Morning in Brief ・ 13.12.2024

Morning in Brief, 13. Dezember 2024

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank, Gregor Plieschnig und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

Österreichs „verlorene Jahre“. Die heimische Wirtschaft dürfte heuer stärker schrumpfen als bisher gedacht. RBI-Ökonom Matthias Reith rechnet für 2024 mit einem BIP-Rückgang von 0,9 Prozent, für 2025 wird ein schwaches Wachstum von 0,4 Prozent erwartet. Die RBI ist damit pessimistischer als die EU-Kommission, die in ihrer Herbstprognose für heuer von minus 0,6 Prozent und von plus 1,0 Prozent im kommenden Jahr ausgegangen ist. Österreich befinde sich inmitten „verlorener Jahre“. Es handle sich nicht nur um eine Industrie- und Wohnbau-Schwäche. Auch Handel, Dienstleistungen und Hotellerie/Gastronomie sind in einer Schwächephase. Österreich könnte 2024 hinter Estland das EU-Land mit der zweitschwächsten Wirtschaftsentwicklung werden. [Quelle: Raiffeisen Research; EU-Herbstprognose]

Kommentar: Rechts oder links? Die Unterscheidung wird unscharf
von Martin Rhonheimer

Martin Rhonheimer Illustration

Das Links-rechts-Schema kann heute nur noch sehr eingeschränkt Orientierung bieten. Wir müssen auf die Inhalte schauen. Ob links oder rechts: die Frage ist, für wen die Freiheit des Individuums wichtiger als die Wohlfahrt oder die „Rechte“ des Kollektivs ist. Auch weil er überzeugt ist, dass die allgemeine Wohlfahrt nur durch den Schutz der Freiheit und der Rechte des Individuums, ganz besonders auch seiner Eigentumsrechte, gefördert und erhalten werden kann.

Grafik (von Sara Grasel): Laut einer Analyse von RBI-Ökonom Matthias Reith haben Unternehmen in Österreich die hohen Kostensteigerungen – vor allem bei den Lohnkosten – nicht 1:1 an Kunden im Ausland weitergereicht. Dadurch konnten zwar Verluste bei den Marktanteilen in Grenzen gehalten werden, jedoch mit deutlichen Auswirkungen auf die Gewinne. „Geringere Profitabilität heißt geringerer Spielraum für Investitionen“, so Reith. [Quelle: Raiffeisen Research]

EU-Defizitverfahren. IHS-Chef Holger Bonin plädiert in den Salzburger Nachrichten dafür, ein EU-Defizitverfahren in Kauf zu nehmen. Seine Begründung: Im EU-Defizitverfahren wären die Sparvorgaben moderater und die Konjunkturrisiken kleiner. In der „Presse“ sprach sich Andreas Schieder, SPÖ-Delegationschef in Brüssel, ebenfalls für ein EU-Verfahren aus – die Neos lehnen diesen Weg laut Kurier ab. ÖVP, SPÖ und Neos wollen indes erst nächste Woche Klarheit über den Budgetrahmen erzielen. Heute sollen die Untergruppen ihre Ergebnisse vorlegen, die von der Steuerungsgruppe voraussichtlich kommenden Dienstag besprochen werden. [Quelle: Medienberichte; Salzburger Nachrichten; Die Presse; Kurier Freitagsausgabe | Grafik: Die Steuerungsgruppe

Gasversorgung. OMV-Chef Alfred Stern rechnet in ZIB2 und in der „Krone“ nicht mit Versorgungsengpässen infolge des Vertragsendes mit der Gazprom. Da künftig mehr Gas aus dem Westen statt dem Osten nach Österreich kommen werde, sei aber ein rasches Ende der deutschen Gasspeicherumlage notwendig, die Gasexporte aus Deutschland nach Österreich verteuert. Uneinigkeit unter Experten gibt es über die Auswirkungen des Auslaufens des Gastransitvertrags zwischen Russland und der Ukraine mit Jahresende. E-Control-Chef Wolfgang Urbantschitsch sagte gestern in der ZIB2, dass Österreich auf die Situation gut vorbereitet sei – durch eine Diversifizierung der Quellen und die strategische Gasreserve. [Quelle: ZIB2; Krone Freitagsausgabe]

Wien-Pendler. Werktäglich pendeln 205.000 Menschen nach Wien, davon 71 Prozent mit dem Auto, die große Mehrzahl davon alleine pro Fahrzeug – pro 1.000 Pendler sind im Schnitt 880 Pkw im Einsatz. Der VCÖ fordert das Ersetzen des kleinen Pendlerpauschales durch das Bundesland-Klimaticket, um den Autoverkehr einzudämmen. [Quelle: VCÖ]

Kapitalmarkt-Belebung. Anlässlich der Regierungsverhandlungen pocht das Aktienforum auf Reformen zur Stärkung des heimischen Kapitalmarkts, wie sie in den Wahlprogrammen von ÖVP und Neos angeführt wurden. Die Wiedereinführung der Behaltefrist, ein Vorsorgedepot oder ein Beteiligungsfreibetrag wären positive Signale, die auch nachhaltig privates Vermögen zur Ankurbelung der Wirtschaft aktivieren könnten. [Quelle: Aktienforum]

Urlaub statt Krankenstand. Gewerbe-Obmann Hermann Talowski (WKO Steiermark) schlägt vor, in bestimmten Fällen von Krankenständen Urlaubstage abzuziehen, um die Lohnkosten für Unternehmen zu senken. Etwa bei Freizeitunfällen, wenn Arbeitnehmer länger im Krankenstand bleiben. Bei zwei Wochen Krankenstand soll so ein Urlaubstag abgezogen werden, bei einem Monat Krankenstand zwei Tage. Krankenstandsfälle sind 2023 um 6,1 Prozent gestiegen, Krankenstandstage pro Person um 3,1 Prozent (15,4 Tage im Durchschnitt). Gewerkschaft und Arbeiterkammer lehnen den Vorschlag ab. [Quelle: Medienberichte, Kleine Zeitung, Statistik Austria

Schengen-Erweiterung. Österreich hat sein Veto gegen den Beitritt Bulgariens und Rumäniens in den Schengenraum aufgegeben. Innenminister Gerhard Karner hat gestern beim Treffen der EU-Innenminister für den Beitritt mit Jahreswechsel gestimmt. Wirtschaftsvertreter begrüßen das Ende der Blockade zur Stärkung des Binnenmarkts. [Quelle: EU-Ministerrat; EU-Kommission; WKO; IV]  

EZB-Zinssenkung. Angesichts der schwachen Konjunktur und abnehmender Inflationssorgen hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag den Leitzins zum vierten Mal in diesem Jahr gesenkt. Der Einlagensatz sinkt um 0,25 Prozentpunkte auf 3 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz von 3,40 auf 3,15 Prozent. Die im Juni eingeleitete Zinswende wird somit fortgesetzt. Auch in der Schweiz wurde am Donnerstag der Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent gesenkt. [Quelle: EZB; Schweizerische Nationalbank]

Wirtschaftswachstum Eurozone. Die EZB hat ihre Prognosen für das BIP-Wachstum in der Eurozone erneut nach unten korrigiert. Für 2024 geht sie von 0,7 Prozent aus, im September waren es noch 0,8 Prozent gewesen. Für 2025 wurde der Wert von 1,3 Prozent auf 1,1 Prozent nach unten korrigiert. Wachstumstreiber dürfte vor allem der Privatkonsum sein. [Quelle: EZB]

Rezession Deutschland. Für 2024 rechnet das Ifo-Institut für Deutschland mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0,1 Prozent. Für die nächsten zwei Jahre hat das Institut ein optimistisches und ein pessimistisches Szenario berechnet: 2025: 0,4 Prozent oder 1,1 Prozent – 2026 0,8 Prozent oder 1,6 Prozent. Das IfW Kiel erwartet für 2024 minus 0,2 Prozent und für nächstes Jahr eine Stagnation. Erst 2026 wird ein Wachstum von 0,9 Prozent prognostiziert. Die Arbeitslosigkeit soll auf 6,3 Prozent ansteigen; 4 von 10 Unternehmen planen Stellen abzubauen. [Quellen: Ifo-Institut, IfW Kiel]

Ölmarkt. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet für 2025 trotz gezielter Produktionskürzungen wichtiger Öl-Staaten wie Saudi-Arabien und Russland mit einem globalen Überangebot an Öl. Zwar würde die Nachfrage 2025 leicht auf 103,9 Mio. Barrel pro Tag steigen, die Produktion würde aber auf 104,8 Mio. Barrel pro Tag anwachsen. Grund für das geringe Nachfragewachstum ist vor allem die schwache Wirtschaft in den Schwellenländern und in China. [Quelle: IEA]

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Brüssel: EU-Ministerrat für Inneres und Justiz 

Samstag, 15:00 Uhr, Rom: Argentinischer Präsident Milei bei italienischer
Ministerpräsidentin Meloni
 
Sonntag, ganztägig: Bahn-Fahrplanwechsel in ganz Europa, neue Weststrecke zwischen Wien und St. Pölten über Bahnhof Tullnerfeld wieder im Einsatz 

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: BOKU-Rektorin Eva Schulev-Steindl wurde von den Gremien der Universität für eine zweite Funktionsperiode von vier Jahren wiederbestellt. Der Commerzbank-Manager Marcus Chromik wird mit 20. Mai 2025 neuer Risikovorstand bei der Deutschen Bank.

Geburtstage: Wir gratulieren Gerlinde Kaltenbrunner und Johannes Silberschneider zum Geburtstag. Am Samstag hat Wolf Haas Geburtstag. Am Sonntag haben Christine Ostermayer und Karin Kraml (ehem. Resetarits) Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Heute, 18:00 Uhr, Ossiach, Kärnten: Verleihung des Kulturpreises des Landes Kärnten an Josef Winkler und Würdigungspreise an Elias Molitschnig, Cristina Beretta, Cvetka Lipuš u.a. mit Landeshauptmann Peter Kaiser. [invite only]

Heute, ganztägig, Wien: In der Kunsttankstelle Ottakring findet heute und noch das ganze Wochenende das „Roboexotica – Festival für Cocktailrobotik“ statt. [Info]

Samstag, 17:00 Uhr, Innsbruck: Premiere des „Rosenkavalier“ von Richard Strauss am Tiroler Landestheater [Info & Karten]

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