Morning in Brief ・ 11.12.2025

Morning in Brief, 11. Dezember 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇪🇺 Strengere Schutzklauseln für Mercosur-Abkommen. Vor der geplanten Unterzeichnung des Abkommens am 20.12. stimmen EU-Parlament und EU-Rat kommende Woche über strengere Schutzmaßnahmen ab. Diese sollen zukünftig bereits bei einem Anstieg sensibler Agrarimporte (z. B. Rindfleisch) um 5 % im Dreijahresdurchschnitt (statt wie bisher um 10 %) eingeleitet werden. Zudem sollen die Untersuchungsfristen verkürzt werden. Aus hochrangigen Kreisen des Parlaments heißt es, im Rat werde ein „harmonisches Ergebnis“, im Parlament ein positives, wenn auch „kein überragendes“ Ergebnis erwartet. Belgiens Landwirtschaftsminister David Clarinval kündigte eine Enthaltung seines Landes an, die deutsche Bundesregierung ihre Zustimmung. Die IV demonstrierte gestern vor dem Bundeskanzleramt für eine Zustimmung Österreichs. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič ist heute in Wien bei Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer zu Gast. [Quellen: EU-Parlament, The Brussels Times, Deutsche Bundesregierung, IV, Wirtschaftsministerium | Bilder: Demonstration der IV | Grafik: Oberösterreich profitiert am meisten von Mercosur]

„Das Verbrennerverbot ist völlig unnötig“
Interview mit Stephan Schwarzer

Umweltrechtsexperte Stephan Schwarzer sieht trotz aller Bemühungen auf EU-Ebene noch viel Potenzial für den Abbau von Hürden im Bereich Umwelt und Klima: „Was der Green Deal eigentlich bezwecken will, verhindert er auch selbst.“ Ein Beispiel dafür sei das „Verbrennerverbot“, das kommende Woche entschärft werden könnte. Auch vom Stecken immer neuer Klimaziele hält der Geschäftsführer der E-Fuel Alliance wenig: „Diese Zieldebatte verdeckt nur, dass wir es in fünf Jahren nicht geschafft haben, Wasserstoffstrukturen aufzubauen und CO2-Lager zu errichten.“

💡 Rindfleischpreis würde durch Mercosur kaum sinken. In Österreich (7,11 €/kg) und der EU-27 (7,09 €/kg) liegen die Rindfleisch-Erzeugerpreise derzeit auf langjährigem Rekordniveau. Sollte das Mercosur-Abkommen in Kraft treten, dürfen jährlich zusätzliche 99.000 Tonnen Rindfleisch zu einem stark reduzierten Zollsatz in die EU importiert werden. Das entspricht ca. 1,5 % der gesamten EU-Produktion (rund 7 Mio. Tonnen). Laut einer Studie der EU-Kommission sinken die Erzeugerpreise selbst im Worst-Case-Szenario (inkl. anderer Handelsabkommen wie Australien und Neuseeland) bis 2032 um maximal 2,4 %. „Die Rindfleisch-Aufregung ist übertrieben. Aber falls es doch zu Marktverwerfungen kommt, hat die Europäische Kommission schon Hilfe zugesagt“, so oecolution Geschäftsführer Christian Tesch. [Quellen: Europäische Kommission, oecolution, Mercosur-Factsheet, Handelsabkommen-Studie | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 „One-Stop-Shop“ für Rot-Weiß-Rot-Karte. „Monatelanges Warten“ auf die Ausstellung einer Rot-Weiß-Rot-Karte aufgrund „undurchsichtiger, langsamer und papierlastiger“ Prozesse soll der Vergangenheit angehören, verspricht Entbürokratisierungsstaatssekretär Sepp Schellhorn. Ab Jänner 2026 soll die RWR-Karte dementsprechend reformiert werden und ein „One-Stop-Shop“ für Fachkräfteanträge eingerichtet werden. Die Plattform „Easy-Access-Austria“ soll dabei die Antragstellung, Kommunikation und das Dokumentenmanagement bündeln. Weiters soll die RWR-Karte auch auf volljährige Lehrlinge ausgeweitet werden. [Quelle: Pressefoyer nach dem Ministerrat]

🇦🇹 Belegpflicht entfällt ab Oktober 2026. Unabhängig vom Betrag soll die Pflicht zum Ausdrucken von Belegen ab 1.10.2026 fallen und ein digitaler Beleg eingeführt werden. Verkäufer können damit auf freiwilliger Basis den Beleg online zur Verfügung stellen und beispielsweise per QR-Code zugänglich machen. Es braucht in Zukunft keinen Nachweis mehr darüber, dass der Kunde den Beleg auch erhalten hat. Die Regierung will damit die „Zettelwirtschaft deutlich reduzieren“. Kunden sollen aber weiterhin einen Papierbeleg verlangen können. Weiters wird mit 1.1.2026 die 15-Warengruppen-Regelung ins Dauerrecht überführt und die Umsatzgrenze für die Ausnahme von der Registrierkassenpflicht („Kalte-Hände-Regelung“) von 30.000 auf 45.000 Euro angehoben. [Quellen: Pressefoyer nach dem Ministerrat, Bundeskanzleramt | Reaktionen: Handelsverband]

🇦🇹 Industrieproduktion im Oktober gestiegen. Der Produktionsindex der Industrie in Österreich ist im Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5 % auf 109,7 Punkte gestiegen. Gegenüber September 2025 stieg der Index um 0,9 %. Einschließlich des Bauwesens lag der Anstieg im Jahresvergleich bei 3,3 %. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Freibetrag statt Pensionisten-Flattax. Wie Die Presse berichtet zeichnet sich ein Kompromiss in den stockenden Verhandlungen um die Flattax für Pensionisten, die einer Erwerbsarbeit nachgehen, ab. Statt der Flattax, könnte es einen Steuerfreibetrag geben. Durch einen Freibetrag würden auch Selbstständige und Personen mit einer niedrigen Pension von dieser Maßnahme profitieren. Die Präsidentin des Pensionistenverbandes Birgit Gerstorfer (SPÖ) meint hierzu: „Wenn man eine Lösung findet, die für einen großen Teil interessant ist, kann man auch Selbständige mitnehmen.“ [Quelle: Die Presse]

🇦🇹 Pkw-Neuzulassungen um 13 % gestiegen. Seit Jahresbeginn wurden in Österreich 262.602 Pkw neu zugelassen, ein Zuwachs von 13,1 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Anteil von Verbrennern unter den Neuzulassungen ist dabei weiter zurückgegangen, mittlerweile entfallen 60 % der Pkw-Neuzulassungen auf Elektro- oder Hybrid-Autos und nur mehr 40 % auf reine Verbrenner (davon 28 % Benziner und 12 % Diesel). Neuzulassungen von Motorrädern, Lastkraftwagen und Wohnmobilen waren rückläufig, insgesamt stiegen die Kfz-Zulassungen im laufenden Jahr um 6,5 %. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 „Geräte-Retter-Prämie“ statt Reparaturbonus. Das Nachfolgemodell für den Reparaturbonus startet ab 12.1.2026. Unternehmen können sich ab sofort als Partnerbetrieb registrieren. Die neuen Förderkriterien schließen Produkte wie Fahrräder oder Mobiltelefone aus, der Fokus soll auf Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen, Tiefkühlern oder Staubsaugern liegen. Weiterhin werden maximal 50 % der Bruttokosten gefördert, die maximale Förderhöhe jedoch von 200 auf 130 Euro reduziert. [Quellen: BMLUK, Geräte-Retter-Prämie.at]

🇦🇹 Frauenquote in Aufsichtsräten auf 40 % angehoben. Mit der Umsetzung der „Women on Boards“-Richtlinie soll der Frauenanteil in Aufsichtsräten von derzeit 32 % auf 40 % angehoben werden. Wird die Quote missachtet, muss der Aufsichtsratsposten unbesetzt bleiben. Die neue Regelung soll mit 30.6.2026 in Kraft treten. Für Vorstände wird eine „kann“-Bestimmung eingeführt, um den Frauenanteil auf freiwilliger Basis zu erhöhen. Die WKÖ ortet „Gold-Plating“, da Österreich von einer Ausnahme Gebrauch machen könnte und die Richtlinie gar nicht umsetzen müsste. „Die unternehmerische Freiheit darf nicht durch immer noch mehr Bürokratie eingeengt werden.“, so WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger. [Quellen: Pressefoyer nach dem Ministerrat, Bundeskanzleramt, WKÖ]

🇦🇹 Buslenker-KV nachverhandelt. Der Zweijahresabschluss für die 12.000 Beschäftigten bei privaten Autobusbetrieben wurde für 2026 nachverhandelt. Auf die den Verhandlungen zugrundeliegende Inflation von 3,2 % werden 0,1 Prozentpunkte aufgeschlagen, somit die Löhne ab 1. Jänner 2026 um 3,3 % erhöht. In der Personen- und Frachtschifffahrt wurde mit durchschnittlich 3,5 % abgeschlossen. [Quellen: ÖGB – Buslenker, Binnenschifffahrt]

🇪🇺 EU-Kommission legt Umwelt-Omnibus und Energienetz-Ausbaupläne vor. Das mittlerweile 8. Omnibus-Paket soll die Umweltgesetzgebung in Bezug auf Industrieemissionen, Kreislaufwirtschaft und Umweltverträglichkeitsprüfungen vereinfachen und somit 1 Mrd. Euro an Verwaltungskosten einsparen. Die EU-Kommission möchte zudem 1,2 Bill. Euro in die europäischen Energienetze investieren, um die Klimaneutralität bis 2050 erreichen zu können. Weiters sind 8 „Energie-Autobahnen“ für Gas, Strom und Wasserstoff geplant, darunter auch der SouthH2 Corridor durch Österreich. [Quellen: EU-Kommission – Umwelt-Omnibus: Aussendung, Factsheet, Q&A; Grids Package: Aussendung, Factsheet, Q&A]

🇪🇺 Europäischer Gaspreis weiter gefallen. Der Preis für eine Megawattstunde Gas an der Amsterdamer Börse (Dutch TTF) ist gestern auf 26,6 Euro gefallen. Damit war ein 1-Monats-Kontrakt so günstig wie zuletzt am 5.4.2024. Die niedrigen Preise in Europa könnten Analysten zufolge dazu führen, dass LNG-Lieferungen nach Asien umgeleitet werden. [Quellen: Investing.com, The Wall Street Journal]

🇩🇪 Unternehmensinvestitionen rückläufig. Die Investitionserwartungen deutscher Unternehmen sind auf -9,2 Punkte gesunken, nach +2,4 Punkten im März. Die halbjährliche Umfrage des Ifo-Instituts zeigt vor allem in der Industrie einen deutlichen Rückgang der Erwartungen, von +4 Punkten im März auf -17,3 Punkte im November. Auch für 2026 plant die deutsche Industrie geringere Investitionen, allerdings weniger stark als für 2025 mit -6,9 Punkten. Im Handel und bei den Dienstleistungen sinken die Investitionserwartungen 2025 ebenfalls. Für 2026 wird nur bei den Dienstleistern mit steigenden Investitionen gerechnet. [Quelle: Ifo-Institut]

🇺🇸 US-Notenbank senkt Leitzins. Die Federal Reserve hat den Leitzins zum 3. Mal in diesem Jahr um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Zinsspanne liegt nun bei 3,50 bis 3,75 %. Ungewöhnlich war die Entscheidung, weil 3 Mitglieder des Offenmarktausschusses dagegen stimmten, während 9 dafür votierten. Für 2026 erwartet die Fed ein Wachstum des realen BIP von 2,3 %. Die nächste Zinssitzung der Europäischen Zentralbank findet am 18.12.2025 statt. [Quellen: Federal Reserve, Transkript Powell Rede

Selektive Agenda:

Heute, Brüssel: Treffen der Finanzminister der Eurogruppe [Info]

Heute, Wien: Veröffentlichung monatlicher Ölmarktbericht der OPEC

9:00 Uhr, Wien: Sitzung des Nationalrats (bis 12.12.) [Tagesordnung]

9:30 Uhr, Wien: Der Kreditschutzverband KSV1870 veröffentlicht die „Insolvenz- und Wirtschaftsentwicklung 2025“ sowie einen Ausblick auf 2026.

9:30 Uhr, Wien: Handelsverband und Wifo präsentieren Weihnachtsgeschäft und Gesamtjahr 2025 [Info]

10:00 Uhr, Brüssel: EU-Agrar- und Fischereirat mit Landwirtschaftsminister Totschnig (bis 12.12.) [Info]

10:00 Uhr, Paris: Internationale Energieagentur (IEA) präsentiert Monatsbericht Ölmarkt für Dezember

10:00 Uhr, Wien: Fortsetzung der KV-Verhandlungen für die Sozialwirtschaft

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Miriam Daill übernimmt die Leitung der Unternehmenskommunikation des Volksbanken-Verbundes.

Geburtstage: Wir gratulieren Hans Rauscher und Renate Angerer zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

11:00 Uhr, Stuhleck, Steiermark: VIP-Skiopening beim Panorama-Restaurant w11 [Info]

19:30 Uhr, Wien: Falter Arena „Wenn Russland gewinnt – Was ein Sieg gegen die Ukraine für Europa und die Welt bedeuten würde“ u. a. mit Karl Nehammer, Ursula Plassnik und Carlo Masala im Stadtsaal [Info]

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