Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇪🇺 EU-Spitzen einigen sich auf „One Europe, one Market“-Fahrplan. Beim informellen Gipfel zur Wettbewerbsfähigkeit haben sich die Staats- und Regierungschefs auf den Zielplan „One Europe, one Market“ verständigt, der bis Ende 2027 umgesetzt werden soll. Die genaue Roadmap wird beim offiziellen Gipfel im März vorgestellt. Bundeskanzler Christian Stocker sagte nach dem Treffen, er erwarte bis März einen Vorschlag der Kommission, wie die Energiepreise gesenkt werden können. Bei den territorialen Lieferbeschränkungen („Österreich-Aufschlag“) habe er breite Unterstützung erfahren. Bei den CO2-Gratiszertifikaten werde es eine Evaluierung geben – Österreich hatte sich für eine Verlängerung eingesetzt. Der Plan sieht weitere Omnibus-Pakete mit einem Entlastungspotenzial von jährlich 15 Mrd. Euro sowie Maßnahmen zur rechtlichen Harmonisierung vor, darunter die Initiative für eine neue digitale Rechtsform („EU Inc.“). Auch soll der Energiebinnenmarkt u. a. durch grenzüberschreitende Infrastrukturprojekte („Energy Highways“) vervollständigt werden. Kommissionspräsidentin von der Leyen kündigte zudem an, dass in Bereichen ohne Konsens unter den 27 Mitgliedstaaten künftig einzelne Ländergruppen im Rahmen einer verstärkten Zusammenarbeit vorangehen können. [Quellen: Rede von der Leyen, Doorstep Stocker | Reaktion: Bundeskanzler Stocker auf X]
41-Stunden-Woche? „Da könnte der Staat vorangehen“
Interview mit Thomas Gindele
Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK), Thomas Gindele, kann der Debatte um eine Erhöhung der Arbeitszeit „einiges abgewinnen“ – das sei nicht nur notwendig, um Kosten zu sparen, sondern auch, um den Fachkräftebedarf abzudecken. Er findet: „Der Staat könnte mit einem guten Beispiel vorangehen“. An die Regierungen in Deutschland und Österreich appelliert er, auch größere Reformen anzugehen und von „Buy European“ hält er nur dann etwas, wenn es auch wettbewerbsfähige Produkte aus Europa gibt: „Wenn ein Staat sagt, wir wechseln jetzt von Microsoft auf ein europäisches System, dann würde ich sagen, dagegen ist eine Cyberattacke nichts“.
💡 Ausgabenwachstum bei Pensionen ungebremst. Die Ausgaben für Beamten- und ASVG-Pensionen stiegen laut vorläufigem Budgetvollzug 2025 im Vergleich zu 2024 um rund 2,7 Mrd. Euro, der Personalaufwand für den Bund und die Landeslehrer um 804 Mio. Euro und die Kosten der Arbeitslosenversicherung um 626 Mio. Euro (u. a. durch Vorzieheffekte bei der abgeschafften Bildungskarenz). Diese Mehrbelastungen wurden jedoch durch das Auslaufen der Energiekrisenmaßnahmen (-2,9 Mrd. Euro) und die Abschaffung des Klimabonus (-1,8 Mrd. Euro) mehr als ausgeglichen. Höhere Steuereinnahmen und ein strenger Budgetvollzug trugen zur Senkung des Nettofinanzierungssaldos auf -14,4 Mrd. Euro bei (2024: -19,1 Mrd. Euro). [Quelle: BMF | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
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Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Schumann will mehr Teilzeit nach langen Krankenständen. Seit 2027 kann man in Österreich nach einem längeren Krankenstand bis zu 6 Monate in „Wiedereingliederungsteilzeit“ gehen. Durch das „Wiedereingliederungsgeld“ von der Krankenkasse wird die finanzielle Einbuße zum Teil abgefedert. Davon haben seit 2017 rund 28.000 Menschen Gebrauch gemacht. Rund 70 % arbeiteten danach wieder in Vollzeit. Sozialministerin Korinna Schumann will, dass mehr Menschen davon Gebrauch machen und plant eine Kampagne. [Quelle: Pressekonferenz]
🇦🇹 Bildungskarenz war 2025 teurer als geplant. Die angekündigte Abschaffung der Bildungskarenz führte Anfang 2025 zu einem höheren Andrang und höheren Kosten als budgetiert. Mit insgesamt 376,3 Mio. Euro musste der Bund über 100 Mio. Euro mehr als geplant für die Bildungskarenz aufwenden. Es habe „sicherlich gewisse vorgezogene Abschlüsse von Bildungskarenzvereinbarungen gegeben“, so das Arbeitsministerium zur APA. Ab 8. Juni 2026 können Anträge zum Nachfolgemodell namens Weiterbildungszeit gestellt werden, hierfür sind 150 Mio. Euro budgetiert. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 Mütter durchschnittlich 416 Tage in Karenz, Väter 9 Tage. Nach der Geburt des 1. Kindes bleiben Mütter in Österreich laut einer ÖAW-Studie durchschnittlich 416 Tage in bezahlter Elternkarenz, während es bei Vätern nur 9 Tage sind. Diese Unterschiede bestehen über verschiedene soziale Gruppen hinweg, unabhängig von Bildungsniveau, Migrationshintergrund oder Wohnort. Auch bei hoch qualifizierten Frauen ist Elternschaft mit langen Erwerbsunterbrechungen verbunden, auch wenn sie etwas schneller zurück in den Arbeitsmarkt finden als niedriger Qualifizierte. Die Bundesregierung will bis Ende 2026 „konkrete Modelle erarbeiten“, um Karenzzeiten zwischen den Eltern gleichmäßiger aufzuteilen. [Quellen: ÖAW, Studie | Reaktionen: ÖGB, SPÖ]
🇦🇹 Stimmung im Handel verbessert. Die Stimmung im heimischen Einzelhandel hat sich zu Jahresbeginn 2026 aufgehellt: Der Konjunkturklimaindex stieg von minus 7,3 Punkten auf minus 2,7 Punkte, die Erwartungen verbesserten sich um 6,4 Punkte und lagen bei minus 7,2 Punkten. Im Jahr 2025 konnte der Einzelhandel ein reales Umsatzwachstum von 0,7 % erzielen. Für heuer erwartet das Wifo ein reales Umsatzwachstum im Handel von 1,4 %, die privaten Konsumausgaben sollen um 0,8 % steigen. „Die Signale für eine Rückkehr der Konsumfreude mehren sich. Wenn dieser Trend anhält, kann 2026 zu einem Jahr der schrittweisen Erholung werden“, so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. [Quellen: HV, Wifo, Konjunkturreport Einzelhandel]
🇦🇹 Hanke will Bahnindustrie gegen China helfen. Mobilitätsminister Peter Hanke will sich dafür einsetzen, dass die heimische Bahnindustrie nicht von stark subventionierten chinesischen Herstellern unter Druck gebracht wird. Laut Wifo, das sich auf eine OECD-Studie beruft, hat der chinesische Hersteller CRRC Subventionen im Umfang von 2,2 % seines Umsatzes erhalten, während der Satz in Europa bei 0,5 bis 0,6 % liege. Als Instrumente stehen der EU u. a. Zölle, der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), die Foreign Subsidies Regulation oder Einschränkungen durch das Vergaberecht zur Verfügung. Auch die Sicherheitspolitik könnte ein Hebel sein. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 Erste Koralmtunnel-Bilanz. In den ersten 100 Tagen wurden durch den Koralmtunnel zwischen Kärnten und Steiermark von 1.050 Güterzügen 1 Mio. Tonnen Güter transportiert. Durch die nun etwas flachere Strecke können pro Zug mehr Tonnen transportiert werden. Insgesamt ermögliche die neue Verbindung um 30 % mehr Güter-Kapazität auf der Südstrecke. [Quelle: Aussendung]
🇦🇹 Angebotspreise und Nachfrage von Einfamilienhäusern 2025 gestiegen. Nach einem Preisrückgang im Jahr 2023 und einer Stabilisierungsphase 2024 stiegen die Angebotspreise für Einfamilienhäuser im Jahr 2025 um durchschnittlich 8 %. Der Quadratmeterpreis lag im bundesweiten Mittel bei 4.070 Euro. Die signifikantesten Preissteigerungen wurden in Tirol, Kärnten und Oberösterreich verzeichnet. Regional bleibt das Preisniveau in Tirol (7.780 Euro), Wien (6.570 Euro) und Salzburg (6.150 Euro) am höchsten, während das Burgenland (2.500 Euro) und die Steiermark (3.090 Euro) die niedrigsten Werte aufweisen. Die Nachfrage nach Einfamilienhäusern stieg zeitgleich v. a. in Vorarlberg, Wien und Salzburg an, sank hingegen in Kärnten und im Burgenland. [Quelle: ImmoScout24]
🇪🇺 EU-Kommission mildert „Buy European“-Idee ab. Die EU-Kommission hat die Ziele des ambitionierten „Industrial Accelerator Acts“ abgeschwächt, wie das Handelsblatt erfahren hat. Laut einem neuen Entwurf soll der Anteil der Industrie an der Wirtschaftsleistung der EU bis 2035 auf 20 % steigen – zuvor war dieses Ziel bis 2030 vorgesehen. Förderungen sollen weiterhin an einen bestimmten Anteil der Produktion in Europa geknüpft sein („Buy European“), das umfasst im neuen Entwurf aber auch Hersteller aus Partnerländern mit Handelsabkommen. Bei den CO2-Flottengrenzwerten soll es für Autos aus europäischer Produktion einen „Super Credit“ geben. Am 25. Februar will die Kommission den Vorschlag zum „Industrial Accelerator Act“ offiziell vorstellen. [Quelle: Handelsblatt]
🇪🇺 Europa fällt bei Halbleiter-Forschung zurück. Laut dem europäischen Forschungsnetzwerk EconPol wurde Europa in der Halbleiterforschung von Asien abgehängt. Die Forscher verglichen die Dreijahreszeiträume 2001 bis 2003 sowie 2019 bis 2021. Zwischen diesen beiden Zeiträumen verdreifachte Südkorea die Menge an Halbleiterpatenten. China steigerte den Anteil von 0,8 % auf 17,6 %. In den EU-Ländern sank der Anteil an den globalen Patenten in den Zeiträumen von 13,3 % auf 8,3 %. In beiden Betrachtungszeiträumen lag Österreich auf Platz 14 bei den Halbleiterpatenten nach Ländern. Deutschland wurde von China und Taiwan aus den Top 5 verdrängt. [Quelle: EconPol]
🇩🇪 🇨🇳 Deutsche Exportabhängigkeit von China gesunken. Zwischen 2021 und 2025 ist die Abhängigkeit des deutschen Arbeitsmarktes von Exporten nach China um 40 % zurückgegangen. Laut einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) waren im Jahr 2025 noch rund 700.000 Arbeitsplätze vom chinesischen Endverbrauch abhängig, verglichen mit 1,1 Mio. im Jahr 2021. Damit sank der Anteil dieser Stellen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen von 2,5 % auf rund 1,5 %. Auch der Beitrag der China-Exporte zum deutschen BIP verringerte sich im selben Zeitraum um rund 40 %. [Quellen: IW Köln]
🇫🇷 Frankreich will Atomkraft ausbauen. Frankreich will die Laufzeit seiner bestehenden 57 Atomkraftwerke verlängern sowie 6 weitere Reaktoren bauen und diese ab 2038 in Betrieb nehmen. Die Ausbauziele für Windkraft wurden hingegen reduziert. Bis 2035 will Frankreich zwischen 650 und 693 Terawattstunden (TWh) Strom aus dekarbonisierten Quellen gewinnen, im Vergleich zu 458 TWh im Jahr 2023. Gleichzeitig soll der Verbrauch fossiler Energien im selben Zeitraum von 900 auf 330 TWh sinken. [Quellen: frz. Energieministerium, Handelsblatt | Grafik: Die EU ist Atomkraft-Powerhouse]
🇨🇳 China senkt Zölle auf EU-Milchprodukte. China hat die Spanne der Zölle auf Milchprodukte aus der EU von 21,9–42,7 % auf 7,4–11,7 % herabgesetzt. Die neuen Zollsätze treten mit 13. Februar 2026 in Kraft und sollen 5 Jahre lang gelten. China hatte Mitte 2024 eine Antisubventionsuntersuchung als Reaktion auf die EU-Zölle auf chinesische Elektroautos gestartet. Die chinesische Untersuchung ist zum Schluss gekommen, dass „die betreffenden eingeführten Milcherzeugnisse mit Ursprung in der Europäischen Union subventioniert sind“ und dadurch die „Milchwirtschaft in China eine bedeutende Schädigung erlitten hat“. Die EU-Kommission bezeichnet die Zölle als „unbegründet und ungerechtfertigt“. Der Wert der betroffenen Importe lag im Jahr 2024 bei rund 500 Mio. Euro. [Quellen: Reuters, chin. Handelsministerium]
Selektive Agenda:
Heute, Nikosia, Zypern: Informeller EU-Rat (Beschäftigung und Soziales) (letzter Tag)
Heute, München: Münchner Sicherheitskonferenz mit Bundeskanzler Stocker (bis 15.2.) [Info]
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Baukostenindex (Wohnhaus- und Siedlungsbau sowie Straßen- und Brückenbau) im Jänner
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht Eurozone-BIP 4. Quartal (2. Veröffentlichung) und EU-Handelsbilanz Dezember
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Eva Kneissl leitet den Außerhausvertrieb bei Almdudler. Michael Bachl ist neuer Obmann der Interessengemeinschaft Erdäpfelbau (IGE). Hartmuth Rameder ist neuer Obmann des Vereins Wirtshauskultur Niederösterreich. Lukas Hochgerner wird Managing Partner der in Oberösterreich gegründeten Beratungsboutique für Strategie, M&A und Performance.
Sehen & gesehen werden:
20:30 Uhr, St. Pölten: 69. NÖ-Landhausball [Info]
21:00 Uhr, Wien: 20. Ball der Immobilienwirtschaft 2026 [Info]
Samstag, 19:00 Uhr, Innsbruck: Premiere „Idomeneo“ von Wolfgang Amadeus Mozart im Tiroler Landestheater [Info]