Morning in Brief ・ 01.10.2025

Morning in Brief, 1. Oktober 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Österreichs Schuldenberg wächst langsamer, Defizit steigt auf 5,3 %. Österreichs Schulden sind im 1. Halbjahr um 17,5 Mrd. Euro auf 412,3 Mrd. Euro gestiegen. Das Defizit wuchs damit um 5,3 % des BIP auf 13,3 Mrd. Euro – im Vorjahreszeitraum lag das Defizit noch bei 4,8 %. Die Schuldenquote – also das Verhältnis der Staatsschulden zum BIP – stieg im 1. Halbjahr von 79,9 % auf 82,3 %. Die Ausgaben (+4,1 %) sind getrieben von Sozialleistungen und Beamtenlöhnen erneut stärker gestiegen als die Einnahmen (+3,2 %), die vor allem dank Steuern und Sozialbeiträgen stiegen. Im 1. Halbjahr 2024 war der Schuldenzuwachs mit 23,3 Mrd. Euro deutlich höher als heuer. Fiskalratspräsident Christoph Badelt zeigte sich im Ö1-Mittagsjournal optimistisch, dass sich das geplante Bundesbudget ausgeht – in Ländern und Gemeinden könnte das Defizit jedoch höher ausfallen. Laut Bundesvoranschlag des Finanzministeriums soll die Staatsschuldenquote heuer auf 84,7 % des BIP steigen, das Budgetdefizit soll auf 4,5 % des BIP sinken – 3,5 % davon sind für den Bund vorgesehen. [Quellen: Statistik Austria, Ö1-Mittagsjournal

Polanyis Paradoxon – der entscheidende Vorteil älterer Mitarbeiter
Kommentar von Markus Hengstschläger

Ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben zusätzliche Qualifikationen von unschätzbarem Wert: Ein nach dem Philosophen Michael Polanyi benanntes Paradoxon beschreibt das Phänomen, dass der Mensch im Laufe seines Lebens sehr viel Wissen implizit besitzt und vermehrt, es aber nicht in Form von Anleitungen aufschreiben und einfach übertragen kann.

Grafik (von Christoph Hofer): 2024 brach die Wertschöpfung im Bereich der Herstellung von Waren um 5,6 % ein – die öffentliche Verwaltung verzeichnete dagegen einen Zuwachs von 3,5 %. Ebenso negativ entwickelten sich die Baubranche (-4,2 %), der Handel (-3,1 %) sowie Beherbergung und Gastronomie (-0,3 %). Mit einem Plus schlossen Die Sektoren Fischerei, Land- und Forstwirtschaft (+2,2 %), Information und Kommunikation (+1,7 %) sowie das Grundstücks- und Wohnungswesen (+1,1 %). [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 „Harte Verhandlungen“ zu den Beamtenlöhnen. Seit gestern wird offiziell ein mögliches Aufschnüren des Gehaltsabschlusses im öffentlichen Dienst verhandelt und es zeichnen sich zähe Gespräche ab: Das Angebot der Dienstgeberseite sei ungenügend, erklärte GÖD-Chef Eckehard Quin. Auch Staatssekretär Alexander Pröll stellt sich auf „harte, intensive Verhandlungen“ ein. Der vergangenes Jahr mitbeschlossene Abschluss für 2026 sieht ein Plus von 3,3 % vor und damit um 0,3 Prozentpunkte über der rollierenden Inflation. Die Regierung hatte im Abtausch Nulllohnrunden für 2027 und 2028 in Aussicht gestellt, die für den GÖD nicht infrage kommen, wenn der 2026er-Abschluss aufgeschnürt wird. [Quellen: Doorsteps | Grafik: Wie viel die Beamten-Lohnerhöhung kostet

🇦🇹 Umsätze sinken in der Industrie, Stabilisierung im Bau. Im August lagen die Umsätze in der Produktion einer ersten Schätzung zufolge um 2,0 % unter dem Vorjahresniveau – minus 2,6 % in der Industrie und +0,8 % im Bausektor. Die Beschäftigung ging im Vergleich zum August des Vorjahres um 1,4 % zurück, die geleisteten Arbeitsstunden verringerten sich um 2,2 %. Für Juni liegen bereits endgültige und bereinigte Ergebnisse vor – hier wurde der Produktionsrückgang vor allem von zwei Bereichen getrieben: Energieversorgung (-13,1 % auf 4,5 Mrd. Euro) und Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen (-12,1 % auf 1,6 Mrd. Euro). [Quelle: Statistik Austria

🇦🇹 Endgültige Zahlen zur Rezession 2024, leichte Erholung im 1. Halbjahr. Die Wirtschaftsleistung ist 2024 im Jahresabstand um 0,7 % zurückgegangen, nicht um 1,0 % wie bisher gedacht. Vor allem die Produktion hat sich negativ entwickelt – insbesondere in Branchen, die auf Export- bzw. Investitionsgüter spezialisiert sind, wie der Fahrzeugbau (-15,8 %) sowie die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten und elektrischen Ausrüstungen (-9,5 %). Der Bau verzeichnete 2024 ein Minus von 4,2 %. Die Bereiche öffentliche Verwaltung, Bildung und Gesundheit wuchsen um 3,4 %. Rückgänge gab es auch bei Investitionen und im Außenhandel, die Konsumausgaben stiegen leicht. Das BIP lag 2024 bei 494 Mrd. Euro oder 53.830 Euro pro Kopf. Im 1. Quartal 2025 stieg das BIP im Jahresabstand um 0,2 % und im 2. Quartal um 0,3 %. [Quelle: Statistik Austria

🇦🇹 Netzbetreiber warnt vor Kapazitätsdefiziten. Durch Redispatch- und Überlastungsschutzmaßnahmen sind im August 10.910 Megawattstunden Strom „verlorengegangen“. Das ist mehr als von Jänner bis Juli zusammengerechnet (9.375 MWh). Im August ist die Stromproduktion aus Wind- um 38,7 % und aus Wasserkraft um 16,6 % gestiegen – allerdings konnte dieses gesteigerte Erneuerbaren-Potenzial nicht voll ausgenutzt werden. „Aufgrund der zeitgleichen Einspeisung von enormen Mengen von PV-Strom mussten wir Wasser über die Wehr rinnen lassen, um das Stromsystem in Balance zu halten“, kritisiert APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner. Durch Redispatch-Maßnahmen entstanden bis Ende August 2025 Kosten in der Höhe von 66,8 Mio. Euro – das zeige die Defizite in der Netzinfrastruktur „schonungslos“ auf. Christiner fordert die rasche Umsetzung der wichtigen Energiegesetze EABG und ElWG, damit die Strominfrastruktur entsprechend ausgebaut werden kann. [Quelle: APG

🇦🇹 Bundesheer investiert 650 Mio. Euro in Bauprojekte. Im heurigen Jahr sollen rund 280 Mio. Euro in Neubauten, Erweiterungen und Sanierungen von Kasernen, Übungsplätzen und anderen militärischen Liegenschaften investiert werden. Nächstes Jahr werden rund 370 Mio. aufgewendet. 99 Prozent der Wertschöpfung bei Errichtung und Sanierung von militärischer Infrastruktur verbleibt laut Verteidigungsministerin Tanner in Österreich. [Quelle: Bundesheer]  

🇪🇺 EU will Forschungsprogramm für „Dual Use“ öffnen. Beim gestrigen EU-Rat für Wettbewerbsfähigkeit haben die Forschungsminister u. a. über das nächste EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe (2028-2034) beraten. Im Zentrum der Debatte stand die Frage, ob das Programm für die Forschung an „Dual Use“-Technologien geöffnet werden soll, die sowohl für zivile als auch militärische Zwecke eingesetzt werden können. Darüber habe es einen breiten Konsens gegeben, sagte die zuständige EU-Kommissarin Ekaterina Zaharieva. Die dänische Forschungsministerin Christina Egelund betonte, dass kein Weg daran vorbeiführe, die europäische Forschung für den Militärbereich zu öffnen. Forschungsministerin Eva-Maria Holzleitner begrüßt die Öffnung für „Dual Use“, lehnt aber die Finanzierung reiner Verteidigungsforschung ab. Stattdessen will sie mehr „Friedens- und Demokratieforschung“. [Quellen: Zaharieva, Egelund, Holzleitner, Ergebnisse des EU-Rats

🇪🇺 EU-Klimaziele sollen im November stehen. Die EU wird laut Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre Klimaziele für 2035 und 2040 noch vor der UN-Klimakonferenz am 10. November festlegen. Im September wurde die Entscheidung über den Vorschlag der EU-Kommission zu den Klimazielen aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen den EU-Ländern vertagt. Die Kommission schlägt eine Reduktion der Emissionen zwischen 1999 und 2040 um 90 % vor, will dabei aber Klimaschutzprojekte aus dem EU-Ausland anrechnen. [Quelle: EU-Kommission

🇪🇺 Inflation steigt in Deutschland und Italien, in Frankreich stabil. Laut Schnellschätzung ist die deutsche Inflation im September auf 2,4 % gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat legten die Verbraucherpreise um 0,2 % zu. Die Kerninflation lag im September voraussichtlich bei 2,8 %. In Frankreich stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich nur um 1,2 % (HVPI 1,1 %). In Italien lag die Inflation im September bei 1,6 % (HVPI: 1,8 %). Die Statistik Austria veröffentlicht die Österreich-Schnellschätzung heute um 9 Uhr. [Quellen: Statistisches Bundesamt, Insee, Istat | Service: Statistik Austria]

🇩🇪 Merz will Führungsrolle in der EU übernehmen. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz fordert eine Kurskorrektur der EU. Statt der EU-Kommission sollen wieder die nationalstaatlichen Regierungen den Ton angeben, mit Deutschland an der Spitze. „So kann es nicht weitergehen“, soll Merz bei einem Treffen mit Spitzendiplomaten und -wirtschaftsvertretern laut Bloomberg gesagt haben. Beim heutigen Treffen der Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen will er dazu eine „konkrete Liste mit Forderungen“ vorlegen. [Quelle: Bloomberg

🇨🇭 Schweizer Wirtschaftsstimmung unterdurchschnittlich. Das Schweizer Konjunkturbarometer ist im September um 1,8 Punkte auf 98,0 Zähler gestiegen. Trotz Anstieg bleibt die Konjunkturstimmung unter dem mittelfristigen Durchschnittswert. Die Indikatoren für das Verarbeitende Gewerbe und das Finanzwesen wiesen im September verbesserte Perspektiven aus, die Konsumnachfrage blieb unverändert und die Auslandsnachfrage ging zurück. [Quelle: ETH Zürich]

🇺🇸 USA im „Government Shutdown“. Der US-Senat konnte bis Mitternacht (Ortszeit) kein vorübergehendes Budgetgesetz verabschieden, somit steht die nicht-essenzielle Bundesverwaltung bis auf Weiteres still. Der letzte und gleichzeitig längste „Government Shutdown“ dauerte 35 Tage und fand in Trumps 1. Amtszeit zum Jahreswechsel 2018/2019 statt, er kostete insgesamt 3 Mrd. US-Dollar bzw. 0,02 % des BIP. Rund 750.000 Bundesbedienstete werden im „Government Shutdown“ ohne Bezahlung zwangsbeurlaubt. US-Präsident Trump will dieses Mal aber auch Massenentlassungen durchführen. [Quellen: Politico, Congressional Budget Office, Reuters, New York Times]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: 2. KV-Verhandlungsrunde für die Bahn-Beschäftigten

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht die Schnellschätzung zum Verbraucherpreisindex für September

9:00 Uhr, Wien: Ministerrat im Bundeskanzleramt; davor um 8:45 Uhr Doorsteps mit Europaministerin Plakolm, Bildungsminister Wiederkehr und Staatssekretär Leichtfried; danach um 10:00 Uhr Pressefoyer mit Außenministerin Meinl-Reisinger, Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer und Staatssekretärin Schmidt [Info]

10:00 Uhr, Wien: Start der Verhandlungen zum Sozialwirtschaft-KV

10:00 Uhr, Frankfurt: Die EZB veröffentlicht den Einkaufsmanagerindex für die Industrie in Deutschland, der EU und der Eurozone für September (2. Veröffentlichung)

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat gibt die Vorabschätzung der Verbraucherpreisentwicklung in der Eurozone für September bekannt

11:00 Uhr, Kopenhagen, Dänemark: Bundeskanzler Stocker nimmt am informellen EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs teil [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Andrea Sassen-Abfalter folgt mit 1. Oktober auf Martin Hofstetter als Geschäftsführerin der Hotel- und Tourismusbank GmbH; Hofstetter wird künftig den Bereich Finanz- und Rechnungswesen leiten und als Geschäftsführer der Tourism Investment Services GmbH (TIS) tätig sein. Moritz Mitterer übernimmt den Geschäftsbereich 4 in der ÖGK. Margit Raich wird mit 2026 neue Rektorin und Geschäftsführerin der Tiroler Landesuniversität für Gesundheit UMIT. Dieter Csefan tritt mit 1. Oktober die Nachfolge von Michael Lepuschitz als Landesvizepolizeipräsident und Leiter des Geschäftsbereichs A an. Gestern trat General Robert Brieger nach 50 Jahren Dienstzeit in den Ruhestand.  

Geburtstage: Wir gratulieren Kristina Inhof und Klara Motter zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

18:00 Uhr, Wien: Austria Institut für Europa und Sicherheitspolitik (AIES) und wiiw laden zur Diskussion „Africa’s Impact on Europe’s Future“ mit Wolfgang Pusztai, Gerald Hainzl, Mario Holzner in die Diplomatische Akademie [Live]

20:00 Uhr, Wien: „Nikbakhsh & Oppitz – Ges.m.p.H.: Gesellschaft mit politischer Haltung“ mit Leonore Gewessler, Irmgard Griss, Barbi Marković, Verena Titze, Julian Hessenthaler, Tex Rubinowitz und Andre Wolf in der Kulisse Wien [Info]

Sie haben diesen Newsletter weitergeleitet bekommen?