Morning in Brief ・ 17.12.2025

Morning in Brief, 17. Dezember 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern, Sara Grasel und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇪🇺 EU-Kommission legt Aus für Verbrenner-Aus vor. Die EU-Kommission hat gestern ein Automotive-Paket vorgelegt, mit dem auch das Ende des Verbrenner-Verbots besiegelt wird. Konkret liegt das Reduktionsziel von CO2-Emissionen bei Autos 2035 gemäß dem Vorschlag bei 90 %, statt 100 %, was einem Quasi-Verbot von Verbrennern entsprochen hätte. Dadurch soll ein Spielraum für Hybride und alternative Kraftstoffe wie E-Fuels geschaffen werden. Die verbleibenden 10 % können auch durch Verwendung von grünem Stahl aus der EU kompensiert werden. Für Transporter wird das Ziel von 50 % auf 40 % abgesenkt. „Made in the EU“ soll zu einer Förderbedingung bei elektrischen Unternehmensfahrzeugen werden und für kleine E-Autos werden neue Fördermöglichkeiten geschaffen. Für große Unternehmen sollen national geregelte Quoten für E-Autos eingeführt werden. EU-Parlament und EU-Rat müssen den Vorschlägen noch zustimmen. Das Paket sei keine Abkehr von der E-Mobilität – die Transformation dorthin sei aber nicht so schnell möglich, weshalb das eine gute Lösung sei, kommentierte Automobil-Importeure-Sprecher Günther Kerle in der ZIB2. [Quellen: EU-KommissionQ&A, ZIB2 | Reaktionen: WKÖGrüneBundesverband Elektromobilität Österreich, Automobilimporteure]

Kommentar: Artificial Inflation – der wahre Preis des KI-Booms
von Laura Raggl

Etwa ein Drittel des europäischen Risikokapitals fließt derzeit in KI und DeepTech Startups. In den USA liegt der Anteil mit über 35 % sogar noch höher. Die europäische Tech-Wirtschaft erreicht damit eine geschätzte Wertschöpfung von rund 4 Billionen US-Dollar, knapp 15 % der gesamten Wirtschaftsleistung Europas. Das klingt weniger nach Nische und mehr nach dem neuen Fundament der europäischen Wirtschaft. Doch mit dem Boom steigen auch die Erwartungen.

💡 60 % der Auto-Neuzulassungen mit alternativen Antrieben. Seit 2020 hat sich der Anteil der Elektro- und Hybridautos an den Pkw-Neuzulassungen von 20 auf 60 % verdreifacht. Im laufenden Jahr waren 39 % Hybridfahrzeuge und 21 % Elektroautos, während der Anteil von Benzinern auf 28 % und jener von Diesel-Pkw auf 12 % zurückgegangen ist. Beim Pkw-Gesamtbestand dominieren klassische Verbrenner jedoch weiterhin, Hybride kommen hier nur auf 8,1 % Bestandsanteil und Elektroautos auf 4,7 %. [Quelle: Statistik Austria | Grafik von Stephan Frank]

🇦🇹 Senkung der Elektrizitätsabgabe beschlossen. Der Nationalrat hat in seiner gestrigen Sondersitzung das Elektrizitätsabgabegesetz geändert, womit die Elektrizitätsabgabe von 31. Dezember 2025 bis 1. Jänner 2027 für Haushalte auf 0,1 Cent/kWh und für Unternehmen auf 0,82 Cent/kWh gesenkt wird. Rund 50 Euro soll sich ein durchschnittlicher Haushalt so sparen. Oesterreichs Energie begrüßt die Senkung der Elektrizitätsabgabe, warnt dabei aber vor einem „Jo-Jo-Effekt“ bei der Inflation im Jahr 2027 und fordert die Reduktion der Abgaben ohne rigides zeitliches Ablaufdatum. Die Regierungsspitze will sich weiters an die EU-Kommission wenden, um eine Reform des Preissetzungsmechanismus am Strommarkt – der Merit-Order – anzustoßen. Österreich würde seinen Strombedarf bilanziell zu 90 % aus Erneuerbaren decken, habe aber „trotzdem einen viel zu hohen Strompreis“, so Bundeskanzler Stocker. Günstige erneuerbare Energie müsse sich auch in den Preisen widerspiegeln, so der Kanzler. [Quellen: Pressekonferenz, Parlamentskorrespondenz, BundeskanzleramtSondersitzungÄnderung des Elektrizitätsabgabegesetzes | Reaktionen: IV, WKÖ, ÖHV, FPÖ, Oesterreichs Energie | Interview mit Wolfgang Hattmannsdorfer | Grafik: Strompreis bleibt auf Rekordhoch]

🇦🇹 Österreichs Wirtschaft kehrt auf Wachstumspfad zurück. 2025 erreicht Österreich laut Raiffeisen Research nach zwei Rezessionsjahren wieder ein leichtes Wachstum (+0,5 %), getragen vor allem von staatlichem Konsum (+3 %). Private Haushalte sparen jedoch weiterhin stark und der Konsum sinkt real. Der starke Exportrückgang belastet die heimische Industrie. Die Wohnbauinvestitionen fallen 2025 bisher um 4 %, das ergibt ein Minus von 20 % seit 2022. Auch der Tourismus muss Verluste hinnehmen. 2026/27 soll dann ein moderates Wachstum der Gesamtwirtschaft folgen (1,0 bis 1,3 %), doch Österreich bleibt eines der EU-Schlusslichter. „Österreich wächst zwar wieder, aber die meisten anderen Euro- und EU-Länder wachsen schneller“, so Matthias Reith. Die Hoffnungen ruhen auf einem Anspringen des privaten Konsums. Ohne Stimmungs- und Reformwende (Standort, Pensionen) drohe jedoch langfristig 0 bis 1 % Wachstum als neue Normalität, verstärkt durch den Rückgang der Erwerbsbevölkerung ab 2028. [Quelle: Raiffeisen Research]

** (Anzeige) Industrie ist überall. 2026 feiert die Industriellenvereinigung ihr 80-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum ist Anlass, die zentrale Rolle der Industrie für Österreich sichtbar zu machen – damals wie heute. [Mehr Info]

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🇦🇹 Flat Tax für Pensionisten wird verschoben. Erst ab 1. Jänner 2027 soll für Zuverdienste von Pensionisten eine Flat Tax von 25 % gelten und damit ein Jahr später als ursprünglich gedacht. Als Überbrückung ist ein Freibetrag für Angestellte und Selbstständige von 15.000 Euro ab 1. Jänner 2026 geplant, berichten Presse und Salzburger Nachrichten. Der Beschluss soll heute im Ministerrat fallen. [Quellen: PresseSN

🇦🇹 170 Euro Freibetrag für 15 Überstunden. Die Koalitionsparteien haben sich auf eine Regelung zur Steuerbegünstigung von Überstunden geeinigt. Ab 2026 soll ein Freibetrag von 170 Euro für bis zu 15 Überstunden pro Monat gewährt werden. Weiters wird gesetzlich klargestellt, dass Sonn- und Feiertagsentgelt steuerfrei ist. Diese Regelung wurde in der gestrigen Nationalratssondersitzung per Initiativantrag eingebracht und soll im Jänner 2026 rückwirkend beschlossen werden. [Quelle: ÖVP Parlamentsklub| Reaktionen: WKÖ Tourismus, ÖAAB, Grüne, ÖGB]

🇦🇹 Burgenland will wegen Stromgesetz klagen. Teile des „Billigstromgesetzes“ ElWG könnten vom Land Burgenland vor den Verfassungsgerichtshof gebracht werden. Beanstandet wird eine Regelung, die bereits im Vorgängergesetz vorhanden ist und nach Ansicht Burgenlands und der Burgenland Energie mit dem ElWG hätte beseitigt werden müssen. Demnach trägt die Netzkosten großer Anlagen, wie etwa Wasserkraftwerke, ganz Österreich, weil sie ans Übertragungsnetz angeschlossen werden. Kleinere Anlagen werden ans Verteilnetz angeschlossen und die Kosten werden nur im konkreten Netzgebiet getragen – auch, wenn es sich, wie im Burgenland oder in Niederösterreich, um viele kleinere Anlagen handelt, die gemeinsam die gleiche Leistung erbringen wie große Wasserkraftwerke. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil mahnt eine faire Verteilung der Netzkosten ein. [Quellen: Land Burgenland, Burgenland Energie auf Nachfrage] 

🇦🇹 Diesel das 4. Jahr in Folge teurer als Benzin. Mit durchschnittlich 1,537 Euro pro Liter war Diesel im heurigen Jahr erneut teurer als Benzin mit 1,518 Euro pro Liter. Im Vergleich zum Vorjahr war Benzin um rund 5 Cent billiger, Diesel um rund 6 Cent. „An sich ist das eine erfreuliche Entwicklung – allerdings war Diesel damit das 4. Jahr in Folge teurer als Benzin. Der frühere Preisvorteil scheint damit endgültig dahin zu sein“, so die Einschätzung von ÖAMTC-Verkehrsexperten Dominik Graf. [Quelle: ÖAMTC]

🇪🇺 EU-Parlament verschärft Schutzklauseln im Mercosur Abkommen. Das EU-Parlament hat gestern mit 431 zu 161 Stimmen bei 70 Enthaltungen strengere Schutzklauseln zum EU-Mercosur-Abkommen beschlossen. Die Kommission soll künftig Untersuchungen einleiten, wenn die Einfuhren sensibler landwirtschaftlicher Produkte wie Rindfleisch über 3 Jahre durchschnittlich um mehr als 5 % steigen, wobei die Verfahren verkürzt werden sollen. Zudem spricht sich das Parlament für einen Gegenseitigkeitsmechanismus aus, der Schutzmaßnahmen vorsieht, sobald glaubwürdige Belege vorliegen, dass Importe nicht den für EU-Erzeuger geltenden Produktionsanforderungen entsprechen. Unter den österreichischen Abgeordneten stimmten alle 6 FPÖ-MEPs und 1 ÖVP-MEP dagegen, 1 SPÖ-MEP enthielt sich, alle übrigen unterstützten den Beschluss. [Quellen: EU-Parlament, Namentliche Abstimmung (1.46.) | Reaktionen: Neos, Die Grünen | Grafik: Wie sich der Rindfleischpreis entwickelte]

🇪🇺 EU-Parlament stimmt für vereinfachtes Lieferkettengesetz. Das Parlament hat im Rahmen des Omnibus I Pakets der Kommission die aktualisierte, vereinfachte Nachhaltigkeitsberichterstattung und Sorgfaltspflicht für Unternehmen beschlossen. Demnach müssen nur Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und einem Nettojahresumsatz von über 450 Mio. Euro Nachhaltigkeitsberichte erstellen. Die Sorgfaltspflicht gilt ab Juli 2029 und nur für Großkonzerne mit mehr als 5.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 1,5 Mrd. Euro. Der Rat muss die Richtlinie noch förmlich billigen, bevor sie in Kraft tritt. [Quelle: EU-Parlament | Reaktionen: WKÖ, SPÖ, Die Grünen]

🇪🇺 Eurozone wächst 2025 durchgehend. Die Eurozone verzeichnete 2025 erstmals seit der Corona-Pandemie durchgängig Wachstum, auch wenn sich das Tempo zum Jahresende abschwächte. Im Dezember sank der Einkaufsmanagerindex auf 51,9 Punkte. Die Industrieproduktion ging leicht zurück, während der Servicesektor weiterhin wuchs, und die Auftragseingänge stiegen zum 5. Mal in Folge. Die Geschäftsaussichten fielen auf den niedrigsten Wert seit 7 Monaten. In Deutschland verlor das Wachstum erneut an Dynamik, die Industrieproduktion schrumpfte erstmals seit 9 Monaten, der Einkaufsmanagerindex sank auf 51,5 Punkte und die Auftragseingänge stagnierten. Dennoch blickt die Industrie etwas optimistischer auf 2026, abhängig von einer Erholung der Aufträge. [Quellen: PMI EurozonePMI Deutschland

🇩🇪 Stimmung im Wohnungsbau besser, im Maschinenbau schlechter. Der Geschäftsklimaindex im deutschen Wohnungsbau hat sich um 1,8 Zähler auf minus 21,0 verbessert, auch die Erwartungseinschätzungen sind gestiegen. Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer erwarten hingegen auch 2026 keine Trendwende, nur 14 % erwarten Wirtschaftswachstum. Im Schnitt erwarten die Manager ein Minus von 2,8 %. „Wir gehen nun zum 4. Mal in Folge mit einer negativen Umsatzprognose ins neue Jahr. Fast scheint es so, als werde die Ausnahme zur neuen Normalität“, so Bernd Jung von PwC Deutschland. [Quellen: IfoPwC]  

🇬🇧 Arbeitslosenquote im UK erreicht höchsten Stand seit 2021. Die Arbeitslosenquote wird für August bis Oktober 2025 auf 5,1 % geschätzt. Zugleich sank die Zahl der Beschäftigten im November 2025 im Jahresvergleich um 171.000 (-0,6 %) und im Monatsvergleich um 38.000 (-0,1 %) auf 30,3 Mio. Menschen. Am Donnerstag entscheidet die Bank of England über den nächsten Zinsschritt. Derzeit liegt der Leitzins bei 4 %, die Inflationsrate bei 3,6 %. [Quellen: Office for National Statistics IOffice for National Statistics IIBank of England

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Straßburg, Frankreich: Tagung des Europäischen Parlaments u. a. mit Abstimmung zu Ausstieg aus russischen Gasimporten und zur Entwaldungsverordnung (bis 18.12.) [Info]

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Verbraucherpreisindex November sowie Soziale Krisenfolgen im Q3 2025

9:00 Uhr, Wien: Ministerrat [Pressefoyer]

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat gibt Verbraucherpreise in der Eurozone für November bekannt.

13:00 Uhr, Wien: Sitzung des Bundesrats (bis 18.12.) [Info]

17:30 Uhr, Brüssel: EU-Westbalkangipfel mit Bundeskanzler Stocker [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Markus Kuger ist neuer Chefvolkswirt für die DACH-Region bei Coface. Alfred Buder ist neuer Head of Finance der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Carina Bukuts wird Chefkuratorin der Kunsthalle Wien. Werner Amon wurde zum zweiten Landtagspräsidenten in der Steiermark gewählt. Birgit Tsolakidis wurde zur neuen Leiterin der NÖ Kinder- und Jugendanwaltschaft bestellt. 

Sehen & gesehen werden:

Save the date: Das European Forum Alpbach findet nächstes Jahr von 24. August bis 4. September 2026 statt – das Motto: „How Europe Wins“ [Info]

10:00 Uhr, Wien: Spar-CEO Hans Reisch im Klub der Wirtschaftspublizisten [invite only, Info]

18:00 Uhr, Wien: Weihnachtsmesse 2025 der Leitbetriebe Austria in der Karlskirche

19:00 Uhr, Wien: YPN x Malteser Charity Punsch im Alten Rathaus [Info]

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