Morning in Brief ・ 11.02.2026

Morning in Brief, 11. Februar 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Christoph Hofer, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Straßburg und Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Doppelbudget für 2027/28 soll vor der Sommerpause beschlossen werden. Das von der Bundesregierung geplante Doppelbudget für 2027/28 soll vor der Sommerpause dem Parlament zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Das Finanzministerium bestätigte der APA, dass man diesbezüglich mit den Parlamentsklubs in Kontakt stehe. Statt wie bisher geplant im Oktober könnte das Budgetgesetz somit bereits im Juli verabschiedet werden. [Quelle: APA via Medienberichte | Reaktion: FPÖ]

Kommentar: Favoritenwechsel an der Wall Street?
von Monika Rosen

Die Finanzmärkte sorgen derzeit für einige Schwindelanfälle bei den Anlegern. Auf dramatische Abstürze folgen rekordverdächtige Erholungen, von Bitcoin und Gold bis zu den Aktienmärkten, die als letzte in den Strudel hineingezogen wurden. Aber wo viel Schatten ist, muss irgendwo auch Licht sein. Es gibt Segmente an der Börse, die von den aktuellen Turbulenzen durchaus profitieren.

💡 ‚Gender Pay Gap‘ schrumpft auf knapp 10 %. 2024 verdienten ganzjährig vollzeitbeschäftigte Frauen rund 89,5 % des mittleren Nettojahreseinkommens der Männer. Damit sank die um Teilzeit bereinigte Differenz zu Männereinkünften von 19,2 % (2004) auf 10,5 % (2024). Der Equal Pay Day 2026, berechnet von BPW Austria, fällt heuer auf den 11. Februar – zwei Tage früher als 2025. [Quellen: Statistik Austria, BPW Austria | Reaktionen: FPÖ, ÖVP, SPÖ, Neos, Grüne | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

🇦🇹 Stimmung in der Industrie trübte sich im Jänner ein. Die Stimmung in der heimischen Industrie hat sich im Jänner laut Wifo-Konjunkturtest gegen den allgemeinen Euroraum-Trend wieder eingetrübt, nachdem sie sich zuvor 3 Monate lang verbessert hatte. Grund ist vor allem die anhaltend schwache Auslandsnachfrage nach Industriegütern – auch die US-Zölle zeigen laut Wifo ihre Wirkung. Im Bau bleibt die Stimmung im Jänner eingetrübt – die befragten Bauunternehmen rechnen auch mit keiner raschen Belebung. Laut Statistik Austria ist die Produktion im Bauwesen im Dezember um 12,3 % zurückgegangen, während der Rückgang in der Industrie bei 0,3 % lag. Die Baupreise sind 2025 im Jahresabstand „moderat“ um 0,8 % gestiegen – im Hochbau marginal weniger als im Tiefbau. Positiv ist die Stimmung im Jänner laut Wifo bei den Dienstleistern und im Einzelhandel hellt die Stimmung auf. [Quellen: Wifo, Statistik Austria I, Statistik Austria II]

🇦🇹 6.809 Unternehmensinsolvenzen 2025. Im Jahr 2025 mussten 6.809 Unternehmen in Österreich Insolvenz anmelden, was einem Anstieg von 4 % gegenüber 2024 entspricht. Es ist das 5. Jahr in Folge, in dem die Zahl der Insolvenzen steigt. Die meisten Insolvenzen wurden in den Bereichen Dienstleistungen, Handel und Bauwesen verzeichnet. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Neue Schulfächer auch in HAK und HAS. Bildungsminister Christoph Wiederkehr will ab 2027/28 auch in HAK und HAS neue Schulfächer einführen: „Economic and Financial Literacy“, „Rechnungswesen, Datenanalyse und Reporting“, „Business Experience and Future Challenges“ und „Internationale Kommunikation mit Fokussprache“. Außerdem soll es mehr Projektarbeit geben und der Leistungsnachweis öfter mündlich erfolgen. In einem Schulversuch will Wiederkehr 6 Jahre Volksschule testen. [Quelle: BMB]

🇦🇹 Starker Jahresstart für Neuwagen-Zulassungen. Die Pkw-Neuzulassungen stiegen im Jänner im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12,1 % auf 22.929 Fahrzeuge. Am beliebtesten waren Benzin-Hybride mit einem Zuwachs von 46,1 %, E-Autos brachten es auf ein Plus von 23,0 %, Benziner von 3,3 %, während die Neuzulassung von Diesel-Pkw (-26,0 %) und Diesel-Hybriden (-30,8 %) stark zurückging. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Streit um Hotellerie- und Gastronomie-KV geht in nächste Runde. Im Streit zwischen Gewerkschaft und WKÖ ist weiter keine Lösung in Sicht. Die Verhandlungen liegen auf Eis, nachdem vida-Chef Roman Hebenstreit in einem offenen Brief Missstände in der Branche angeprangert hatte. U. a. war darin von einer „kriminellen Vereinigung“ die Rede – WKÖ und Hotellerie-Verband wehren sich seither gegen pauschale Verunglimpfungen. „Man weiß nicht einmal, ob da eine Paartherapie noch helfen kann. Das sieht eher nach Scheidung aus – und zwar einer ziemlich schmutzigen. Aber man sollte es versuchen: Es darf nicht um ein einziges Ego gehen, es geht um mehr als 225.000 Beschäftigte – guter Wille auf Gewerkschafts-Seite vorausgesetzt“, bekräftigte gestern die ÖHV und die WKÖ-Fachgruppe reagierte mit einem Faktencheck auf die Vorwürfe. Eine sachliche Gesprächsbasis sei Voraussetzung für Verhandlungen. Vida-Vize-Vorsitzende Olivia Janisch sprach gestern erneut von einem „erschreckenden Ausmaß von Lohnraub, Fördermissbrauch und Sozialversicherungsbetrug“. [Quellen: Brief, Faktencheck, vida]

🇪🇺 EU-Parlament beschließt Klimaziel für 2040. Das EU-Parlament hat gestern der Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2040 um 90 % gegenüber 1990 zugestimmt – ein Zwischenziel auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2050. Ab 2036 dürfen die Mitgliedstaaten bis zu 5 % der Emissionsminderungen durch den Kauf von internationalen CO₂-Zertifikaten aus Partnerländern ausgleichen. Dies ist jedoch nur in Sektoren zulässig, die nicht dem EU-Emissionshandelssystem (ETS) unterliegen, sowie mit Ländern, deren Klimapolitik mit dem Pariser Abkommen in Einklang steht. Die Einführung des EU-Emissionshandelssystems ETS 2 wird von 2027 auf 2028 verschoben. Alle zwei Jahre wird die Kommission die Fortschritte bewerten und allenfalls Änderungen des EU-Klimagesetzes vorschlagen. In einem nächsten Schritt muss der Rat dem Gesetz zustimmen. [Quelle: EU-Parlament | Reaktionen: BM Totschnig, Die Grünen | Grafik: Bis wann EU-Länder klimaneutral sein wollen]

🇪🇺 EU-Parlament fixiert zusätzliche Schutzklauseln im Mercosur-Abkommen. Das EU-Parlament hat zusätzliche Schutzklauseln für EU-Landwirte im Rahmen des Mercosur-Abkommens beschlossen. Demnach soll die EU-Kommission eine Untersuchung zur Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen einleiten, wenn die Einfuhren sensibler landwirtschaftlicher Erzeugnisse wie Geflügel, Rindfleisch oder Eier im Dreijahresdurchschnitt um 5 % steigen. Im ursprünglichen Kommissionsentwurf war dafür eine Schwelle von 10 % vorgesehen. Zugleich müssen die Importpreise um 5 % unter den jeweiligen nationalen Preisen liegen. Die EU-Kommission ist verpflichtet, alle 6 Monate einen Bericht zu erstellen, in dem die Auswirkungen des Imports sensibler Erzeugnisse bewertet werden. Vorläufige Schutzmaßnahmen müssen spätestens 21 Tage nach Beginn einer Untersuchung erlassen werden. [Quelle: EU-Parlament – Pressemitteilung, Gesetzestext | Reaktionen: WKÖ, Die Grünen | Grafik: Wie sich der Rindfleischpreis entwickelte]

🇩🇪 Deutschland steigert Produktion weiter. Die deutschen Unternehmen steigern seit Mitte 2025 ihre Produktion – ein Trend, der sich laut Ifo-Institut auch im Jänner fortgesetzt hat. Zu Jahresbeginn ist die Auslastung der Produktionskapazitäten auf 83,6 % gestiegen. Der langjährige Durchschnitt seit 1991 lag jedoch um 2 Prozentpunkte höher. Die Industrie liegt noch immer deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, die Dienstleister darüber. [Quelle: Ifo-Institut]

🇩🇪 2026 wieder zu wenige neue Wohnungen. Die deutschen „Immobilienweisen“ rechnen in ihrem Frühjahrsgutachten erst für 2027 mit einer moderaten Erholung in der Immobilienwirtschaft. Die Bruttowertschöpfung in der Bauwirtschaft ist demnach seit 2022 um 25 % eingebrochen. Das größte Sorgenkind sei der Wohnungsbau, bisherige Maßnahmen würden nicht ausreichen. Für 2026 werden 215.000 fertiggestellte Wohnungen erwartet – bei einem jährlichen Bedarf von 257.400 Wohneinheiten bis 2040. Die Forderungen: eine Senkung der Grunderwerbsteuer, eine Überprüfung der Mietregulierung und Erleichterungen bei Genehmigungen. [Quelle: Frühjahrsgutachten]

🇩🇪 Deutsche Fonds verwalteten 2025 Rekordvermögen. Deutsche Fondsgesellschaften verwalteten 2025 mit 4,85 Bio. Euro ihr bisheriges Rekordvermögen. Den größten Teil davon verwalten offene Spezialfonds für institutionelle Investoren mit 2,3 Bio. Euro. 2025 flossen 154 Mrd. Euro in Investmentfonds, davon 86 Mrd. Euro in offene Publikumsfonds, wovon 57 Mrd. Euro in Aktien- und Renten-ETFs gingen. Dies ist das beste Neugeschäft seit 2021 bei offenen Publikumsfonds. Matthias Liermann, der Präsident des deutschen Fondsverbands BVI, sieht ein steigendes Bewusstsein dafür, dass „Wertpapiere ein zentraler Baustein für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge sind”. [Quelle: Deutscher Fondsverband]

Selektive Agenda:

Heute, Antwerpen, Belgien: European Industrial Summit u. a. mit Bundeskanzler Stocker, deutschem Bundeskanzler Merz, belgischem Premierminister De Wever und Kommissionspräsidentin von der Leyen

Heute, Brüssel: EU-Ministerrat (Auswärtige Angelegenheiten, Verteidigung) [Info]

Heute, Straßburg, Frankreich: Europaparlament tagt (bis 12.2.) [Info]

Heute, New York, USA: Konferenz der Interparlamentarischen Union bei den Vereinten Nationen mit Dritter Nationalratspräsidentin Bures (bis 14.2.)

9:00 Uhr, Wien: Ministerrat

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Martin Hauer folgt als neuer Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien und der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien mit 1. Juli auf Michael Höllerer. FMA-Abteilungsleiter Andreas Schirk wurde zum Co-Vorsitzenden des Ausschusses für Sektorstandards der EU-Geldwäschebehörde AMLA gewählt. 

Geburtstage: Wir gratulieren Adi Hütter zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

10:00 Uhr, Wien: Florian Beckermann (IVO) zu Gast im Klub der Wirtschaftspublizisten im Presseclub Concordia [invite only]

13:30 Uhr, Wien: Standortkongress „Meet Austria“ u. a. mit Wolfgang Hattmannsdorfer, Beate Meinl-Reisinger, Markus Marterbauer und Thomas Schinecker im Tagungszentrum Schloss Schönbrunn [Info]

18:00 Uhr, Wien: Die Akademie der Wissenschaften lädt zum Vortrag von Isabel Schnabel „Made in Europe“ [Info]

19:00 Uhr, Wien: Wiener Vorlesungen „China oder USA – Wer hat die technologische Vorherrschaft?“ u. a. mit Misha Glenny und Helga Nowotny im ORF-RadioKulturhaus [Info]

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