Morning in Brief ・ 11.08.2025

Morning in Brief, 11. August 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, David Schima und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Im Herbst soll Maßnahmenpaket für Lebensmittelpreise kommen. ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti kündigt in der ZIB2 eine Lösung in der Debatte um hohe Lebensmittelpreise an. Die Bundesregierung werde im Herbst entsprechende Maßnahmen präsentieren. Klassische Preiseingriffe, wie es sie etwa in Ungarn gab, lehnt Marchetti ab. Den Bürgern sei nicht geholfen, wenn das Problem der Lebensmittelpreise durch das Problem der leeren Regale ersetzt wird. Es werde einen Maßnahmenmixbenötigen. Zuvor äußerte Wirtschaftsbund-Generalsekretär Kurt Egger deutliche Kritik am Vorstoß von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ). „Die berühmte Gießkanne sollte künftig nur mehr im Garten stehen“, so Egger gegenüber der Kleine Zeitung. [Quellen: Marchetti in der ZIB2, Kleine Zeitung]

Die Wall Street straft Enttäuschungen besonders hart
„Wohin mit dem Geld?“ von Monika Rosen

Mehr als zwei Drittel der Unternehmen im S&P 500 haben ihre Halbjahreszahlen schon vorgelegt. Dabei zeigt sich: Werden die Erwartungen der Wall Street für Gewinn und Umsatz verfehlt, geht der entsprechende Aktienkurs mehr als doppelt so stark in die Knie, als es im Schnitt der letzten fünf Jahre der Fall war. Trotzdem: Die US-Gewinne steigen derzeit stark an.

Grafik (von Stephan Frank): Im 1. Halbjahr 2025 sind die Firmeninsolvenzen in Österreich um 8,9 % auf 3.662 Verfahren gestiegen – 30 Insolvenzen pro Werktag. „So viele Insolvenzen gab es noch nie in der Geschichte der 2. Republik“, so Creditreform-Geschäftsführer Gerhard M. Weinhofer. Für das Gesamtjahr werden mehr als 7.500 Firmeninsolvenzen erwartet. Die meisten Insolvenzen gab es mit 17 pro 1.000 Unternehmen in Wien, die geringsten in Vorarlberg mit 5 pro 1.000 Unternehmen. Die meisten Insolvenzen gab es österreichweit im Handel (642), in den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (617) und im Bauwesen (539). [Quelle: Creditreform]

🇦🇹 Industrie erholt sich im Juni, Rückgang im Bausektor. Im Juni stieg die Industrieproduktion in Österreich im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 %, während die Bautätigkeit um 5,0 % zurückging. Besonders Verbrauchsgüter (+6,3 %) und Vorleistungsgüter (+6,1 %) verzeichneten Zuwächse, während Energie (-7,9 %) und Gebrauchsgüter (-9,6 %) rückläufig waren. In Summe (Industrie und Bau) gab es gegenüber Mai einen leichten Produktionsrückgang von 0,2 %, aber ein Plus von 0,6 % im Jahresvergleich. [Quelle: Statistik Austria

🇦🇹 Harsche Bundesländer-Kritik an EIWG. Ländervertreter von Niederösterreich, Oberösterreich und dem Burgenland äußerten zuletzt deutliche Kritik am Entwurf des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (EIWG). Dieses sei „erneuerbarenfeindlich“ so der burgenländische Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil. Das Gesetz bringe weder stabile Preise, noch verständliche Stromrechnungen und auch keine einheitlichen Netztarife – eine grundlegende Überarbeitung sei nötig. Die Energie-Landesräte von NÖ, Stephan Pernkopf, sowie OÖ, Markus Achleitner, kritisierten ihrerseits in der Kronen Zeitung die geplanten Abgaben für private PV-Anlagen. Das EIWG sei zwar wichtig, um den Netzausbau auf Schiene zu bringen, es dürfe jedoch „keine nachträgliche PV-Steuer für kleine PV-Anlagen“ geben. [Quellen: Land Burgenland, Kronen Zeitung]

🇦🇹 Teilzeitboom kostet Österreich jährlich 4,9 Mrd. Euro. Laut Berechnungen des Thinktanks Agenda Austria verzichteten im Vorjahr 320.000 Teilzeitkräfte freiwillig auf Vollzeitarbeit. Mit 31,5 % verzeichnet Österreich die zweithöchste Teilzeitquote in der EU. Das heimische Steuersystem mache Vollzeit unattraktiv, so Agenda-Austria-Ökonom Hanno Lorenz: „In Schweden bringt eine Verdopplung der Arbeitszeit 87 % mehr Nettolohn, in Österreich nur 69 %.“Trotz verfügbarer Kinderbetreuung bevorzugen viele, besonders Frauen, Teilzeit aus persönlichen oder steuerlichen Gründen. Der Wirtschaftsbund warnt in einer Reaktion vor dem „Milliardengrab Teilzeit“. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer fordert, dass „negative Leistungsanreize des Steuer- und Sozialsystems abgebaut werden müssen.“ GPA-Vorsitzende Barbara Teiber verwehrt sich dagegen, Teilzeitkräfte pauschal als volkswirtschaftliches Problem zu framen. „Wer Teilzeit arbeitet, tut das meist nicht aus ‚Lifestyle-Gründen‘.“ [Quellen: Agenda Austria, WB, IV, GPA | Grafik: Wo sich Mehrarbeit lohnt – wo nicht]

🇦🇹 Regierung plant Klimacheck für Gesetze. Ab 1. Jänner 2026 müssen neue Gesetze, Verordnungen und größere Vorhaben des Bundes einen unverbindlichen Klimacheck durchlaufen, so ein Bericht von Ö1. Ziel sei es, mögliche klimaschädliche Auswirkungen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Eine neue Servicestelle im Ministerium soll dies mit einem „Klimacheck-Tool“ unterstützen. Automatische Konsequenzen bei negativen Ergebnissen sind nicht geplant. Klimaökonomin Sigrid Stagl begrüßt die Maßnahme, fordert aber klare Regelungen bei negativen Ergebnissen. [Quellen: Ö1, Medienberichte]

🇦🇹 Unternehmensgründungen legen stark zu. Im 1. Halbjahr 2025 gründeten gemäß WKÖ 21.128 Menschen in Österreich ein Unternehmen – ein Plus von 9,5 % gegenüber dem Vorjahr. Diese „Gründerwelle“ zeige, dass „wir nicht nur in einer Zeit großer Herausforderungen leben, sondern auch in einer Zeit großer Chancen“, so WKÖ-Chef Harald Mahrer. Man müsse diese nun weiter durch steuerliche Entlastungen und einen Dachfonds zur Aktivierung privaten Kapitals unterstützen. Im Vergleich zur Schweiz hinkt Österreich trotz des Wachstums weiter hinterher: Im 1. Halbjahr wurden laut einer Studie 27.811 Schweizer Neugründungen verzeichnet – um 2,6 % mehr als im Vorjahreszeitraum. [Quellen: Medienberichte, IFJ-Studie]

🇦🇹 Baupreise im Q2 2025 erneut gestiegen. Im 2. Quartal 2025 stieg der Baupreisindex für Hoch- und Tiefbau im Vergleich zum Vorjahr um 1,0 % auf 124,1 Punkte. Gegenüber dem Vorquartal wuchs er um 0,5 %. Der Hochbau-Index erhöhte sich um 1,0 % auf 137,8 Punkte, mit einem Anstieg von 1,0 % im Wohnhaus- und Siedlungsbau (136,4 Punkte) und 0,9 % im sonstigen Hochbau (139,8 Punkte). Im Tiefbau wuchs der Index um 0,9 % auf 105,1 Punkte, mit Zuwächsen von 0,9 % im Straßenbau, 1,5 % im Brückenbau und 0,6 % im sonstigen Tiefbau gegenüber dem Vorjahreszeitraum. [Quelle: Statistik Austria]

🇩🇪 Deutsche Unternehmen kämpfen mit Auftragsmangel. Im Juli hatten 36,7 % der deutschen Betriebe nach eigenen Angaben zu wenig Aufträge. Im April waren es mit 37,3 % noch etwas mehr gewesen. In der Industrie meldeten im Juli 38,3 % der Betriebe fehlende Aufträge. Am stärksten betroffen sind der Maschinenbau (46,1 %), Automobilbau (42,6 %) und die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen (40,6 %). Unter den Dienstleistungsunternehmen sank der Anteil im 2. Quartal um 2,4 Prozentpunkte auf 29,9 % – Leiharbeitsfirmen (56,3 %), Beherbergungsbetriebe (54,2 %) sowie Werbeagenturen und Marktforschungsunternehmen (51,4 %) leiden aber weiterhin. Im Großhandel beklagen mittlerweile 66,2 % der Betriebe einen Auftragsmangel, im Einzelhandel 51,0 %. [Quelle: Ifo-Institut]

🇩🇪 USA nur noch knapp größter deutscher Handelspartner. Die Zollpolitik von US-Präsident Trump sowie Chinas Importflut lassen den US-Vorsprung als wichtigster Handelspartner Deutschlands deutlich schrumpfen. Im 1. Halbjahr 2025 betrug dieser nur mehr 2 Mrd. Euro. Deutsche Exporte in die USA sanken um 3,9 % auf 77,6 Mrd. Euro, während Importe aus China um 11 % auf 81,4 Mrd. Euro anstiegen. „China dürfte bald wieder Deutschlands Top-Handelspartner werden“, so Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer. Auch die Schwäche des chinesischen Yuan trage hierzu bei. „Denn sie macht chinesische Importe zu billig und führt dazu, dass chinesische Firmen zu extremen Niedrigpreisen anbieten können“, führt IW-Experte Jürgen Matthes aus. [Quellen: Reuters, Statistisches Bundesamt]

🇺🇸 🇨🇭 US-Regierung plant Klarstellung zu Goldbarren-Zöllen. Die vermeintliche Entscheidung der US-Zollbehörde einen Zoll von 39 % auf die meistgehandelten Schweizer Goldbarren – 1 kg- und 100 Unzen-Barren – einzuheben, führte zuletzt zu Verunsicherung am Markt. Die Schweiz, globales Zentrum für Goldraffination, sieht ihre Exporte in die USA bedroht. „Dies ist ein Schlag für die Branche und für die Schweiz“, so Christoph Wild, Präsident des Schweizer Verbands der Edelmetallhersteller und -händler (ASFCMP). Ein Zollsatz in dieser Höhe würde den Export zum Erliegen kommen lassen. Das Weiße Haus will nun bald mit einem Erlass „Fehlinformationen“ korrigieren. [Quellen: Reuters, Financial Times]

🇹🇼 Taiwan mit Exportrekord dank starker US-Nachfrage. Taiwan verzeichnete im Juli mit einem Anstieg von 42 % auf 56,68 Mrd. US-Dollar einen neuen Exportrekord. Getrieben wurde dieser von hoher Nachfrage nach Tech-Produkten und Vorzieheffekten durch drohende US-Zölle. Besonders stark wuchsen die Ausfuhren in die USA um 62,8 % auf 18,4 Mrd. US-Dollar und nach China um 23,9 % auf 14,4 Mrd. US-Dollar. Exporte nach Europa stiegen moderat um 4,1 % auf 3,2 Mrd. Dollar. Das Finanzministerium erwartet für August ein Exportwachstum von 17–22 %, warnt jedoch vor Instabilität durch Handelsspannungen und geopolitische Risiken. [Quelle: Taiwanesisches Finanzministerium]

Selektive Agenda:

Heute, Podgorica, Montenegro: Bundeskanzler Stocker in Montenegro (bis 12.8.)

Heute, online: Sondersitzung der EU-Außenminister betreffend US-Russland-Gipfeltreffen zum Ukraine-Krieg

9:00 Uhr, Wien: Wifo veröffentlicht Konjunkturbericht

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria gibt Kfz-Neuzulassungen für Juli bekannt

Wochenvorschau:

Am Dienstag endet die 90-tägige Zollpause zwischen den USA und China – bis jetzt konnte keine Einigung zwischen beiden Ländern erreicht werden. Die Opec veröffentlicht ihren monatlichen Ölmarktbericht. In den USA gibt das Bureau of Labor Statistics die Verbraucherpreise für Juli bekannt.

Die Bank Austria veröffentlicht am Donnerstag Vormittag ihren Konjunkturindikator für August. Um 9 Uhr gibt die Statistik Austria den Baukostenindex für Juli bekannt. Danach folgt via Eurostat um 11 Uhr das Eurozonen BIP im 2. Quartal und die Industrieproduktion im Juni. Um 14:30 Uhr folgt das Bureau of Labor Statistics mit den US-Erzeugerpreisen für Juli.

Am Freitag ist mit Mariä Himmelfahrt ein Feiertag. Es läuft die Begutachtungsfrist für das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) aus. Die Federal Reserve gibt die US-Industrieproduktion und -Einzelhandelsumsätze für Juli bekannt.

Samstag Nachmittag startet das Forum Alpbach 2025 mit den Euregio-Days (bis 19. 8.).

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Den aktuellen Link zum Selektiv-Terminkalender gibt es in der heutigen „Morning in Brief“-Mail.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Matthias Schrom wird ab Mitte August die Kommunikationsagenden der Landesholding Burgenland übernehmen. Andreas Temmel wurde zum Landesamtsdirektor-Stellvertreter im Amt der Burgenländischen Landesregierung gewählt. Nikolaus Kriz übernimmt ab September die Leitung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Ilia Dib, Klaus Kumpfmüller und Ulrike Rauch-Keschmann wurden in den Aufsichtsrat der Bundesimmobiliengesellschaft berufen. Maximilian Pech wurde zum neuen Obmann der Schülerunion gewählt – zur neuen Bundesgeschäftsführerin wurde Bernadette Krall gewählt.

Geburtstage: Wir gratulieren Christian Hafenecker, Conrad Seidl, Hans-Peter Martin und Gernot Kulis zum Geburtstag.

Sie haben diesen Newsletter weitergeleitet bekommen?