Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern, Christoph Hofer und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 IV präsentiert 10-Punkte-Plan für Verteidigungsindustrie. Die sicherheitspolitische Zeitenwende in Europa erfordere es, die heimische industrielle Basis im Sicherheits- und Verteidigungsbereich zu stärken. „Wer Sicherheit will, braucht Industrie. Und wer wirtschaftliche Stärke will, braucht Sicherheit“, so IV-Vizegeneralsekretär Peter Koren. Zentrale Forderungen der hierfür eingerichteten Taskforce sind die Schaffung von Rechtssicherheit, die Beschleunigung von Verfahren und Verbesserungen im Bereich der Finanzierung. Österreich solle u. a. seine wesentlichen Sicherheitsinteressen gem Art. 346 AEUV definieren, bei Verfahren, die länger als sechs Monate dauern, soll eine Genehmigungsfiktion greifen und ein Single-Point-Of-Contact soll künftig als zentrale Anlaufstelle für Unternehmen dienen. Im Bereich der Finanzierung dürfen Sicherheitsinvestitionen „nicht länger als ‚nicht nachhaltig‘ gelten. Das ist eine Frage der Realität, nicht der Ideologie“, so Taskforce-Leiter Erwin Hameseder. Auch solle sich Österreich aktiv in europäische Verteidigungsprojekte einbringen. „Unsere Sicherheit endet nicht an der Staatsgrenze“, führt Co-Leiter Wolfgang Hesoun aus. [Quellen: Industriellenvereinigung, Pressekonferenz]
Kommentar: Die Inflation ist der falsche Feind
von Heike Lehner
Im kommenden Jahr wird von der Nationalbank eine Inflationsrate von 2,4 Prozent prognostiziert. Das ist beruhigend: Österreich lag historisch oft etwas über dem Euroraum. 0,4 Prozentpunkte über dem EZB-Ziel sind verkraftbar. Diese Prognosen, gepaart mit bislang großteils vernünftigen, maßvollen Lohnabschlüssen, die die Preise im kommenden Jahr nicht noch weiter in die Höhe treiben sollen, zeichnen ein positives Bild. Doch es gibt einen Schuldigen, der dieses Bild zerstören könnte.
💡 Heimische Gewerkschaft wächst deutlich. Trotz eines rückläufigen Trends in Europa gelang es den österreichischen Gewerkschaften, ihren Mitgliederanteil gemessen an allen Arbeitnehmern zwischen 2016 und 2023 um 4,3 Prozentpunkte zu steigern. Während 2016 noch 27,8 % der Arbeitnehmer in Österreich gewerkschaftlich organisiert waren, stieg dieser Anteil bis 2023 auf 32,1 %. Damit belegt Österreich Rang 5 von 14 erfassten Ländern in der Social Survey 2023. An der Spitze der gewerkschaftlichen Vertretung stehen weiterhin Schweden (72,3 %), Finnland (67,8 %) und Norwegen (57,5 %). Am unteren Ende der Skala liegen Frankreich (9,1 %), Polen (7,8 %) und Ungarn (5,6 %). [Quellen: IW Köln, European Social Survey | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Renditensteigerung bei Pensionskassen auf niedrigem Niveau. Im dritten Quartal 2025 erzielten die österreichischen Pensionskassen erstmals in diesem Jahr ein positives Ergebnis und erreichten eine Rendite von +2,48 % in den ersten neun Monaten. Im ersten Halbjahr lag die Performance noch bei -0,87 %. Langfristig beträgt die durchschnittliche Jahresrendite laut Kontrollbank seit 1997 rund 3,6 %. Im internationalen Vergleich nimmt Österreich damit einen der hinteren Plätze ein. Laut den zuletzt verfügbaren Zahlen der OECD liegt die reale durchschnittliche Rendite weltweit bei rund 5 %. Österreichische Pensionskassen bewegen sich damit im unteren Fünftel der OECD-Staaten. Vor diesem Hintergrund fordert der Schutzverband der Pensionskassenberechtigten angesichts der unterdurchschnittlichen Ergebnisse eine Überprüfung der Anlagestrategien sowie eine stärkere Verantwortung der Aufsichtsgremien und kritisiert, dass das Ergebnis bei einem Aktienanteil von 42 % im Portfolio aus seiner Sicht zu niedrig ausgefallen sei. [Quellen: Vorsorgeverband, Österreichische Kontrollbank, OECD, Pekabe]
🇦🇹 AK ortet „schwarze Schafe“ bei unbezahlten Überstunden. Die Arbeiterkammer Oberösterreich wies gestern auf die Problematik unbezahlter Überstunden hin. 2024 lagen die Über- und Mehrarbeitsstunden von Voll- und Teilzeitbeschäftigten in Österreich bei insgesamt 168,9 Mio. Rund ein Viertel davon blieb ohne Kompensation. Die „schwarzen Schafe unter den Arbeitgebern“ sollen in die Pflicht genommen werden, so AK-OÖ-Präsident Andreas Stangl. Ein genauerer Blick auf die Zahlen der Statistik Austria, die auf Umfragen beruhen, zeigt, dass die meisten unbezahlten Überstunden im Bildungssektor anfallen – in der Baubranche werden hingegen 90 % der Überstunden bezahlt, in der Industrie mehr als 80 %. [Quellen: AK, Statistik Austria | Grafik: Pädagogen leisten die meisten Überstunden unbezahlt]
🇦🇹 NR-Beschlüsse bei Pensionen, Trinkgeld, Weiterbildung, Energie, Investitionen. Der Nationalrat hat gestern die Pensionserhöhung (2,7 % bis 2.500 Euro, darüber Fixbetrag) sowie die bundesweit einheitliche Neuregelung der Trinkgeld-Pauschalen beschlossen. Außerdem wurde die Weiterbildungshilfe als Nachfolgemodell zur Bildungskarenz fixiert. Bereits am Mittwoch fiel der Beschluss für die Strompreiskompensation für die energieintensive Industrie (SAG), für eine Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz-Reform, die Förderungen für Biomethan- und Biogasanlagen ermöglicht sowie für die vorübergehende Verdopplung des Investitionsfreibetrags auf 20 % mit einer Deckelung von 1 Mio. Euro. [Quellen: Pensionen, Trinkgeld, Weiterbildungshilfe, Energie, Investitionsfreibetrag]
🇦🇹 Entwurf für steirisches Landesbudget. Die steirische Landesregierung rechnet für 2026 trotz Sparmaßnahmen in Höhe von 106,6 Mio. Euro mit einer Neuverschuldung von rund 835 Mio. Euro. Es soll eine Nulllohnrunde für Politiker geben, die Parteienfinanzierung soll um 15 % gekürzt werden und die Steiermark-Schau ausgesetzt werden. Der Schuldenstand wird 2026 bei rund 8,17 Mrd. Euro liegen – 2025 waren es 7,36 Mrd. Euro. [Quelle: Land Steiermark]
🇪🇺 1,5 Mrd. Euro EU-Finanzhilfen für Verteidigungsindustrie. Die EU-Mitgliedsstaaten und das Europäische Parlament haben sich gestern nach langen Verhandlungen auf ein 1,5 Mrd. schweres Finanzhilfen-Paket für die Verteidigungsindustrie geeinigt. Die Gelder sollen helfen, Produktionskapazitäten auszubauen und die gemeinsame Beschaffung zu unterstützen. Auch Aufrüstungsinitiativen wie das Drohnenabwehrsystem sollen davon profitieren. Bauteile, die in geförderten Projekten zum Einsatz kommen, müssen mehrheitlich aus EU-Ländern stammen – Ausnahmen gibt es für die Ukraine. [Quelle: EU-Kommission]
🇪🇺 Handelsbilanz: EU im August mit Defizit, Euroraum mit Überschuss. Im August 2025 erzielte der Euroraum einen Handelsbilanzüberschuss von 1,0 Mrd. Euro, im August 2024 waren es noch 3,0 Mrd. Euro. Die EU verzeichnete im August mit -5,8 Mrd. Euro ein mehr als doppelt so hohes Defizit wie im Vorjahresmonat (-2,4 Mrd. Euro). Von Jänner bis August hat sich jedoch sowohl für den Euroraum (107,1 Mrd. Euro) als auch für die EU (85,6 Mrd. Euro) ein Handelsbilanzüberschuss ergeben – beide Werte liegen gut ein Fünftel unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. [Quelle: Eurostat]
🇩🇪 🇪🇺 Merz pocht auf Bürokratieabbau. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz forderte von der EU-Kommission den „effektiven Ab- und Rückbau von Regulierungen“. Bei den wirtschaftlichen und regulatorischen Problemen gebe es „kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“. Merz nannte „schnellere Verfahren, offene Märkte, mehr Innovation, mehr Wettbewerb und Schluss mit der Regulierungswut“ als Beispiele. Um neue Handelsräume zu erschließen, soll der Mercosur-Vertrag noch in diesem Jahr unterzeichnet werden, forderte Merz weiter. [Quellen: Deutscher Bundestag, Deutsche Bundesregierung, Regierungserklärung Merz via phoenix]
🇩🇪 Deutsche Wirtschaft in „Schwächephase“. Das reale deutsche BIP soll laut Einschätzungen der Bundesbank im 3. Quartal „allenfalls stagniert haben“. Die Industrie leide neben den US-Zöllen unter strukturellen Problemen, niedriger Wettbewerbsfähigkeit und niedriger Kapazitätsauslastung. Dadurch hätten Investitionstätigkeit und die Nachfrage nach Investitionsgütern weiter gelitten. Leichte Zuwächse gab es im privaten Konsum, der Dienstleistungssektor hingegen „zeigte sich schwunglos“. [Quelle: Deutsche Bundesbank]
🇨🇭 US-Importzölle von 39 % belasten die Schweizer Wirtschaft. Bundesökonomen prognostizieren für 2025 ein „deutlich unterdurchschnittliches“ Wachstum von 1,3 % und für das kommende Jahr 0,9 %. Gleichzeitig wird die Arbeitslosenquote 2026 voraussichtlich auf 3,2 % steigen. Ursächlich für den konjunkturellen Abwärtstrend sind neben den Zöllen auch die globale Verschuldung, Risiken an den Finanz- und Immobilienmärkten sowie geopolitische Unsicherheiten. [Quellen: Schweizer Wirtschaftsministerium, Konjunkturprognose]
🇺🇸 „Government Shutdown“ kostet 15 Mrd. US-Dollar pro Woche. Seit 1. Oktober steht die nicht-essenzielle Bundesverwaltung in den USA still. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag konnte zum 9. Mal in Folge keine Einigung bezüglich eines Übergangs-Budgetgesetzes erzielt werden. Der somit weiter andauernde „Shutdown“ kostet der US-Wirtschaft laut US-Finanzminister Scott Bessent bis zu 15 Mrd. US-Dollar pro Woche. US-Präsident Donald Trump wollte den „Shutdown“ nutzen, um Massenentlassungen im öffentlichen Dienst durchzuführen. Bisher wurden rund 4.000 Beschäftigte in 8 Behörden gefeuert – ein Gericht hat die Entlassungen jedoch vorerst gestoppt. [Quellen: Reuters, CBS News, Analyse der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, AFGE]
🇺🇸 🇮🇳 Trump: Indien will auf russisches Öl verzichten. Laut US-Präsident Donald Trump habe sich der indische Premier Narendra Modi bereiterklärt, kein russisches Öl mehr zu beziehen. „Modi wird kein Öl mehr von Russland kaufen. Das wird nicht ab sofort möglich sein, aber der Prozess wird bald abgeschlossen sein“, so Trump bei einer Pressekonferenz im Oval Office. Indische Importe in die USA wurden von Trump Ende August mit einem 50-%-Strafzoll belegt, da Indien russisches Öl einkaufe und somit den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine finanzieren würde. Ob der Strafzoll nun aufgehoben wird, gab Trump noch nicht bekannt. Auch eine offizielle Bestätigung seitens Indien steht noch aus, einige indische Raffinerien sollen sich jedoch laut Reuters bereits auf ein Ende der russischen Ölimporte einstellen. [Quellen: Pressekonferenz Trump, Reuters]
Selektive Agenda:
Heute, Washington, USA: Herbsttagung Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank u. a. mit OeNB-Gouverneur Kocher und Finanzminister Marterbauer (bis 18.10.) [Info]
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria gibt Verbraucherpreisindex (VPI) für September bekannt.
10:00 Uhr, Luxemburg: EU-Rat „Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz“ (Beschäftigung und Sozialpolitik) [Info]
10:00 Uhr, Amsterdam, Niederlande: Kongress der Sozialdemokratischen Parteien Europas (SPE) mit Vizekanzler Babler [Info]
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht Verbraucherpreise in der Eurozone für September
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Rudolf Scholten wurde als Sonderberater für Kunst und Kultur im BMWKMS bestellt. Christoph Böhler übernimmt mit dem Jahreswechsel die I. Orthopädische Abteilung im Herz-Jesu Krankenhaus. Michael Hayböck ist neuer ORF-Experte und -Kommentator im Skispringen. Hannes Taubinger wurde zum neuen Präsidenten der Kleinwasserkraft Österreich gewählt – er folgt auf Christoph Wagner. Thomas Waldner startet ab 1. November 2025 neu im Team der Geschäftsführung der Wiener Stadthalle.
Geburtstage: Wir gratulieren Alexander Rüdiger zum Geburtstag. Am Samstag haben Karl Nehammer und Hadschi Bankhofer Geburtstag und am Sonntag Herbert Kickl.
Sehen & gesehen werden:
14:00 Uhr, Innsbruck: Joseph Schumpeter Forum 2025 mit Festvortrag von Martin Rhonheimer zum Thema „Was ist das Soziale an der Sozialen Marktwirtschaft?“; Podiumsdiskussion mit Theresia Theurl, Dieter Unterberger, Monika Köppl-Turyna, Axel Paeger und Andreas Schnauder [Info]
16:00 Uhr, Wien: Karl Nehammer präsentiert sein neues Buch „Sich selbst treu bleiben“ im Museumsquartier [Info, invite only]
19:30 Uhr, Wien: Das Magazin profil lädt anlässlich „55 Jahre ‚profil’“ zu „profil & Die Waldheim-Affäre“ mit Barbara Staudinger, Andreas Khol, Oliver Rathkolb, Christoph Kotanko ins Theater Akzent. [Info]