Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
„Demografische Bombe“ bei Pensionen. Fiskalratspräsident Christoph Badelt fordert dringende Maßnahmen, das faktische Pensionsantrittsalter zu erhöhen, um das Budget zu entlasten. Dass auch das gesetzliche Pensionsantrittsalter von der Regierung nicht angegriffen wird, findet Badelt „schlimm“ – es gäbe im Pensionsbereich eine „demografische Bombe“. Würden im Pensionsbereich keine langfristigen Maßnahmen getroffen, könnte sich das Budgetdefizit jährlich um 2 bis 3 Prozentpunkte vertiefen. Der gesamte Staatshaushalt könnte „demografisch so unter Druck“ kommen, dass sich Budgets in 5 bis 10 Jahren „überhaupt nicht mehr darstellen“ ließen. [Quelle: Christoph Badelt in der ORF-Pressestunde]
„Würden fairen Wettbewerb mit China nicht scheuen“
Interview mit Christian Diewald und Anil Rai
Die Bahnindustrie gehört zu den erfolgreichsten Branchen Österreichs. Dennoch haben die Entwicklungen der vergangenen Jahre Spuren hinterlassen – „Die Kollektivvertragserhöhungen tun weh“, gesteht Christian Diewald, Präsident des Verbands der Bahnindustrie, ein. Gemeinsam mit Geschäftsführer Anil Rai erklärt er im Interview auch, was die wachsende Konkurrenz aus China für die Branche bedeutet und ob der Bahnindustrie ein ähnliches Schicksal wie der Autoindustrie drohen könnte.
Grafik (von Stephan Frank): Im Jahr 2023 lag das faktische Pensionsantrittsalter bei durchschnittlich 61,1 Jahren – Männer gingen mit 62,2 Jahren in Pension, Frauen mit 60,2 Jahren. Zwischen 2000 und 2013 stagnierte das Antrittsalter weitgehend, seither steigt es langsam an. Dennoch bleibt es deutlich unter dem gesetzlichen Pensionantrittsalter: In Österreich liegt dieses für Männer bei 65 Jahren, während es für Frauen bis 2033 schrittweise auf 65 Jahre angehoben wird. Das gesetzliche Antrittsalter soll in Österreich trotz steigender Lebenserwartung bei 65 bleiben – andere europäische Länder wollen das gesetzliche Pensionsantrittsalter bis 2070 weiter erhöhen, z.B. Deutschland (67), Schweden (70), Griechenland (72,5) oder Dänemark (74). [Quellen: Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, gesetzliches Pensionsantrittsalter im Vergleich, Statistik Austria]

Hauchdünne Wachstums-Prognose. Die Ökonomen der UniCredit Bank Austria gehen für 2025 nach wie vor von leichtem Wirtschaftswachstum aus. Die Prognose für das BIP-Wachstum haben sie auf 0,1 Prozent gesenkt – optimistischer als zuletzt Raiffeisen Research, das von -0,7 Prozent ausgegangen ist. Der Bank-Austria-Konjunkturindikator stieg im Februar den zweiten Monat in Folge, bleibt mit -2,2 Punkten aber unterhalb der Wachstumsschwelle. Der Jahresbeginn sei für die Wirtschaft ein Fehlstart gewesen, Stimmungsindikatoren deuten aber auf eine Besserung im Jahresverlauf hin. 2026 soll das BIP dann um 1,3 Prozent wachsen. [Quelle: Bank Austria]
WKÖ-Wahl: Freiheitliche verdoppeln sich. Am Freitagabend lag das Ergebnis der Wirtschaftskammerwahlen vor, die am Donnerstag zu Ende gingen. Der Wirtschaftsbund verlor um 7,9 Prozentpunkte, bleibt aber mit 61,3 Prozent Sieger mit Abstand. Mit 6.197 der 9.005 Mandate hält der Wirtschaftsbund die Zweidrittelmehrheit. Die Freiheitliche Wirtschaft konnte sich mit einem Plus von 7,9 Prozentpunkten auf 13,6 Prozent verdoppeln (959 Mandate). Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband schaffte es nur noch auf Platz 3 (-1,1 Prozentpunkte auf 9,7 Prozent, 743 Mandate). Grüne Wirtschaft: 8,4 Prozent (-1,1), 488 Mandate; Unos: 5,3 Prozent (+2,7), 222 Mandate. Die Wahlbeteiligung lag bei 26,5 Prozent der Unternehmer. [Quelle: WKÖ]
Arbeitsmarkt trotz Rezession stabil. Trotz anhaltender Rezession blieb sowohl die Arbeitslosenquote mit 5,2 Prozent als auch die Erwerbstätigenquote mit 74,1 Prozent im Vorjahr stabil. Im produzierenden Bereich gab es 2024 im Vergleich zu 2023 jedoch 38.400 Jobs weniger, Zuwächse gab es im öffentlichen und sozialen Bereich (35.700) sowie im Dienstleistungssektor (22.300). [Quelle: Statistik Austria]
ÖVP schlägt Gebührenbremse vor. ÖVP-Finanzsprecher Andreas Ottenschläger bringt im Gespräch mit der „Presse“ einen inflationsdämpfenden Index für öffentliche Gebühren ins Spiel. Viele Gebühren waren mit Jahresbeginn stark gestiegen. [Quelle: Die Presse Samstagsausgabe]
Einigung bei Buslenker-KV. Nach fünf Verhandlungsrunden und österreichweiten Warnstreiks haben sich WKÖ und Vida auf einen Zwei-Jahres-Abschluss geeinigt. Die 12.000 Beschäftigten der Branche haben die Einigung in einer Abstimmung mit breiter Mehrheit angenommen. Rückwirkend ab 1. Jänner 2025 gibt es 3,6 Prozent, ab 1. Jänner 2026 soll die Erhöhung höher als die durchschnittliche Inflation ausfallen. Weiters werden Diäten um bis zu 14 Prozent erhöht und der Nachtarbeitszuschlag ausgeweitet. [Quelle: Vida]
EU will Stahlindustrie länger schützen. Die EU-Kommission will am Mittwoch einen Aktionsplan für Stahl und Aluminium beschließen. Darin geht es laut Berichten vor allem um die Verlängerung von Schutzmaßnahmen, die Ende Juni 2026 ausgelaufen wären. Die Industrie leidet unter weltweiten Überkapazitäten und es besteht die Sorge, dass durch die US-Importzölle auf Stahl und Aluminium noch mehr auf dem EU-Markt landen könnte – vor allem aus China, das durch Subventionen die Preise niedrig hält. Im 3. Quartal soll die Kommission langfristige Maßnahmen aus einer Kombination von Zollkontingenten präsentieren. [Quelle: Handelsblatt]
EVP-Fraktionschef Weber fordert „Kriegswirtschaft“. Manfred Weber, Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), meint, dass wir „unser Denken in Europa auf Kriegswirtschaft umstellen“ müssen. Neben stärkeren Ausgaben für Verteidigung könne das auch bedeuten, dass Unternehmen, die bisher zivile Industriegüter hergestellt haben, in Zukunft Waffen produzieren könnten. Die europäischen Armeen sollen laut Weber von einem europäischen Generalstabschef gemeinsam geführt und befehligt werden. Die FPÖ kritisiert diese Aussagen scharf als „Kriegshetze“. [Quellen: Welt, FPÖ]
EU-Zölle gegen Belarus und Russland. Die EU-Mitgliedsländer haben sich für Zölle auf Agrarprodukte und Dünger aus Russland und Belarus ausgesprochen. Die von den neuen Zöllen betroffenen Agrarerzeugnisse machen 15 Prozent aller Agrareinfuhren aus Russland aus (Datenbasis 2023) – sollten die Zölle in Kraft treten, wären alle Agrarimporte aus Russland in die EU von Zöllen betroffen. Das Europaparlament muss nun über den Vorschlag beraten. Bauernvertreter kritisieren die geplanten Zölle, es gäbe weder kurz- noch langfristige Alternativen. [Quelle: Rat der Europäischen Union, Copa Cogeca]
Reform der Schuldenbremse in Deutschland. CDU/CSU und SPD konnten sich mit den Grünen auf eine Reform des Grundgesetzes und der Schuldenbremse einigen, bis zu 1.000 Mrd. Euro sollen so über die nächsten 10 Jahre investiert werden. 400-500 Mrd. Euro sollen in das Militär investiert werden, 500 Mrd. in Infrastruktur – 100 davon in Klimaschutzmaßnahmen. Ebenfalls soll die „Klimaneutralität bis 2045“ auf Wunsch der Grünen im Grundgesetz festgehalten werden. Das Gesetzespaket soll morgen in einer Sondersitzung im „alten“ Bundestag beschlossen werden, nach der konstituierenden Sitzung hätten die Parteien hierfür keine Mehrheit mehr. Das Verfassungsgesetz gab grünes Licht für dieses Vorhaben. [Quellen: Medienberichte, Bundestag.de, Bundesverfassungsgericht]
US-Verbraucherstimmung bricht ein. Der Index der US-Verbraucherstimmung geht laut Schnellschätzungen von Februar auf März um 6,8 Punkte auf 57,9 Zähler zurück, der dritte Rückgang in Folge. Im Vergleich zum März 2024 ist das sogar ein Minus von 21,5 Punkten. Auch die Inflationserwartungen stiegen auf 4,9 Prozent an, den höchsten Wert seit November 2022. [Quelle: University of Michigan]
Goldpreis knackt 3.000 Dollar. Am Freitag stieg der Goldpreis kurzzeitig auf 3.001,20 US-Dollar und erreichte damit ein Allzeit-Hoch. Der Handelstag schloss mit 2.988,97 US-Dollar leicht unter der Rekordmarke. Der Goldpreis hat heuer bereits um 14 Prozent zugelegt. [Quelle: Goldprice]
Selektive Agenda:
Warschau, Polen: Informelle Tagung der Verkehrsminister (auch 18.3) [Info]
Pannonhalma, Ungarn: Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz (bis 20.3.)
8:30 Uhr, Brüssel: Außenministerin Meinl-Reisinger beim EU-Außenministerrat [Info]
9:30 Uhr, Brüssel: Staatssekretärin Zehetner beim EU-Energierat (Verkehr, Telekommunikation und Energie), Themen u.a. Action plan for affordable energy, Gasversorgung, Situation in der Ukraine, kritische Infrastruktur [Info]
10:30 Uhr, München: Ifo-Institut präsentiert Frühjahrs-Konjunkturprognose für Deutschland
11:00 Uhr, Paris: OECD veröffentlicht den Zwischenbericht zum „Economic Outlook“
15:00 Uhr, Brüssel: 9. EU-Geberkonferenz für Syrien [Infos]
Vorschau:
Morgen ab 11 Uhr, Wien: Arbeitsklausur der Bundesregierung im Bundeskanzleramt zum Thema Wirtschaft
Am Mittwoch starten die KV-Verhandlungen in der Papierindustrie, am Freitag in der Elektro- und Elektronikindustrie.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Andreas Steinegger ist neuer Präsident der Landwirtschaftskammer Steiermark. Karl Weber soll Sandra Böhmwalder als ÖVP-Bezirksparteiobmann in Lilienfeld folgen.
Geburtstage: Wir gratulieren Stefan Gara und Franz Fiedler zum Geburtstag!
Sehen & gesehen werden:
11:00 Uhr, Graz: Überreichung des Menschenrechtspreises des Landes Steiermark mit Landeshauptmann Mario Kunasek in der Grazer Burg. [invite only]
17:00 Uhr, Graz: Überreichung der Josef Krainer-Preise 2025 u.a. mit Landeshauptmann Mario Kunasek in der Alten Universität [invite only]
18:00 Uhr, Wien: C3-Business Talk – Johanna Hager und Thomas Prantner im Gespräch mit Nationalratspräsident Walter Rosenkranz, 2. Nationalratspräsidenten Peter Haubner und 3. Nationalratspräsidentin Doris Bures im Haus der Industrie. [invite only]