Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig, Stephan Frank und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
Pensionssystem. In einer Analyse internationaler Pensionssysteme durch das Beratungsunternehmen Mercer landete Österreich in der Kategorie „Nachhaltigkeit“ auf Platz 48 von 48. Im Gesamtindex erzielte das österreichische Pensionssystem wie bereits 2023 Platz 40, 2022 war es noch Platz 33. Zur Verbesserung der Finanzierbarkeit des heimischen Pensionssystems wird u.a. eine Erhöhung der Beschäftigungsquote Älterer vorgeschlagen. Österreich habe durch die aktuellen Krisen mehr an Wohlstand verloren als Deutschland, mahnte indes gestern Statistik-Austria-Chef Tobias Thomas im Club der Wirtschaftspublizisten. Die lange Rezession und strukturellen Probleme würden jetzt den Handlungsspielraum für die Politik einschränken. [Quelle: Medienberichte, Mercer Global Pension Index]
Kommentar: Kapitalistisches Unternehmertum ist der wichtigste Sozialmotor
von Martin Rhonheimer
Sozialunternehmen sind mit unternehmerischen Methoden realisierte zivilgesellschaftliche Initiativen, wie man sie sich – und das ist entscheidend – überhaupt nur in einer Gesellschaft, die bereits im Wohlstand lebt, leisten kann. Sie schöpfen aus den Ressourcen der Wohlstandsgesellschaft, sind also sozusagen ein Luxusprodukt, das vom Überfluss lebt, der in einer solchen Gesellschaft von der „echten“, kapitalistischen Wirtschaft geschaffen wird. Zudem lösen sie Probleme, die überhaupt erst in einer Wohlstandsgesellschaft als „soziale“ Probleme wahrgenommen werden. Denn gibt es den kollektiven Reichtum der Wohlstandsgesellschaft nicht, ist die gesamte Gesellschaft ein „soziales Problem“.
Grafik (von Christoph Hofer): Österreichweit befindet sich die Wohnbautätigkeit auf einem Zehn-Jahres-Tiefpunkt. 10.672 Baubewilligungen für Wohnungen im 2. Quartal 2024 bedeuten einen Rückgang der Bautätigkeit im Vergleich zum Vorjahresquartal um 17,86 Prozent. In den Spitzenjahren 2017 oder 2019 gab es knapp doppelt so viele Baubewilligungen.

Regierungsverhandlungen. ÖVP-Chef Karl Nehammer erteilte einer möglichen Koalition mit der FPÖ unter Herbert Kickl nach einem Gespräch gestern erneut eine deutliche Absage. Der Auftrag zu diesem und weiteren Gesprächen kam von Bundespräsident Alexander Van der Bellen – einen Regierungsbildungsauftrag gab es bisher noch nicht. Heute sind Nehammer und SPÖ-Chef Andreas Babler dran, morgen Babler und Kickl. SPÖ und ÖVP sollen sich zudem auch mit NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger austauschen. Am Freitag werden FPÖ, ÖVP und SPÖ Van der Bellen Bericht erstatten. [Quelle: Medienberichte; Pressekonferenz]
Baukosten erhöht. Trotz leichtem Baukostenrückgang im Vergleich zum Vormonat August stiegen die Kosten für Wohnhaus- und Siedlungsbau im Jahresabstand um vier Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2020 sind die Baukosten um 28,2 Prozent gestiegen. Die Baukosten stellen jene Kosten dar, die den Bauunternehmen bei der Ausführung von Bauleistungen entstehen; die Baupreise die tatsächlichen Preise, die von den Bauherren für die jeweiligen Bauleistungen zu bezahlen sind. [Quelle: Statistik Austria]
Schuldenstand Salzburg. Die Salzburger Landesregierung hat das Budget für 2025 präsentiert, insgesamt muss das Bundesland 475 Mio. Euro neue Schulden aufnehmen. Vor allem Kosten im Gesundheits- und Pflegebereich sind stark angestiegen. Damit die Schulden in den kommenden Jahren nicht weiter massiv ansteigen, hat die schwarz-blaue Landesregierung einen Budget-Fahrplan festgelegt: 2026 soll die Neuverschuldung maximal 350 Mio. Euro, 2027 maximal 250 Mio. Euro, 2028 maximal 150 Mio. Euro und 2029 maximal 100 Mio. Euro betragen. [Quelle: Salzburger Landesregierung]
Windräder auf Bergen und Almen. In Kärnten wird am 12. Jänner 2025 eine Volksbefragung zum Thema Windkraft durchgeführt. Nachdem die ursprüngliche Fragestellung vom zuständigen Leiter der Verfassungsabteilung als tendenziös eingestuft worden war, lautet sie nun: „Soll zum Schutz der Kärntner Natur (einschließlich des Landschaftsbildes) die Errichtung weiterer Windkraftanlagen auf Bergen und Almen in Kärnten landesgesetzlich verboten werden?“. Die Kosten liegen laut Landesregierung bei 500.000 bis 600.000 Euro. [Quelle: Land Kärnten]
Entwicklung erneuerbarer Energie. Aufgrund des gesunkenen Inlandstromverbrauchs und der gestiegenen Stromerzeugung konnten im Vorjahr 92 Prozent des Inlandstromverbrauchs durch erneuerbaren Strom gedeckt werden. 140.000 neue Photovoltaik-Anlagen gingen 2023 ans Netz. Somit ist Österreich dem Ziel von 100 Prozent Erneuerbarem Strom für das Jahr 2030 bereits jetzt sehr nahe. Ganz ohne Gaskraftwerke kommt Österreich aber vor allem in den Wintermonaten weiterhin nicht aus. [Quelle: Pressekonferenz, Bericht E-Control]
AK-Wohlstandsbericht. Die Arbeiterkammer sieht den Wohlstand in Österreich gefährdet. Von fünf Analyse-Kapiteln des „Wohlstandsberichts“ würde es nur im Umwelt-Kapitel Verbesserungen geben. Die AK möchte, dass zukünftig 1,5 Prozent des BIP in Klimapolitik investiert werden. Außerdem ortet sie „erheblichen Finanzierungsspielraum“ bei der heimischen „Vermögenskonzentration“. [Quelle: AK-Wohlstandsbericht, Pressekonferenz AK]
Keine Aussicht auf Wachstum. Die Konjunktur in Österreich dürfte sich laut Bank-Austria-Konjunkturindikator kurzfristig nicht erholen. Zwar stieg der Indikator-Wert im September geringfügig, aber er ist mit minus 2,4 Punkten immer noch im negativen Bereich und signalisiert damit keine Aussicht auf Wirtschaftswachstum. Vor allem die Industrie und der Bausektor werden weiterhin mit schlechten Voraussetzungen zu kämpfen haben. [Quelle: Bank Austria Konjunkturbarometer]
Rezession dämpft Kreditnachfrage. Die Nachfrage nach Firmenkrediten hat sich in der Eurozone moderat erhöht. Für das vierte Quartal rechnet die EZB mit einer weiter steigenden Nachfrage. Dieser Trend ist in Österreich nicht zu beobachten: Seit zwei Jahren sinkt die Nachfrage nach Unternehmenskrediten, v.a. aufgrund der anhaltenden Rezession. Die Nachfrage der privaten Haushalte nach Wohnbaukrediten steigt in Österreich seit Jahresbeginn jedoch wieder leicht an – das historische Tief bei Wohnbaukrediten dürfte somit durchschritten worden sein. [Quellen: OeNB, EZB]
Industrie im Euroraum. Im August steigerte die Industrie im Euroraum ihre Produktion im Monatsvergleich um 1,8 Prozent – stärker als erwartet wurde. Zuwachs gab es vor allem bei Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen (+ 3,7 Prozent). Auch im Jahresvergleich gab es einen leichten Anstieg der Industrieproduktion um 0,1 Prozent. Noch im Juli hatten die Unternehmen ihre Produktion um 0,5 Prozent zurückgefahren. [Quelle: Eurostat]
EU-Beitrittsverhandlungen. Gestern haben die inhaltlichen Verhandlungen zum EU-Beitritt Albaniens begonnen. Vertreter der EU und Albaniens trafen sich zu Gesprächen in Luxemburg – Thema u.a.: Rechtsstaatlichkeit in Albanien. Der albanische Regierungschef Edi Rama will sein Land bis 2030 in die EU führen. [Quelle: Rat der Europäischen Union]
Klimakonferenz. Die EU-Umweltminister haben sich auf eine gemeinsame Position für die Klimakonferenz COP29 in Baku (ab 11.11.) geeinigt: Verdreifachung der weltweiten Kapazität an erneuerbaren Energien und Verdoppelung der durchschnittlichen jährlichen Energieeffizienz bis 2030 sowie Ausbau emissionsfreier und -armer Technologien. [Quelle: Rat der Europäischen Union]
Selektive Agenda:
Wien: Gespräche zwischen ÖVP und SPÖ sowie ÖVP und NEOS
9:00 Uhr, Wien: Bundeskanzler Nehammer und EU- und Verfassungsministerin Edtstadler beim EU-Hauptausschuss im Parlament zum EU-Gipfel am 17. und 18. Oktober
12:00 Uhr, Brüssel: Außenminister Schallenberg beim Gipfeltreffen zwischen der EU und dem Golf-Kooperationsrat
12:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission präsentiert Erweiterungspaket 2024
Ganztägig, Prag: Nationalratspräsident Sobotka in Tschechien. Treffen mit der Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses der Tschechischen Republik Markéta Pekarová Adamová
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Thomas Eck wird bei der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) Vorstand für Produktion, IT und Finanzen, nachdem Martin Prieler das Unternehmen verlassen hat. Laurenz Ketzer leitet ab sofort das Business Development der DELTA Gruppe in Österreich. Verfassungsrichter Helmut Hörtenhuber legt sein Amt mit Jahresende 2024 zurück; die Stelle wird ausgeschrieben, das Vorschlagsrecht für die Nachbesetzung liegt dann bei der Bundesregierung. Lukas Brucker wird neben Michael Stumpf Landesparteisekretär der Wiener FPÖ.
Geburtstage: Wir gratulieren Nikolaus Scherak, Philipp Hochmair und Berivan Aslan zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
Heute (bis 17.10.), 11 Uhr, Salzburg: Energietechnik-Tagung des Österr. Verbands für Elektrotechnik (OVE) im Imlauer Hotel Pitter. [Info]
Heute, 15:00 Uhr, Wien: Klimaschutzministerium und Klima- und Energiefonds verleihen den 1. Staatspreis für Klimawandelanpassung (CliA) im MQ Libelle. [Info]
Heute, 17:00 Uhr, Mattersburg: Die Wirtschaftskammer Burgenland lädt zur Podiumsdiskussion „Der Mangel als Chance“ ins Kulturzentrum Mattersburg u.a. mit WK-Präsident Andreas Wirth, Zukunftsinstitut-Geschäftsführer Harry Gatterer, Deloitte-Direktorin Anna Hundstorfer. [Info]