Morning in Brief ・ 12.02.2025

Morning in Brief, 12. Februar 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

Warnung vor 3. Rezessionsjahr. Das Wifo rechnet nicht mit einer baldigen Konjunkturbelebung. Im 4. Quartal dürfte die Wirtschaft in Österreich und im Euro-Raum stagniert haben – die Industrie verzeichnete Produktionseinbußen. Die Inflationsrate erhöhte sich zu Jahresbeginn voraussichtlich auf 3,3 Prozent, nachdem sie Ende 2024 bereits unter 2 Prozent gefallen war. Raiffeisen-Ökonomen halten ein 3. Rezessionsjahr in Österreich für „durchaus denkbar“ – derzeit gehen sie für 2025 allerdings von einem Plus von 0,4 Prozent aus. Risiken sehen die Ökonomen in einer anhaltenden Konsumzurückhaltung, dem Sparpaket und US-Zöllen. Die reale Wirtschaftsleistung lag Ende 2024 um knapp 3 Prozent unter dem vorangehenden BIP-Höhepunkt im 2. Quartal 2022. Selbst wenn ein 3. Rezessionsjahr vermieden werden kann, dürfte dieses Niveau erst Anfang 2027 wieder erreicht werden. [Quellen: Wifo, Raiffeisen Research

Markt & Mächte: Was hinter Elon Musks Kahlschlag steckt
mit Niko Jilch und Sara Grasel

Tech-Unternehmer Elon Musk hat im Auftrag von US-Präsident Donald Trump begonnen, den Staatsapparat einzudampfen. „Es ist ja nicht so, als hätte Elon Musk den Bürokratieabbau erfunden. Jeder Wirtschaftsforscher in den letzten 50 Jahren wird einmal gesagt haben, wir sollten die Bürokratie abbauen. Es ist nur nie geschehen“, sagt Finanzexperte Niko Jilch in der neuesten Folge „Markt & Mächte“. Was hat Musk noch vor und warum? Wie wird die Deregulierungs-Kettensäge in Europa bewertet?

Grafik (von Christoph Hofer): Knapp 35,1 Bill. US-Dollar bzw. 124,3 Prozent der Wirtschaftsleistung betrug der öffentliche Schuldenstand der USA im Jahr 2024. Seit dem Jahr 2000 (55,6 Prozent des BIP) hat sich die US-Staatsverschuldung damit mehr als verdoppelt. Vor allem infolge der Finanz- und Staatsschuldenkrise 2008 schoßen die US-Defizite in die Höhe. Größte Ausgabentreiber sind die Bereiche Sozialversicherung und Gesundheitssystem sowie Zinszahlungen. [Quelle: Office of Management and Budget]

Regierungsverhandlungen – Update. Gestern waren die Parteichefs Herbert Kickl und Christian Stocker wieder zu Gesprächen bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen geladen. Dieser pochte auf eine rasche Klärung, ob es zu einer Regierungsbildung kommen könne. Kickl stellte ein mögliches Scheitern der Verhandlungen laut ORF in Abrede – der Austausch zu Mittag sei gut verlaufen. Aus den Reihen der ÖVP mehrten sich gestern Zweifel und Kritik. Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger signalisierte erneut ihre Bereitschaft, wieder Verhandlungen aufzunehmen bzw. eine ÖVP-SPÖ-Regierung oder eine ÖVP-Neos-Minderheitsregierung zu unterstützen. [Quellen: ORF, Korosec ad FPÖ, Mahrer in der „Krone“, Lopatka in der „Kleinen“, Statement Meinl-Reisinger]

Neue Frauenquoten für Aufsichtsräte und Vorstände. Zur Umsetzung einer EU-Richtlinie ist in Österreich eine Erhöhung der gesetzlichen Frauenquote für Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen auf 40 Prozent in Begutachtung gegangen – seit 2028 gilt eine Quote von 30 Prozent. Mit demselben Gesetzesentwurf soll auch eine Geschlechterquote für Vorstände umgesetzt werden – wenn Vorstände aus mehr als 2 Personen bestehen, muss mindestens eine Person des unterrepräsentierten Geschlechts vertreten sein. [Quellen: Aussendung BMJ, Regierungsvorlage, EU-Richtlinie

Mehr Hauskäufer. In Österreich ist die Nachfrage nach Einfamilienhäusern 2024 um 15 Prozent gestiegen. In Vorarlberg war der Anstieg mit +56 Prozent am stärksten, gefolgt von Wien (+25 Prozent) und Kärnten (+24 Prozent). In Tirol waren Häuser am teuersten, gefolgt von Wien und Salzburg – die niedrigsten Preise gab es im Burgenland. [Quelle: Immobilienscout24]

Nachhaltigkeits-Bürokratie. Die Wirtschaftskammer plädiert dafür, die von der EU-Kommission bereits angekündigten Erleichterungen in der Nachhaltigkeits-Bürokratie in die nationale Umsetzung des Nachhaltigkeitsberichtsgesetzes (NaBeG) einfließen zu lassen. Das NaBeG und Teile der europäischen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sind derzeit in Österreich als Entwurf in Begutachtung. Angesichts der von der EU im Competitiveness Compass für Ende Februar angekündigten Erleichterungen, „dürfen jetzt nicht voreilig Bestimmungen geschaffen werden, die die heimischen Unternehmen künftig übermäßig belasten könnten“, so WKÖ-Generalsekretär Wolfgang Hattmannsdorfer. [Quelle: WKÖ | Kommentar: Wie sich die EU einen „Vereinfachungsschock“ vorstellt

Automarkt Österreich. Im Jänner 2025 wurden mit 20.448 Stück um 16,5 Prozent mehr Pkw zugelassen als im Vorjahresmonat; der beste Jahresstart seit 2020. Nur 31,8 Prozent der Zulassungen erfolgten auf Privatpersonen. Alternativ betriebene Fahrzeuge waren mit 53,2 Prozent in der Mehrheit – davon 27,7 Prozent Benzin-Elektro-Hybride, 18,7 Prozent E-Autos und 6,8 Prozent Diesel-Elektro-Hybride. Der Anteil an Dieselfahrzeugen ist auf 15 Prozent zurückgegangen, während Benziner wieder auf 31,8 Prozent zulegen konnten. Laut einer Deloitte-Umfrage würden sich aufgrund von Reichweiten-Bedenken und hohen Anschaffungskosten nur 7 Prozent der Befragten beim nächsten Kauf für ein E-Autos entscheiden. [Quellen: Statistik Austria, Deloitte

Klimagesetz Wien. Wien will als erstes Bundesland ein eigenes Klimagesetz verabschieden und damit unter anderem Klimaneutralität bis 2040 festschreiben. Das Klimagesetz soll über die Legislaturperiode hinauswirken, um Planungssicherheit zu ermöglichen. Die Wiener FPÖ sieht darin eine finanzielle Mehrbelastung, die Wiener Grünen orten Greenwashing, die Wiener ÖVP bezeichnet es als Symbolpolitik. Die IV-Wien sieht in der Klimaneutralität bis 2040 eine Überverpflichtung im Vergleich zum Europäischen Klimagesetz (2050), die zu einem potenziellen Standortnachteil werden könnte. [Quellen: Stadt Wien, FPÖ, Grüne, ÖVP, Ökobüro, IV]  

EU-Reaktion auf US-Zölle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte gestern klar, dass die US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte von 25 Prozent nicht unbeantwortet bleiben werden. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič will die Auswirkungen der Zölle prüfen sowie konkrete Gegenmaßnahmen ausarbeiten. Der deutsche Kanzler Olaf Scholz hofft noch auf eine Einigung mit den USA. Die USA sind Deutschlands wichtigster Handelspartner, im Vorjahr wurde mit den USA ein Rekord-Handelsüberschuss in Höhe von 70 Mrd. Euro erzielt. Der Verband der europäischen Stahlindustrie (Eurofer) warnt vor einer weiteren Verschlimmerung der wirtschaftlichen Situation der Stahlindustrie. 16 Prozent der EU-Stahl-Exporte gingen 2024 in die USA. Aufgrund des schwierigen Marktumfelds musste die europäische Stahlindustrie 2024 Kapazitäten von 9 Mio. Tonnen stilllegen und mehr als 18.000 Stellenstreichungen ankündigen. [Quellen: EU-Kommission, Maroš Šefčovič im Europaparlament, Olaf Scholz im Bundestag, Reuters, Eurofer

Künstliche Intelligenz. Beim KI-Summit in Paris hat gestern US-Vizepräsident J.D. Vance die EU dazu aufgefordert, die aufstrebende Branche nicht durch Regulierung „abzuwürgen“. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat indes zusätzliche 20 Mrd. Euro Förderungen aus dem EU-Budget für die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in Europa versprochen – das Geld soll in vier „KI-Giga-Fabriken“ fließen. Bürokratische Hürden will von der Leyen abbauen. Aus Österreich war eine Wirtschaftsdelegation unter Führung von Regierungschef Alexander Schallenberg vor Ort – u.a. mit Claudia Plakolm, Johannes Kopf, Georg Kopetz und Wolfgang Ebner. [Quellen: EU-Kommission, Rede von der Leyen, Politico, Kopf auf LinkedIn, AI Action Summit

Weniger Gründungen in innovativen Industrien. In Deutschland werden vor allem in forschungsintensiven Industrien wie Maschinenbau, Elektrotechnik oder Chemie immer weniger Unternehmen gegründet. Die Gründungszahlen im forschungsintensiven verarbeitenden Gewerbe haben sich seit 2002 mehr als halbiert. „Dort drohen Innovationslücken, die sich langfristig auch auf andere Branchen in der deutschen Wirtschaft auswirken können“, so die Autoren der entsprechenden Studie. Generell seien die Neugründungen in Deutschland seit den 1990er-Jahren um ein Drittel zurückgegangen. [Quelle: ZEW

Automarkt China. Der chinesische Automarkt hat im Jänner 2025 einen historischen Tiefststand erreicht. Von Dezember auf Jänner fielen die privaten Pkw-Verkäufe um 32 Prozent; im Vergleich mit dem Vorjahresmonat ein Minus von 12 Prozent. Der starke Rückgang wird auf das Neujahrsfest und Extremwetterereignisse im Osten des Landes zurückgeführt. [Quelle: China Passenger Car Association

Selektive Agenda:

Brüssel: EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen trifft kanadischen Premier Justin Trudeau 

9:00 Uhr, Straßburg: Dritter Plenartag des Europaparlaments (bis 13. Februar); Kommissionspräsidentin von der Leyen stellt ihr Arbeitsprogramm für 2025 vor 

14:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission präsentiert Roadmap zum nächsten mehrjährigen EU-Budget [Service: Dokument der EU-Kommission zur Einleitung der Budgetverhandlungen 2025]

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Milan Šlapák ist der neue CEO von STEYR ARMS. Johannes Vasak und Matthias Niebling sind ab Mitte Februar die neuen Geschäftsführer von Wein & Co, sie folgen auf Alexander Borwitzky. 

Geburtstage: Wir gratulieren Uschi Fellner, Gerhard Rühm und Ewald Wurzinger zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

10:00 Uhr, Linz: „Eine Reise durch die wunderbare Welt der Quanten“ mit Anton Zeilinger [Info]

18:30 Uhr, Wien: Podium am Puls „Ein Brief an die Letzte Generation“ u.a. mit Sven Hartberger und Christoph Neumayer im Wiener Konzerthaus [Info

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