Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
Unternehmensinsolvenzen steigen weiter an. Im 1. Quartal 2025 mussten laut KSV1870 hochgerechnet 1.741 Unternehmen Insolvenz anmelden – ein Plus von 3,1 Prozent im Vergleich zum 1. Quartal 2024. Das entspricht im Schnitt 19 Firmeninsolvenzen pro Tag. Aufgrund anhaltend schwacher Wirtschaftsleistung sei kein Rückgang der Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Für 2025 werden zwischen 6.500 und 7.000 Insolvenzen prognostiziert. Die Privatkonkurse sind im ersten Quartal um 8,7 Prozent auf 2.131 gesunken, auch hier wird bis Jahresende jedoch ein Zuwachs erwartet. [Quelle: KSV1870: Firmeninsolvenzen, Privatkonkurse]
Kommentar: Gegen die Kettensäge
von Georg Renner
Bürokratie zu beschränken ist ein guter Plan – er wird aber weit mehr erfordern, als wahllos irgendwelche Schilder von einer Tafel zu reißen. Stakeholder-Treffen, Gespräche mit Landeshauptleuten, Ideensammlungen in der Verwaltung selbst, einen Föderalismus-Konvent: Das klingt alles furchtbar langweilig. Aber Politik darf ruhig auch langweilig sein – statt die Bühne den Kettensägen-Showmen wie Javier Milei oder Elon Musk zu überlassen.
Grafik (von Stephan Frank): Der Anstieg der Arbeitskosten in Österreich setzte sich 2024 unvermittelt fort. Mittlerweile ist der österreichische Arbeitskostenindex seit 2019 um mehr als ein Viertel gestiegen und erreicht im Jahr 2024 den Indexwert von 124,1 (2020 = 100). Vor allem ab 2021 beschleunigte sich die Entwicklung deutlich. Der Arbeitskostenindex (AKI) misst vierteljährlich die Entwicklung der von Arbeitgebern je geleisteter Arbeitsstunde zu tragenden Kosten. [Quelle: Statistik Austria]

Bundesregierung beschließt „Mittelstandspaket“. Im gestrigen Ministerrat wurde neben einem Stopp des Familiennachzugs auch ein „Mittelstandspaket“ verabschiedet. Unter anderem beinhaltet dieses die Befreiung leichter Nutzfahrzeuge (LKW N1) von der Normverbrauchsabgabe (NoVA) ab 1. Juli sowie eine „Bürokratiebremse“. Für letztere soll im Staatssekretariat von Sepp Schellhorn (Neos) im Außenministerium eine Anlaufstelle geschaffen und ein jährlicher Bürokratie(kosten)bericht verfasst werden. Weiters soll, sobald die „notwendigen Voraussetzungen“ geschaffen sind, die Belegausdruckpflicht bis 35 Euro abgeschafft werden. [Quellen und Reaktionen: Pressekonferenz nach dem Ministerrat, BMF, BMAW, Neos, FPÖ, Wirtschaftsbund, Handelsverband]
Österreich erhält KI-Supercomputer. Die „AI Factory Austria“ (AI:AT) konnte ihre Finanzierung durch die Europäische Union sichern. Das Projektkonsortium aus Advanced Computing Austria (ACA), dem AIT Austrian Institute of Technology und weiteren akademischen und industriellen Partnern wird gemeinsam einen KI-optimierten Supercomputer aufbauen. Die „AI Factory Austria“ soll sektorübergreifende Projekte in Bereichen wie Biotechnologie, Nachhaltigkeit sowie Energie und Produktionseffizienz fördern und einen zentralen „One-Stop-Shop“ für KMUs oder Startups darstellen. Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung sowie der KI-Beirat begrüßen das Projekt außerordentlich, es stelle einen „Meilenstein“ für den KI-Standort Österreich dar. [Quellen und Reaktionen: TU Wien, WKO, IV, FORWIT, BMK]
Warnung vor langsamem Produktivitätswachstum. Der Produktivitätsrat und der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT) sehen die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs gefährdet. So hat sich von 1995–2005 auf 2006–2019 das Produktivitätswachstum pro Arbeitsstunde von etwa 1,8 Prozent auf 0,9 Prozent pro Jahr halbiert. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sei das ein besonders starker Rückgang. Das Wirtschaftswachstum pro Kopf würde sich aufgrund der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung erheblich verlangsamen, sofern das Produktivitätswachstum nicht deutlich zunimmt. In den Bereichen Digitalisierung, Energieversorgung, Humankapital und Unternehmensgründungen müssten daher rasch Maßnahmen gesetzt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs zu erhalten. [Quelle: FORWIT/Produktivitätsrat]
Höhere Kosten für Straßennetzerhalt. Der Erhalt des Straßennetzes wird durch Inflation, Überalterung der Infrastruktur und Klimawandel immer teurer. 2023 musste für die Sanierung der Autobahnen und Schnellstraßen fast doppelt so viel wie 2020 und mehr als fünfmal so viel wie 2000 ausgegeben werden. Trotz der schlechten Budgetlage wäre ein Aufschieben der Sanierungen falsch, warnen Experten. Ein Aufschub von 3 Jahren erhöht die Kosten um rund 10 Prozent, ein Aufschub von 5 Jahren um 25 Prozent und nach 8 Jahren verdoppelt sich der Erhaltungsaufwand. [Quelle: VCÖ]
Handelskonflikt mit den USA weitet sich aus. Die EU reagiert mit „Bedauern“ auf die von den USA verhängten Zölle in zwei Etappen – eine erste ab 1. April, eine zweite ab 13. April. Insgesamt sollen Waren im Wert von 26 Mrd. Euro mit Zöllen belegt werden. Bis 26. März wird erhoben, welche Waren in der zweiten Welle konkret erfasst werden sollen. Auch Kanada will mit Gegenzöllen i.H.v. 29,8 Mrd. kanadischer Dollar (ca. 19 Mrd Euro) auf die US-Zölle reagieren. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betont, dass sich Europa vor den USA „nicht fürchten“ dürfe und sieht vor allem im Bereich der US-amerikanischen „Tech-Giganten“ den „größten Hebel“ für Gegenmaßnahmen. WU- und Wifo-Ökonom Harald Oberhofer erwartet von den aktuellen Zöllen und Gegenzöllen vorerst keine großen Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft. Die Industriellenvereinigung warnt vor einem „eskalierenden Protektionismus-Wettlauf“ und fordert den Abschluss neuer EU-Handelsabkommen. [Quellen: Presseerklärung der EU-Kommission, Übersicht der Gegenmaßnahmen, Information gathering notice der EU-Kommission, BMAW, IV, Reuters, APA via Medienberichte]
EZB will flexibler reagieren. Die Wahrung der finanziellen Stabilität durch die Europäische Zentralbank (EZB) muss aufgrund der Handelskonflikte neu gedacht werden, so EZB-Chefin Christine Lagarde. Die seit 2021 geltende geldpolitische Strategie mit einem mittelfristigem Inflationsziel von 2 Prozent würde aktuell überprüft werden. Das Ziel sei, dass die Geldpolitik der EZB flexibler wird. [Quelle: EZB]
US-Inflation bremst sich ab. Mit 2,8 Prozent ist die Teuerung in den USA im Februar im Jahresvergleich leicht von 3 Prozent im Jänner zurückgegangen. Zum Vormonat stiegen die Preise um 0,2 Prozent, im Jänner verzeichnete man noch 0,5 Prozent. Die US-Notenbank Federal Reserve trifft ihren nächsten Zinsentscheid am 19. März. [Quellen: Department of Labor]
Selektive Agenda:
Wirtschaftskammerwahl in Wien [Info], Niederösterreich [Info], Burgenland [Info], Kärnten [Info], Salzburg [Info], Steiermark [Info], Oberösterreich [Info], Vorarlberg [Info] und Tirol [Info]
Straßburg: Vierter Plenartag des Europaparlaments u.a. zum Aktionsplan Energie [Info]
Kapstadt, Südafrika: EU-Südafrika-Gipfel mit Ratspräsident Costa und Kommissionspräsidentin von der Leyen [Infos]
Washington D.C., USA: Treffen zwischen NATO-Generalsekretär Rutte und US-Präsident Trump [Info]
9:00 Uhr, Wien: Plenarsitzung des Bundesrats mit Regierungserklärung durch Bundeskanzler Stocker, Vizekanzler Babler, Außenministerin Meinl-Reisinger sowie Erklärung des Salzburger Landeshauptmanns Haslauer [Info]
12:00 Uhr Berlin, Deutschland: Sondersitzung des Bundestags zur geplanten Reform der Schuldenbremse [Info]; Offizieller Start der Koalitionsgespräche zwischen CDU/CSU und SPD
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Alexander Mülhaupt wird Geschäftsführer von Roche Austria. Josef-Dieter Deix ist neuer COO der Porr. Der Aufsichtsrat der SIGNA Prime Selection AG (SPS) hat Markus Beuchert zum zweiten Vorstand des Unternehmens bestellt.
Geburtstage: Wir gratulieren Joesi Prokopetz und Martin Engelberg zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
9:00 Uhr, Wien: Deutsch-österreichisches Technologieforum „Mission Zukunft – Wirtschaft- und Technik neu denken“ [Infos]
17:00 Uhr, Wien: Veranstaltung Oesterreichische Nationalbank (OeNB) „Energiewende – Klimaklub: Wie kann globale Kooperation gelingen?“ u.a. mit OeNB-Gouverneur Holzmann, design. Gouverneur Kocher [Infos]