Morning in Brief ・ 11.02.2025

Morning in Brief, 11. Februar 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

US-Zölle: EU plant Gegenzölle. Donald Trump hat die Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte von 10 auf 25 Prozent angehoben – dabei soll es keinerlei Ausnahmen mehr geben. Trump: „It’s 25 percent without exceptions or exemptions.“ Die Zölle, die am 4. März in Kraft treten sollen, würden auch nachgelagerte Produkte wie z.B. Strangpressprofile treffen. Die EU-Kommission hatte zuvor am Montag angekündigt, auf die Zölle reagieren zu wollen, sobald Details vorliegen. Es könnte laut Handelsblatt dieselben Gegenmaßnahmen geben, die die EU bereits 2018 beschlossen hatte, als Trump erstmals Zölle auf Stahl und Aluminium verhängte. Diese Gegenzölle auf u.a. Motorräder und Whiskey wurden lediglich ausgesetzt – was am 31. März automatisch auslaufen würde. Das Exportvolumen von Waren aus Eisen oder Stahl von Österreich in die USA betrug 2023 rund 650 Mio. Euro – Eisen und Stahl wurden im Wert von 276,2 Mio. Euro in die USA geliefert und Aluminium sowie Waren daraus im Wert von 229,1 Mio. Euro. [Quellen: Reuters, EU-Handelssprecher Olof Gill auf X, EU-Kommission, Handelsblatt, Die Presse

Gasversorgung: „Das große Aha kommt im Sommer“
Interview mit Johannes Benigni

Seit Jahreswechsel fließt kein russisches Gas mehr über die Ukraine nach Österreich. Das Gas, das nun zu uns kommt, hat eine schlechtere Qualität, sagt Energie-Experte Johannes Benigni, der auch in zu hohen Gas-Importen aus den USA eine Gefahr sieht: „Stellen Sie sich vor, die Amerikaner besetzen Grönland und die EU will die USA sanktionieren. Im Fall von Russland waren wir das letzte Mal nicht vorbereitet und wurden von den Sanktionen überrumpelt. Die Energiepreise sind massiv nach oben gegangen. Das sollte uns nicht noch einmal passieren“.

Grafik (von Christoph Hofer): Der Preis für Erdgas ist gestern in Europa auf den höchsten Stand seit zwei Jahren gestiegen und lag laut Terminkontrakt TTF zum Schluss des Handelstages bei knapp 58 Euro pro Megawattstunde. Vor einem Jahr lag der Preis bei rund 26 Euro pro MWh und Anfang Jänner 2025 bei 50 Euro pro MWh. Gleichzeitig entleeren sich in ganz Europa aufgrund der kalten Temperaturen die Gasspeicher schneller als in früheren Jahren. Die österreichischen Gasspeicher sind derzeit zu 58,8 Prozent gefüllt – letztes Jahr am selben Tag waren es 80,8 Prozent. [Quellen: TTF, aktueller Gasspeicher-Stand]

Koalitionsverhandlungen – SPÖ umwirbt ÖVP. Die Verhandlungen zwischen FPÖ und ÖVP wurden gestern Abend für weniger als zwei Stunden fortgesetzt, heute soll weiterverhandelt werden. Aber auch die SPÖ bringt sich als Koalitionspartner der ÖVP erneut ins Spiel: Wiens Bürgermeister Michael Ludwig macht heute offen ein Angebot: „Unsere Hand ist weit ausgestreckt. Jetzt liegt es an der ÖVP, diese auch zu ergreifen.“ Es brauche aufgrund einer „historischen Situation“ eine „Bundesregierung, die eine aktive Rolle in der Europäischen Union spielt“ und „Österreich nach vorne bringt“. [Quelle: Michael Ludwig auf X]

Insolvenzen 2024 plus 23 Prozent. 2024 stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen im Jahresvergleich um rund 23 Prozent auf 6.545. Die meisten Insolvenzen gab es in den Bereichen Dienstleistungen, Bau und Handel. Im vierten Quartal stiegen die Insolvenzen im Vergleich zum Vorquartal um 12 Prozent – besonders stark war der Anstieg in der Sachgütererzeugung, Handel und Bau. Die Absichten, ein Unternehmen zu gründen (Registrierungen), gingen 2024 um 5 Prozent zurück und im letzten Quartal im Jahresvergleich sogar um 10 Prozent. [Quelle: Statistik Austria

Industrie und Bau im Sinkflug. Industrie und Bau büßten im Dezember im Jahresvergleich arbeitstägig bereinigt 9,7 Prozent ihrer Produktion ein. Es ist ein doppelt so starker Einbruch als noch im November und ein Rückgang, der nun seit eineinhalb Jahren anhält. Im Monatsvergleich ging die Produktion saisonbereinigt um 3,5 Prozent zurück. Die durchschnittlichen Baupreise legten 2024 im Jahresvergleich um 1,3 Prozent zu. [Quelle: Statistik Austria I, Statistik Austria II]

Kaum Wachstum in Österreich. Österreich gehört laut einer Umfrage unter internationalen Wirtschaftsexperten 2025 voraussichtlich zu den Schlusslichtern des globalen Wirtschaftswachstums. Mit 0,6 Prozent soll das BIP in Österreich heuer etwas stärker wachsen als in Deutschland (+0,4 Prozent). Für 2026 gehen die Ökonomen für Österreich von +1,3 Prozent aus und für 2028 von +1,5 Prozent. Weltweit werde die Wirtschaft heuer um 2,9 Prozent wachsen, in Europa um 2,1 Prozent und in Westeuropa um 1,1 Prozent. Für die USA liegen die Erwartungen bei 2,4 Prozent, für Afrika bei 3,9 Prozent und Asien bei 3,8 Prozent. Neben Westeuropa gehört auch Ozeanien zu den Schlusslichtern. [Quelle: Ifo, Österreich-Zahlen auf Anfrage] 

KV-Autobusbetriebe: Streikfreigabe. Vor der vierten KV-Verhandlungsrunde am 17. Februar haben sich die Gewerkschaften bei Betriebsversammlungen die Streikfreigabe von den Beschäftigten eingeholt. Sollten die Verhandlungen am 17. scheitern, werden am 20. Februar erste Warnstreiks abgehalten. Arbeitgebervertreter nannten die Lohndumping-Vorwürfe der Gewerkschaft in der Vorwoche „haltlos“, den Busunternehmen wurde von der Wirtschaftskammer eine Lohnerhöhung von 3,5 Prozent empfohlen. [Quellen: ÖGB, WKO

Optimismus für kommende 6 Monate. Der Konjunkturindex von Sentix für die Eurozone notiert im Februar mit -12,7 Punkten weiterhin unter der Wachstumsschwelle, hat sich aber im Vergleich zu Jänner um 5,0 Punkte deutlich nach oben bewegt und damit die Analystenerwartungen übertroffen. Deutlich bergauf ging es auch für Österreich – der Indikator stieg von -31,4 Punkten im Jänner auf -17,4 im Februar. Die Erwartungen für die nächsten 6 Monate drehten sogar auf +2,0 Punkte in den positiven Bereich – das erste Mal seit Mai 2024. Für die Eurozone liegen die Erwartungen bei +1,0 Punkten. Befragt wurden 1.111 Investoren. [Quelle: Sentix

Frankreich nimmt KI-Zügel in die Hand. Seit gestern läuft in Paris ein Gipfeltreffen zu Künstlicher Intelligenz, zu dem der französische Präsident Emanuel Macron geladen hat. Für Österreich nehmen Regierungschef Alexander Schallenberg und Staatssekretärin Claudia Plakolm teil. 1.500 Teilnehmer werden erwartet – neben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sind u.a. auch US-Vizepräsident J.D. Vance und Indiens Premierminister Narendra Modi angereist. Mehr als 60 europäische Unternehmen forderten die EU-Kommission zu einem Abbau von KI-Regularien auf. Mit „Current AI“ wurde eine Initiative gestartet, die der Finanzierung von großen KI-Projekten dienen soll – zum Start haben sich neun Länder angeschlossen: Frankreich, Deutschland, Finnland, Slowenien, Schweiz, Chile, Kenia, Marokko und Nigeria. Frankreich selbst hat Investitionen von Unternehmen von über 109 Mrd. Euro in KI-Infrastruktur in Frankreich angekündigt. [Quellen: Medienberichte, EU AI Champions Initiative, Current AI, AI Summit mit Livestream

Gold-Allzeithoch. Der Goldpreis erreicht in Folge von Donald Trumps Zoll-Ankündigungen neue Rekordhöhen: Am Montag stieg der Preis um fast 2 Prozent auf über 2.900 Dollar je Feinunze. Im letzten Monat stieg der Goldpreis um 9 Prozent. Eine Preiskorrektur wird von Analysten derzeit als nicht sehr wahrscheinlich eingestuft, die Spannungen in der globalen Handelspolitik würden den Preis eher noch treiben. [Quellen: Aktueller Goldpreis, Reuters

Selektive Agenda:

Warschau: Informeller EU-Außenministerrat (Entwicklung)

Straßburg: Zweiter Plenartag des Europaparlaments (bis 13. Februar); Beratung über den Handel zwischen der EU und den USA und US-Exportkontrollen für KI-Chips/Kritische Kommunikationsinfrastruktur [InfoInfo]

Paris: Artificial Intelligence Action Summit – Treffen führender Manager aus der Technologie-Branche mit Behördenvertretern aus fast 100 Staaten zum Thema KI (10.2.-11.2.) u.a. mit Staatssekretärin Plakolm, französischem Präsidenten Macron, EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, deutschem Kanzler Scholz, US-Vizepräsident Vance, indischem Premierminister Modi, OpenAI-Chef Sam Altman [Info]

Wien: Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo veröffentlicht Konjunkturbericht

Wien: Fortsetzung der FPÖ-ÖVP-Koalitionsverhandlungen

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Christian Rösner-El-Heliebi ist neuer Generalsekretär des Pensionistenverband Österreichs (PVÖ). Manuela Reicherd, Margaretha Germann und Angelika Richter sind seit Jahreswechsel Teil des Führungsteams in der Wirtschaftsprüfung von Deloitte Österreich. 

Sehen & gesehen werden:

Save the date: 20. Februar 2025, 13:00 Uhr, Wien: Der Österreichische Gemeindebund lädt zur Großinfrastruktur-Konferenz: „Umsetzung von Großinfrastrukturprojekten – die Gemeinde zwischen Wohlfühlort und Standortfaktor: Wie nehmen wir die BürgerInnen mit?“ ins Haus der Industrie u.a. mit Peter Koren, Marcus Grausam, Bernhard Painz. [Info & Anmeldung

Sie haben diesen Newsletter weitergeleitet bekommen?