Morning in Brief ・ 14.10.2025

Morning in Brief, 14. Oktober 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, David Schima und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Österreichs Industrie verharrt in der Rezession. Im 2. Quartal 2025 belief sich der Umsatz von Unternehmen im produzierenden Gewerbe auf insgesamt 95,3 Mrd. Euro – ein Minus von 0,9 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit befindet sich die Industrie bereits das 9. Quartal in Folge in einer Rezession. Die Chemie- und Pharmaindustrie konnte ihren Umsatz im 2. Quartal um mehr als 10 % steigern. Rückgänge gab es hingegen in der Textilindustrie (-5,4 %), Papierbranche (-4,0 %) und im Automobilsektor (-3,9 %). Die Zahl der Beschäftigten in der Industrie ging im Jahresvergleich um 1,8 % zurück – das bedeutet einen Abbau von rund 19.400 Jobs. Am stärksten traf es die Automobilbranche mit einem Minus von 9,8 %. Auch die Exporte brachen ein: Im 2. Quartal sanken die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr um 3,0 % auf insgesamt 46,4 Mrd. Euro. [Quelle: EY | Grafiken: Die Industrie schrumpft, der Staat wächst | Handelsbilanz rutscht 2025 ins Negative]

Kommentar: Leistung muss sich immer lohnen, nicht erst ab 65
von Gerald Loacker

Österreich besteuert Arbeit so hoch, dass sich zusätzliche Leistung oft nicht auszahlt. Das betrifft Pensionisten genauso wie alle Erwerbstätigen. Seniorenbundchefin Ingrid Korosec erinnert die Regierung an ihr Versprechen: 25 % Flat Tax auf Zuverdienste neben der Pension. Aber wie gerecht ist eine Sonderbehandlung nur für Senioren?

💡Arbeitszeit seit Jahren im Sinkflug. Der durchschnittliche heimische Beschäftigte arbeitete im letzten Jahr 1.523 Stunden. Das ist deutlich weniger als noch im Jahr 2000 (1.797 Stunden). Der jüngste Einbruch wurde vor allem durch die COVID-19-Pandemie verursacht und wirkt sich nachhaltig aus. Auch der EU-Schnitt liegt mittlerweile höher (1.602 Stunden). Im Vergleich hierzu sanken die Arbeitsstunden in den USA nur leicht – von 1.706 im Jahr 2000 auf 1.677 im Jahr 2024. [Quellen: Europäische Kommission, Agenda Austria | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Fast 21 Mio. Gäste für Wintersaison erwartet. Die Winterpotenzialstudie für die kommende Wintersaison erwartet 16,5 Mio. Gäste aus den 10 wichtigsten europäischen Herkunftsländern, insgesamt wird ein Gesamtpotential von 20,8 Mio. Gästen erwartet. Das wäre ein Anstieg um 0,9 % im Vergleich zur Vorjahressaison. „Der Blick auf den kommenden Winter stimmt optimistisch“, kommentiert Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. [Quellen: Österreich Werbung, Winterpotenzialstudie]

🇦🇹 Gewerkschaftliche Organisation rückläufig – außer in Österreich. In 13 europäischen Ländern kam es zwischen 2016 und 2023 zu einem Rückgang der gewerkschaftlichen Verankerung. Nur in Österreich ist der Anteil der beschäftigten Gewerkschaftsmitglieder an allen Arbeitnehmern von 27,8 % auf 32,1 % gestiegen. Am höchsten ist der Anteil mit 72,3 % in Schweden, am niedrigsten mit 5,6 % in Ungarn. Die rückläufige Entwicklung in den anderen Ländern wird auf geringere Mobilisierung von Beschäftigten in kleinen Betrieben, von atypisch Beschäftigten, sowie von jüngeren und migrantischen Beschäftigten zurückgeführt. [Quelle: IW Köln]

„Österreich verharrt im Sparbuch-Schneckenhaus“
Interview mit Christoph Boschan

„Europas Kapitalmärkte verlieren an Wettbewerbsfähigkeit“, mahnt der Chef der Wiener Börse, Christoph Boschan. Für mehr Innovation und Wachstum müssen Liquiditätspools geschaffen werden: „Die mutigen Entscheidungen müssen auf nationaler Ebene fallen. Allein hier liegt die politische Zuständigkeit für Steuern und Pensionssystem“. In anderen europäischen Ländern würden längst „Kapitalmarkt-Raketen“ gezündet, so Boschan.

🇦🇹 Heimische Weinwirtschaft sichert 68.000 Arbeitsplätze. Einer Economica-Studie zufolge generierte die österreichische Weinwirtschaft im Jahr 2023 eine Bruttowertschöpfung von 3,8 Mrd. Euro, Steuereinnahmen von 1,2 Mrd. Euro und sicherte 68.113 Arbeitsplätze.  Beherbergung und Gastronomie profitieren mit 1,5 Mrd. Euro zu rund 39 % vom größten Anteil der der Wein-Wertschöpfung. Niederösterreich produziert hierbei als betriebs- und flächenmäßig stärkstes Bundesland den meisten Wein und weist die größten ökonomischen Effekte auf. [Quelle: Österreich Wein Marketing]

🇦🇹 79 Tage Arbeit für Lohnnebenkosten. Ab dem heutigen „Brutto-Brutto-Tag“ geht ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in Österreich rein rechnerisch nur noch zur Deckung der Lohnnebenkosten arbeiten. „Lohnnebenkosten stehen nicht auf dem Gehaltszettel und sind daher für Arbeitnehmer ‚unsichtbar‘. Für Unternehmen sind diese Kosten jedoch eine schwere Last. Wer die preisliche Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen werden, muss also auch über diesen Kostenblock sprechen“, so Matthias Reith von Raiffeisen Research zu Selektiv. [Quelle: Selektiv | Grafik]

🇪🇺 Omnibus: Abschwächung des Lieferkettengesetzes beschlossen. Der Rechtsausschuss des EU-Parlaments hat gestern über die Parlamentsposition zum Lieferkettengesetz und zur Nachhaltigkeitsberichterstattung abgestimmt. Die EU-Kommission hatte zuvor zu beiden Regelungen Änderungen vorgeschlagen. Mit 17 Ja- zu 6 Nein-Stimmen hat der Ausschuss für die Abschwächung gestimmt. Unter anderem sollen Berichtspflichten erst für Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und 450 Mio. Euro Umsatz gelten. „Es ist höchste Zeit, zu handeln. Wir brauchen den Aufschwung“, betonte etwa ÖVP-Europaparlamentarier Lukas Mandl. Die Grünen lehnten die Reform als „faulen Deal“ ab. [Quellen: APA via Medienberichte, ÖVP Mandl, ÖVP Winzig]

🇪🇺 Eurozone weiter auf Wachstumskurs. Im September verzeichnete die Eurozone ein erneutes Konjunkturplus. Der Einkaufsmanagerindex der Hamburg Commercial Bank blieb mit 51,2 Punkten knapp über der Wachstumsschwelle und erreichte damit den höchsten Wert seit 16 Monaten. Im 3. Quartal 2025 ist mit einer Wachstumsrate von 0,4 % gegenüber dem Vorquartal zu rechnen. In Deutschland hellte sich zudem die Stimmung im Exportgeschäft etwas auf. Der entsprechende Index lag mit 51,3 Punkten nur knapp unter dem 15-Monatshoch im August (51,5 Punkte). [Quellen: HCOB I, HCOB II]

🇪🇺 Westbalkan „eindeutig am Weg“ zur EU-Mitgliedschaft. Die Westbalkan-Staaten (Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Kosovo, Albanien, Nordmazedonien) befinden sich laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen „nun eindeutig auf dem Weg, Teil der Europäischen Union zu werden“. Investitionen sollen aber bereits jetzt erleichtert werden. „Mit dem Wachstumsplan für den Westbalkan zielen wir darauf ab, das regionale BIP in den nächsten zehn Jahren zu verdoppeln“, so von der Leyen am bei Ihrer Eröffnungsrede zum EU-Investitionsforum für den westlichen Balkan. Auch Außenministerin Meinl-Reisinger hat sich gestern erneut für die EU-Erweiterung und Aufnahme der Westbalkanstaaten ausgesprochen, das sei in „unserem ureigensten Interesse“. [Quellen: EU-Kommission, Medienberichte, BMEIA]

🇩🇪 Hohe Mieten bremsen deutsches Wachstum. Neue Mietverträge in den 7 größten Städten Deutschlands sind im Schnitt um 48 % bzw. um 4,48 Euro pro Quadratmeter teurer als Bestandsverträge. In Berlin liegt die Differenz sogar bei rund 70 %. Dass sich Arbeitskräfte das Wohnen in Großstädten zunehmend nicht mehr leisten können, sei laut Ifo-Institut ein Hemmnis für das deutsche Wirtschaftswachstum. Es brauche niedrigere Preise beim Bau, Kauf und Verkauf sowie schnellere Genehmigungen. Regulierte Mietpreise würden das Problem der Wohnraumknappheit nicht lösen. [Quelle: Ifo-Institut]

🇩🇪 Deutsche Großhandelspreise ziehen weiter an. Im September stiegen die Verkaufspreise im deutschen Großhandel im Jahresvergleich um 1,2 %, gegenüber dem Vormonat um 0,2 %. Im August legten die Großhandelspreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,7 % zu, im Juli um 0,5 %. Der jüngste Preisanstieg ist vor allem auf die teureren Nahrungs- und Genussmittel zurückzuführen. Hier lag das Preisniveau 4,2 % über jenem von September 2024 und 0,2 % über jenem von August 2025. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

🇨🇳 Chinas Exporte steigen trotz Handelsstreit. Im September legten die chinesischen Ausfuhren gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,3 % zu. Auch die Importe stiegen mit einem Plus von 7,4 % merklich an. Daraus ergibt sich ein Handelsüberschuss von rund 90,45 Mrd. US-Dollar – im August waren es noch 102,33 Mrd. Vor dem Hintergrund des andauernden Handelsstreits mit den USA brachen Exporte in (-27,0 %) sowie Importe aus den USA (-16,1 %) ein. [Quellen: Caixin, Reuters]

🌐 Wirtschaftsnobelpreis im Geiste Schumpeters. Der diesjährige Wirtschaftsnobelpreis wurde zur Hälfte an Joel Mokyr und zur anderen Hälfte an Philippe Aghion und Peter Howitt verliehen. Mokyr zeigte mit seiner Forschung, wie kontinuierliches Wirtschaftswachstum in den letzten zwei Jahrhunderten zur neuen Normalität wurde. Aghion und Howitt haben den Preis für ein mathematisches Modell zur Erklärung der „kreativen Zerstörung“ bekommen. „Die Arbeiten der Preisträger zeigen, dass Wirtschaftswachstum nicht als selbstverständlich angesehen werden kann. Wir müssen die Mechanismen der kreativen Zerstörung aufrechterhalten, um nicht in die Stagnation zurückzufallen“, begründete der Vorsitzende des Komitees, John Hassler, die Entscheidung. [Quelle: Nobelprize.org | Publikationen von Mokyr | „A Model of Growth Through Creative Destruction“ von Aghion und Howitt]

Selektive Agenda:

Heute, Washington, USA: Berufungsentscheidung zu Trump-Zöllen ­– Frist, um Urteil anzufechten, läuft aus

Heute, Horsens, Dänemark: Informelles Treffen EU-Handelsminister (letzter Tag) [Info]

10:00 Uhr, Luxemburg: EU-Rat Justiz und Inneres mit Innenminister Karner (letzter Tag) [Info]

10:00 Uhr, Paris, Frankreich: Veröffentlichung des Monatsbericht Ölmarkt durch Internationale Energieagentur (IEA)

11:00 Uhr, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung veröffentlicht Konjunkturerwartungen für Oktober

15:00 Uhr, Washington, USA: Präsentation des „World Economic Outlook“ bei der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank; 16:15 Uhr: Veröffentlichung „Global Financial Stability Report“ [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Landesrätin Sara Schaar tritt mit 22. Oktober 2025 als Mitglied der Kärntner Landesregierung zurück, über die Nachfolge soll in den kommenden Tagen entschieden werden. Peter Pacult ist neuer Trainer des RZ Pellets Wolfsberg. Wolf Heinrich Reuter wird Hauptabteilungsleiter für Volkswirtschaft in der Oesterreichischen Nationalbank.

Geburtstage: Wir gratulieren Lukas Resetarits zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

19:00 Uhr, Salzburg: Gala anlässlich 50 Jahre HOGAST u. a. mit Karl-Theodor zu Guttenberg, Jochen Schweizer und Alfons Haider in der Salzburgarena [invite only, Info]

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