Morning in Brief ・ 10.09.2025

Morning in Brief, 10. September 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel, Gregor Plieschnig und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Regierung will Beamten-Lohnabschluss nachverhandeln. Der bereits beschlossene Gehaltsabschluss 2026 für den öffentlichen Dienst, der die rollierende Inflation (3,5 %) plus 0,3 Prozentpunkte vorsieht, soll wieder aufgeschnürt werden. Die Regierung hat dazu für den 16. September die Gewerkschaft GÖD zu einem Gespräch eingeladen. GÖD-Vorsitzender Eckehard Quin nimmt die Einladung an, hält jedoch fest, dass der „öffentliche Dienst nicht die Sparkasse der Republik darstellt“ – Gesprächsbereitschaft solle nicht mit Schwäche verwechselt werden. Neos-Klubobmann Yannick Shetty bezeichnet den vereinbarten Gehaltsabschluss als „fatales Signal“ und fordert eine „vernünftige Neuregelung des Beamtenplus“. Für Rechnungshofpräsidentin Margit Kraker wäre „eine neue Gehaltsvereinbarung im öffentlichen Dienst ein großer Gewinn“. [Quellen: Medienberichte, Kurier, GÖD, Yannick Shetty auf X, Rechnungshof auf X

Kommentar: Drei Tipps für Neo-Gouverneur Martin Kocher
von Heike Lehner

Mit 1. September 2025 hat Martin Kocher sein neues Amt als Nationalbank-Gouverneur angetreten. Geldpolitisch kommt er in einer höchst spannenden, aber auch ebenso herausfordernden Zeit in die Runde der Europäischen Zentralbank (EZB). 2025 ist ein Jahr des Umbruchs: Die Amtszeit von gleich sieben EZB-Gouverneuren endet. Ein idealer Moment also für drei Bitten an den neuen Gouverneur.

Grafik (von Stephan Frank): Ein Goldpreisrekord jagt derzeit den nächsten. Seit Jahresbeginn 2025 ist der Gold-Spotpreis in US-Dollar gemessen um fast 40 % gestiegen – seit dem Jahr 2022 hat sich der Preis verdoppelt. Gestern wurde mit 3.674 US-Dollar pro Feinunze eine weitere historische Höchstmarke erreicht. Die derzeitige Preisrally wird unter anderem von einem schwachen Dollar und von Erwartungen, dass die US-Notenbank nächste Woche ihre Zinssätze senkt, angetrieben. [Quellen: Reuters, Tradingview, FXStreet]

🇦🇹 Pensionen unter 2.500 Euro sollen volle Erhöhung bekommen. Die Krone berichtet, dass sich bei den Pensionen eine Einigung in der Regierung abzeichnet – demnach sollen Pensionisten deren Pension unter 2.500 Euro pro Monat liegt, den vollen Inflationsausgleich von 2,7 % erhalten. Höhere Pensionen könnten um 2 % angepasst werden. Das soll 400 Mio. Euro einsparen. Der SPÖ nahe Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) forderte gestern erneut die volle Anpassung aller Pensionen i. H. v. 2,7 %. „Die Inflation muss voll abgegolten werden – und zwar jedes Jahr. Das ist einerseits eine Frage des Respekts der älteren Generation gegenüber, aber auch eine Frage der Kaufkraftsicherung“, so PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer. Christine Mayrhuber, die Vorsitzende der Alterssicherungskommission, schlägt vor, die Pensionsanpassung künftig nicht mehr an nur einen einzigen Indikator wie die rollierende Inflation zu binden. Auch die Entwicklung der Löhne, der Wirtschaft sowie der Lebenserwartung sei zu berücksichtigen. [Quellen: Krone, PVÖ, Mayrhuber im Standard

🇦🇹 Metallindustrie will Löhne nicht über 2 % erhöhen. In der metalltechnischen Industrie sind in den letzten 2 Jahren knapp 10.000 Arbeitsplätze verloren gegangen und die Produktion ist in 3 Jahren um 22 % gesunken. Da die Lohnkosten im Vergleich zu Deutschland hierzulande seit 2020 um 12 % stärker gestiegen sind, ruft FMTI-Obmann Christian Knill im Vorfeld der KV-Verhandlungen zu Zurückhaltung auf. Preise und Löhne sollten nicht über dem Inflationsziel von 2,0 % erhöht werden. Der ÖGB schickt den am 22. September startenden KV-Verhandlungen voraus, dass man keine Verhandlungen über eine Nulllohnrunde führen werde. Die Forderung, die Preise nicht über dem Inflationsziel zu erhöhen, unterstützt der ÖGB jedoch. [Quellen: Pressegespräch FMTI, Aussendung FMTI, ÖGB]

🇦🇹 EABG-Entwurf bringt Vorrang für Erneuerbare, Kritik an mangelnder Verbindlichkeit. Das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz wurde gestern in eine sechswöchige Begutachtung geschickt. Erstmals werden für jedes Bundesland verbindliche Ausbauziele für Erneuerbare Energie festgehalten. 27 TWh sollen bis 2030 zugebaut werden – am meisten muss NÖ zubauen, am wenigsten Vorarlberg. In Zukunft ist nur mehr eine Behörde – in der Regel der jeweilige Landeshauptmann – innerhalb eines Verfahrens zuständig. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer sieht hierin einen „Paradigmenwechsel“. Für Erneuerbaren-Projekte wird ein übergeordnetes öffentliches Interesse verankert. Kritik gibt es an der mangelnden Verbindlichkeit. Ausbauziele seien wenig ambitioniert und keine Sanktionen für die nicht-Erfüllung vorgesehen. „Das EABG droht zum Showstopper für die Energiewende zu werden“, so PV-Austria. „Unverbindliche Regelungen führen selten zu Beschleunigung und pünktlicher Ziel-Einhaltung“, warnt die IG Windkraft. Für den Dachverband Erneurbare Energie Österreich (EEÖ) bleibt das Gesetz „zahnlos und wenig kraftvoll“. Die WKÖ sieht dagegen einen Meilenstein für schnellere Verfahren“. Österreichs Energie begrüßt v. a. die rechtliche Verankerung eines „überragenden öffentlichen Interesses“. [Quellen: BMWET-Pressegespräch, Gesetzesentwurf, Hattmannsdorfer in ZIB2 | Reaktionen: Oesterreichs Energie, APG, Erneuerbare Energie Österreich, WKÖ, Photovoltaic Austria, IG Windkraft

🇦🇹 Bildungssystem weiterhin teuer und wenig durchlässig. Laut der aktuellen OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ betrugen die Ausgaben der Republik pro Schüler/Student im Jahr 2022 kaufkraftbereinigt 16.604 US-Dollar (ohne F&E) – weit über dem OECD-Schnitt von 11.843 US-Dollar. Bei den Bildungsausgaben gemessen am BIP lag Österreich mit 4,7 % genau im Schnitt der OECD. Das System ist weiterhin wenig durchlässig – während 63 % der Kinder mit mindestens einem Elternteil mit Universitätsabschluss ein Diplom erzielen, sind es nur 16 % der Kinder, bei denen beide Eltern maximal die Pflichtschule abgeschlossen haben. Die WKÖ fordert eine Bildungsgarantie für junge Menschen. Die IV kritisiert Mängel bei Grundkompetenzen und eine vergleichsweise hohe Zahl an Studienabbrüchen – im Regierungsprogramm seien bereits wichtige Weichen für Chancengleichheit und Qualität im Bildungssystem gestellt, die nun rasch umgesetzt werden sollen. [Quellen: OECD, WKÖ, IV

🇦🇹 Pkw-Neuzulassungen stiegen im August um ein Viertel. Im August 2025 wurden mit 21.452 Fahrzeugen um 25,3 % mehr Pkw zugelassen als im Vorjahresmonat. 35,9 % der Neuzulassungen waren dabei Benzin-Hybride, 26,6 % Benziner, 20,1 % rein elektrisch, 12,5 % Diesel und 5,9 % Diesel-Hybride. In den Monaten Jänner bis August 2025 wurden bisher um 10,7 % mehr Pkw als im Vorjahreszeitraum zugelassen. Bei den seit 1. Juli 2025 von der NoVA befreiten Lkw N1 stiegen die Neuzulassungen im August um 59,9 %. [Quelle: Statistik Austria

„Wir sind in einer Abwärtsspirale“
Interview mit Robert Holzmann

Der ehemalige Notenbank-Gouverneur Robert Holzmann sieht Österreich in einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale gefangen: „Wir haben das Problem, dass uns die Inflation weiter trifft und wir auf der anderen Seite bei der Produktivität keine Fortschritte machen.“ Trotz hoher staatlicher Defizite einzelner Euroländer glaubt er nicht an die Schaffung gemeinsamer Schuldtitel. „Für mich ist das alles eine Illusion.“ Friedrich A. Hayeks ‚The Road to Serfdom‘ sei es zu verdanken, dass Europa die Planungsphilosophie der Kriegszeit abschütteln konnte. „Ohne dieses Werk hätten wir wohl nicht den Lebensstandard, den wir heute haben.“

🇦🇹 Wiener Ortstaxe wird später und weniger stark erhöht. Nach anhaltender Kritik aus der Tourismusbranche wird die geplante Erhöhung der Wiener Ortstaxe verschoben. Statt einer 166-prozentigen Erhöhung mit 1. Dezember 2025 (von 3,2 % auf 8,5 %) wird die Ortstaxe ab 1. Juli 2026 auf 5,0 % erhöht und ab 1. Juli 2027 dann auf 8,0 %. Weiters soll die Ortstaxe in Zukunft separat auf der Rechnung ausgewiesen werden können. Die Österreichische Hotelvereinigung zeigt sich über die Änderung erfreut. [Quellen: APA via Medienberichte, ÖHV

🇦🇹 Vorarlberg richtet Anlaufstelle für Bürokratieabbau ein. Eine neue Abteilung der Vorarlberger Landesregierung soll Vorschläge zum Bürokratieabbau von Bürgern und Betrieben entgegennehmen, analysieren und wenn möglich umsetzen. Insgesamt umfasst die Abteilung zehn Personen – durch interne Umstrukturierungen, ohne zusätzliches Budget. Erste Themenfelder: Raumplanung, Baurecht und Grundverkehr. [Quelle: Land Vorarlberg

🇪🇺 Von der Leyen hält Rede zur Lage der EU. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hält heute um 9 Uhr in Straßburg ihre erste Rede zur Lage der Europäischen Union in ihrer zweiten Amtszeit. Als kritische Punkte gelten der Zolldeal, den die EU mit den USA geschlossen hat und der höher angesetzte mehrjährige EU-Budget-Vorschlag. Beides wurde in vielen Mitgliedsländern und verschiedenen politischen Fraktionen heftig kritisiert. Auch die Verteidigungsfähigkeit der EU und das Mercosur-Abkommen könnten Thema sein sowie die Bestrebungen der Kommission, die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu stärken. [Quelle: EU-Kommission | Service: Livestream

🇪🇺 EU-Parlament für neue Recycling-Regeln für Autoindustrie. Eine Mehrheit der EU-Abgeordneten stimmte in Straßburg für strengere Regeln zur Wiederverwendung von Fahrzeugteilen und für verbindliche Recyclingquoten. Neuwagen sollen binnen 6 Jahren zu 20 % und binnen 10 Jahren zu 25 % aus recyceltem Kunststoff bestehen – davon 15 % aus Altfahrzeugen. Zudem müssen Hersteller künftig stärker für die Entsorgung von Altautos aufkommen, etwa für den Transport zur Demontage. [Quelle: EU-Parlament]

Selektive Agenda:

Heute, Straßburg, Frankreich: Tagung des Europaparlaments (bis 11.9.)

9:00 Uhr, Straßburg: EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen hält Rede zur Lage der Union

9:00 Uhr, Luxemburg: Gerichtshof der Europäischen Union entscheidet über Österreichs Klage gegen die EU-Kommission betreffend EU-Taxonomieverordnung [Info I, Info II]

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht den Produktionsindex für Juli

10:00 Uhr, Wien: Ministerrat im Bundeskanzleramt

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Ferdinand Wegscheider gibt mit Ende September die Leitung von ServusTV ab – seine Nachfolge soll zeitnah geklärt werden. Beim Wiener Feuerfestkonzern Rath folgt Christian Morawetz zum Jahreswechsel auf COO Ingo Gruber. Simone Schaller-Galler ist neue Geschäftsführerin der Wiener Lokalbahnen. Mira Lobnig und Ines Strohmayer werden Consultants bei Schütze Public Results. Gerald Klug wird Sonderberater für grenzüberschreitende Eisenbahnangelegenheiten im BMIMI. Robert Bukovc wird Präsident-Stellvertreter des Hilfswerks Salzburg.

Geburtstage: Wir gratulieren Harald Krassnitzer, Sabine Mandak, Alexander Zach und Andreas Herzog zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

8:50 Uhr, Wien: Livestream „Kursbestimmung für Europa – Rede zur Lage der Union von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen“ mit anschließender Podiumsdiskussion im Haus der Europäischen Union u. a. mit Helene Schuberth, Ferdinand Lembacher und Patrick Lobis [Info]

13:00 Uhr, Wien: FFG Forum im Museumsquartier u. a. mit Wolfgang Hattmannsdorfer, Henrietta Egerth, Karin Tausz; 18:00 Uhr: Gala u. a. mit Peter Hanke [Info]

17:00 Uhr, Wien: Campus Tivoli lädt zur Diskussion „Was ist los an den österreichischen Schulen?“ ins Parlament u. a. mit Wolfgang Sobotka, Nico Marchetti [Info]

18:00 Uhr, Wien: Preisverleihung „Papageno 2025“ – Medienpreis für suizidpräventive Berichterstattung im Presseclub Concordia u. a. mit Korinna Schumann [invite only]

18:00 Uhr, Wien: Die Albertina lädt zum Afterwork „Albert & Tina“ auf die Terrasse der Albertina. [Info]

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