Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
Härterer Sparkurs droht. Raiffeisen-Ökonomen warnen davor, dass heuer noch ein härterer Sparkurs notwendig werden könnte, als bisher gedacht. Gründe dafür sind einerseits eine mögliche Verzögerung der Umsetzung der Sparmaßnahmen aufgrund der aktuellen politischen Situation sein – dann würden weitere Maßnahmen notwendig werden, um dasselbe Volumen zu erzielen. Andererseits habe sich die wirtschaftliche Lage erneut eingetrübt – sollte ein weiteres Rezessionsjahr kommen, wäre das notwendige Sparvolumen automatisch größer. Am 27. März veröffentlichen Wifo und IHS die nächste Konjunkturprognose und am 31. März werden die finalen Zahlen für das Budgetdefizit 2024 vorgelegt. Auch Wifo-Chef Gabriel Felbermayr mahnte gestern ein hohes Tempo bei der Umsetzung von Sparmaßnahmen ein, um die Sparziele erreichen zu können. [Quellen: Raiffeisen Research, Felbermayr im Ö1-Morgenjournal]
Kommentar: KI wird Beschäftigungsstrukturen grundlegend verändern
von Philipp Koch
Bei Künstlicher Intelligenz passiert die Masse an Innovationen, so ehrlich muss man sein, nicht in Europa. Doch es geht nicht nur um die Entwicklung neuer Technologien. Anders als frühere Digitalisierungswellen – die vor allem manuelle Tätigkeiten betrafen – werden nun insbesondere kognitive Berufe, also tendenziell höher qualifizierte Positionen, stark transformiert.
Grafik (von Christoph Hofer): Im Dezember 2024 sank die saisonbereinigte Industrieproduktion gegenüber November 2024 laut ersten Schätzungen im Euroraum um 1,1 Prozent und in der EU um 0,8 Prozent. Gegenüber Dezember 2023 sank die Industrieproduktion im Dezember 2024 im Euroraum um 2,0 Prozent und in der EU um 1,7 Prozent – Österreich ist hier mit einem Minus von 9,5 Prozent Schlusslicht, danach folgen Italien mit -7,1 Prozent und Ungarn mit -6,4 Prozent. [Quelle: Eurostat]

Neubewertung des Defizits erst im April. Die EU-Kommission bestätigte gestern, das österreichische Budgetdefizit planmäßig im Rahmen des Frühjahrspakets des Europäischen Semesters neu zu bewerten. Das wird voraussichtlich im April sein. Der Sparplan, auf dem die derzeitige Bewertung beruht, war von FPÖ und ÖVP beschlossen worden. Am 31. März werden die finalen Zahlen für das Budgetdefizit 2024 vorliegen. Bis Ende April muss Österreich zudem einen Entwurf des Haushaltsplans und einen mittelfristigen fiskalisch-strukturellen Plan nach Brüssel übermitteln. Der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Knill, geht davon aus, dass die Kommission Ende April ein Defizitverfahren gegen Österreich anstreben wird, da es keine Anzeichen für eine intakte Regierung gäbe. [Quellen: Medienberichte, Knill im Kurier]
Regierungsbildung – Update. Gestern waren die Parteichefs und Parteispitzen von ÖVP, SPÖ, Neos und Grünen bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen zu Gesprächen geladen. Danach gab es aus der Hofburg nur ein knappes Statement, dass allen klar sei, dass nun rasch gehandelt werden müsse. Unmittelbare Schritte setzte Van der Bellen nicht – man werde in den nächsten Tagen in engem Austausch bleiben. FPÖ-Chef Herbert Kickl war nach seinem Mittwochstermin nicht erneut beim Bundespräsidenten geladen. Laut „Presse“ und „Krone“ sei eine ÖVP-SPÖ-Koalition am wahrscheinlichsten – eine Einigung könnte es bereits bis 26. Februar geben. Die SPÖ hat ihr Verhandlerteam neu aufgestellt: Andreas Babler, Doris Bures, Josef Muchitsch, Eva Maria Holzleitner, Philip Kucher. IV-Präsident Knill plädiert für rasches handeln, denn jeder Tag ohne notwendige Reformen koste 15 Mio. Euro. [Quellen: Medienberichte, Van der Bellen auf X, Die Presse, Krone, Knill im Kurier]
Lohnrunde Baunebengewerbe. Für die rund 60.000 Arbeiter im Baunebengewerbe (u.a. Maler, Lackierer, Bodenleger, Dachdecker) wurde eine Lohnerhöhung von 2,84 Prozent ab 1. Mai 2025 vereinbart. Für GBH-Vorsitzenden Josef Muchitsch zeigt dieser Abschluss, dass trotz Rezession „die Sozialpartnerschaft funktioniert“. [Quelle: ÖGB]
Einwegpfand – erstes Fazit. Seit der Einführung des Einwegpfands auf Kunststoffflaschen und Metalldosen mit Jahresbeginn wurden 25 Mio. Pfandgebinde in Umlauf gebracht, eine Mio. davon wurde bereits wieder retourniert. 2025 dürfen noch Gebinde ohne Pfandlogo verkauft werden, sofern diese vor dem 31. März 2025 produziert wurden. [Quellen: WKO, Recycling Pfand Österreich]
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USA erlassen Gegenzölle. Gestern Abend unterschrieb US-Präsident Donald Trump eine Anordnung, welche die Erlassung von reziproken Ausgleichszöllen vorsieht. Konkret sollen alle Produkte höher verzollt werden, auf welche die USA derzeit geringere Zölle erhebt als ihr jeweiliger Handelspartner. Die US-Behörden haben nun 180 Tage Zeit, die entsprechenden Produkte zu identifizieren – Zölle können jedoch jederzeit erlassen werden. Explizit in einem Fact sheet angeführt werden die höheren EU-Zölle auf Autos, diese betragen derzeit 10 Prozent (US-Zoll: 2,5 Prozent). [Quellen: Medienberichte, US-Memorandum, Fact sheet]
Gaspreis sinkt wieder. Nach dem Zwei-Jahres-Hoch am Dienstag ist der Preis für Erdgas in Europa von 59,39 Euro pro Megawattstunde gestern laut Terminkontrakt TTF auf 50,50 Euro pro MWh gefallen. Marktbeobachter erklären den Rückgang mit dem Gespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Gas-Großhandelspreis liegt damit aber immer noch knapp doppelt so hoch wie zur selben Zeit vor einem Jahr. [Quellen: TTF, Medienberichte | Grafik: Gas-Großhandelspreis legt wieder zu]
Öl-Weltmarkt. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet eine stärkere Ölnachfrage aus Asien und geht deshalb von einem wesentlich niedrigeren Überschuss an Rohöl am Weltmarkt aus. Der Überschuss soll heuer bei durchschnittlich 450.000 Barrel pro Tag liegen. Die USA liefern derzeit mehr Öl. Die Liefermengen von Förderstaaten außerhalb des Ölverbunds Opec+ dürften um 1,4 Mio. Barrel pro Tag steigen. Die Nachfrage nach Rohöl dürfte heuer um 1,1 Mio. Barrel pro Tag steigen – 2024 lag der Anstieg bei 0,87 Mio. Barrel. [Quelle: IEA]
Forschung und Entwicklung neuer Autos. Die Modellvielfalt europäischer Autohersteller führt laut einer neuen Studie zu hohen durchschnittlichen Entwicklungskosten pro Fahrzeug. Bei chinesischen Herstellern liegen diese Kosten nur bei 27 Prozent jener deutscher Hersteller. In Europa dauert die Entwicklung neuer Modelle derzeit durchschnittlich 48 bis 54 Monate – in China sind es 24 bis 30 Monate. Um Kosten zu senken und besser auf lokale Kundenbedürfnisse eingehen zu können, ist laut den Studienautoren die Auslagerung von F&E strategisch relevant. [Quelle: Bain & Company]
Deutschland: 3. Krisenjahr in Folge. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) erwartet auf Basis ihrer Konjunkturumfrage für 2025 eine Schrumpfung des deutschen BIPs um 0,5 Prozent. Nur 26 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre Geschäftslage als „gut“, hingegen 25 Prozent als „schlecht“ – der Saldo von 1 Punkt liegt deutlich unter dem langjährigen Schnitt von 20 Punkten. Die Exporterwartungen der Industrie verbessern sich etwas, der Saldo bleibt aber negativ: 28 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit sinkenden Ausfuhren, nur 20 Prozent mit steigenden. [Quelle: DIHK]
Schweizer Inflation. Der Index der Konsumentenpreise sank in der Schweiz im Jänner im Vergleich zum Dezember um 0,1 Prozent und erreichte den Stand von 106,8 Punkten (Dezember 2020 = 100). Im Vorjahresmonatsvergleich liegt die Teuerung bei 0,4 Prozent. Preise für Wohnen und Energie sanken gegenüber Dezember um 0,6 Prozent – Strompreise um 8,7 Prozent, Gaspreise um 1,5 Prozent. [Quelle: Bundesamt für Statistik]
Britisches Wachstum. Laut Schnellschätzung ist die britische Wirtschaft im 4. Quartal 2024 um 0,1 Prozent gewachsen – Prognosen waren von einem BIP-Rückgang von -0,1 Prozent ausgegangen. Im Dezember ist das BIP im Monatsvergleich um 0,4 Prozent gestiegen. Die Industrieproduktion ist im Dezember im Monatsabstand um 0,5 Prozent gewachsen. [Quelle: ONS]
Selektive Agenda:
München: Erster Tag der Münchner Sicherheitskonferenz (bis 16. Februar) u.a. mit Regierungschef Schallenberg, EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, EU-Außenbeauftragter Kallas, ukr. Präsident Selenskij, US-Vizepräsident Vance, EU-Migrationskommissar Brunner (Samstag) [Info]
Oberösterreich, Steiermark: Beginn der Semesterferien
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Patrick Valentin ist seit Jänner Partner in der Automotive Practice der Strategieberatung Simon-Kucher. Mišo Ćurčić de Jong übernimmt bei Austrian Standards ab sofort die Position des Head of Marketing. Michael Vaclac wurde zum neuen Vizepräsidenten von des Dialog Marketing Verband Österreichs ernannt. Dietmar Prammer wurde zum neuen Vorsitzenden der Städtebund-Landesgruppe Oberösterreich gewählt.
Geburtstage: Wir gratulieren Peter Rapp, Hans Krankl und Josef Hader zum Geburtstag! Am Samstag haben Wolfgang Hesoun, Alexander Wurz und Gerald Grosz Geburtstag. Am Sonntag haben Henrietta Egerth und Peter Unterkofler Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
17:00 Uhr, Wien: „Friday Afternoons“ – Ins Wochenende mit den Wiener Sängerknaben, Chormusik aus sechs Jahrhunderten im MuTh im Augarten [Info und Tickets]
19:30 Uhr, St.Pölten: 68. Niederösterreichischer Landhausball im Landhaus St. Pölten [Info und Tickets]