Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von David Schima, Gregor Plieschnig und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Erwerbsbevölkerung schrumpft bis 2060 deutlich. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird in Österreich laut OECD bis 2060 um rund 24 % zurückgehen. Der Schnitt aller 38 Mitgliedsländer beträgt 8 %. Um die vom demografischen Wandel verursachte Lücke zu füllen, müssten gesunde ältere Menschen länger im Arbeitsleben gehalten werden, die Beschäftigungsquote von Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund erhöht und die reguläre Migration ausgeweitet werden [Quelle: OECD Employment Outlook 2025]
Kommentar: Die Hausaufgaben, erledigt? Wo denn, bitteschön?
von Georg Renner
Dass die EU am Dienstag wie erwartet ein Defizitverfahren gegen Österreich eingeleitet hat, ist keine Tragödie. Aber dass der Finanzminister als Reaktion darauf behauptet, seine „Hausaufgaben bereits gemacht“ zu haben, sehr wohl. Dass die Koalition sich in dieser Situation etwa gerade einmal zu einer völlig zahnlosen einfachgesetzlichen „Nachhaltigkeitsklausel“ bei den Pensionen durchringen hat können, ist praktisch schon vorsätzliche Hausaufgabenverschleppung. Dasselbe gilt für die Weigerung, den Gehaltsabschluss mit den öffentlich Bediensteten nicht noch einmal nachzuverhandeln.
Grafik (von Christoph Hofer): Wenn es um Vermögensanlage geht, setzen Herr und Frau Österreicher weiterhin auf Altbewährtes – 38,4 % des Geldvermögens der privaten Haushalte war zuletzt als Bargeld, am Konto oder Sparbuch angelegt (Q1 2025). Im Vergleich zum Beginn der OeNB-Erhebung ist allerdings ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen (Q1 1999: 50,1 %). Mit 21,6 % kratzte der Anteil des Geldvermögens, der in Aktien, Anleihen und Fonds gehalten wird, zuletzt an historischen Rekordwerten (Q1 2025). Trotz jahrelanger Niedrigzinspolitik der EZB bleibt dieser jedoch weiterhin klar hinter weniger ertragreichen Anlageformen zurück. In einer neusten Umfrage schätzen 54,2 % der Österreicher ihr Wissen rund um Aktien als schlecht oder sehr schlecht ein. [Quellen: OeNB, Agenda Austria auf X, Marketagent]

🇦🇹 Pkw-Neuzulassungen im 1. Halbjahr gestiegen. Im 1. Halbjahr 2025 ist die Zahl der Pkw-Neuzulassungen um 5,9 % zum Vorjahreszeitraum auf 143.051 gestiegen. Die Zahl der neu zugelassenen Kraftfahrzeuge (Kfz) insgesamt fiel im selben Zeitraum um 1,9 % auf 193.312. 59,3 % aller neuzugelassenen Pkw hatten ein alternatives Antriebssystem, ein Anstieg um 36,8 %, die Zahl Verbrenner sank um 20,3 % und kam auf einen Anteil von 40,7 %. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 Wohnungsangebot in Wien wird knapper. Im 1. Halbjahr wurden in Wien rund 10.000 Wohnungen fertiggestellt und damit weniger als im Vorjahreszeitraum (12.000 Wohnungen) und 2023 (über 14.000 Wohnungen). Auch in den kommenden Jahren wird es zu wenige neue Wohnungen in Wien geben. Die Wohnungspreise dürften heuer um 2,4 %, Mieten durchschnittlich um 7,3 % steigen, so eine aktuelle Einschätzung von EHL. [Quelle: EHL]
🇦🇹 Nachfolgemodell zur Bildungskarenz soll bald vorliegen. Wie die „Presse“ berichtet, soll es noch im Juli eine Einigung zum Nachfolgemodell der Bildungskarenz geben. Änderungen könnte es laut dem Bericht beim Weiterbildungsgeld geben, das von einer Versicherungsleistung auf eine Förderung umgestellt werden könnte. Damit würde auf das Geld kein Rechtsanspruch mehr bestehen. Auch die Regeln sollen strenger werden – eine Weiterbildungszeit im direkten Anschluss an eine Elternkarenz wird nicht mehr möglich sein. [Quelle: Die Presse Donnerstagsausgabe]
🇦🇹 ÖGK-Defizit war 2024 höher als vorhergesagt. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) hat im Vorjahr 551,6 Mio. Euro Verlust geschrieben, das ist ein Defizit von 2,7 %. Im November 2024 ging die ÖGK noch von einem Verlust in Höhe von 481 Mio. Euro bzw. 2,4 % des Gesamtbudgets aus. Gründe für den höheren Verlust seien die intensive Inanspruchnahme medizinischer Leistungen und die schwierigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Für das heurige Jahr wird ein Minus von 906,7 Mio. Euro prognostiziert, die ÖGK hat bereits Einsparungsmaßnahmen gesetzt, um das Defizit zu drücken. [Quellen: ÖGK-Aussendung, ÖGK-Jahresbericht]
🇦🇹 Hitzeschutzverordnung für Arbeit im Freien in Begutachtung. Ab 2026 sollen Menschen, die im Freien arbeiten, besser vor Hitze geschützt werden. Sozialministerin Korinna Schumann schickte die entsprechende Hitzeschutzverordnung gestern in Begutachtung. Bei Temperaturen über 30 Grad muss die Arbeit, wenn möglich, in den kühleren Stunden passieren oder die Arbeitsschwere reduziert werden. Ist das nur eingeschränkt möglich, müssen technische und organisatorische Maßnahmen wie die Beschattung des Arbeitsplatzes oder die Verlagerung der Tätigkeit in den Schatten getroffen werden. Kran-Kabinen und ähnliches müssen künftig klimatisiert sein. [Quelle: Schumann im Nationalrat]
🇦🇹 Wirtschaft unterstützt ukrainischen Wiederaufbau. Vor der „Ukraine Recovery Conference” heute und morgen in Rom stellte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer eine Beteiligung der österreichischen Wirtschaft am Wiederaufbau in der Ukraine in Aussicht. Auch Delegationen führender Betriebe, etwa in den Sektoren Energie, Infrastruktur, Technologie und Finanzen, sind bei der Konferenz vertreten. Derzeit sind etwa 1.000 österreichische Unternehmen mit 25.000 Beschäftigten vor allem in diesen Bereichen in der Ukraine tätig. Gemeinsame Projekte würden nicht nur der Ukraine helfen, sondern auch der heimischen Wirtschaft neue Perspektiven bieten, so Hattmannsdorfer. Zudem sollen die wirtschaftlichen Beziehungen intensiviert werden. Dazu ist unter anderem ein bilaterales Gespräch mit dem ukrainischen Energieminister geplant. [Quelle: Presseaussendung BMWET]
🇪🇺 EU will Einigung mit USA in kommenden Tagen. Die EU strebt im Zollstreit mit den USA weiterhin in den kommenden Tagen eine Grundsatzvereinbarung an, bestätigte ein Sprecher der EU-Kommission gestern. Sobald diese Vereinbarung vorliege könne man in Detailverhandlungen gehen. „Wir bereiten uns aber gleichzeitig auf alle Szenarien vor“, sagte Kommissionspräsidentin Urlula von der Leyen gestern vor dem Europaparlament. US-Präsident Donald Trump hatte die Deadline für höhere Zölle auf 1. August verschoben. Die erste Welle der EU-Gegenmaßnahmen, sektorale Zölle, tritt automatisch mit 14. Juli in Kraft, sollte es keine Einigung geben. Es gäbe aber noch weitere Eskalationsstufen, erklärte gestern der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Bernd Lange. Das Hauptproblem sei nicht der 10-Prozent-Basiszoll, sondern die sektoralen Zölle, die die Haupt-Exportgüter der EU treffen. Die EU strebe in einer Grundsatzvereinbarung bereits eine erste Senkung dieser Zölle an und auch ein „Einfrieren“ des Status-quo, damit während der Detailverhandlungen nicht wieder neue US-Zölle hinzukommen wie zuletzt auf Kupfer. [Quellen: Rede von der Leyen, Kommissionssprecher, Bernd Lange]
🇪🇺 Merz und Costa pochen auf Umsetzung des Mercosur-Deals. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich erneut für einen raschen Abschluss des Mercosur-Abkommens ausgesprochen. Es stehe die Glaubwürdigkeit der EU auf dem Spiel, wenn das fertig verhandelte Abkommen nun nicht in Kraft gesetzt würde. Die EU-Kommission finalisiert derzeit den Vertragstext, der seit Wochen „in den kommenden Tagen“ erwartet wird. „Lassen Sie uns das Mercosur-Abkommen bis Ende des Jahres unterzeichnen“, sagte gestern auch der Präsident des Europäischen Rates, António Costa. Man solle auf Basis von Fakten entscheiden und nicht auf Basis von Annahmen und weiter: „Die im Mercosur-Abkommen festgelegte Quote für Rindfleisch entspricht 1,6 % – ich wiederhole: 1,6 % – der gesamten europäischen Rindfleischproduktion. Das ist weniger als die Hälfte unserer derzeitigen Importe aus dem Mercosur. Das wird die europäische Landwirtschaft ganz sicher nicht zerstören“, meinte er in Hinblick auf die bisherige Ablehnung des Abkommens in Ländern wie Frankreich, Polen oder Österreich. [Quellen: Merz im Deutschen Bundestag, Costa im Europaparlament | Grafik: Keine Rindfleisch-Flut durch Mercosur]
🇪🇺 EU-Parlament stimmt gegen Länderklassifizierung im EU-Entwaldungsgesetz. Das Europäische Parlament hat gegen die von der EU-Kommission vorgeschlagene Klassifizierung von Ländern nach Entwaldungsrisiken für das EU-Entwaldungsgesetz gestimmt. Somit muss die Kommission einen neuen Vorschlag vorlegen. Einmal mehr forderte das Parlament auch die Einführung einer „Null-Risiko-Kategorie“ für forstreiche Länder wie Österreich. Der Fachverband der Holzindustrie in Österreich begrüßte die Entscheidung des EU-Parlaments und forderte die EU-Kommission auf, das Entwaldungsgesetz zu vereinfachen. [Quellen: EU-Parlament, Fachverband Holzindustrie]
🇨🇳 Chinesische Erzeugerpreise sinken weiter. Die Erzeugerpreise in China sind im Juni um 3,6 % im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken, nach einem Rückgang von 3,3 % im Mai. Der Handelskonflikt mit den USA sowie die schwächelnde Binnennachfrage belastet die Preise, der entsprechende Index ist mit Juni fast auf ein Zwei-Jahres-Tief gesunken. Die Verbraucherpreise stiegen dagegen erstmals seit fünf Monaten leicht um 0,1 %. [Quelle: Chinesische Staatsbehörde]
Selektive Agenda:
8:30 Uhr, Rom, Italien: Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer nimmt an der internationalen Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine teil (bis 11. 7.) [Info]
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Studienabschlüsse – öffentliche Universitäten 2023/24“, „Studierende an öffentlichen Universitäten 2023/24“ sowie „Produktionsindex Mai“
9:00 Uhr, Wien: Plenarsitzung des Nationalrats u.a. zu Teilpension
10:00 Uhr, Aalborg, Dänemark: Informeller EU-Umweltrat (bis 11. 7.)
11:00 Uhr, Wien: Bundeskanzler Stocker empfängt den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder
12:20 Uhr, Wien: Außenministerin Meinl-Reisinger empfängt deutschen Amtskollegen Wadephul und israelischen Amtskollegen Saar
17:00 Uhr, Straßburg, Frankreich: Plenarsitzung des Europäischen Parlaments (bis 10. 7.) [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Sonja Bräunig ist neue Pflegedirektorin im PBZ Orth an der Donau, Sabine Drobilich übernahm die Pflegedirektion im NÖ Pflege- und Betreuungszentrum (PBZ) Mistelbach und Katrin Hörth wurde zur Kaufmännischen Direktorin im PBZ Stockerau bestellt Henning Frings folgt auf Jürgen Kleinrath als CEO der Schaumstoffsparte von Neveon.
Geburtstage: Wir gratulieren Peter Jankowitsch und Chris Lohner zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
9:00 Uhr, Wien: Drittes Open Forum der OeNB „Digitaler Euro & Zahlungsverkehr“ [Info]
Ab 19:00 Uhr, Retz, Niederösterreich: Eröffnungskonzerte des Festival Retz 2025 im Stadtsaal und danach am Hauptplatz [Info]
20:30 Uhr, Mörbisch, Burgenland: Premiere „Saturday Night Fever“ der Seefestspiele [Info]