Morning in Brief ・ 16.10.2025

Morning in Brief, 16. Oktober 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Christoph Hofer, Maximilian Kern, Sara Grasel und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Wirtschaftsstimmung in allen Sektoren verschlechtert. Der Konjunkturindikator der UniCredit Bank Austria ist im September um 0,8 Zähler auf -2,2 Punkte gesunken, der niedrigste Wert seit März. Die Stimmung hat sich dabei in allen Wirtschaftssektoren verschlechtert, in der heimischen Industrie sank sie auf den tiefsten Wert des laufenden Jahres. Die Konsumentenstimmung ist auf den tiefsten Stand seit 6 Monaten gefallen und hat damit am stärksten zum Rückgang des Konjunkturindikators beigetragen. „Mit Beginn des Herbsts kam es in allen Wirtschaftssektoren zu einer Verschlechterung der Stimmung. Insbesondere in der heimischen Industrie und im Dienstleistungssektor nahmen die Konjunktursorgen deutlich zu“, analysiert Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer. [Quellen: Bank Austria, Bruckbauer auf Bluesky]

„Zwei-Prozent-Inflationsziel nur mit Schmerzen erreichbar“
Interview mit Alexander Pröll

Als „Riesenerfolg“ sieht Staatssekretär Alexander Pröll den Gehaltsabschluss im Öffentlichen Dienst. 310 Mio. Euro spare sich der Bund dadurch 2026 und man bleibe auf Kurs des Zwei-Prozent-Inflationsziels. Auch mit der unterinflationären Pensionserhöhung für 2026 habe die Regierung Mut zu schmerzhaften Schritten bewiesen. Bei der Digitalisierung soll Europa vermehrt auf Eigenständigkeit setzen. „Wir müssen unsere eigenen Daten- und Rechenzentren haben, mit eigenem Strom und mit Hyperscalern aus den USA zusammenarbeiten.“ Auch wenn man in der Dreierkoalition „ideologisch aus komplett unterschiedlichen Welten“ komme, funktioniere der „Maschinenraum“ der Koalition bisher gut, so Pröll.

💡 Werbeausgaben der Bundesregierung stark rückläufig. Im 1. Halbjahr 2025 sanken die Werbeausgaben der Bundesregierung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,5 Mio. Euro. In den Bundesländern betrug der Rückgang hingegen nur etwa 600.000 Euro. Wien, das Bundesland mit dem höchsten Werbeetat, verzeichnete einen leichten Anstieg von 100.000 Euro. Die Arbeiterkammer (AK) reduzierte ihre Werbeausgaben von 7,7 Mio. Euro auf 3,4 Mio. Euro, während die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) einen Rückgang um 1,4 Mio. Euro verzeichnete. [Quelle: KommAustria | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Nächstes Jahr Budgetdefizit von 4,2 % erwartet. Das Finanzministerium hat gestern im Rahmen des ÜD-Verfahrens seinen Bericht zur gesamtstaatlichen Haushaltssituation an die EU-Kommission übermittelt. Demnach wird das gesamtstaatliche Defizit nächstes Jahr 4,2 % betragen, nach 4,5 % im heurigen Jahr. Im kommenden Jahr wird der Bund mit 3,2 % Defizit besser als erwartet abschneiden – Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen hingegen mit 0,9 % um 0,2 Prozentpunkte schlechter als zuvor erwartet. „Wenn bei Ländern und Gemeinden immer höhere Defizite anfallen, ist das ein Alarmzeichen“, warnt Deregulierungsstaatssekretär Sepp Schellhorn. „Insgesamt läuft die Budgetsanierung nach Plan“, hält Finanzminister Markus Marterbauer fest. [Quellen: BMF, Marterbauer auf Bluesky]

🇦🇹 Bahn-KV steigt durchschnittlich um 2,7 %. Die Verhandlungen zum Kollektivvertrag in der Eisenbahn-Branche bringen den 55.000 Beschäftigten eine Erhöhung der KV- und Ist-Gehälter um 3 % bzw. maximal 150 Euro. In der letzten Gehaltsstufe entspricht das 1,07 %, im Schnitt ergibt sich ein Plus von 2,7 %. Nebenbezüge werden um 3 % erhöht, die Sonn- und Feiertagszulage um 8,36 %. Ab dem 15. Jahr der Unternehmenszugehörigkeit gibt es 3 zusätzliche Urlaubstage, die 6. Urlaubswoche wird ab dem 18. Jahr Zugehörigkeit zuerkannt. Der KV tritt mit Dezember 2025 in Kraft. Die Sozialpartner zeigen sich mit dem Abschluss zufrieden, die Arbeitgeberseite schließt aber für nächstes Jahr einen Abschluss unter der Inflationsrate nicht aus. [Quellen: ÖGB, WKÖ]

🇦🇹 Baukosten im Monatsabstand gesunken. Die Kosten für Wohnhaus- und Siedlungsbau sind im September im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,6 % gestiegen. Im Monatsabstand sanken die Preise hingegen um 0,2 %. Der Index für Straßenbau lag im September im Vorjahresvergleich um 0,4 % höher und im Monatsabstand um 0,3 % niedriger. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 „Verfahrensturbo“ in der Verwaltung beschlossen. Die Regierung hat am Mittwoch im Ministerrat die Reform des Allgemeinen Verwaltungsverfahrensgesetzes (AVG) beschlossen. Durch diesen „Verfahrensturbo“ sollen Großverfahren künftig schneller und effizienter abgewickelt werden können. Die Reform bringt u. a. digitale Ediktsveröffentlichungen, reduziert die Schwelle für Großverfahren von 100 auf 50 Beteiligte und ermöglicht das Abschließen von Teilbereichen der Verfahren. Die Reform soll im November im Nationalrat beschlossen werden. [Quelle: Bundeskanzleramt | Reaktionen: IV, WKÖ]

🇦🇹 Startschuss für Hochschulstrategie 2040. Der Ministerrat brachte weiters den Startschuss für die Hochschulstrategie 2040. Nächstes Jahr soll diese mit Beteiligten aus unterschiedlichen Sektoren ausgearbeitet und 2027 dann präsentiert werden. Laut Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner soll die Hochschulstrategie 3 Schwerpunkte haben: Hochschulen sollen erstens Orte gelebter Demokratie und zweitens der Chancengerechtigkeit sein, sowie drittens als Motoren für Innovation und Fortschritt fungieren. [Quelle: Pressefoyer nach dem Ministerrat | Reaktionen: IV, WKÖ]

Kommentar: Japans Aufbruch in die Moderne begann auch in Wien
ZeitGeschichten von Gerhard Jelinek

Am vergangenen Montag schloss die EXPO 2025 in Osaka ihre vielen Pforten. Nach anfänglichen Problemen wurde die Weltausstellung doch noch ein Publikumserfolg. Vor ziemlich genau 152 Jahren besuchte eine kleine japanische Abordnung die Wiener Weltausstellung im Prater.

🇪🇺 Deutlicher Rückgang der Industrieproduktion im August. Im August 2025 sank die Industrieproduktion in der Eurozone im Vergleich zum Vormonat Juli um 1,2 % und in der EU um 1,0 %. In Deutschland (-5,2 %) und Österreich (-3,1 %) brach diese besonders stark ein. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnen Eurozone und EU jeweils einen Anstieg um 1,1 %. In Deutschland sind die Vorzeichen auch im Jahresvergleich negativ (-4,6 %), während Österreich leicht zulegen konnte (+0,3 %). [Quelle: Eurostat]

🇩🇪 Kfz-Steuerbefreiung für E-Autos verlängert. Die Kfz-Steuerbefreiung für reine Elektrofahrzeuge wird in Deutschland um 5 Jahre verlängert. Neuzulassungen und Umrüstungen bleiben damit bis Ende 2030 steuerfrei. Die Steuerbefreiung gilt für maximal 10 Jahre, endet jedoch spätestens am 31. Dezember 2035. Finanzminister Lars Klingbeil sieht darin einen wichtigen Anreiz für den Umstieg auf E-Autos und eine Unterstützung der Automobilindustrie. Dem Bundeshaushalt entgehen dadurch voraussichtlich zwischen 50 Mio. Euro im Jahr 2026 und 380 Mio. Euro im Jahr 2030. [Quelle: Deutsches Finanzministerium]

🌐 Absatz von E-Autos auf neuem monatlichen Allzeithoch. Der weltweite Absatz von Elektroautos stieg im September 2025 auf 2,1 Mio. Fahrzeuge – ein neuer Monatsrekord. Im Jahresverlauf bis September wurden insgesamt 14,7 Mio. Elektroautos verkauft, ein Plus von 26 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. China bleibt mit 9 Mio. Einheiten (+24 %) der größte Markt, gefolgt von Europa mit 3 Mio. (+32 %) und Nordamerika mit 1,5 Mio. (+11 %). In Europa sorgten Förderprogramme in Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien für starke Zuwächse. In den USA führte das Auslaufen der Steuergutschriften Ende September zu einem Nachfrageanstieg, gefolgt von einem erwarteten Nachfragerückgang im 4. Quartal. [Quelle: Rho Motion]

🌐 Weltweite Staatsverschuldung könnte 100 % des BIP übersteigen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert bis 2029 einen Anstieg der globalen Staatsverschuldung auf über 100 % der weltweiten Wirtschaftsleistung. Im Extremfall könnte die weltweite Staatsverschuldung sogar auf 124 % des BIP steigen. Das globale Wirtschaftswachstum bleibt laut IWF in den nächsten Jahren verhalten, während die ohnehin hohe Staatsverschuldung weiter ansteigt und öffentliche Finanzen durch steigende Verteidigungsausgaben, alternde Bevölkerungen und höhere Zinssätze belastet werden. Der IWF ortet hierbei „substanzielles“ Potenzial für Reformen und empfiehlt eine „strategische Umverteilung der Ressourcen“ in Richtung Humankapital, Infrastruktur sowie Forschung und Entwicklung. [Quelle: IMF Fiscal Monitor]

🌐 Aussicht auf Zinssenkung bringt erneut Goldpreis-Rekord. Bereits eine Woche nach Durchbrechen der 4.000-Dollar-Schwelle hat der Preis für eine Feinunze Gold die 4.200-Dollar-Marke erreicht. US-Notenbank-Präsident Jerome Powell hat in einer Rede auf den schwächeren US-Arbeitsmarkt verwiesen, was als Signal für eine weitere Zinssenkung aufgenommen wurde. Der Goldpreis hat in US-Dollar gemessen seit Jahresbeginn bereits um 60 % zugelegt. „Das Erreichen der 5.000-Dollar-Marke scheint mittel- bis langfristig nicht unmöglich zu sein“, so der Analyst Ricardo Evangelista gegenüber Reuters. [Quellen: Goldpreis via Tradingview, Federal Reserve, Reuters | Grafik: Goldpreisentwicklung seit 2000]

Selektive Agenda:

Heute, Washington, USA: Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankgouverneure im Rahmen der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank u. a. mit Notenbank-Gouverneur Kocher und Finanzminister Marterbauer (letzter Tag) [Info]

9:00 Uhr, Wien: Nationalratssitzung u. a. zu Weiterbildungsbeihilfe, Trinkgeldregelung und Pensionsanpassung 2026 [Info]

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht IKT-Einsatz in Unternehmen 2025

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat gibt EU-Handelsbilanz für August bekannt.

12:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission präsentiert Roadmap für Verteidigung sowie Vision vor COP30

15:15 Uhr, Washington, USA: Bekanntgabe US-Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung für September durch US-Notenbank Fed

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Nikolaus Stampfer wird Stadtparteiobmann der ÖVP Stadt Salzburg. Konrad Bauer wird Wirtschaftskammer-Vizepräsident in Wien. Harald Thau ist neuer FPÖ-Bezirksparteiobmann in Mödling. Maximilian Kern ist neuer Redakteur bei Selektiv.

Geburtstage: Wir gratulieren Berivan Aslan, Philipp Hochmair und Nikolaus Scherak zum Geburtstag.

Neuerscheinung: „Sich selbst treu bleiben“ von Karl Nehammer ab heute im Handel erhältlich [Info]

Sehen & gesehen werden:

19:00 Uhr, Wien: Eröffnung der Viennale 2025 mit „Miroirs No. 3“ von Viennale-Präsident Christian Petzold [invite only, Info]

Sie haben diesen Newsletter weitergeleitet bekommen?