Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🌐 🇦🇹 Weltwirtschaft wächst heuer stärker, Österreich langfristig unter 1 %. Noch im April hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose zum Weltwirtschaftswachstum aufgrund der handelspolitischen Unsicherheiten um 0,5 Prozentpunkte auf 2,8 % gesenkt. In der Herbstprognose geht der IWF nun von 3,2 % für 2025 und 3,1 % für 2026 aus. Die revidierten Prognosen liegen aber weiterhin um 0,2 Prozentpunkte unter jenen vom Oktober 2024. Die USA sollen 2025-2026 um rund 2 %, andere fortgeschrittene Volkswirtschaften um 1,6 %, die Eurozone um 1,2 % und Schwellen- bzw. Entwicklungsländer um 4 % wachsen. Für Österreich geht der IWF 2025 von 0,3 % Wachstum aus, 2026 von 0,8 % und 2030 von nur 0,7 %. Österreich ist heuer nicht mehr Wachstums-Schlusslicht – dieser Platz geht mit 0,2 % an Deutschland. „Weitere Eskalation protektionistischer Maßnahmen, einschließlich nichttarifärer Handelshemmnisse, könnte Investitionen dämpfen, Lieferketten stören und das Produktivitätswachstum hemmen“, warnt der IWF. [Quelle: IMF World Economic Outlook]
Kommentar: Warum China an einer KI-Mensch-Fusion arbeitet
von Bernhard Seyringer
China beschleunigt die Entwicklung des Industriesektors „Künstliche Intelligenz“ seit Sommer dieses Jahres deutlich und will damit auch den Handelskrieg mit dem Westen gewinnen. Ein wesentlicher Bestandteil der Strategie ist das Streben nach einer funktionierenden Schnittstelle zwischen KI und Neurowissenschaften.
💡 Mitten im verlorenen Jahrzehnt. Die österreichische Wirtschaft wird laut aktueller Wifo-Prognose 2025 nur schwach um 0,3 % wachsen. Für 2026 beschleunigt sich das Wachstum auf 1,1 %. Während in den 1990er- und 2000er-Jahren ein stabiles jährliches BIP-Wachstum von 2 bis 3 % üblich war, sinkt es nun – bedingt durch hohe Energiepreise, steigende Lohnstückkosten und strukturelle Herausforderungen – auch mittelfristig deutlich ab. Bis 2030 rechnet das Wifo im Schnitt mit jährlichen Zuwächsen von 1,1 %, was noch unter dem Euroraum-Trend liegt. „Niedrige Investitionen, schwaches Wachstum der Beschäftigung und geringe Dynamik bei der Produktivität ergeben eine langfristige Wachstumsrate des Trendoutputs von gerade einmal 0,7 % bis 0,8 % pro Jahr“, so Wifo-Chef Gabriel Felbermayr. [Quellen: Statistik Austria, Wifo | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Sparpläne in Wien und Salzburg. Wien will 2 Mrd. Euro einsparen und das Defizit so auf 2,65 Mrd. Euro drücken. Der Schuldenstand steigt bis Ende 2026 von 14,9 Mrd. Euro auf 17,5 Mrd. Euro. Gespart wird vor allem bei der Mindestsicherung, Förderungen und durch die Verschiebung von Bauprojekten. Gebührenerhöhungen und höhere Dividendenausschüttungen der Stadtwerke und der Wien Holding sollen zusätzliche Einnahmen bringen. Wien will das Budget Mitte Dezember beschließen. In Salzburg haben sich ÖVP und FPÖ bereits auf ein Budget für 2026 geeinigt. Die Neuverschuldung wird allerdings höher liegen als die angepeilten 350 Mio. Euro. Dafür müssten zusätzlich 37 Mio. Euro im laufenden Bezug gespart werden – ein Delta, das „im Sinne des Wohlfahrtsstaats“ nicht zu schließen sei. Gespart wird u. a. mit einer Nulllohnrunde für Politiker, bei der Wohnbauförderung und beim Ausbau der Kinderbetreuung, Community Nurses werden abgeschafft und Verkehrsprojekte teils verschoben. Bis 2030 soll der Schuldenstand durch mittelfristige Maßnahmen auf 3 Mrd. Euro gedrückt werden – ohne Maßnahmen wären es 4,4 Mrd. Euro. [Quellen: Wien I, Wien II, Salzburg]
🇦🇹 Stromverbrauch zu 94 % aus Erneuerbaren. Im Vorjahr wurden 94 % des Inlandstromverbrauchs durch erneuerbaren Strom gedeckt. Die Stromerzeugung aus Wasserkraftwerken legte von 2023 auf 2024 um 10,9 % zu, jene aus Windkraftwerken um 15,2 % und aus Photovoltaik sogar um 47,4 %. Insgesamt wurde im Vorjahr eine Bruttostromerzeugung von 70.861 GWh erzielt. E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch mahnt jedoch: „Man darf nicht vergessen, dass der enorme Ausbau der Erneuerbaren auch zu Problemen am Markt geführt hat. Einerseits bedarf es eines nicht unbeträchtlichen zusätzlichen Investitionsaufwands beim Netzausbau, und andererseits hat man speziell im Sommer ein Überangebot an Strom mit negativen Preisen am Markt.“ [Quellen: E-Control – Aussendung, EAG-Monitoringbericht 2025]
🇦🇹 Fertigteilbranche pessimistisch, nur im Hochbau Zuversicht. In Österreichs Betonfertigteilbranche bleibt die Stimmung pessimistisch. In einer Umfrage meldeten zwar 20 % der Betriebe für das 1. Halbjahr im Jahresabstand gestiegene Umsätze – ein Drittel berichtet jedoch weiterhin von Umsatzrückgängen. Die Umsatzsteigerungen werden mehrheitlich auf neu gewonnene Kunden zurückgeführt. Für das 2. Halbjahr erwartet noch immer mehr als die Hälfte sinkende Umsätze. Besonders schlecht ist die Stimmung im Wohnbau, aber auch im Tief- und Straßenbau sowie Gewerbe- und Industriebau melden 40 % der Unternehmen Umsatzrückgänge. Einzig im Hochbau gehen zwei Drittel von einer positiven Entwicklung für 2025 aus. [Quelle: VÖB]
🇦🇹 Weniger Immo-Käufe, höhere Preise. Laut einer aktuellen Analyse sind die Immobilienkäufe in Österreich im 1. Halbjahr 2025 im Jahresabstand um 5 % gesunken, die Preise aber um 3,8 % gestiegen. Die Nachfrage ist vor allem in der Steiermark (-15 %), Kärnten (-12 %) und in Oberösterreich (-9 %) zurückgegangen, während sie in Vorarlberg und Salzburg robust blieb. Wien ist bei den Käufen ein Ausreißer mit +17 % – getrieben vor allem durch institutionelle Anleger. Der aufgrund hoher Kosten eingebrochene Wohnungsneubau sei Preistreiber. [Quelle: ImmoMarktAnalyse]
🇪🇺 Europas Industrie leidet unter Chinas Exportkontrollen. Die chinesischen Exportkontrollen für seltene Erden machen der europäischen Industrie zu schaffen. Laut EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič klagen Unternehmen über Planungsunsicherheiten – insbesondere Autohersteller. China hatte vergangene Woche eine Ausweitung der Exportkontrollen angekündigt. Heute soll die Lage auch von den G7-Finanzministern besprochen werden und Anfang kommender Woche ist eine Videokonferenz mit dem chinesischen Handelsminister geplant. [Quelle: EU-Kommission]
🇩🇪 „Anhaltende Wachstumsschwäche“ im 3. Quartal. Das deutsche Wirtschaftsministerium sieht noch keine Anzeichen auf wirtschaftliche Erholung. Vor allem von den außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen würde weiterhin „eine deutliche Dämpfung“ ausgehen. Die Produktion ging zuletzt auf „breiter Front der industriellen Wirtschaftszweige zurück“. Laut einer Analyse des ZEW ist die deutsche Industrieproduktion der energieintensiven Branchen zwischen 2022 und 2025 um ein Fünftel zurückgegangen. Durch die Energiekrise sei die „industrielle Basis ein Stück weit verloren“ gegangen. „Deutschland hat in den zurückliegenden Jahren eine erratische und kostspielige Energiepolitik betrieben“, kritisiert Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage ist laut ZEW im Oktober weiter um 3,6 Punkte auf -80,0 Zähler gesunken, die Erwartungen sind jedoch um 2,0 Punkte auf 39,3 Zähler gestiegen. [Quellen: Bundeswirtschaftsministerium, ZEW I, ZEW II, Stiftung Familienunternehmen]
🇩🇪 Inflation im September bei 2,4 %. Die deutschen Verbraucherpreise sind im September im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,4 % gestiegen. Im Monatsabstand ergibt sich ein Plus von 0,2 %. Die Schnellschätzungen wurden damit bestätigt. „Die Preise für Dienstleistungen stiegen weiterhin überdurchschnittlich (+3,4 %). Zudem hat sich der Preisrückgang bei Energie weiter deutlich abgeschwächt und wirkte weniger inflationsdämpfend als in der jüngeren Vergangenheit“, so die Präsidentin des Statistischen Bundesamts, Ruth Brand. [Quelle: Destatis]
🇫🇷 Frankreich will nächstes Jahr 30 Mrd. Euro einsparen. Der französische Premierminister Sébastien Lecornu hat um Unterstützung für seinen Budgetentwurf für 2026 geworben, der Einsparungen i. H. v. 30 Mrd. Euro vorsieht. Die angestrebte Pensionsreform will Lecornu bis zur nächsten Präsidentschaftswahl aussetzen, um sich die Unterstützung der sozialistischen Abgeordneten zu sichern. Weiters will der Premier „die Einführung einer Sonderabgabe für große Vermögen beantragen, die wir zur Finanzierung von Investitionen in die Zukunft verwenden möchten“. [Quellen: Franz. Regierung, Reuters I, Reuters II, Le Monde]
🌐 IEA erwartet 2026 deutliches Öl-Überangebot. Die internationale Energieagentur (IEA) erwartet für nächstes Jahr ein Rohöl-Überangebot von bis zu 4 Mio. Fässern pro Tag. Die Opec+ und weitere Staaten wollen ihre Produktion ausweiten, die Nachfrage soll aufgrund eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds und verstärkter Elektrifizierung im Verkehrssektor jedoch nicht so stark wachsen. [Quellen: IEA Monatsbericht Oktober, Reuters]
🌐 UN-Ziel für Erneuerbaren-Ausbau dürfte verfehlt werden. 2023 wurde auf der UN-Klimakonferenz bis 2030 das Ziel vereinbart, die globale Leistung aus erneuerbaren Energien auf 11,2 Terawatt zu verdreifachen. 2024 gelang ein Plus von 15 % mit einer neu installierten Leistung von 582 Gigawatt – notwendig wären nun aber ab sofort ein jährlicher Ausbau von 1.122 Gigawatt. [Quelle: Irena]
Selektive Agenda:
Heute, Brüssel: Verteidigungsministerin Tanner beim Rat „Auswärtige Angelegenheiten“ (Verteidigung) [Info]
Heute, Kampala, Uganda: Außenministerin Meinl-Reisinger in Uganda. Teilnahme am Gipfeltreffen der Bewegung der Blockfreien Staaten (bis 16.10.)
Heute, Washington, USA: Notenbank-Gouverneur Kocher und Finanzminister Marterbauer beim Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankgouverneure im Rahmen der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank (bis 16.10.) [Info]
8:00 Uhr, Wien: Ministerrat [Info]
9:00 Uhr, Wien: Nationalratssitzung u. a. zu Stromkostenausgleich für die Industrie [Info]
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria gibt Baukostenindex für September bekannt.
10:00 Uhr, Wien: Bank Austria veröffentlicht den Konjunkturindikator für Oktober.
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat präsentiert Industrieproduktion in der Eurozone für August
14:45 Uhr, Washington, USA: Veröffentlichung „Fiscal Monitor“ im Rahmen der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank [Info]
20:00 Uhr, Washington, USA: Veröffentlichung Konjunkturbericht „Beige Book“ durch US-Notenbank Fed
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Wladimir Putin hat am Dienstag den 64-jährigen Diplomaten Andrej Grosow zum neuen Botschafter der Russischen Föderation in Österreich ernannt. Vivienne Nieuwenhuizen ist die neue Geschäftsführerin des DMVÖ. Peter Reichmann folgt ab 23. Oktober auf Sara Schaar als neuer Landesrat in der Kärntner Landesregierung. Peter Weichbold wird ab 2026 neuer Geschäftsführer der Planai-Hochwurzen-Bahnen. Andrej Grosow wurde zum neuen russischen Botschafter in Österreich ernannt.
Geburtstage: Wir gratulieren Heimo Scheuch, Michael Köhlmeier und Andreas Ivanschitz zum Geburtstag!
Sehen & gesehen werden:
18:00 Uhr, Wien: Das Magazin profil verleiht den „zeig profil“-Award im Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste [invite only]
18:00 Uhr, Wien: Exklusives Afterwork #TheREAL100 No. 15 mit Gerhard Zeilinger im KPMG Headquarter [invite only]
18:00 Uhr, Wien: Jubiläumsfeier „20 Jahre Restaurant Michls“ u. a. mit Michael Häupl im Cafe-Restaurant Michls [Info]
18:30 Uhr, Wien: Galaabend „15. Vienna Awards for Fashion and Lifestyle“ in der Hofburg [invite only, Info]
19:00 Uhr, Wien: Verleihung des „Diversitätspreises Spektrum“ der Industriellenvereinigung im Haus der Industrie. [invite ony]
19:00 Uhr, Wien: Verleihung des „Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch“ an Richard Cockett u. a. mit Michael Ludwig und Hannes Swoboda im Wiener Rathaus [Info]
19:00 Uhr, Innsbruck: Buchpräsentation „Frontlinien – 25 Jahre zwischen Krisen, Krieg und Hoffnung“ von Christian Wehrschütz in der Buchhandlung Tyrolia Buch Papier Innsbruck [Info]