Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Christoph Hofer und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Gemeindebundchef Pressl für höhere Grundsteuer und Bundeskompetenz bei Spitälern. In der ORF-Pressestunde schlug Gemeindebundchef Johannes Pressl (ÖVP) eine Reform bzw. Erhöhung der Grundsteuer zur besseren Finanzierung der Gemeinden vor. Als Gründe für die aktuelle finanzielle Schieflage nannte Pressl steigende Ausgaben für Kinderbetreuung, demografische Kosten z. B. im Pflegebereich sowie ein im Verhältnis schwächeres Einnahmenwachstum. Für das Aufschnüren des Beamten-Gehaltsabschlusses 2026 ist er dem Bund dankbar. „Wir haben in etwa 85.000 bis 87.000 Beschäftigte in den Kommunen. Wir werden uns allein mit dieser Verschiebung auf Juli in etwa 100 Mio. Euro ersparen“, so Pressl. Im Bereich der Spitäler sehe er aktuell „zu viele Player am Tisch.“ 3,6 Mrd. Euro weniger Ausgaben würde eine Kompetenzverschiebung für die Gemeinden bedeuten. Von Streitigkeiten bei der Patientenversorgung zwischen Bundesländern müsse man wegkommen. Spitalsschließungen stehe Pressl offen gegenüber. „Wenn wir wollen, dass die beste und nicht die nächste Medizin weiterentwickelt wird, dann wird es notwendig sein, auch Standorte zu hinterfragen.“ [Quelle: Pressestunde | Reaktionen: FPÖ, Pensionistenverband]
Kommentar: Dachfonds – Wenn Kapital endlich arbeiten darf
von Laura Raggl
Nehmen wir einmal an, wir könnten – ganz ohne zusätzliche Kosten für den Staat – große Summen an Kapital für Innovation und Startups mobilisieren. Wir könnten damit die Leitbetriebe von morgen schaffen und, noch wichtiger, sie in Österreich halten. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es aber nicht. Genau diesen Effekt nutzen Länder wie Frankreich, Dänemark und Deutschland seit vielen Jahren. Das Konzept dazu liegt auch hierzulande längst in der Schublade.
💡 Morgen ist „Brutto-Brutto-Tag“. Von 1 Euro an Arbeitskosten verbleiben einem durchschnittlichen österreichischen Arbeitnehmer netto nur 53 Cent. Für Steuern (11,6 c), Sozialversicherung (14 c) und Lohnnebenkosten (21,6 c) müssen rund 47 Cent aufgewendet werden. Dieser auch als „Brutto-Brutto“ bezeichnete Betrag scheint jedoch nicht auf dem Lohnzettel auf. Der morgige „Brutto-Brutto-Tag“ soll darauf aufmerksam machen, dass Arbeitnehmer in Österreich auch dieses versteckte Fünftel (21,6 c) der Arbeitskosten erarbeiten müssen. Ab 14. Oktober verbleiben noch 21,6 % des Jahres, konkret 79 Tage. Diese 79 Tage geht ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in Österreich also ausschließlich deshalb arbeiten, um die Lohnnebenkosten zu finanzieren. „Lohnnebenkosten stehen nicht auf dem Gehaltszettel und sind daher für Arbeitnehmer ‚unsichtbar’“, so Raiffeisen-Research Ökonom Matthias Reith zu Selektiv. Bei der gesamten Abgabenlast auf Arbeit liegt Österreich im OECD-Vergleich auf Platz 5. [Quellen: OECD, Eigene Berechnungen | Grafik von Christoph Hofer und Stephan Frank]

🇦🇹 Wifo-Inflationsprognose für 2025 steigt auf 3,5 %. Im Vergleich zur Juni-Prognose von 2,9 % ergibt sich eine Aufwärtskorrektur um 0,6 Prozentpunkte. Für das Jahr 2026 wird nun eine Inflationsrate von 2,4 % erwartet (+0,2 Prozentpunkte). Grund für die höhere Inflationsrate 2025 sind vor allem die stärker ausgefallenen Realisierungen in den Monaten Juni bis August. Dieser Überhangeffekt wird auch ins nächste Jahr mitgetragen und trägt neben bereits angekündigten und weiteren zu erwartenden Preissteigerungen im Bereich der öffentlichen Hand zu einer stärkeren Inflationsprognose für 2026 bei. Die Kerninflation (Dienstleistungen und Industriegüter) fällt aufgrund eines geringeren Preisanstiegs bei Industriegütern mit 3,3 % (2025) geringfügig niedriger aus. [Quelle: Wifo]
🇦🇹 Bau- und Industrieproduktion steigen um 0,8 %. Der Produktionsindex für Industrie und Bau stieg im August 2025 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,8 %. Im Vergleich zum Vormonat Juli ging die Produktion um 2,3 % zurück. Während die Industrieproduktion im Vergleich zum August 2024 um 1,9 % auf 92,9 Punkte wuchs, verzeichnete das Bauwesen ein Minus von 2,7 %. Gebrauchsgüter stiegen um 10,1 %, Vorleistungsgüter um 5,4 % – Investitionsgüter (-0,2 %), Verbrauchsgüter (-3,7 %) und Energie (-9,2 %) fielen hingegen. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 Gewerbe und Handwerk weiter im roten Bereich. Die Auftragseingänge bzw. Umsätze im Gewerbe und Handwerk sind im 1. Halbjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nominell um 1,6 % gesunken. Das Minus fällt damit geringer aus als noch im 1. Halbjahr 2024 (-3,8 %). Während 24 % der Betriebe Steigerungen meldeten, gaben 45 % Stagnation an und 31 % verzeichneten Rückgänge. Die Geschäftslage im 3. Quartal 2025 wird mit einem Saldo von -3 Prozentpunkten etwas besser bewertet als im 2. Quartal 2025 (-6 Prozentpunkte). „Die Richtung passt, das stimmt uns zuversichtlich. Mit dem Tempo der Erholung können wir aber überhaupt nicht zufrieden sein“, so Manfred Denk, WKÖ-Spartenobmann. [Quellen: KMU Forschung Austria, WKÖ]
🇦🇹 Babler für Solidarbeitrag von Medizinabsolventen. Vizekanzler Andreas Babler schlug im Rahmen des Landesparteitags der SPÖ-Vorarlberg vor, Medizinstudenten bei der Vergabe von Studienplätzen zu bevorzugen, wenn diese sich zuvor verpflichten „für einige Jahre“ als Kassenarzt in Österreich zu arbeiten. „Wenn wir als Gesellschaft jungen Menschen jahrelang eine Ausbildung finanzieren, die von Steuergeld bezahlt wird, dann ist es nur gerecht, dass sie nach dem Studium auch eine Zeit lang im öffentlichen Gesundheitssystem arbeiten“, so Babler. Ein solcher Solidaritätsbeitrag wurde zuvor bereits von Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner ins Spiel gebracht. „Es gibt schon positive Anreize wie auch die gewidmeten Studienplätze seit zwei Jahren.“ [Quellen: SPÖ, Babler auf X, Holzleitner in der ZIB1]
🇦🇹 Regierung kürzt Breitbandförderung um 155 Mio. Euro. Statt 275 Mio. Euro werden in den Jahren 2027 bis 2029 jeweils 40 Mio. Euro für den Breitbandausbau zur Verfügung gestellt – insgesamt somit 120 Mio. Euro. Die Förderungen sollen „vor allem jenen Gemeinden Kärntens, Oberösterreichs und der Steiermark zugute, in denen die Verfügbarkeit von festem, gigabitfähigem Breitband vergleichsweise noch niedrig ist.“ Hierdurch werde „die digitale Kluft zwischen Stadt und Land verkleinert und die Konjunktur angekurbelt“, so Vizekanzler Andreas Babler. [Quellen: APA via Medienberichte, BMWKS | Grafik: Land des verschleppten Breitbandausbaus | Interview: „Pausetaste bei Förderungen tut dem Markt gut“]
🇦🇹 Autobesitz: Schere zwischen Stadt und Land so groß wie noch nie. Laut einer aktuellen VCÖ-Analyse war Wien-Margareten 2024 Österreichs Bezirk mit der niedrigsten Zahl an Autos im Verhältnis zur Bevölkerung (258 Pkw/1.000 Einwohner). Am anderen Ende befindet sich Waidhofen/Thaya mit der höchsten Autodichte (775 Pkw/1.000 Einwohner). Unter den Bundesländern nahmen Wien (363 Pkw/1.000 Einwohner) und das Burgenland (692 Pkw/1.000 Einwohner) den 1. bzw. 9. Platz ein. In 16 Wiener Bezirken, Graz, St. Pölten, Hallein und Feldkirch sank die Pkw-Zahl pro Kopf. [Quelle: VCÖ]
🇩🇪 LNG-Import nach Deutschland erreicht Rekordniveau. Im Q3 2025 wurde laut Bundesnetzagentur die höchste Einspeisung seit Eröffnung des ersten LNG-Terminals 2022 verzeichnet, mit 35 TWh von 74 TWh in den ersten neun Monaten 2025. Der LNG-Anteil an den gesamten Gasimporten stieg im Q3 2025 auf 13,25 %. Gründe hierfür sind neue Kapazitäten und auslaufende russische Transportverträge, wodurch Deutschland ein wichtigeres Transitland für LNG wurde. [Quellen: Bundesnetzagentur, Handelsblatt]
🇺🇸 Chaos im US-China-Zollstreit schickt Börsen auf Talfahrt. US-Präsident Donald Trump kündigte am Freitag umfassende Strafzölle in Höhe von 100 % auf Importe aus China an. Grund sei die chinesische Ankündigung gewesen, ab 1. November neue Exportkontrollen u. a. im Bereich von Seltenen Erden zu erlassen. Nachdem China den USA einen „Doppelstandard“ vorwarf und klarstellte, dass Exporte für zivile Unternehmen weiterhin genehmigt werden würden, revidierte Trump seine Drohung und gab an, dass Präsident Xi nur einen schlechten Tag gehabt hatte. [Quelle: Trump auf Truth Social I, Trump auf Truth Social II, chin. Handelsministerium]
🇺🇸 Bereits 4.000 US-Bundesbedienstete wegen „Shutdown“ entlassen. Aufgrund des Budgetkonflikts in den USA wurden Schätzungen zufolge rund 750.000 Bundesbeamte in den Zwangsurlaub geschickt. Ausgenommen sind lediglich Bereiche der Grundversorgung wie Polizei oder Grenzschutz. Auch erste Entlassungen haben begonnen, wie Budgetdirektor Russel Vought auf X mitteilte. 4.000 sollen es gemäß eines Gerichtsdokuments sein. Gemäß eines Factsheets des Weißen Hauses ist mit BIP-Verlusten von etwa 0,2 Prozentpunkten pro Woche des Shutdowns zu rechnen. Um ihn zu beenden, muss sich eine Mehrheit des US-Kongresses auf ein Haushaltsgesetz einigen. [Quellen: CNN, Vought auf X, White House Factsheet]
🇺🇸 🇦🇷 USA und Argentinien schließen milliardenschweres Währungstauschabkommen. Ziel der Vereinbarung in Höhe von über 20 Mrd. US-Dollar sei es, die Finanzmärkte zu stabilisieren, wie US-Finanzminister Scott Bessent auf X mitteilte. Die argentinische Zentralbank stand vor akuten Liquiditätsproblemen und musste in den letzten Wochen stark intervenieren, um den Peso zu stützen. Nach der Ankündigung stiegen argentinische Staatsanleihen um 10 %, Aktienkurse um 15 % und der Peso gewann an Wert. [Quelle: Bessent auf X]
Selektive Agenda:
Heute, Wien: Bekanntgabe monatlicher OPEC-Ölmarktbericht
Heute, Bukarest, Rumänien: Außenministerin Meinl-Reisinger auf Staatsbesuch, Treffen mit rumänischer Amtskollegin Oana Țoiu (letzter Tag)
Heute, Horsens, Dänemark: Informelles Treffen EU-Handelsminister (bis 14.10.) [Info]
Heute, Ljubljana, Slowenien: 71. Jahrestagung der Parlamentarischen Versammlung der Nato (letzter Tag) [Info]
Heute, Washington, USA: Beginn Herbsttagung Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank u. a. mit OeNB-Gouverneur Kocher (bis 18.10.) [Info]
Heute, Kapstadt, Südafrika: G20-Treffen der Umwelt- und Klimaminister (bis 15.10.)
10:00 Uhr, Wien: 13. Vollversammlung des Österreichischen Seniorenrates mit NR-Präsident Rosenkranz und Sozialministerin Schumann [Info]
10:00 Uhr, Luxemburg: EU-Rat Justiz und Inneres mit Justizministerin Sporrer (bis 14.10.) [Info]
11:45 Uhr, Stockholm, Schweden: Bekanntgabe des Wirtschaftsnobelpreises 2025
Terminvorschau
Zu Wochenbeginn wird der diesjährige Preisträger des Wirtschaftsnobelpreises in Stockholm bekanntgegeben. Die Opec veröffentlicht ihren monatlichen Ölmarktbericht und in Washington startet die Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Weltbank, an der Notenbank-Gouverneur Kocher und Finanzminister Marterbauer teilnehmen werden.
Der Dienstag steht im Zeichen des Brutto-Brutto-Tags. Ab dem 14. Oktober bis zum Ende des Jahres müssen Österreichs Arbeitnehmer 79 Tage lang für Lohnnebenkosten arbeiten gehen. Des Weiteren erfolgt die Veröffentlichung des monatlichen Ölmarktberichts der Internationalen Energieagentur (IEA). Am Nachmittag präsentieren IWF und Weltbank den aktiellen „World Economic Outlook“.
Am Mittwoch findet das zweitägige Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankchefs im Rahmen der Herbsttagung des IWF und der Weltbank statt. Österreich wird durch Notenbank-Gouverneur Kocher und Finanzminister Marterbauer vertreten. IWF und Weltbank präsentieren zudem den „Fiscal Monitor“. Die Bank Austria gibt ihren Konjunkturindikator für Oktober bekannt. Neben dem Ministerrat findet eine Nationalratssitzung statt, bei der u. a. der Stromkostenausgleich für die Industrie auf der Tagesordnung steht. Die Statistik Austria veröffentlicht den Baukostenindex für September, Eurostat folgt mit der Industrieproduktion in der Eurozone für August. Am Abend veröffentlich die US-Notenbank Fed schließlich ihr „Beige Book“.
Im Nationalrat stehen am Donnerstag die Themen Weiterbildungsbeihilfe, Trinkgeldregelung und Pensionsanpassung 2026 auf der Tagesordnung. Die Statistik Austria veröffentlicht den IKT-Einsatz in Unternehmen im Jahr 2025. Eurostat gibt die EU-Handelsbilanz für August bekannt, gefolgt von der EU-Kommission, die ihre Roadmap für Verteidigung sowie Vision vor COP30 vorstellt. Am Abend wird die Viennale 2025 eröffnet.
Am Freitag gibt die Statistik Austria die Verbraucherpreise für September bekannt. Eurostat veröffentlicht im Anschluss die Verbraucherpreise für die Eurozone. Vizekanzler Andreas Babler nimmt am Kongress der Sozialdemokratischen Parteien Europas (SPE) teil.
Die Herbsttagung von IWF und Weltbank geht am Samstag in den letzten Tag. Die 151. Konferenz der Interparlamentarischen Union (IPU) startet in Genf.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Neos-Nationalratsabgeordnete Stephanie Krisper wird ihr Nationalratsmandat Ende Oktober zurücklegen. Alma Zadić und Stefan Kaineder (Grüne) wurden als Stellvertreter von Bundessprecherin Leonore Gewessler gewählt. Ute Kliemstein wurde mit 1. Jänner 2026 zum Director Corporate Affairs bei der Brau Union Österreich bestellt. Am ordentlichen Verbandstags des SWV Österreich wurde Bernd Hinteregger mit 85,52 % zum neuen Präsidenten gewählt. Christoph Zarits (ÖVP) wurde mit 99,51 % zum neuen ÖVP-Landesparteiobmann im Burgenland gewählt.
Geburtstage: Wir gratulieren Gerhard Jelinek, Wolfgang Fellner und Henrike Brandstötter zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
12:00 Uhr, Wien: Festakt „50 Jahre Kompetenzzentrum Sicheres Österreich“ u. a. mit Gerhard Karner, Karl Blecha und Karl Schlögl im Raiffeisen Forum [Info]