 54 % der Österreicher an, dass sie ein höheres gesetzliches Pensionsalter unterstützen, um die Nachhaltigkeit des heimischen Pensionssystems zu gewährleisten. In keinem anderen befragten Land fand sich hierfür eine Mehrheit. Am höchsten war die Zustimmung noch in Finnland (39 %) und Luxemburg (38 %), am geringsten in Griechenland (14 %) und Lettland (11 %). Der Eurozonen-Durchschnitt lag bei 29 %. [Quellen: EU-Kommission, dieSubstanz.at | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Staatsverschuldung im 3. Quartal erneut gestiegen. Der öffentliche Schuldenstand Österreichs lag Ende September laut Statistik Austria bei 423,9 Mrd. Euro – 11,6 Mrd. Euro höher als Ende des 2. Quartals. Das entspricht 83,7 % des BIP, ein Anstieg von 3,8 Prozentpunkten gegenüber dem 4. Quartal 2024. Umgerechnet auf die Bevölkerung beträgt die Verschuldung etwa 45.993 Euro pro Kopf. Das öffentliche Defizit belief sich im 3. Quartal auf 3,9 Mrd. Euro oder 3,1 % des vierteljährlichen BIPs. [Quellen: Statistik Austria I, Statistik Austria II]

🇦🇹 ElWG senkt Strompreis erst langfristig. Von allen bisher in Österreich beschlossenen Energiemaßnahmen, wird die Senkung der Elektrizitätsabgabe den Strompreis am stärksten drücken, so eine Analyse des Unternehmens e.venture. Die Stromrechnung eines Durchschnittshaushalts wird dadurch um 5 % sinken. Der Haken: Die Maßnahme ist auf 2026 beschränkt. Das ElWG werde die Netzgebühren erst langfristig senken. Bis 2030 rechnet e.venture mit einem Anstieg um 40 %, danach dürfte die Entwicklung bremsen. Die Energiekomponente der Stromrechnung werde nur leicht sinken und auch nur dann, wenn das Merit-Order-Prinzip beibehalten wird. [Quelle: e.venture | Grafik: Strompreis bleibt auf Rekordhoch]

🇦🇹 Weniger Fördergelder für private PV-Anlagen. 2026 werden private PV-Anlagen in 3 Fördercalls mit insgesamt 60 Mio. Euro gefördert, wie es aus dem Wirtschaftsministerium heißt. Die Fördersätze werden im Jahresvergleich um je 10 Euro pro kWpeak reduziert. Beim Speicher bleibt die Höhe mit 150 Euro/kWh unverändert. Durch die Senkung der Fördersätze sinkt auch die Ökostromabgabe im Schnitt um über 14 % für Haushalte. Unternehmen mit einem Durchschnitts-Verbrauch von 55.000.000 kWh werden um 25 % bzw. 51.000 Euro entlastet. 2026 wird es auch den „Made in Europe“-Bonus wieder geben – einen um 10 % höheren Investitionszuschuss, wenn europäische Komponenten gekauft werden. [Quelle: BMWET]

🇦🇹 Industrie-Umsätze im November zurückgegangen. In der Industrie sind die Umsätze im November laut Frühschätzung im Jahresabstand um 1,5 % zurückgegangen und im Baubereich um 2,8 %. Die Beschäftigung ging um 1,4 % in der Industrie und um 1,3 % im Bau zurück. Im September hatten die Umsätze im produzierenden Bereich im Jahresabstand noch zugenommen. Die Erzeugerpreise sind in der Produktion im November im Jahresvergleich um 1,3 % zurückgegangen. Treiber für diesen Rückgang war vor allem Energie. [Quellen: Statistik Austria I, Statistik Austria II]

🇦🇹 Mieteinnahmen-Minus von 311 Mio. Euro erwartet. Der Haus- und Grundbesitzerbund wehrt sich gegen die Darstellung, dass die Mietpreisbremse Wohnkosten langfristig senke. Treiber der Wohnkosten seien Energiepreise, laufend valorisierte Gebühren und Betriebskosten, aber nicht die Mieten. Zudem entziehe die Mietpreisbremse dem Wohnungsmarkt dringend benötigtes Kapital für Sanierungen und Schaffung neuen Wohnraums. Der zuständige Minister Andreas Babler wies zuvor darauf hin, dass der Eingriff in die Mieten im geregelten Bereich und ab 2026 auch im ungeregelten Bereich bis Ende kommenden Jahres bei den Mieteinnahmen ein Minus von 311 Mio. Euro bringen werde. Im Altbau dürfen die Mieten kommendes Jahr maximal um 1 % steigen, im ungeregelten (Neu-)Bau darf eine Inflation, die 3 % übersteigt nur teilweise weitergegeben werden. [Quellen: ORF, Ö1-Morgenjournal 30.12.]

🇦🇹 ATX schließt mit Rekordstand. Das Jahr 2025 endete an der Wiener Börse mit einem Rekordhoch des ATX. Zum gestrigen Börsenschluss lag der Index bei 5.326,33 Punkten (ohne Dividenden), was einem Anstieg von rund 45 % seit Jahresbeginn entspricht. Der ATX Total Return (inkl. Dividendenausschüttungen) stieg um rund 50 % auf 12.799,31 Punkte. Mit einem Aktienumsatz von 70,9 Mrd. Euro wurde 2025 das drittgrößte Handelsvolumen seit 2012 erreicht, nach 2021 und 2022. Trotz der positiven Entwicklung forderte Wiener-Börse-CEO Christoph Boschan von der Politik, den Kapitalmarkt stärker für Wirtschaft und Gesellschaft zu nutzen, da in Österreich bisher „wenig Aktivität“ bestehe, was Wohlstand koste. [Quellen: Wiener Börse I, Wiener Börse II]

🇦🇹 Finanzmarktaufsicht wird zentrale Aufsichtsbehörde für Finanzsanktionen. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) übernimmt ab 1. Jänner die Überwachung und Durchsetzung von Finanzsanktionen von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Banken, Zahlungsinstitute, Kryptowerte-Dienstleister und Versicherungsunternehmen unterliegen damit dem Sanktionsgesetz und der Aufsicht der FMA. Künftig vereint die Behörde die Aufsicht über die Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sowie die Überwachung der Einhaltung von Finanzsanktionen. [Quellen: FMA I, FMA II]

🇨🇭 Stimmung in Schweizer Wirtschaft steigt weiter. Seit 4 Monaten hellt sich in der Schweizer Wirtschaft die Stimmung auf. Das KOF-Konjunkturbarometer kletterte im Dezember erneut um 1,7 Punkte auf 103,4 Zähler und damit stärker, als von Analysten erwartet. Besonders deutlich verbesserten sich die Erwartungen im verarbeitenden Gewerbe. [Quelle: ETH Zürich]

🇮🇹 Italiens Budget für 2026 beschlossen. Das italienische Unterhaus hat am Dienstag mit 216 zu 126 Stimmen dem Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 zugestimmt. Das Budget sieht Maßnahmen in Höhe von 22 Mrd. Euro vor, um das Haushaltsdefizit 2026 auf unter 3 % des BIP zu senken. Etwa 25 % der Finanzierung sollen durch Steuererhöhungen im Finanzsektor, vor allem bei Banken und Versicherungen, aufgebracht werden. Während Giorgia Meloni auf X von einem seriösen und verantwortungsvollen Haushalt schreibt, spricht die größte Oppositionsfraktion, Partito Democratico (PD), von einer schädlichen Haushaltspolitik, die nicht ausreiche, um die italienische Wirtschaft anzukurbeln. [Quellen: Reuters, Giorgia Meloni auf X]

🇨🇳 China fördert Konsum mit Subventionen. Die chinesische Regierung stellt aus Sonder-Staatsanleihefonds 62,5 Mrd. Yuan (rund 7,6 Mrd. Euro) für den Umtausch von Konsumgütern bereit. Verbraucher erhalten beim Austausch alter Haushaltsgeräte oder Autos finanzielle Unterstützung. Ab dem kommenden Jahr sollen auch digitale Produkte ins Programm aufgenommen werden. Auch die Erneuerung von u. a. Aufzügen in alten Wohngebäuden oder Geräten in Altenpflegeheimen soll subventioniert werden. Dies geht aus einer gemeinsamen Erklärung der staatlichen Planungskommission und des Finanzministeriums hervor. [Quelle: Xinhua]

Selektive Agenda:

1. Jänner, EU: Zypern übernimmt die EU-Ratspräsidentschaft von Dänemark

1. Jänner, Wien: Innenminister Karner trifft seine Amtskollegen aus Zypern und Finnland für ein informelles Arbeitstreffen

1. Jänner, 10:00 Uhr, Wien: Verkehrsministerium veröffentlicht die Straßenverkehrsunfälle 2025

1. Jänner, 19:45 Uhr, Wien: Bundespräsident Van der Bellen hält Neujahrsansprache

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Kai Arndt übernimmt mit 1. Jänner 2026 den CEO-Posten der Montana Aerospace AG, Patrick Maurer wird CFO. Barbara Eidenberger ist mit Jahresbeginn Teil der Chefredaktion der Oberösterreichischen Nachrichten. Thomas Klestil wird mit 2026 neuer medizinischer Geschäftsführer der tirol kliniken GmbH.

Geburtstage: Wir gratulieren Annette Mann und Karl Amon zum Geburtstag. Am 1. Jänner haben Gerda Rogers und Klaus Handler Geburtstag.

Sehen & gesehen werden

1. Jänner, 11:15 Uhr, Wien: Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Musikverein u. a. mit Alexander Van der Bellen, Christian Stocker, Jakov Milatovic (Präsident Montenegro), Milojko Spajic (Premierminister Montenegro)

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