Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Gregor Plieschnig, Stephan Frank und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
Einzelhandelsbilanz 2024. Der heimische Einzelhandel konnte im Vorjahr ein reales Umsatzplus von 0,9 Prozent erwirtschaften. November (plus 2,9 Prozent real) und Dezember (plus 3,1 Prozent) waren dabei besonders starke Monate. Die aktuelle Konsumstimmung ist jedoch verhalten, das Verbrauchervertrauen lag im Jänner bei minus 19,2 Punkten. Im Vergleich zu Deutschland sind die heimischen Haushalte damit deutlich pessimistischer. [Quellen: Handelsverband, Wifo-Konjunkturreport | Grafik: Stärkste Konsumzurückhaltung seit 1995]
Kommentar: Die harte Wahrheit der Klimapolitik – gescheiterte Ziele, leere Kassen
von Elisabeth Zehetner
Die letzten Jahre waren von einer übermäßig moralisierten Klimapolitik geprägt. Ambitionierte Ziele wurden wie ein Wettlauf inszeniert, ein Höher-Schneller-Weiter dominierte die Debatte. Doch inzwischen mehren sich die Stimmen, die vor der Kollision dieser utopischen Visionen mit der Realität warnen. Tatsächlich ist keines der sechs europäischen Länder, die vor 2050 klimaneutral sein wollten, auf Kurs. Island und Österreich verfehlen die Ziele am weitesten.
Grafik (von Christoph Hofer): Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges haben sich heimische Energiepreise erheblich verteuert. Zwischen dem 2. Halbjahr 2021 und dem 1. Halbjahr 2024 verdoppelte sich der Preis für Industriestrom in Österreich (+103,4 Prozent). In Westeuropa war der Anstieg nur in Luxemburg (+138,7 Prozent) und Deutschland (+104,3 Prozent) höher. Im Eurozonen-Schnitt gab es im Vergleichszeitraum einen Preisauftrieb von 53,1 Prozent. [Quelle: Eurostat]

Regierungsbildung. Wie die Kronen Zeitung berichtet, soll Mitte dieser Woche bekanntgegeben werden, ob sich ÖVP und SPÖ in neuerliche Koalitionsverhandlungen begeben. Denn noch führe man nur „Gespräche“, keine offiziellen Verhandlungen. Einen erneuten „Verhandlungsmarathon“ in dutzenden Untergruppen soll es jedenfalls nicht mehr geben, sondern auf das Protokoll der Verhandlungen zur Dreierkoalition aufgebaut werden. Laut Kurier soll es dabei auch keinen offiziellen Regierungsbildungsauftrag durch Bundespräsident Van der Bellen mehr geben. [Quelle: Kronen Zeitung, Kurier (Dienstagsausgabe)]
Streik bei privaten Autobusbetrieben. Die vierte KV-Verhandlungsrunde der privaten Autobusbetriebe endete gestern Abend ohne Ergebnis. Laut Gewerkschaft hätte die Arbeitgeberseite kein „substanziell verbessertes Angebot“ vorgelegt. Somit soll am Donnerstag zwischen 4 und 6 Uhr morgens ein erster Warnstreik stattfinden. Die Arbeitgeber beklagen „Blockadehaltung und starken Streikwillen“ der Gewerkschaft – der Streik werde aufgrund „schwerwiegender Verkehrsbehinderungen“ Folgen für tausende Fahrgäste haben. [Quellen: ÖGB, WKO]
Green Tech Startups. Mit insgesamt 24 Neugründungen im Vorjahr gibt es aktuell in Österreich 215 Tech-Startups mit Nachhaltigkeitsfokus. Das entspricht einem Anstieg von 71 Prozent seit der ersten Erhebung 2022. 38 Prozent der Neugründungen fallen in den Bereich Energie, 21 Prozent in den Bereich Kreislaufwirtschaft und 17 Prozent in digitale Dienste. 54 Prozent der Startups geben Vernetzung mit Industrie-Partnern als wichtigste Voraussetzung an, 46 Prozent Finanzierung. [Quelle: Green Tech Startups 2025]
Strom- und Gasmarkt Österreich. Mit 377.840 Privat- und Geschäftskunden die im Vorjahr den Strom- oder Gaslieferanten gewechselt haben, ist die Zahl der Wechsel das dritte Jahr in Folge gestiegen. 4,7 Prozent betrug die Wechselrate bei Strom, nach 3,9 Prozent im Jahr davor. Die Quote sank im Verhältnis bei Gas von 8,1 Prozent 2023 auf 6,3 Prozent im Vorjahr. [Quelle: E-Control]
Asylanträge EU. Im November 2024 ist die Zahl der Asylanträge in der EU mit 75.045 um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgegangen. Im Vergleich zum Oktober 2024 ergab sich ein Minus von 14 Prozent. Gemessen an der Bevölkerungsgröße nahmen im November Griechenland, Zypern sowie Spanien und Luxemburg die meisten Erstanträge entgegen. Die drei größten Herkunftsländer waren Syrien, Venezuela und Afghanistan. [Quelle: Eurostat]
EU-Exporte 2024. Die Exporte aus der EU sind 2024 im Jahresvergleich um 1,1 Prozent auf ein Volumen von 2,58 Bio. Euro gestiegen, die Einfuhren sanken um 3,5 Prozent auf 2,43 Bio. Euro. Der Handelsbilanzüberschuss stieg damit auf rund 150 Mrd. Euro im Vergleich zu 34,4 Mrd. Euro im Jahr davor. Der Handel innerhalb der EU ging um 2,2 Prozent auf ein Volumen von 4,02 Bio. Euro zurück. Im Dezember waren die wichtigsten Exportdestinationen die USA (+5,6 Prozent im Monatsvergleich), China (-8,8 Prozent), UK (-1,4 Prozent) und die Schweiz (+10.2 Prozent). Im Dezember stiegen die Exporte im Jahresabstand um 3,7 Prozent und die Importe um 3,9 Prozent. Der Überschuss betrug im Dezember 16,3 Mrd. Euro (Dez. 2023: 16,1 Mrd. Euro). [Quelle: Eurostat]
Europa am Auto-Weltmarkt. Die Neuwagen-Registrierungen sind 2024 weltweit um 1,7 Prozent gestiegen, nach dem Rekordjahr 2023 mit +10 Prozent. Die Analysten von Allianz Research gehen für 2025 von einem globalen Wachstum von 2 Prozent aus, wobei die Registrierungen in Europa um 1,5 Prozent steigen dürften, in China um 4 Prozent und in den USA um 2,5 Prozent. Europäische Hersteller fallen bei Innovation und Preisen hinter chinesische Hersteller zurück. Während Autos aus China in Europa Marktanteile ausbauen, sind die Marktanteile deutscher Hersteller in China von 25 Prozent (2019) auf 18 Prozent (2024) gefallen. Die Verschärfung der CO2-Flottengrenzwerte könnte europäische Hersteller 10 Mrd. Euro an Strafen kosten. Gleichzeitig leide die Attraktivität von E-Autos unter hohen Energiepreisen. [Quelle: Allianz Research]
Atomkraft in der EU. EU-Kommissions-Vizepräsident Stéphane Séjourné, zuständig für Industriestrategie, setzt sich für einen Ausbau von Atomkraft in Europa ein. Im Gespräch mit Politico zeigte er sich überzeugt, dass der Großteil Europas Atomkraft gerne als wesentlichen Teil der Dekarbonisierung sehen würde. Er wolle dazu Diskussionen in der EU-Kommission anstoßen. Vergangene Woche haben 13 Industrie-Verbände aus der EU und der britische Industrie-Verband CBI eine Deklaration veröffentlicht, in der auf eine Stärkung der Atomenergie als Teil der Energiewende gepocht wird. Neben dem französischen Medef haben Verbände aus Schweden, Belgien, Italien, Tschechien, Bulgarien, Kroatien, Finnland, Dänemark, Polen, Rumänien, Ungarn und Slowakei unterzeichnet. Länder wie Deutschland und Österreich gelten als Atomkraft-Gegner. Die EU-Kommission will am 26. Februar einen „Action Plan on Affordable Energy“ veröffentlichen. [Quelle: Politico, Nuclear Alliance, EU-Kommission]
Europäischer Verteidigungsgipfel. Beim Krisentreffen „zur Lage in der Ukraine und Sicherheitsfragen in Europa“ in Paris konnte keine Einigung erzielt werden. Der deutsche Kanzler Olaf Scholz zeigte sich „irritiert“ über die Debatte, westliche Truppen zur Friedenssicherung in die Ukraine zu entsenden – das sei „völlig verfrüht“. Dies hatte zuvor der britische Premier Keir Starmer in den Raum gestellt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte mehr Ausgaben für Verteidigung. Der polnische Premier Donald Tusk erinnerte daran, dass Polen fast 5 Prozent des BIP für Verteidigungsausgaben aufwendet und Europa hier Aufholbedarf hat. Einer gemeinsamen europäischen Armee – wie sie der ukrainische Präsident Selenskij fordert – erteilte Polen jedoch bereits zuvor eine Absage. [Quellen: Scholz auf X, Von der Leyen auf X, Tusk auf X | Grafik: Jährliche Militärausgaben]
Fachkräftemangel Deutschland. Die schwache Konjunktur dämpft in Deutschland aktuell die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften. Trotz teilweise restriktiver Personalplanung berichten immer noch 18 Prozent der Industrie-Unternehmen von Fachkräftemangel. Im Dienstleistungsbereich ist der Mangel mit über 35 Prozent noch höher. Das Ifo-Institut rechnet langfristig mit einer Verschärfung des Fachkräftemangels. [Quelle: Ifo-Institut]
Konjunktur Schweiz. Die Schweizer Wirtschaft ist im Vorjahr um 0,8 Prozent gewachsen, 2023 waren es noch 1,2 Prozent. Im vierten Quartal 2024 zog die Konjunktur an und wuchs um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Im dritten Quartal war die Wirtschaft nur um 0,2 Prozent gewachsen. [Quelle: SECO]
Konjunktur Japan. Im vierten Quartal 2024 wuchs Japans Wirtschaft um 2,8 Prozent, im Quartal davor war es nur ein Plus von 1,7 Prozent. Hohe Investitionen der Unternehmen haben zum stärkeren Wachstum beigetragen, vorhergesagt war nur ein Plus von 1,1 Prozent. [Quelle: ESRI]
Inflation in Argentinien. In Argentinien lag die Inflation im Jänner im Monatsvergleich nur noch bei 2,2 Prozent – der niedrigste Wert seit vier Jahren. Im Gesamtjahr 2024 lag die Inflation bei 84,5 Prozent – damit fiel die Inflation erstmals seit zwei Jahren wieder unter 100 Prozent. [Quelle: INDEC]
Selektive Agenda:
Brüssel: US-amerikanischer Ukraine-Sondergesandter Kellog trifft EU-Kommissionspräsidentin Von der Leyen
Riad, Saudi-Arabien: Treffen zwischen russischen und US-amerikanischen Delegationen zur Vorbereitung von Friedensverhandlungen nach dem russischen Überfall der Ukraine, mit u.a. US-Außenminister Rubio und russ. Außenminister Lawrow
Ab 9:00 Uhr, Wien: Symposium anlässlich des „Tags der Kriminalitätsopfer“ mit u.a. Justizministerin Zadic und Innenminister Karner [Infos]
9:00 Uhr, Warschau: Informeller EU-Rat der Außen- und Europaminister (Allgemeine Angelegenheiten)
10:00 Uhr, Brüssel: Finanzminister Mayr beim EU-Rat Wirtschaft und Finanzen (ECOFIN), Themen u.a.: Wettbewerbsfähigkeit, EU-Haushalt, Steuern [Infos]
12:00 Uhr, Rom: EU-Migrationskommissar Brunner trifft italienische Premierministerin Meloni sowie Außenminister Tajani und Innenminister Piantedosi.
18:00 Uhr, Villach: Regierungschef Schallenberg und Landeshauptmann Kaiser nehmen an Gedenkveranstaltung nach dem Attentat in Villach teil.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Ayleen Cis ist neue Leiterin des Management Board der pma young crew. Michael Nester wurde neuer Partner der TPA Steuerberatung. Deloitte hat mit Elisabeth Böhm, Clemens Prinz und Marco Kassmannhuber drei neue Directors.
Geburtstage: Wir gratulieren Andreas Gerstenmayer, Sigisbert Dolinschek und Monika Czernin zum Geburtstag!
Sehen & gesehen werden:
18:30 Uhr, Wien: Buchpräsentation „Der Wiener Spionagezirkel“ von Thomas Riegler, Jüdisches Museum Wien [Infos]
18:30 Uhr, Wien: Wirtschaftsreport Wien Spezial „Die Zukunft kommunaler Infrastruktur“ mit u.a. Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke, The Hoxton, Vienna [Infos, invite only]
19:00 Uhr, Wien: Buchpräsentation „zugvögel – 36 prosa-miniaturen + eine zugabe“ von Gerhard Rühm und Martina Kudláček, Literaturhaus Wien [Infos]
19:30 Uhr, Wien: „Viktor!“ – Ein Liederabend mit Musik von Viktor Ullmann mit Sopranistin Annette Dasch, Volksoper [Infos und Tickets]