Morning in Brief ・ 11.09.2025

Morning in Brief, 11. September 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Christoph Hofer und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Wifo: Schleppende Konjunkturerholung, steigende Inflation. Das Wifo sieht in der leichten Verbesserung der europäischen Industriekonjunktur und -stimmung noch keine „spürbare Konjunkturbelebung“. Österreichs Wirtschaft habe nach wie vor „Mühe, die längste Rezession der Nachkriegszeit hinter sich zu lassen“. Die bisherige Erholung ist für das Wifo noch „zu schwach, um auf einen Aufschwung hinzudeuten“. Mit der auf 4,1 % geschätzten August-Inflationsrate entfernt sich Österreich auch „zunehmend vom Durchschnitt des Euro-Raumes“. [Quelle: Wifo]

Kommentar: Wer die Inflationstreiber im Supermarkt sucht, ist auf der falschen Spur
von Matthias Reith

Im Herbst letzten Jahres war die Welt noch in Ordnung. Aus heutiger Sicht kaum zu glauben: Im Oktober 2024 lag die rot-weiß-rote Teuerung bei 1,8 % – unter der 2-%-Marke und unter dem Euroschnitt! Der „inflationäre Ausnahmezustand“ wurde für beendet erklärt. Heute wissen wir: Totgesagte leben länger. Im August kletterte die Inflation auf 4,1 %. Platz 4 im Inflationsranking der 20 Euroländer ist wahrlich kein Ruhmesblatt. Doch warum hat die Inflation gerade in Österreich ein derart fulminantes „Comeback“ gefeiert?

Grafik (von Christoph Hofer): Im Jahr 2024 erzeugte die EU 23,6 % ihres Stroms durch Nuklearenergie – deutlich über dem globalen Durchschnitt von 9,0 %. Den größten Anteil am EU-Atomstrom liefert Frankreich (2023: 55 %). Zu den weltweit führenden Atomstromproduzenten gehören außerdem die USA und Russland (je 17,8 %) sowie das Vereinigte Königreich (14,3 %). Fossile Brennstoffe wie Gas und Kohle machten im vergangenen Jahr 29 % der EU-Stromerzeugung aus – der globale Durchschnitt liegt hier bei 59 %. [Quellen: Ember, Global Electricity Review 2025, Destatis]

🇦🇹 Erste Vorschläge für Betrugsbekämpfungs-Paket. Der APA liegen erste Vorschläge der Experten-Kommission zur Betrugsbekämpfung von Finanzminister Markus Marterbauer vor. Die Ideen umfassen die Abschaffung des Vorsteuerabzugs bei teuren Immobilien, durch die ein Schlupfloch zur Steuervermeidung geschlossen werden soll. Geplant sind auch Einsichtsrechte ins Kontenregister bei Ermittlungen gegen Scheinunternehmen. Außerdem soll im Finanzstrafrecht eine Lücke im Zusammenhang mit Verlusten geschlossen werden und ein automatischer Austausch von Krypto-Einkünften im Rahmen der EU-Amtshilfe-Richtlinie erfolgen. Die die Bargeldannahme in Finanzämtern könnte auf 10.000 Euro begrenzt werden. 2026 will Marterbauer durch bessere Betrugsbekämpfung 270 Millionen Euro sparen, bis Ende 2029 1,4 Milliarden. Ein Beschluss ist noch für heuer geplant, nächstes Jahr könnte es noch ein Paket geben. [APA via Medienberichte]

🇦🇹 Beamten drohen Nulllohnrunden ab 2027. Laut Krone soll die Regierung ab 2027 Nulllohnrunden im öffentlichen Dienst planen. Gemäß Finanzminister Markus Marterbauer soll diese für 2027 „bereits eingepreist“ sein. Noch im Jahr 2026 möchte man durch Nachverhandlungen mehrere 100 Mio. Euro einsparen. Ein erster Gesprächstermin ist für nächste Woche Dienstag anberaumt. [Quelle: Krone Donnerstagsausgabe]

🇦🇹 „Erste Alarmsignale“ in der Bahnindustrie. Die Bahnindustrie ist in Österreich eine der erfolgreichsten Branchen, doch auch hier gibt es angesichts der Wettbewerbsnachteile „erste Alarmsignale“, so Christian Diewald, Präsident des Verbands der Bahnindustrie, bei der Präsentation des „Austrian Rail Reports“. Die Exportquote ist mit 68 % noch immer sehr hoch, aber im Ranking der größten Bahntechnologie-Exporteure ist Österreich in den letzten 3 Jahren von Platz 4 auf Platz 7 abgerutscht und wurde von Polen und Tschechien überholt. Nachteilig für den Standort seien vor allem die hohen Lohnabschlüsse und die Energiekosten. Gemäß der Studie entfallen in der Bahnindustrie 75 % der Wertschöpfung auf den Faktor Arbeit – ein „schockierend hoher Wert“, urteilt Studienautor Christian Helmenstein, der den langjährigen Durchschnitt in der Gesamtindustrie mit 49 % beziffert. Bei Patenten und F&E-Ausgaben liegt Österreich in diesem Sektor noch immer im Spitzenfeld, doch es komme aufgrund der Kostenstruktur bereits zu Produktionsverlagerungen in Länder wie Polen, Tschechien oder Spanien, so Helmenstein. [Quellen: VBI, Austrian Rail Report]

🇦🇹 Hattmannsdorfer will gegen „Shrinkflation“ vorgehen. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer hat ein Gesetz gegen die sogenannte Shrinkflation (schrumpfende Verpackungsgrößen bei gleichbleibenden oder steigenden Preisen) angekündigt. Noch im laufenden Jahr soll ein Gesetzesentwurf erarbeitet werden. Weiters kündigte der Minister eine „Aktion Scharf“ im Lebensmittelhandel an, bei der verstärkte Kontrollen des Preisauszeichnungsgesetzes durchgeführt werden sollen. „Irreführende Rabatte, versteckte Preiserhöhungen und Shrinkflation untergraben das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten“, kommentiert Hattmannsdorfer seine Pläne. [Quelle: BMWET, Aussendung]

🇦🇹 Lkw-Maut nach Protesten abgeändert. Nach einer Protestfahrt der Frächterbranche mit rund 60 Lkw zum Verkehrsministerium wird die Erhöhung der Lkw-Maut abgeändert. Die Tarife zur Anlastung der Infrastrukturkosten werden für das Jahr 2026 nicht valorisiert. Die Preise für Pkw-Vignetten werden nächstes Jahr jedoch um 2,6 % erhöht. Weiters werden Rabatte für E-Lkw bis 2030 verlängert, heuer wird der Umstieg auf emissionsfreie Lkw mit 80 Mio. Euro gefördert. Die Transportwirtschaft sprach zuvor von einem „Inflationshammer“ und zeigt sich auch nach der angekündigten Änderung nicht vollends zufrieden. Es gäbe „budgetneutrale“ Entlastungsmöglichkeiten, etwa die Tempo 60 Beschränkung in der Nacht aufzuheben. [Quellen: BMIMI, WKÖ I, WKÖ II]

🇦🇹 KI-Landkarte soll Unternehmen den Einstieg erleichtern. Der Verband österreichischer Software Innovation (VÖSI) hat gestern eine Übersicht mit 100 heimischen KI-Projekten vorgestellt. Sie soll laut Christoph Knogler (Keba), der gemeinsam mit Thomas Arnoldner (A1 Group) die „KI-Taskforce“ der Industriellenvereinigung leitet, „Eintrittsbarrieren für Unternehmen beim Start ihrer AI-Journey senken“ und den Zugang zu relevanten Informationen sowie Partnern erleichtern. Anwendungen reichen von Frostprognosen in der Landwirtschaft bis zur smarten Pflege. VÖSI-Präsidentin Doris Lippert betonte: „Fast alle großen Unternehmen in Österreich beschäftigen sich mit dem Thema KI“. [Quelle: VÖSI | Service: KI-Landkarte]

🇦🇹 Industrieproduktion im Juli gestiegen. Die österreichische Industrieproduktion ist im Juli 2025 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,1 % gestiegen, im Vergleich zum Vormonat ergibt sich ein Anstieg von 0,5 %. Im gesamten produzierenden Bereich inkl. Bauwesen wurde im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Anstieg von 1,8 % gemessen, im Vergleich zum Vormonat von 0,8 %. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 🇪🇺 EuGH lehnt österreichische Klage gegen EU-Taxonomieverordnung ab. Das Gericht der Europäischen Union hat die unter der Amtszeit von Leonore Gewessler initiierte Klage Österreichs gegen die Einbeziehung von Kernenergie und fossilem Gas in die EU-Regelung für nachhaltige Investitionen abgewiesen. Die EU-Kommission habe ihre „vom Unionsgesetzgeber wirksam übertragenen Befugnisse“ nicht überschritten. Weiters war die EU-Kommission laut Gerichtsurteil „insbesondere zur Annahme berechtigt, dass die Erzeugung von Kernenergie nahezu keine Treibhausgasemissionen verursacht“. Umweltminister Norbert Totschnig will das „bedauerliche“ Urteil nun prüfen und über die Erhebung eines Rechtsmittels entscheiden. [Quellen: Gerichtshof der Europäischen Union, Medienberichte | Info: Interview mit Leonore Gewessler]

🇪🇺 Von der Leyen will Wettbewerbsfähigkeit stärken. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte in Ihrer „Rede zur Lage der Union“ weitere Schutzmaßnahmen für die Stahlindustrie an. Die europäische Industrie werde immer vor unlauterem Wettbewerb geschützt werden, so von der Leyen. Weiters will sie „schmutzige russische fossile Brennstoffe“ loswerden und auf Erneuerbare setzen – wobei sie Kernkraft explizit als Grundlast nannte. Auch die europäische Netzinfrastruktur soll ausgebaut werden, hierzu stellte von der Leyen die neue Initiative der „Energieautobahnen“ vor. Mit dem „Industrial Accelerator Act“ soll die Technologieentwicklung in strategisch wichtigen Sektoren beschleunigt werden. Von der Leyen fordert weiters ein eigenes europäisches „E-Auto“ (environmental, economical, european), der Automarkt dürfe nicht China überlassen werden. [Quelle: EU-Kommission: Rede auf Englisch, Rede auf Deutsch | Reaktionen: WKÖ, ÖGB, FPÖ, Grüne]

🇪🇺 Ausnahmen von CO2-Zoll beschlossen. Das Europäische Parlament hat die Vereinfachung des CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) verabschiedet. Damit werden 90 % der Importeure von den CBAM-Vorschriften ausgenommen. Die Klimaziele würden davon kaum beeinflusst, da 99 % der Emissionen der Eisen-, Stahl-, Aluminium- und Zement-Importe weiterhin erfasst werden würden. Das Gesetz wurde mit breiter Mehrheit von 617 Stimmen bei 18 Gegenstimmen und 19 Enthaltungen angenommen. Der finale Text muss noch vom Rat angenommen werden, damit das Gesetz in Kraft treten kann. [Quelle: Europäisches Parlament]

🇩🇪 Standortfördergesetz soll Investitionen anregen. Die deutsche Bundesregierung hat ein Gesetz zur Förderung privater Investitionen und Attraktivierung des Finanzstandorts verabschiedet. Es soll Finanzierungsbedingungen kleiner Unternehmen und Startups verbessern, sowie mehr Gelder in Infrastrukturprojekte und erneuerbare Energien lenken. „Wir wollen, dass es leichter wird, zu wachsen und zu investieren. Deshalb streichen wir unnötige Prüf-, Melde- und Anzeigenpflichten“, so Finanzminister Lars Klingebeil (SPD). [Quelle: Bundesfinanzministerium]

Selektive Agenda:

Heute, Valtice, Tschechien: Innenminister Karner und EU-Migrationskommissar Brunner bei der Innenministerkonferenz des „Forum Salzburg“

Heute, Herning, Dänemark: Informeller EU-Bildungsministerrat [Info]

9:00 Uhr, Frankfurt, Deutschland: Zinspolitische Sitzung des EZB-Rats, 14:15 Uhr Ergebnis, 14:45 Uhr Pressekonferenz

11:30 Uhr, Budapest, Ungarn: Außenministerin Meinl-Reisinger trifft ungarischen Außenminister Szijjártó; 12:30 Uhr Rede an Andrássy-Universität, 13:30 Uhr Treffen mit österreichischen Wirtschaftsvertretern

14:30 Uhr, Washington D.C., USA: Bekanntgabe der US-Verbraucherpreise für August

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Christoph Klein ist neuer Präsident der Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, Angelika Heumader-Rainer neue Geschäftsführerin. Andreas Rudas wird Senior Advisor bei Public Interest. Lisa-Maria Sommer-Fein wird neue Generalsekretärin der MEGA Bildungsstiftung

Geburtstage: Wir gratulieren Stefan Borgas, Dodo Roscic und Gernot Rumpold zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Ab 9:00 Uhr, Wien: Technology Talks des AIT im Museumsquartier u. a. mit Wolfgang Hattmannsdorfer, Peter Hanke, Georg Knill, Brigitte Bach, Andreas Kugi, Markus Achleitner, Karlheinz Wex, Sabine Herlitschka, Heinz Faßmann, Patricia Neumann, Georg List, Georg Kopetz, Oliver Holle, Florian Frauscher [Info]

Ab heute, Poysdorf: 66. Winzerfest (bis 14.9.) [Info]

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