Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Gregor Plieschnig und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Erwerbsquote von Frauen über 60 wird sich bis 2030 fast verdoppeln. Die Beschäftigungsquote von Frauen zwischen 60 und 64 wird sich bis 2030 um 17,1 Prozentpunkte auf 39,9 % fast verdoppeln – getrieben v. a. durch das steigende Pensionsantrittsalter für Frauen. Die jüngst beschlossenen Maßnahmen sind noch nicht berücksichtigt – ihre Wirksamkeit soll mit einer Wifo-Simulation gemessen werden. Die Arbeitslosigkeit dieser Altersgruppe wird sich der Quote der Männer von prognostiziert 13 % annähern. Bei Männern derselben Altersgruppe dürfte die Beschäftigungsquote um 2,5 Prozentpunkte auf 48,1 % steigen. Um die von der Regierung angestrebten Einsparungen im Pensionsbereich von rund 2,7 Mrd. Euro bis 2030 zu erzielen, müssen die nun beschlossenen und die weiteren angekündigten Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, mahnt das Wifo. [Quelle: Wifo | Grafik: Was die Anhebung des Frauenpensionsalters bringt]
Tipp für die Urlaubslektüre von Gerald Loacker
The Price of Time
Zinsen sind der Preis dafür, Geld über eine bestimmte Zeitspanne nutzen zu dürfen. Ausgehend von den Babyloniern beschreibt Edward Chancellor in The Price of Time facettenreich die jahrhundertelange Debatte über Nutzen und Schaden des Zinses und über die Frage, wann dieser „angemessen“ sei. Dabei zeigt er auf, dass Zinskritik keine neue Erscheinung ist: Sowohl das Alte Testament und später Thomas von Aquin ebenso wie die politisch gegensätzlichen Figuren Karl Marx und Adolf Hitler zählten zu seinen entschiedenen Gegnern. Chancellor beleuchtet wirtschaftliche, politische und theologische Auseinandersetzungen ebenso wie aktuelle Fragestellungen, etwa die der Negativzinsen. Die Leser erfahren dabei, dass Ökonomen bereits lange vor dem Praxisbeispiel der Ära Christine Lagarde auf die schädlichen Folgen zu niedriger Zinsen hingewiesen haben: Blasenbildung, schwaches Wachstum, Zombieunternehmen und Krisen der Pensionssysteme.
Grafik (von Christoph Hofer und Stephan Frank): Seit 2021 verzeichnet Österreich den drittstärksten Anstieg an Firmeninsolvenzen in der EU. Bis zum 2. Quartal 2025 haben sich die Insolvenzen im Vergleich zu 2021 mehr als verdoppelt (231 %), während Neuregistrierungen von Unternehmen um 9 % zurückgingen. EU-weit gab es seit 2021 nur in Griechenland (443 %) und Ungarn (370 %) einen stärkeren Insolvenz-Anstieg. Der EU-Schnitt liegt bei 167 %, Dänemark hingegen verzeichnet heute mehr als ein Viertel weniger Insolvenzen als noch 2021 (72 %). [Quelle: Eurostat]

🇦🇹 Neos-Chefin für weitere Reformen. „Wir räumen jetzt zam“, sagte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger im Sommergespräch des ORF. Man sei in einer schwierigen Situation, sowohl budgetär als auch wirtschaftlich – ihre Partei wolle weiterhin strukturelle Reformen vorantreiben, vor allem in den Bereichen Energie, Gesundheit und Bildung – wo der Staat teuer sei, aber nicht die besten Ergebnisse liefere. Man werde auch weiter auf eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters drängen. Für die knapp 50.000 außerordentlichen Schüler in Österreich, von denen nur 17 % die „Sommerschule“ besuchen, soll der Besuch dieser ab 2026 verpflichtend werden. Meinl-Reisinger sprach sich weiters gegen Preiseingriffe und für die Umsetzung des Mercosur-Freihandelsabkommens aus. Dass es bisher eher verhaltene strukturelle Reformen gegeben habe, hätte den Neos bisher in den Umfragen nicht geschadet, analysierte Politologe Peter Filzmaier. [Quellen: Sommergespräch, Kronen Zeitung, Filzmaier in der ZIB 2 | Reaktion: Stadt Wien]
🇦🇹 Zu wenig Personal für schnelle Erneuerbaren-Genehmigungen. Das Kontext-Institut pocht mit einer Kurzanalyse auf die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für Windräder und Co. Umweltverträglichkeitsprüfungen sollen per Gesetz nur 6-9 Monate dauern, tatsächlich liege man durchschnittlich bei mehr als 22 Monaten. Schuld seien vor allem Mängel bei Projektunterlagen, zu wenig Personal in den zuständigen Behörden und die öffentliche Akzeptanz. Es brauche mehr Personal, das auch bundesländerübergreifend eingesetzt werden soll. Entscheidend sei auch die genaue Ausgestaltung der Gebiete, in denen Genehmigungen beschleunigt werden. Diese Gebiete werden im Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) definiert, das demnächst in Begutachtung gehen soll. „Diese Flächen auszuweisen, liegt in der Verantwortung der Bundesländern, die mit Ausnahme vom Burgenland, Niederösterreich und der Steiermark hier säumig sind“, sagt Kontext-Vorständin Katharina Rogenhofer. [Quelle: Kontext-Institut]
🇪🇺 EU importiert wieder mehr russisches Flüssiggas. Im 1. Halbjahr wurde von den EU-Ländern russisches Flüssigerdgas (LNG) im Wert von knapp 4,5 Mrd. Euro importiert, im selben Zeitraum 2024 betrug der Gegenwert rund 3,47 Mrd. Euro. Das meiste Flüssiggas aus Russland wurde dabei jedes Monat von Frankreich gekauft. Der größte Lieferant für Flüssiggas waren die USA mit einem Gegenwert von 13,7 Mrd. Euro. [Quelle: Eurostat]
🇪🇺🇺🇸 EU-Handelsüberschuss mit USA gesunken. Im Juni 2025 erzielte die EU mit den USA einen Außenhandelsüberschuss von 9,6 Mrd. Euro – im Juni des Vorjahres lag der Überschuss noch bei 18,5 Mrd. Euro. Die Exporte in die USA sind um 10,3 % gefallen, während die Importe um 16,4 % zugenommen haben. Insgesamt erzielte die EU im Juni 2025 mit dem Rest der Welt einen Überschuss von 8,0 Mrd. Euro, verglichen mit 20,3 Mrd. Euro im Juni 2024. Von Jänner bis Juni 2025 verzeichnete die EU einen Überschuss von 80,1 Mrd. Euro, verglichen mit 92,9 Mrd. Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres. [Quelle: Eurostat]
🇪🇺🇨🇳 Zoll-Konflikt EU-China geht weiter. Die seit Oktober 2024 geltenden EU-Ausgleichszölle auf E-Autos aus China wegen verbotener Subventionen führten im 1. Halbjahr 2025 zu einem Anstieg der Importe von Plugin-Hybrid-Autos um 364 % im Jahresvergleich. Insgesamt wurden knapp 33.000 dieser Pkw-Modelle in der EU abgesetzt, sie unterliegen nicht den Zöllen. China kündigte an, die laufende Anti-Subventionsuntersuchung gegen Milchprodukte aus der EU bis zum 21. Februar 2026 zu verlängern. Die Untersuchung wurde vor einem Jahr gestartet, zur selben Zeit als die EU die E-Auto-Zölle gegen China debattierte. [Quellen: Handelsblatt, Xinhua]
🌐 Ökonomen erwarten globale Inflation von 4 %. Die durch eine weltweite Umfrage unter Ökonomen erhobenen Inflationserwartungen bleiben auch im 2. Quartal 2025 weiterhin hoch: Für 2025 liegt die erwartete durchschnittliche Inflation bei 4,0 %, für 2026 bei 3,9 % und für 2028 bei 3,7 %. In Westeuropa wird heuer mit 1,8 % eine unterdurchschnittliche Inflationsrate prognostiziert, die Erwartungen für Nordamerika und Nordeuropa liegen bei 2,7–3,1 %. Für Nordafrika wird eine Inflationsrate von fast 41 % erwartet. [Quelle: Ifo-Institut]
🇩🇪 Zu wenige Arbeitskräfte für deutsche Energiewende. Deutschland benötigt bis zum Jahr 2030 zusätzlich 157.000 Arbeitskräfte zur Umsetzung der Energiewende (z. B. Ausbau der Windenergie); bis zum Jahr 2040 weitere 102.000. Für die Klimawandel-Anpassung (z. B. Bau von Deichen oder Bewässerungsanlagen) sind bis 2030 sowie 2040 jeweils weitere 40.000 Arbeitskräfte erforderlich. Bereits jetzt herrscht aber in den Berufsgruppen Energietechnik, Elektrotechnik, im Hochbau sowie in der Baustoffherstellung ein „äußerst angespannter Arbeitsmarkt“. [Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung]
🇩🇪 Mehr Wohnbau-Genehmigungen in Deutschland. Im 1. Halbjahr ist die Zahl der genehmigten Wohnungsneubauten in Deutschland um 2,9 % auf rund 110.000 gestiegen. Im Vorjahreszeitraum gab es den niedrigsten Wert seit 2010. Der Anstieg speiste sich fast nur aus dem Plus von 14,1 % bei Einfamilienhäusern, Bewilligungen für Zweifamilienhäuser gingen um 8,3 % zurück, Mehrfamilienhäuser wuchsen um 0,1 %. Im Juni allein stieg die Zahl der Bewilligungen um 7,9 % im Jahresvergleich. [Quelle: Statistisches Bundesamt]
🇪🇸 Spaniens Schuldenstand sinkt dank Wirtschaftswachstum. In Spanien ist dank des Wirtschaftswachstums der Schuldenstand in Prozent des BIP gesunken – in absoluten Zahlen allerdings weiter gestiegen. Im Juni lagen die Schulden bei 103,4 % des BIP, also um 1,9 Prozentpunkte weniger als noch vor einem Jahr. Die Maastricht-Kriterien sehen jedoch maximal 60 % vor. Die öffentliche Verschuldung stieg im Jahresabstand um 4 % auf 1.691 Mrd. Euro. Die spanische Regierung rechnet damit, dass der Schuldenstand heuer noch auf 101,7 % fallen wird, die EU-Kommission ist optimistischer und geht von einem Wirtschaftswachstum von 2,6 % und einem Schuldenstand von 100,9 % aus. Das Wachstum wird hauptsächlich durch den Tourismus getrieben. [Quellen: Banco de Espana, EU-Kommission]
🇺🇸 US-Immobilienmarkt schwächelt. Die Stimmungslage der US-Baufirmen ist im August um einen Zähler auf 32 Punkte gesunken, der tiefste Wert seit Dezember 2022. Die hohen Zinsen und die generell unsichere wirtschaftliche Lage würden momentan die Nachfrage nach neuen Häusern sinken lassen. 37 % der Bauunternehmen mussten deshalb bereits die Preise senken, durchschnittlich um 5 %. Zwei Drittel boten zusätzliche Kaufanreize an, der höchste Wert seit der Corona-Pandemie. [Quelle: NAHB]
Selektive Agenda:
Heute, Chisinau/Moldawien: Außenministerin Meinl-Reisinger auf Besuch in der Republik Moldau; Treffen mit Amtskollegen Popșoi, Präsidentin Sandu und
Vizepremierministerin Gherasimov (bis 21.8.)
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht den vorläufigen Fahrzeug-Bestand 31. Juli 2025
13:00 Uhr, Brüssel: Digitaler EU-Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs nach Treffen im Weißen Haus zum Ukraine-Krieg [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Gerhard Weinhofer ist neuer Berufsgruppensprecher der Inkasso-Branche in der WKÖ. Ekkehard Allinger-Csollich und Thomas Scheiber wurden als neue Geschäftsführer der Innsbrucker Verkehrsbetriebe bestellt.
Geburtstage: Wir gratulieren Markus Beyrer, Armin Wolf, Rainer Pariasek und Maria Berger zum Geburtstag.