Morning in Brief ・ 10.10.2025

Morning in Brief, 10. Oktober 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel, David Schima und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Konjunktur: Warnung vor Entwarnung. IV-Chefökonom Christian Helmenstein warnt angesichts eines prognostizierten Wirtschaftswachstums von 0,3 % vor einem „Stagnationsregime“. Diese Prognosen seien eher im Bereich des „statistischen Rauschens“ zu verorten und die Aussichten wären auch nicht geeignet, „die Sorgenfalten in irgendeiner Weise zu glätten“. Helmenstein identifiziert 4 Problemblöcke: Energiekosten, Steuer- und Abgabenbelastungen, bürokratische Überbelastung und Lohnstückkosten. Auch Fiskalratspräsident Christoph Badelt warnte davor, angesichts der Prognosen „in Euphorie zu verfallen“. Badelt sieht ebenso dringenden Handlungsbedarf bei den Energiepreisen und fordert große Strukturreformen im Gesundheitsbereich und bei den Pensionen. [Quellen: Badelt in Ö1, Helmenstein im Kurier | Grafik: Wirtschaftsprognosen im Vergleich]

„75 % der arbeitslosen Flüchtlinge leben in Wien“
Interview mit Petra Draxl

AMS-Co-Vorständin Petra Draxl erklärt, warum der Talboden der Arbeitslosigkeit in Österreich noch nicht durchschritten ist und welche Branchen ihr aktuell besonders Sorge bereiten. Zwar steige mittelfristig das Arbeitskräfteangebot doch „die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden sind seit Jahren rückläufig.“ Eine Bleibepflicht für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte wäre für Draxl sinnvoll. „Derzeit leben 75 % der arbeitslosen Flüchtlinge in Wien. Österreichweit einheitliche Sozialleistungen würden dieser Tendenz entgegenwirken.“

💡 Keine Kostenersparnis durch Beamtenabschluss neu. Ursprünglich waren für 2026 bis 2028 bundesweite Mehrkosten von etwa 6,0 Mrd. Euro für die Gehälter von Beschäftigten im öffentlichen Dienst eingeplant, nun werden es 6,2 Mrd. Euro. Das geht aus einer Berechnung der Agenda Austria hervor. „Kurzfristig hat der Staat durch diesen Abschluss nur im Jahr 2026 ein bisschen Spielraum gewonnen, langfristig wird das Budget dadurch stärker belastet“, so Agenda-Austria-Ökonom Dénes Kucsera. Effektiv liege der Abschluss in allen drei Jahren unterhalb der zu erwartenden Inflationsrate. Bei einer Gehaltserhöhung von 3,3 % für 2026 sowie einer vollen Inflationsabgeltung 2027 und 2028 hätten rund 11,1 Mrd. Euro Mehrausgaben gedroht. [Quelle: Agenda Austria | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 OeNB sieht MwSt.-Senkung für Lebensmittel kritisch. Eine mögliche Mehrwertsteuersenkung für Lebensmittel von 10 % auf 5 % könnte den Staatshaushalt mit 1,2 Mrd. Euro belasten, rechnet die Nationalbank vor. Die Inflation könnte damit unter Umständen zwar einmalig um 0,5 Prozentpunkte gesenkt werden, es handle sich aber um eine Gießkannen-Maßnahme, die mit Unsicherheiten behaftet sei. Für eine Gegenfinanzierung müsste der reguläre Steuersatz zudem von 20 auf 21 % angehoben werden. Wifo-Chef Gabriel Felbermayr plädiert weiterhin für eine MwSt.-Senkung, die Haushalte dauerhaft entlasten würde, die „hohe Anteile ihrer Einkommen auf Lebensmittel und Miete verwenden.“ Das „würde für alle Haushalte, zumindest bei der Einführung, die gespürte Inflation senken.“ [Quellen: Nationalbank, Felbermayr in der Presse]

🇦🇹 Ökostrom-Förderung für Netzausbau. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer will die nicht ausgeschöpfte Ökostrom-Förderung für die Finanzierung des Netzausbaus verwenden. Rund 85 Mio. Euro wären im laufenden Jahr nicht abgerufen worden und könnten in die Tarifkalkulation für die Netzkosten eingerechnet werden. „Das liegt in meinem Ermessen“, so der Minister gegenüber dem Standard. [Quelle: Der Standard]

🇦🇹 Förderprogramme für E-Mobilität gestartet. Seit gestern können sich Privatpersonen den Umstieg auf elektrisch betriebene Zweiräder und Ladeinfrastruktur durch den „E-Mobilitätsbonus“ mit bis zu 1.800 Euro fördern lassen. Betriebe, Gebietskörperschaften und Vereine werden beim Einsatz von E-Motorrädern und -Mopeds sowie bei der Errichtung betrieblicher und öffentlich zugänglicher Ladestationen mit bis zu 22.500 Euro unterstützt. Voraussetzung dafür ist der Einsatz von 100 % Strom aus erneuerbaren Energien. Insgesamt stehen für die Förderungen rund 30 Mio. Euro zur Verfügung. [Quelle: Klima- und Energiefonds]

🇦🇹 12,6 % mehr Pkw-Neuzulassungen im laufenden Jahr. Von Jänner bis September 2025 wurden mit 215.115 Pkw um 12,6 % mehr Autos zugelassen als im Vorjahreszeitraum. Benzin-Hybride legten dabei mit 48,4 % am stärksten zu. Rein elektrische Pkw verzeichneten ein Plus von 41,4 %, Diesel-Hybride legten leicht um 6,8 % zu. Rückgänge gab es bei reinen Diesel- (-26,5 %) bzw. Benzin-Pkw (-6,2 %). Ein Drittel der Neuzulassungen zwischen Jänner und September waren Benzin-Hybride, mehr als ein Fünftel waren Elektroautos. Rund 70 % der Elektro-Pkw wurden von juristischen Personen, Firmen oder Gebietskörperschaften angemeldet. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Sozialausschuss gibt grünes Licht für Reformen. Die Nachfolgeregelung für die Bildungskarenz, die Pensionsanpassung 2026, neue Kündigungsregeln für freie Dienstnehmer und eine einheitliche Trinkgeldpauschale haben am Mittwoch den Sozialausschuss passiert. Diese Maßnahmen sollen im Rahmen der Plenarsitzung nächste Woche Donnerstag im Nationalrat beschlossen werden. [Quelle: Parlamentsdirektion – Bildungskarenz, Pensionen, freie Dienstnehmer, Trinkgeld, Plenarsitzungen]

🇦🇹 🇪🇺 Hattmannsdorfer will CO2-Freizertifikate für Stahlindustrie verlängern. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer zeigt sich erfreut über die neuen EU-Zollmaßnahmen für Stahl- und Aluminiumimporte. Zur Unterstützung der Branche wünscht er sich aber weitere Schritte, u. a. eine Verlängerung der CO2-Freizertifikate, die verhindern sollen, dass die energieintensive Industrie aufgrund der hohen Kosten für Zertifikate abwandert. Es brauche eine faire Übergangsphase über 2034 hinaus. „Es kann nicht sein, dass ein Unternehmen wie die Voest einerseits Milliarden in die Dekarbonisierung investiert, aber gleichzeitig Milliarden für Emissionszertifikate zahlen muss – das ist weder fair noch wirtschaftlich tragbar“, sagt Hattmannsdorfer dazu im Interview mit Selektiv. Die Industriellenvereinigung begrüßt den Vorstoß des Wirtschaftsministers und sieht in den Freizertifikaten „kein Privileg, sondern einen notwendigen Ausgleich für strukturelle Wettbewerbsnachteile im globalen Markt“. [Quellen: BMWET, Hattmannsdorfer im Selektiv-Interview, IV, EU-Kommission | Grafik: Immer mehr China-Stahl in Europa]

🇩🇪 Deutscher Autogipfel: Kein „harter Schnitt“ ab 2035. Beim Automobildialog zwischen der deutschen Regierungsspitze und führenden Branchenvertretern wurden bei der Transformation zur Elektromobilität und dem Verbot von Verbrennungsmotoren „flexiblere“ Rahmenbedingungen und „Technologieoffenheit in der Regulierung“ eingefordert. „Einen harten Schnitt 2035 darf es nicht geben“, so der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz. Der Umstieg auf E-Autos soll für Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen gezielt gefördert werden. Die WKÖ begrüßt die Schlagrichtung des Autogipfels: „Die Initiativen in Deutschland sind ein wichtiges Signal für unsere Wirtschaft. Weder das Überwinden der angespannten Lage noch die Transformation geht von heute auf morgen“, so Branchensprecher Roland Prettner. Der europäische Autoverband Acea hatte bereits im Vorfeld des Gipfels festgehalten, dass „die Ziele für 2035 und auch für 2030 nicht mehr erreichbar“ wären. Das Stimmungsbarometer in der deutschen Autoindustrie war zuletzt um 5,7 Punkte auf -21,5 Zähler gefallen. [Quellen: Deutsche Bundesregierung, WKÖ, Medienberichte, Ifo]

🇩🇪 Deutschland verzeichnet Exportrückgang. Im August sind die deutschen Warenexporte im Vergleich zum Vormonat um 0,5 % auf 129,7 Mrd. Euro gesunken. Das entspricht einem Minus von 0,7 % gegenüber dem August des Vorjahres. Stärkster Abnehmer deutscher Ausfuhren waren mit einem Warenwert von 10,9 Mrd. Euro weiterhin die USA – trotz eines Rückgangs von 2,5 % im Vergleich zum Juli. Auch Exporte in EU-Staaten sanken um 2,5 % auf insgesamt 72,5 Mrd. Euro. Die Ausfuhren nach China stiegen hingegen um 5,4 % auf 6,8 Mrd. Euro. Insgesamt erzielte Deutschland im August einen Handelsbilanzüberschuss von 17,2 Mrd. Euro. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

🇨🇳 China weitet Exportkontrollen seltener Erden aus. Die Weitergabe von Technologien und Fachwissen zur Gewinnung und Verarbeitung seltener Erden ist ab 1. Dezember nur mehr mit Genehmigung der chinesischen Behörden möglich. Dies soll auch Produkte außerhalb Chinas betreffen, die mit seltenen Erden oder Verfahren aus China hergestellt wurden. Exporte für militärische Zwecke würden per se nicht genehmigt. Die 17 Metalle gelten als besonders wichtig für die Industrie, etwa zur Herstellung von Elektromotoren und Windrädern. [Quellen: Reuters, chinesisches Handelsministerium]

🇷🇺 Russische Industrie setzt teils auf 4-Tage-Woche. Laut einem exklusiven Reuters-Bericht setzen mehrere russische Industriegiganten aufgrund des Konjunkturabschwungs auf Arbeitszeitreduktion und eine 4-Tage-Woche. Russische Firmen kämpfen mit hohen Zinsen, einem starken Rubel, einer sinkenden Binnennachfrage, sanktionsbedingt schwachen Exporten und billigen Importen aus China. Seit Jahresbeginn ist die russische Wirtschaftsleistung exklusive des Militärsektors um 5,4 % geschrumpft. Für das Gesamtjahr wird ein BIP-Rückgang von 0,7-1,0 % prognostiziert. [Quelle: Reuters]

🌐 Silber erreicht neues Allzeithoch. Silber wurde am Donnerstag mit 51,23 US-Dollar pro Feinunze gehandelt und erreichte damit sein bisheriges Allzeithoch. Seit Jahresbeginn gewann das Edelmetall über 70 % an Wert, Gold dagegen nur um etwas mehr als 50 %. Im Jahr 2011 kratzte Silber bereits einmal an der 50-Dollar-Marke und auch 1980 erreichte es ein zwischenzeitliches Hoch. Zuletzt trieb die starke Nachfrage aus der Industrie den Preis des Rohstoffs, der vor allem für die Produktion von Autos, Windturbinen und Photovoltaik verwendet wird. [Quellen: Reuters, Tradingview | Grafik: Silberpreis erreicht Allzeithoch

Selektive Agenda:

Heute, Oslo, Norwegen: Bekanntgabe des Friedensnobelpreises 2025

Heute, Sarajevo, Bosnien-Herzegowina: Europaministerin Plakolm auf Staatsbesuch

Heute, Tallinn, Estland: 20. Arraiolos-Treffen der nicht-exekutiven Staatsoberhäupter der Europäischen Union u. a. mit Bundespräsident Van der Bellen und deutschem Amtskollegen Steinmeier

8:00 Uhr, Kopenhagen, Dänemark: Informeller EU-Telekommunikationsrat (letzter Tag) [Info]

9:00 Uhr, Ljubljana, Slowenien: 71. Jahrestagung der Parlamentarischen Versammlung der Nato (bis 13.10.) [Info]

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Produktionsindex für August sowie Luftemissionsrechnung 1995-2023

10:00 Uhr, Luxemburg: EU-Rat Wirtschaft und Finanzen (ECOFIN) mit Finanzminister Marterbauer [Info]

15:00 Uhr, Wien: Fridays For Future Großstreik „Klimaschutzgesetz – wenn dann richtig!“

16:00 Uhr, Ann Arbor, USA: Universität Michigan veröffentlicht US-Verbrauchervertrauen für Oktober

19:00 Uhr, Eisenstadt: Bundeskanzler Stocker nimmt am Landesparteitag der ÖVP Burgenland teil

Samstag, 10:00 Uhr, Feldkirch: Vizekanzler Babler nimmt am ordentlichen Landesparteitag der SPÖ Vorarlberg teil

Sonntag, Bukarest, Rumänien: Außenministerin Meinl-Reisinger auf Staatsbesuch (bis 13.10.)

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Eva Landrichtinger wurde als neue Geschäftsführerin der WKO-Bankensparte bestellt. Christoph Reinwald, Claudia Turetschek und Pia Fischer-Windsteig sind das neue Management-Team von Complex Pharmaceuticals.

Geburtstage: Wir gratulieren Frank Thelen zum Geburtstag! Am Samstag hat Alfred Dorfer Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Ab 9 Uhr, Wien: „Game City 2025“ im Wiener Rathaus (bis 12.10.) [Info]

Ab Sonntag, Loipersdorf: CIO Kongress u. a. mit Armin Wolf, Markus Reisner, Stefan Bruckbauer [Info]

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