Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig, Stephan Frank und Sara Grasel – wir melden uns aus Rust.
News – das müssen Sie heute wissen:
Industrieproduktion im Jänner gestiegen. Im Jänner produzierte die Industrie in der Eurozone um 0,8 Prozent mehr als im Vormonat – der stärkste Anstieg seit August 2024. Im Dezember gab es im Monatsabstand noch einen Rückgang von 0,4 Prozent. Im Jahresabstand stagnierte die Industrieproduktion im Jänner. Ein stärkeres Plus gab es bei Vorleistungsgütern, auch Investitionsgüter (Maschinen, Fahrzeuge etc.) stiegen – die Energieerzeugung sank hingegen. In Österreich wuchs die Industrieproduktion im Jänner im Monatsabstand um 3,3 Prozent in der EU überdurchschnittlich – nur in Litauen und Portugal wuchs sie stärker –, im Jahresabstand liegt Österreich bei -0,2 Prozent. [Quelle: Eurostat]
Kommentar: Wie die Merz-CDU die Stocker-ÖVP rettet
von Rainer Nowak
Christian Stocker kann sich trösten, dass ein CDU-Wahlsieger genauso von den Sozialdemokraten über den Tisch gezogen wird wie eine geprügelte ÖVP. Aber: Für (Mittel)europas Industrie, Wirtschaft und Budgets sind das aus beiden Ländern nicht sehr gute Nachrichten.
Grafik (von Christoph Hofer): In Österreich ist die Bereitschaft, größere Anschaffungen zu tätigen, seit mehreren Jahren deutlich im negativen Bereich. Das betrifft sowohl „derzeitige“ Anschaffungen als auch jene „in den nächsten 12 Monaten“. Nach dem absoluten Tiefpunkt Mitte 2023 hat sich die Konsumstimmung in Österreich leicht erholt, ist aber weiterhin auf dem schlechtesten Niveau seit 30 Jahren. [Quelle: Eurostat, EU-Kommission]

Lohnnebenkosten – Wirtschaftsminister bittet um „Realismus“. In einem Interview mit der „Presse“ bittet Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer bei der Lohnnebenkostensenkung um „Realismus“: „Wir müssen jetzt und 2026 den Gürtel enger schnallen. Dennoch wird es auch Spielräume für Offensivmaßnahmen – etwa beim Arbeiten im Alter – geben“. Im „Kurier“-Interview ergänzte er: „Der klare Pfad: 3,7 Prozent und damit ein Absenken auf deutsches Niveau.“ Auf die Frage, ob er und Finanzminister Markus Marterbauer ideologisch weit auseinanderliegen: „Es ist kein Geheimnis, dass Markus Marterbauer eher ein linker Ökonom ist und ich ein Mitte-Rechts-Pragmatiker bin.“ Dem entgegnet Marterbauer im Interview mit der „Krone“, dass er bei 66 cm steht, wenn 50 cm auf einem Maßband die politische Mitte sind. In der ZIB2 schloss Marterbauer Vermögen- und Erbschaftsteuern bis 2029 aus. [Quelle: Die Presse, Kurier, Krone, ZIB2 vom 13.3.]
Netzbetreiber fordern Planungssicherheit. Das Forum Versorgungssicherheit begrüßt die Bildung einer neuen Bundesregierung, diese müsse aufgrund der verlorenen Zeit aber dringend eine Reihe von benötigten Gesetzen wie EGG, ElWG und EABG beschließen. Weitere Unsicherheit würde Zurückhaltung bei notwendigen Investitionen und eine weitere Verzögerung der Energiewende bedeuten. Die größten Sorgen machen den Netzbetreibern derzeit Fragen der Finanzierung. Da sich die Investitionserfordernisse u.a. durch die Energiewende massiv erhöhen, aber diese wenig bis gar nicht durch Baukostenzuschüsse gedeckt sind, steigt sowohl der Bedarf nach Finanzierung durch Fremdkapital als auch jener Anteil, der durch Netznutzungsentgelte gedeckt werden muss, stark an. Unerwartete politische Vorstöße wie der Energiewirtschaftstransformationsbeitrag führen zu mehr Unsicherheit statt zu mehr Planungssicherheit und seien „nicht besonders vertrauenserweckend“. [Quelle: Forum Versorgungssicherheit]
Höhere Sparsummen beim Bausparen. Bausparen gehört mit rund 3 Mio. Verträgen zu den beliebtesten Sparformen in Österreich. Die Bauspareinlagen stiegen 2024 um 240 Mio. Euro auf 14,58 Mrd. Euro. 472.148 neue Bausparverträge wurden abgeschlossen und die Sparsummen stiegen. Eine Integral-Befragung im Auftrag des Bausparkassenverbands ergab, dass 79 Prozent der Österreicher in Eigentumsimmobilien wohnen wollen – derzeit liegt der Anteil aber bei 48 Prozent. Der Verband fordert, die Bausparprämie von derzeit 1,5 bis 4,0 Prozent wieder auf die bis 2012 gültigen 3,0 bis 8,0 Prozent zu heben. [Quelle: BVO]
Nur moderate Gründungsdynamik in Österreich. Knapp die Hälfte der Bevölkerung sieht Gründungsmöglichkeiten, doch nur 7,5 Prozent planen tatsächlich eine Unternehmensgründung in den nächsten drei Jahren. Das Durchschnittsalter für Gründer liegt bei 42 Jahren, den größten Anstieg gibt es in der Altersgruppe ab 55. Seit 2020 werden weniger neue Unternehmen gestartet, diese zeigten jedoch eine höhere Stabilität als in vergleichbaren Ländern. [Quelle: Global Entrepreneurship Monitor]
Europa könnte US-Hilfen für Ukraine ersetzen. Europa wäre in der Lage, die US-Unterstützung für die Ukraine größtenteils zu ersetzen. Im finanziellen Bereich wäre das leichter möglich, im Bereich der Waffen- und Munitionslieferungen schwieriger, aber auch dort könnte Europa liefern. Für die US-Militäraufklärung gibt es jedoch keinen ausreichenden europäischen Ersatz. Einzelne Staaten müssten dafür jedoch ihre Hilfen „deutlich“ steigern, mindestens 0,21 Prozent des BIP sollten europaweit aufgewendet werden. [Quellen: IfW Kiel, BBC | Grafik: Vergleich Ukraine-Hilfen USA vs. Europa ]
Schlechter Konjunkturausblick für Deutschland. 2025 wird die Wirtschaft in Deutschland bestenfalls stagnieren oder leicht um 0,1 Prozent sinken. Das wäre das dritte Rezessionsjahr. Vor allem der sich abzeichnende Handelskonflikt mit den USA trübt die Chancen auf einen heurigen Aufschwung, da die USA einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands sind. 2026 dürfte die Wirtschaft dann aber vor allem dank dem geplanten schwarz-roten Finanzpaket um 1,5 Prozent anziehen. [Quellen: Kieler Institut für Weltwirtschaft, RWI-Institut]
Globaler Ölbedarf durch Zölle belastet. Die US-Zölle und die dadurch ausgelösten Gegenzölle belasten die globale Ölnachfrage. Die aktuellen Daten zur Ölnachfrage fielen unter den Erwartungen aus, die weiteren Wachstumserwartungen wurden leicht nach unten korrigiert. Im Gegenzug steigt die globale Ölproduktion, da die OPEC+ ihre Fördereinschränkungen aufgehoben hat sowie die USA und Kasachstan Rekordmengen fördern. In Kombination könnte das heuer ein Überangebot von 600.000 Barrel pro Tag ergeben, durch die verschiedenen Zölle – auch auf Öl – herrscht aber diesbezüglich Unsicherheit. [Quelle: IEA Monatsbericht]
China dominiert weiter Markt für seltene Erden. Die globale Abhängigkeit von China beim Abbau und der Verarbeitung von seltenen Erden wird länger bestehen bleiben. Die trotz der Nachfrage niedrigen Weltmarktpreise machen das Erschließen neuer Quellen und das Bauen neuer Verarbeitungsstätten wirtschaftlich momentan nicht erfolgsversprechend. 60 Prozent der weltweiten Förderung von seltenen Erden kam 2023 auf China, bei der Weiterverarbeitung lag der Anteil bei 93 Prozent. [Quelle: Deutsche Rohstoffagentur]
Trump droht mit 200 Prozent Zoll. US-Präsident Trump unterstellt der EU „Feindseligkeit“ und zeigt sich über die 50-prozentigen EU-Gegenzölle auf u.a. amerikanischen Whisky entsprechend erbost. Sollte dieser Zollsatz nicht „sofort“ aufgehoben werden, würden die USA einen 200-prozentigen Zoll auf Wein, Champagner und alkoholische Produkte aus Frankreich und anderen EU-Ländern erheben. [Quelle: Trump auf Truth Social]
US-Arbeitsmarkt bleibt stabil. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA ging in der Vorwoche um rund 2.000 auf rund 220.000 zurück. Experten waren von einem leichten Anstieg ausgegangen. [Quellen: US-Department of Labor, Medienberichte]
Selektive Agenda:
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria präsentiert das „Austrian Economic Barometer“ mit Fokus Arbeitsmarkt 2024 [Stream]
19:00 Uhr, Wien: Ergebnisse der Wirtschaftskammerwahl (Bundeskammer) erwartet
Kyjiw, Ukraine: Außenministerin Beate Meinl-Reisinger in der Ukraine, Treffen mit Amtskollegen Andrij Syb
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Sigrid Rosenberger ist Sprecherin des Finanzministers, Peter Stöckl für Staatssekretärin Eibinger-Miedl, Michael Tögel fungiert als Stellvertreter. Josef Landschützer wird neuer Geschäftsführer der Energie Graz. el übernimmt den Vorsitz der Justizwachegewerkschaft. Robert Luschnik folgt Armin Hübner als Neos-Klubdirektor nach, dieser wird Neos-Regierungskoordinator.
Geburtstage: Wir gratulieren Christopher Drexler (Samstag) zum Geburtstag!