Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Wirtschaftsstimmung hellt sich auf. Der Konjunkturindikator der Bank Austria stieg im Juli auf -1,5 Punkte, der höchste Wert seit zweieinhalb Jahren. Dabei hellte sich die Stimmung in allen Wirtschaftssektoren auf, vor allem im Dienstleistungsbereich. In der Beherbergung und Gastronomie sowie in der Industrie fällt das Plus schwächer aus. Durch einen leichten konjunkturellen Rückenwind in der zweiten Jahreshälfte sollte das BIP-Wachstum für heuer noch ins Positive drehen. Für 2026 wird ein Wachstum von 1,1 % prognostiziert – aufgrund einer anziehenden Binnennachfrage. Die Inflation dürfte heuer bei mindestens 2,9 % zum Liegen kommen und die Arbeitslosigkeit auch im nächsten Jahr hoch bleiben. [Quelle: Bank Austria]
Kommentar: Trump, Putin und das Europa-Kabarett
von Rainer Nowak
Der Trump-Putin-Gipfel in Alaska hat es gezeigt: die Kopfloses-Huhn-Taktik Brüssels, Berlins und Paris im Ukraine-Konflikt ist gescheitert. Wirtschaftssanktionen sind süß zu beschließen, bringen aber ohne Rest der Welt wenig bis nichts. Die Entscheidungen über den Ausgang des Kriegs fallen woanders.
Grafik (von Stephan Frank): Österreich liegt beim Wirtschaftswachstum im 2. Quartal EU-weit an letzter Stelle. Gegenüber dem 2. Quartal 2024 ist die österreichische Wirtschaft im 2. Quartal 2025 nur um 0,1 % gewachsen. Auch gegenüber dem 1. Quartal 2025 gab es nur ein Plus von 0,1 %. Im Schnitt ist die EU gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,5 %, der Euroraum um 1,4 % gewachsen. Spitzenreiter ist Irland mit einem deutlichen Wachstum von 16,2 % – vor allem aufgrund vorgezogener Pharma-Exporte in die USA. [Quelle: Eurostat]

🇦🇹 Begutachtungsfrist für ElWG abgelaufen. Mit vergangenem Freitag ist die Begutachtungsfrist für den Entwurf des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes abgelaufen – insgesamt 519 Stellungnahmen wurden abgegeben. Während die Industriellenvereinigung die Bemühungen für ein verlässliches, leistbares und effizientes Stromsystem befürwortet, steht sie Netzentgeltbefreiungen, Ausnahmen für Energiegemeinschaften sowie dem Sozialtarif kritisch gegenüber. Die Wirtschaftskammer sieht die Bestrebungen, die Netzkosten auf mehrere Schultern zu verteilen, als positiv an. So wie den Anreiz für Privathaushalte, selbstproduzierten Strom selbst oder im Verband mit Nachbarn zu nutzen, statt ihn ins Netz abzuliefern. Der Thinktank Oecolution betont den notwendigen Modernisierungsschub durch das ElWG. Dagegen sieht der Verband der heimischen E-Wirtschaft bei den Netzentgelten für Erzeuger, der Rechtssicherheit bei Preisanpassungen oder der Entlastung von Speichern noch Anpassungsbedarf, die IG Windkraft warnt vor einem „wirtschaftlichen Bumerang“ durch die neuen Netzkosten. [Quellen: Österreichisches Parlament, IV, WKÖ, Oecolution, Verband Österreichs E-Wirtschaft, IG Windkraft]
🇦🇹 Regierung für EU-Verbot von lokalen Lieferbeschränkungen. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer fordert gemeinsam mit der Chefin der Bundeswettbewerbsbehörde, Natalie Harsdorf, in einem offenen Brief die EU-Kommission zu einem Verbot von territorialen Lieferbeschränkungen auf. Diese würden länderübergreifendes Einkaufen des Einzelhandels einschränken und damit vor allem in kleinen Ländern wie Österreich die Preise für Endkunden nach oben treiben. Die EU-Kommission bestätigte den Eingang des Briefes, wollte sich in einer Pressekonferenz aber nicht festlegen, ob die neue Binnenmarktstrategie, die im 4. Quartal 2026 vorgelegt werden soll, auch ein entsprechendes Verbot umfassen wird. [Quellen: Medienberichte, EU-Kommission]
🇦🇹 Einsparungen bei Krankenkassen reduzieren Bilanzminus, Regierung konkretisiert Reformideen. Das prognostizierte Minus der Krankenkassen dürfte heuer um rund 400 Mio. Euro geringer ausfallen und auf rund 591 Mio. Euro sinken. Für die ÖGK allein rechnet man mit einem Minus von 546,7 Mio. Euro – in der letzten Gebarungsvorschau von Mai stand noch ein Abgang von 906,7 Mio. Euro im Raum. Peter McDonald, turnusmäßiger Vorsitzender der Sozialversicherungen und ÖGK-Präsident, sprach sich im APA-Interview u. a. für geringere Lohnabschlüsse für Ärzte aus, diese wären in den letzten Jahren weit über der Inflation gelegen, wie auch der Rechnungshof anmerkte. Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig sprach sich für einen verstärkten Ausbau der Hotline 1450 sowie mehr Primärversorgungszentren aus, durch welche Ambulanzen entlastet und Kosten reduziert werden. Auch die mögliche Entmachtung der Landesärztekammern stünde im Raum, wenn es mit diesen keine Einigung über einen Gesamtvertrag gebe. Bernhard Wurzer, Generalsekretär der ÖGK betonte in der ZIB2 ebenso die Notwendigkeit eines bundesweiten Gesamtvertrags mit der Ärztekammer. Die Ausweitung von Selbstbehalten sei aktuell nicht geplant, aber für die Zukunft auch nicht ausgeschlossen. [Quellen: APA-Interview McDonald via ORF, APA-Interview Königsberger-Ludwig via SN, ZIB-Interview Wurzer]
🇦🇹 PV-Ausbau weiterhin stark. Im 1. Halbjahr 2025 wurden in Österreich neue PV-Anlagen mit einer Engpassleistung von 731 Megawatt errichtet. Damit wurde das jährliche Ausbauziel von 1.100 Megawatt zum Erreichen der EAG-Ziele bis 2030 bereits mehr als zur Hälfte erfüllt. Im 2. Quartal allein lag man bei rund 180 MW über dem Sollwert. Indes gab es bei Windkraftanlagen nur einen kleinen Zuwachs. [Quelle: E-Control]
🇦🇹 Fördercall für Halbleiter- und Quantentechnologien. Das Infrastrukturministerium vergibt aktuell in einem Fördercall rund 20 Mio. Euro an Förderungen für Konsortien, die im Rahmen des Chips Joint Undertakings der EU am Aufbau von Halbleiter- und Quantentechnologie-Infrastruktur beteiligt sind. In Vorbereitung ist ein Fördercall in der Höhe von 2 Mio. Euro für Projekte angewandter Quantentechnologien im breitesten Sinne – von Computing und Simulation über Quantenkommunikation bis zu Sensorik und Metrologie – im Rahmen der europäischen Partnerschaft QuantERA. [Quelle: BMIMI]
🇪🇺 Industrieproduktion in der Eurozone geschrumpft. In der Eurozone ist die Industrieproduktion im Juni um 1,3 % zum Vormonat zurückgegangen, das Wachstum im Mai wurde indes von Eurostat auf 1,1 % revidiert. In der EU betrug das Minus im Juni 1,0 % nach einem Plus von 0,8 % im Mai. Im Jahresvergleich wuchs die Industrieproduktion im Euroraum um 0,2 %, in der EU um 0,5 %. In Österreich gab es im Monatsvergleich im Juni ein Wachstum um 0,8 %, Schlusslicht war Irland mit -11,3 %, Spitzenreiter Belgien mit 5,1 %. [Quelle: Eurostat]
🇺🇸 Trump kündigt baldige Zölle auf Stahl und Halbleiterchips an. US-Präsident Trump will in dieser oder der nächsten Woche Zölle für Stahl- und Halbleiterchipsimporte verkünden. Konkrete Zahlen nannte Trump nicht, allerdings sollten die Zölle vorerst niedrig sein, um die inländische Fertigung zu ermöglichen, nach einer „gewissen Zeit“ würden sie dann aber „sehr hoch“ werden. [Quelle: Reuters]
🇺🇸 Erzeugerpreise in den USA ziehen an, Einfuhrpreise geben leicht nach. Die Erzeugerpreise in den USA stiegen im Juli zum Vormonat um 0,9 %, Analysten hatten nur mit einem Anstieg um 0,2 % gerechnet. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg von 3,3 %. Indes gaben die Importpreise vor Zöllen um 0,2 % zum Vorjahr nach. Im Jahresvergleich ergab sich ein Plus von 0,4 %. [Quellen: Department of Labor I, Department of Labor II]
🇩🇪 Erwerbstätigkeit in Deutschland stagniert. Im Jahresvergleich konnte die Wirtschaft in Deutschland im 2. Quartal saisonbereinigt nur rund 10.000 neue Jobs schaffen, das schwächste Wachstum seit Sommer 2022. Im Dienstleistungssektor wuchs die Zahl der Anstellungen um 0,5 %, in der Industrie ging sie um 1,7 % zurück, im Baubereich um 0,8 %. Mit insgesamt 14,4 Mrd. Arbeitsstunden aller Beschäftigten ging diese Zahl im Jahresabstand um 0,5 % zurück. [Quelle: Statistisches Bundesamt]
🇨🇭 Konjunktur in der Schweiz wächst nur mehr schwach. Im 2. Quartal 2025 wuchs die Wirtschaft in der Schweiz nur mehr um 0,1 % zum Vorquartal, nach einem Plus von 0,8 % im 1. Quartal. In der ersten Schnellschätzung würde der Einbruch in der Industrie nur knapp von Zuwächsen im Dienstleistungssektor ausgeglichen. [Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft]
🇬🇧 UK-Wirtschaft nur mit leichtem Wachstum. Die Wirtschaft des Vereinigten Königreichs wuchs im 2. Quartal 2025 um 0,3 % zum Vorquartal, nach 0,7 % im 1. Quartal. Analysten hatten nur mit einem Plus von 0,1 % gerechnet. Überraschend stark stieg die Industrieproduktion (+0,7 %). [Quelle: ONS]
Selektive Agenda:
Heute, Washington D.C. Treffen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, Nato-Generalsekretär Mark Rutte, Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Großbritanniens Premierminister Keir Starmer, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Finnlands Staatschef Alexander Stubb mit US-Präsident Donald Trump; Besprechung des weiteren Vorgehens im Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine.
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht EU-Handelsbilanz für Juni
Wochenvorschau:
Am Mittwoch werden die endgültigen Juli-Inflationszahlen für Österreich, die Eurozone und das Vereinigte Königreich veröffentlicht.
Am Donnerstag gibt die EU-Kommission die Erhebung des Verbrauchervertrauens in der Eurozone für August bekannt.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Claus Spruzina wurde zum Präsident der Österreichischen Notariatskammer gewählt.
Geburtstage: Wir gratulieren Rotraud Perner zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
16:00 Uhr, Wien: Monday Afterwork im Weingarten Wien [Info]