Morning in Brief ・ 17.07.2025

Morning in Brief, 17. Juli 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Christoph Hofer, Sara Grasel, David Schima und Gregor Plieschnig – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Bevölkerung wächst nur durch Zuwanderung. Aufgrund der negativen Geburtenbilanz würde Österreichs Bevölkerung ohne Zuwanderung schrumpfen und langfristig auf den Stand der 1950er zurückgehen. Im Vorjahr lebten rund 2,51 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich, das entspricht einem Anstieg um 38,4 % seit 2015. Insgesamt macht der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtgesellschaft 27,8 % aus. Die größte Zuwanderungsgruppe ist jene der Deutschen (239.500 Personen), dahinter folgen Menschen aus Rumänien (155.700) und der Türkei (124.800). [Quelle: Statistik Austria

Kommentar: Wer Energie-Erzeugung belastet, zahlt doppelt
von Barbara Schmidt

Der Vorschlag, einspeiseabhängige Netzentgelte für Erzeuger einzuführen, ist wenig zielführend. Was auf den ersten Blick wie eine fairere Verteilung von Kosten aussieht, wird sich am Ende als teurer Irrtum entpuppen. Gerade die großen Anlagen, die schon jetzt ihren Teil zu den Netzkosten beitragen, würden durch zusätzliche Belastungen gegenüber Anbietern in Nachbarländern ins Hintertreffen geraten. Die Folge: weniger Erzeugung in Österreich und mehr Stromimporte – mit negativen Auswirkungen auf Versorgungssicherheit, Wertschöpfung und Klimabilanz.

Grafik (von Christoph Hofer): Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau ist 2024 auf ein Allzeit-Tief gesunken. Mit 1,31 Kindern pro Frau lag die Geburtenrate in der Gesamtbevölkerung deutlich unter dem Ersatzniveau von 2,10 Kindern pro Frau, das für eine stabile Bevölkerungsentwicklung ohne Zuwanderung erforderlich ist. Unter den Ländern der EU vor 2004, den EFTA-Staaten und Großbritannien war die Geburtenrate mit 1,10 Kindern pro Frau am niedrigsten. Frauen, die in Österreich geboren wurden, hatten im Durchschnitt 1,22 Kinder, während Frauen mit ausländischer Herkunft auf 1,57 Kinder kamen. Die höchsten Geburtenraten verzeichneten Frauen aus der Türkei (1,80 Kinder), dem ehemaligen Jugoslawien außerhalb der EU (1,94 Kinder) sowie aus Afghanistan, Syrien und dem Irak (3,30 Kinder). [Quelle: Migrationsbericht 2025]

🇦🇹 Kanzler gegen Rücknahme der Kassenreform. Bundeskanzler Stocker spricht sich gegen eine Rückabwicklung der Kassenzusammenlegung aus. Tirols Landeshauptmann Mattle hatte dies am Sonntag gefordert. Stocker betonte allerding, dass man überprüfen müsse, ob die Ziele der damaligen Reform erreicht wurden. Die Reformpartnerschaft zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, die in den nächsten 18 Monaten eine große Verwaltungsreform erarbeiten soll, müsse sich auch mögliche Verbesserungen in der Struktur der ÖGK anschauen, so Stocker. [Quelle: Ö1 Abendjournal

🇦🇹 Pharmaindustrie warnt vor Zöllen. Als eine Gefährdung für die Gesundheitsversorgung bezeichnet Pharmig, der Verband der pharmazeutischen Industrie in Österreich, die geplanten US-Zölle auf Medikamente. Handelsbarrieren würden die Lieferketten sowie die Versorgung mit Medikamenten verkomplizieren. Pharmazeutische Produkte müssten deshalb jedenfalls von etwaigen Zöllen ausgenommen werden, fordert der Verband. [Quelle: Pharmig

🇪🇺 Handelsüberschuss der Eurozone im Mai gewachsen. Der Handelsüberschuss der Eurozone stieg im Mai auf 16,2 Mrd. Euro, im Mai des Vorjahres betrug dieser 12,7 Mrd. Euro. Im Jahresvergleich stiegen im Mai die Exporte um 0,9 % auf 242,6 Mrd. Euro, die Importe gingen um 0,6 % auf 226,5 Mrd. Euro zurück. Die drei wichtigsten Handelspartner der EU waren die USA, China und das Vereinigte Königreich. [Quelle: Eurostat]

🇪🇺 EU-Kommission will Mehrjahresbudget deutlich erhöhen, schlägt eigene EU-Steuern vor. Die EU-Kommission hat ihren Vorschlag für den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen von 2028 bis 2035 vorgelegt. Dieses „EU-Budget“ soll auf 2.000 Mrd. Euro anwachsen, nach 1.200 Mrd. In der aktuell laufenden Periode. Darin soll es einen stärken Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit, Verteidigung und Sicherheit geben. Die Beiträge der Mitgliedsländer sollen nicht erhöht werden. Dafür schlägt die Kommission eigene EU-Steuern auf Tabak, Umsätze von großen Unternehmen, Elektroschrott und den Emissionshandel vor, die direkt ins EU-Budget fließen sollen. Die heimische Bundesregierung pochte in einer Reaktion darauf, dass der heimische Beitrag nicht steigen dürfe, auch aufgrund der angespannten eigenen Budgetsituation. Man zeigte sich offen für neue EU-Eigenmittel. Klare Ablehnung kam von Seiten der Landwirtschaftskammer aufgrund geplanter Einschnitte bei Agrarförderungen. Die Industriellenvereinigung lobte den Fokus auf Investitionen und strukturelle Vereinfachung, warnte aber vor einem Wettbewerbsnachteil durch neue EU-Steuern. [Quellen: EU-Kommission, Reaktion Bundesregierung, Reaktion Landwirtschaftskammer, Reaktion IV

🇪🇺 EU-Handelskommissar für Verhandlungen wieder in Washington. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič ist gestern für direkte Gespräche über ein Handelsabkommen mit den USA kurzfristig nach Washington geflogen. Ein Verhandlungsteam der EU ist bereits seit Dienstag vor Ort. Nach US-Präsident Trumps Drohung mit Zöllen in der Höhe von 30 % und der Ankündigung der EU mit Gegenzöllen reagieren zu wollen, will man bis zum Ablaufen der Frist am 1. August intensiv weiterverhandeln. [Quelle: Politico]

🇩🇪 „Boomer Soli“ – deutsche Ökonomen schlagen Umverteilung unter Pensionisten vor. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) empfiehlt in einer neuen Studie, das Rentensystem durch eine Umverteilung unter Pensionisten zu entlasten. Ein „Boomer Soli“ soll Geld von Menschen mit hohen Alterseinkünften zu einkommensschwachen Rentnern umverteilen. Das DIW schlägt dafür eine Sonderabgabe von 10 % vor. „Das Besondere an dem Konzept: Umverteilt würde ausschließlich innerhalb der älteren Generation, Jüngere blieben also weitgehend verschont“, so das Institut. [Quelle: DIW]

🇩🇪 US-Zölle würden deutschen Wirtschaftsaufschwung bremsen. Würden die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle mit 1. August in Kraft treten, würde dies das Wirtschaftswachstum in Deutschland heuer und im kommenden Jahr um je 0,25 Prozentpunkte senken. Das ist das Ergebnis einer Simulation des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Statt des bisher prognostizierten leichten Konjunkturplus für 2025 gäbe es nur eine Stagnation, für 2026 wird ein Wachstum von 1,2 % vorhergesagt. In den USA würden die Zölle auf EU-Waren das Wirtschaftswachstum 2025 um 0,6 Prozentpunkte senken, 2026 um 0,7 Prozentpunkte. Die Deutsche Bundesbank geht indes davon aus, dass das BIP in Deutschland im 2. Quartal 2025 bereits nur mehr stagniert ist. [Quellen: IMK, Deutsche Bundesbank

🇬🇧 Britische Inflation erreicht Höchststand seit 2024. Die Inflation im Vereinigten Königreich ist im Juni überraschend auf den höchsten Stand seit Beginn letzten Jahres gestiegen. Im Juni nahmen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,6 % zu, im Vormonat waren es noch 3,4 %. Treiber der Teuerung seien vor allem die Kosten für Kraftstoffe, Wohnen und Haushaltsdienstleistungen. Die Kernrate der Inflation, also Energie und Lebensmittel ausgenommen, wuchs im Juni auf 3,7 %, nach 3,5 % im Mai. [Quelle: Britisches Statistikamt]

🇺🇸 Pessimistischerer Ausblick auf US-Konjunktur. Als „neutral bis pessimistisch“ schätzt die US-Notenbank Federal Reserve die Konjunkturaussichten für die Vereinigten Staaten in ihrem neuesten Bericht, dem „Beige Book“ ein. Die Handelspolitik unter Präsident Trump würde bei einer Mehrheit der befragten Unternehmen den Preisdruck erhöhen, was sich auch im nächsten halben Jahr nicht bessern dürfte. Gleichzeitig würde die Zahl der Jobs nur mässig zulegen, da die Unsicherheit rund um die Handelspolitik der Regierung viele Unternehmen zum Abwarten auf klarere Verhältnisse bewegen würde. [Quelle: Beige Book]

🇺🇸 Produktion in den USA im Juni leicht gestiegen. Industrie, Energieversorger und Bergbau konnten ihre Produktion im Juni im Vergleich zum Vormonat um 0,3 % steigern. Im Mai war die Produktion stagniert. Die Industrie allein steigerte ihre Produktion im Juni um 0,1 %, nach einem Wachstum von 0,3 % im Mai. [Quelle: Federal Reserve

🇺🇸 Wachstum der US-Erzeugerpreise geht zurück. Die Erzeugerpreise in den USA sind im Juni um 2,3 % im Jahresvergleich gestiegen. Das ist ein deutlicher Rückgang zum Vormonat, als die Teuerungsrate noch bei 2,7 % gelegen ist. Im Monatsvergleich stagnierten die Erzeugerpreise. [Quelle: Department of Labor

Selektive Agenda:

Heute, Podgorica, Montenegro: Außenministerin Meinl-Reisinger in Montenegro

Heute, Washington: EU-Handelskommissar Šefčovič zu Verhandlungen über ein Zollabkommen in den USA

Heute, Kopenhagen: Informeller EU-Rat Wettbewerbsfähigkeit (Forschung) (bis 18. 7.) [Info]

9:00 Uhr, Wien: Sitzung des Bundesrates

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht den Verbraucherpreisindex für Juni sowie Evaluierung der Wiedereingliederungsteilzeit

10:00 Uhr, Wien: Das IHS präsentiert seine mittelfristige Konjunkturprognose 2025 bis 2029 mit Sonderthema „Auswirkungen der US-Zölle auf Österreich“ [Info]

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat gibt die Verbraucherpreisentwicklung in der Eurozone im Juni bekannt

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Mario Frühauf übernimmt die Geschäftsführung von RMS Austria, Philipp König wird damit alleiniger Geschäftsführer von Krone Hit Radio.

Sehen & gesehen werden:

20:30 Uhr, Spittal an der Drau, Kärnten: Premiere „Der Bockerer“ der Sommerspiele im Schloss Porcia [Info]

21:15 Uhr, Bregenz: Premiere der Wiederaufnahme des „Freischütz“ der Bregenzer Festspiele auf der Seebühne [Info]

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