Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig, Stephan Frank und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
Rezession – keine Besserung in Sicht. Die Rezession in Österreich erweist sich als hartnäckig. 2024 ist die Wirtschaftsleistung um 1,2 Prozent zurückgegangen, nach 1,0 Prozent im Jahr davor. Raiffeisen-Ökonomen rechnen heuer getrieben durch den „Konsumstreik“ erneut mit einem BIP-Rückgang von -0,7 Prozent. Das Konjunkturpaket dämpft die Konjunktur um bis zu 1 Prozentpunkt. Österreich trifft auch die international schwache Nachfrage nach Industrieprodukten hart. Die Industrie in der längsten Rezession seit der Erhebung des Wifo-Industrieproduktionsindex 1996 (siehe Grafik). Die Stimmung dürfte sich in den kommenden Monaten nur leicht verbessern und im negativen Bereich bleiben. Die Baukonjunktur dürfte sich angesichts der verstärkten Neuvergabe von Hypothekarkrediten stabilisieren – Handel und Tourismus wachsen bereits seit dem 4. Quartal 2024 wieder. Die durch das Auslaufen der Preisbremse und Gebührenerhöhungen gestiegenen Strompreise lassen die Inflation wieder ansteigen – im Februar rechnet die Statistik Austria mit 3,3 Prozent Teuerung. Der Welthandel könnte in den kommenden Monaten durch US-Importzölle und Gegenmaßnahmen gebremst werden. [Quelle: Wifo Konjunkturbericht März 2025, Raiffeisen Research]
Kommentar: Die Blauen bleiben unser Blitzableiter
von Alexander Purger
Dass Benjamin Franklin, der Erfinder des Blitzableiters, nebenbei Politiker war (beziehungsweise Politiker war und nebenbei den Blitzableiter erfand), kann kein Zufall sein. Denn zerstörerische Energie vom Staatsgebäude abzuleiten, ist eine der ureigenen Aufgaben der Politik. In Österreich wird sie von der FPÖ wahrgenommen.
Grafik (von Stephan Frank): Die seit Dezember 2022 anhaltende Industrierezession dauert bereits länger als die Krisen in den Jahren 2001-2002, 2008-2009 und 2020. Die aktuelle Rezessionsphase dürfte laut Wifo auch die größten Produktionseinbußen der letzten 25 Jahre mit sich bringen. Zuletzt beschleunigte sich der Rückgang im Dezember 2024 nochmals deutlich. [Quelle: Wifo Konjunkturbericht März 2025]

Deutsche Ausgaben verteuern Österreichs Schulden. Das geplante deutsche Investitionspaket von CDU/CSU und SPD i.H.v. 500 Mrd. Euro hat auch für Österreich Folgen. Durch die Ankündigung stiegen nicht nur die Zinsen für deutsche Staatsanleihen, auch die Neuverschuldung für andere Länder verteuerte sich. Für Österreich bedeutet das laut der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) Mehrbelastungen i.H.v. 100 Mio. Euro. Die deutschen Grünen – deren Stimmen es brauchen würde – wollen dem geplanten Paket vorerst aber nicht zustimmen. [Quellen: APA via Medienberichte, Die Grünen]
Rekordvolumen bei Investmentfonds. Das verwaltete Vermögen der österreichischen Investmentfonds wuchs im Jahr 2024 um 8,2 Prozent auf 230,7 Mrd. Euro. Zur Steigerung beigetragen haben neben Kurswertgewinnen auch Nettomittelzuflüsse (1,5 Mrd. Euro) vor allem in Renten- und Aktienfonds. Nettomittelabflüsse gab es erneut bei den Immobilienfonds (-1,6 Mrd. Euro). Fonds mit Nachhaltigkeitsbezug nach der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) machen mittlerweile fast die Hälfte des verwalteten Vermögens aus. [Quelle: Finanzmarktaufsicht]
400 Mio. Euro für erneuerbaren Wasserstoff. Die Europäische Kommission hat eine österreichische Beihilferegelung in Höhe von 400 Mio. Euro genehmigt. Diese Maßnahme soll die Produktion von erneuerbarem Wasserstoff fördern und wird über das „Auctions-as-a-Service“-Instrument der Europäischen Wasserstoffbank abgewickelt. Die Kommission bestätigte, dass die Regelung mit den EU-Beihilfevorschriften vereinbar ist. Durch die Initiative sollen bis zu 112.000 Tonnen erneuerbarer Wasserstoff in Österreich produziert werden, dadurch bis zu 536.000 Tonnen CO2 eingespart werden. [Quelle: EU-Kommission]
Lobau-Tunnel könnte sich weiter verzögern. Aufgrund eines „Antrags auf Vorabentscheidung“ des Bundesverwaltungsgerichts (BVwG) beim Europäischen Gerichtshof (EuGH), könnte sich der Bau des Lobau-Tunnels weiter verzögern. Grund dafür sind wasserrechtliche Fragen. Die Asfinag betont, dass die Konformität bereits vor Jahren geprüft und bestätigt worden sei. Laut einem von der NGO „Virus“ bei der Universität Innsbruck beauftragten Rechtsgutachten fehle aber aufgrund von Unionsrechtswidrigkeit die Rechtsgrundlage. Die Grünen fordern Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) dazu auf, das Projekt Lobautunnel zu beenden. [Quelle: APA via Medienberichte, NGO Virus, Die Grünen]
Verkehr & Infrastruktur: Das halten Experten vom Regierungsprogramm
„Faktenbasierter Realismus wird einkehren“, beurteilt Stephan Schwarzer, Geschäftsführer der eFuel Alliance Österreich, das Regierungsprogramm. Michael Schwendinger vom VCÖ sieht „Lichtblicke und Schattenseiten“ im Regierungsprogramm. Langjährige Forderungen der Güterbeförderungsbranche berücksichtigt sieht deren Spartenobmann in der Wirtschaftskammer, Markus Fischer: „Allen voran ist dies das Bekenntnis zur Technologieoffenheit. Denn um die Transformation hin zu klimaneutralem Verkehr zu schaffen, werden wir alle Technologien brauchen.“ Christian Diewald und Anil W. Rai vom Verband der Bahnindustrie sehen wichtige Akzente im Regierungsprogramm: „Das Bekenntnis zur Schiene als Rückgrat der Mobilitätswende, die angekündigte Vergaberechtsreform sowie die Stärkung des öffentlichen Verkehrs sind zentrale Punkte, die aus Sicht der Bahnindustrie positiv zu bewerten sind.“
Konjunkturerwartungen in der Eurozone steigen. Aufgrund der Ankündigung milliardenschwerer Rüstungs- und Investitionsprogramme steigt der Eurozonen-Konjunkturindex von Sentix um 9,8 Punkte auf -2,9 Zähler. Der Index für Deutschland springt von -29,7 auf -12,5 Punkte, die Erwartungen sogar von -5,8 auf 20,5 Zähler – der höchste Wert seit Juli 2021. Auch der Indikator für Österreich verbessert sich von -17,4 auf -11,6 Punkte, die Erwartungen stiegen leicht von 2,0 auf 5,3 Zähler. Demgegenüber stürzen die Indikatoren für die USA massiv ein: Der Gesamtindex fällt von 21,2 auf -2,7 Punkte, die Erwartungen drehen von 8,0 auf -17,8 Punkte. [Quelle: Sentix]
EU-Rechnungshof kritisiert Verwendung von Corona-Geldern. Die EU-Kommission kann laut EU-Rechnungshof nach wie vor nicht sicherstellen, ob in den EU-Ländern bei Ausgaben aus der 650 Mrd. Euro schweren Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF) die Vorschriften für die öffentliche Auftragsvergabe und staatliche Beihilfen eingehalten werden. Die Kontrollsysteme hätten „gravierende Schwächen“ und die Kontrolle der EU-Kommission sei „lückenhaft“. Weiters würden bei festgestellten Übertretungen die Beträge entweder nicht zurückgefordert werden oder nicht an den EU-Haushalt zurücküberwiesen werden. [Quelle: Sonderbericht EU-Rechnungshof]
Eskalierender Handelskrieg. In Anbetracht der ab Mittwoch fälligen US-Zölle auf Aluminium und Stahl kritisiert EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič mangelnde Verhandlungsbereitschaft Washingtons und drohte mit Gegenmaßnahmen. Bezüglich der bis April ausgesetzten Zölle gegenüber Kanada und Mexiko erklärte Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett, dass die Entscheidung, ob die Zölle wieder eingeführt werden, erst knapp vor der Deadline fallen wird. Indes sind die Gegenzölle Chinas gegen ausgewählte Importe aus den USA am Montag in Kraft getreten. [Quellen: ntv, CNBC, Medienberichte]
Mehr Produktion, weniger Exporte in Deutschland. Um 2 Prozent ist die Produktion im Bereich Industrie, Bau und Energieversorger im Jänner gegenüber dem Vormonat gestiegen. Das ist der stärkste Anstieg seit August des Vorjahres, im Dezember 2024 war die Produktion noch um 2 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig gingen die Ausfuhren im Jänner um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat auf 129,2 Mrd. Euro zurück, die Importe zogen dagegen um 1,2 Prozent auf 113,1 Mrd. Euro an. Experten hatten eigentlich mit einem leichten Wachstum der Exporte gerechnet. [Quelle: Statistisches Bundesamt I, Statistisches Bundesamt II]
Autoabsatz in China mit Februar-Plus. Mit 1,41 Mio. verkauften Autos verzeichnete China im Februar ein Absatzplus von 26,1 Prozent, nach einem Minus von 12 Prozent im Jänner. Im Vergleich zu den ersten zwei Monaten 2024 entspricht das einem Plus von 1,3 Prozent. Gestützt wurde die Nachfrage dabei durch erweiterte Kundenförderprogramm. Zum dritten Mal in Folge wurden mehr Verbrennerfahrzeuge als Elektroautos und Hybride verkauft. [Quelle: Reuters]
Japan revidiert Wachstum im 4. Quartal nach unten. Von Oktober bis Dezember ist das BIP in Japan um nur 2,2 Prozent gewachsen – ursprünglich wurde mit 2,8 Prozent gerechnet. Dämpfend wirklte vor allem der Privatkonsum, der nur um 0,1 Prozent stieg, die Inlandsnachfrage sank um 0,2 Prozent, die Auslandsnachfrage stieg verhalten um 0,7 Prozent. Das Innenministerium hat bereits erste Daten für Jänner, die auf einen weiteren Dämpfer hindeuten – die Ausgaben der privaten Haushalte sind im Jahresvergleich um 0,8 Prozent gewachsen, Analysten waren von 3,6 Prozent ausgegangen. [Quellen: Statistikamt Japan, Reuters]
Selektive Agenda:
Wirtschaftskammerwahl in Wien [Info] (auch 12. und 13.3.), Burgenland [Info] (auch 13.3.), Vorarlberg [Info] (auch 13.3.) und in der Steiermark (auch 12. und 13.3.) [Info]
Straßburg: Zweiter Plenartag des Europaparlaments u.a. zum Clean Industrial Deal (bis 13.3.) [Info]
8:45 Uhr, Warschau: Informeller EU-Rat Wettbewerbsfähigkeit (Forschung und Weltraum) [Info]
10:00 Uhr, Brüssel: Finanzminister Marterbauer nimmt am EU-Rat „Wirtschaft und Finanzen“ (ECOFIN) teil, Themen u.a. Wettbewerbsfähigkeit, Zusammenarbeit im Steuerbereich, G-20 Gipfel, Finanzdienstleistungen [Info]
10:00 Uhr, Wien: Innenminister Karner und Integrationsministern Plakolm nehmen an Expertengespräch zwischen Innenministerium, BKA und ÖIF zu Familiennachzug und Integration teil
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Bildungsminister Christoph Wiederkehr verzichtet auf die Spitzenkandidatur in Wien, neue Spitzenkandidatin der Wiener Neos wird die Listenzweite Selma Arapović.
Geburtstage: Wir gratulieren Karin Gastinger und Katharina Straßer zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
Spotted. Die Wiener Privatklinik feierte letzte Woche ihr 30. Jubiläum. Gesehen wurden unter anderem Claudia Stöckl, Dieter Chmelar, Toni Faber, Gery Keszler, Adi Weiss, Christoph Zielinski, Thomas Szekeres, Johannes Steinhart, u.v.m.
17:00 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion „Österreich als Akteur in der EU – Wo sind die Chancen und Grenzen für die österreichische Außenpolitik?“ mit Franz Fischler, Patrick Müller, Ingrid Steiner-Gashi und Cengiz Günay [Infos und Anmeldung]
18:00 Uhr, Wien: AustrianStartups lädt zum Startup Afterwork ins Startup House [Info]
18:15 Uhr, Wien: „Salzburg-Abend“ anlässlich der Vorsitz von Salzburg im Bundesrat mit Salzburgs Landeshauptmann Haslauer und Bundesratspräsidentin Eder-Gitschthaler im Parlament [invite only]