Morning in Brief ・ 19.12.2024

Morning in Brief, 19. Dezember 2024

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Gregor Plieschnig, Christoph Hofer und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

Stimmung bei KMU bricht ein. Österreichische Klein- und Mittelunternehmen bewerten ihre aktuelle Auftragsentwicklung stark negativ. Das Geschäftsklima-Barometer der Creditreform sinkt von minus 4,9 Punkten auf minus 9,9 Punkte ab. Den stärksten Rückgang gab es im Jahresvergleich mit minus 14,1 Punkten im verarbeitenden Gewerbe. Fast 29 Prozent der Unternehmen haben ihre Belegschaft bereits verkleinert. Mehr als die Hälfte der KMU meldet eine gesunkene Ertragslage und fast die Hälfte erhebliche Auftragseinbußen im vergangenen halben Jahr. [Quelle: Creditreform]

AKW wieder einzuschalten „völlig an den Haaren herbeigezogen“
Interview mit Günter Pauritsch

Günter Pauritsch leitet bei der Österreichischen Energieagentur das Center für Energiewirtschaft und Infrastruktur und spricht im Interview mit Selektiv über die Auswirkungen der „Dunkelflauten“ in Deutschland auf Strompreise und Versorgungssicherheit. „In Österreich haben wir tausende Megawatt installierte Pumpspeicherkraftwerks-Kapazitäten. Für diese Betreiber ist eine solche Preissituation eigentlich ein hoch erfreulicher Aspekt – der Pumpspeicher fährt in wenigen Minuten hoch und kann Strom zu hohen Preisen absetzen“, sagt Pauritsch.

Grafik (von Stephan Frank): 2023 wurde mit 146 Mrd. Euro ein neuer Höchststand an Sozialausgaben in Österreich erreicht. Schon 2022 hatte Österreich den zweitgrößten Sozialstaat in der Europäischen Union. Mit einer Sozialquote von 30,4 Prozent liegt Österreich deutlich über dem EU-Schnitt von 28 Prozent, nur Frankreich hat eine noch höhere Sozialquote. Insbesondere die Ausgaben für Altersleistungen steigen seit Jahrzehnten konstant. [Quellen: Statistik Austria, Eurostat]

Inflation. Die Teuerung lag in Österreich im November mit 1,9 Prozent knapp unter der Zwei-Prozent-Marke. Im Vergleich zum Vormonat ist das ein Anstieg um 0,3 Prozent. Die Inflation wird derzeit vor allem von Restaurants/Hotels (6 Prozent) sowie von Waren und Dienstleistungen (5 Prozent) getrieben – ohne den preisdämpfenden Effekt von Haushaltsenergie (-11,8 Prozent) und Treibstoffen (-8,2 Prozent) läge die Inflation bei 2,8 Prozent. Im Euro-Raum liegt die Inflation im November bei 2,2 Prozent (Okt.: 2,0 Prozent), in der EU bei 2,5 Prozent (Okt.: 2,3 Prozent); im Vereinigten Königreich bei 2,6 Prozent (Okt.: 2,3 Prozent). [Quellen: Statistik Austria, Eurostat, ONS]

Koalitionsverhandlungen. Der kleinste gemeinsame Nenner ist vor allem den Neos zu wenig, berichten Krone und Kurier heute. Besonders viele Streitfragen gibt es im Wirtschaftsbereich – in mehr als 65 „zentralen Vorhaben“ steht die Ampel laut einem Heute-Bericht auf Rot. Bis Freitag soll entschieden werden, ob eine Einigung möglich ist. Über die Feiertage könne dann klarer weiterverhandelt werden. Scharfe Kritik kam indes vom burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, der selbst im Jänner eine Landtagswahl zu schlagen hat. Die Debatte um die Verschuldung des Staates sei ein „unsägliches Schauspiel“, die von den Verhandlern angedachte Zuziehung der Länderchefs zu den Verhandlungen schließt er aus. [Quelle: Medienberichte; Kurier; Krone; Heute]

Weniger Börsengänge. Im heurigen Jahr ist die Zahl der Börsengänge weltweit um 10 Prozent zurückgegangen. 1.215 Firmen gingen an die Börse und spielten damit 121,1 Mrd. Dollar (115,4 Mrd. Euro) ein, ein Rückgang um 4 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Vor allem in Asien ging die Zahl zurück. In Österreich gab es heuer in den beiden Top-Segmenten ATX und im ATX Prime der Wiener Börse keine Neuzugänge. Im KMU-Segment „direct market plus“ kamen drei Unternehmen hinzu. [Quelle: EY]

Deutsche Gasspeicherumlage. Außenminister Alexander Schallenberg rechnet damit, dass Deutschland die umstrittene Gasspeicherumlage, die auch Gasexporte nach Österreich verteuert, demnächst abschaffen wird. „Ich habe Signale bekommen, dass der Deutsche Bundestag die Gasspeicherumlage noch in dieser Legislaturperiode abschafft“, sagt er in einem Interview mit der Presse. Tschechien habe die gleichen Signale erhalten. [Quelle: Die Presse]

Haushaltseinkommen. 11 Prozent der Bevölkerung berichten im dritten Quartal von Schwierigkeiten, mit dem Haushaltseinkommen auszukommen. Das sind deutlich weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (16 Prozent) und auch um zwei Prozentpunkte weniger als im zweiten Quartal. Rund die Hälfte erwartet eine Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage, rund ein Fünftel die Verschlechterung des eigenen Einkommens. [Quelle: Statistik Austria]

Demokratie-Zufriedenheit. Die Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem politischen System in Österreich nimmt wieder zu, allerdings nur in den oberen und mittleren Einkommensdritteln. Im untersten Einkommensdrittel denken nur 21 Prozent, dass unser politisches System gut funktioniert (2020: 43 Prozent). Im oberen und mittleren Drittel steigt die Zufriedenheit das zweite Jahr in Folge wieder. [Quelle: Demokratie-Monitor]

EU-Kommission prüft „wirtschaftliche Ungleichgewichte“. Die EU-Kommission hat gestern den zweiten Teil des Herbstpakets mit wirtschaftspolitischen Empfehlungen für die EU-Länder veröffentlicht. Laut dem Warnmechanismusbericht könnten die wirtschaftlichen Probleme in neun Ländern negativ auf die gesamte EU auswirken – sie sollen nun aufgrund „wirtschaftlicher Ungleichgewichte“ geprüft werden: Deutschland, Griechenland, Italien, Niederlande, Rumänien, Schweden, Slowakei, Ungarn und Zypern. Als Kriterien gelten etwa die Staatsverschuldung oder die Arbeitslosenrate. [Quelle: EU-Kommission]

Deutsche Exporte. Die Exporterwartungen sind in Deutschland im Dezember auf -6,1 Punkte (Nov.: -5,8 Punkte) gesunken. Die Bauwirtschaft hat einen Entwicklungssaldo von plus 15, so die deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), das sei zwar eine positive Einschätzung der aktuellen Lage, allerdings erheblich schwächer als vor einem Jahr. Zur Stützung der Betriebe verlängerte die deutsche Bundesregierung die Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld von 12 auf bis zu 24 Monate. [Quellen: Ifo-Institut; DIHK; Medienberichte]

US-Zinssenkung. Die US-Notenbank Fed senkte die Leitzinsen gestern Abend um 0,25 Prozentpunkte auf die Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent. Es ist die dritte Senkung im laufenden Jahr. 2025 dürften die Zinsen nun langsamer sinken – die Notenbanker rechnen mit zwei Senkungen um je 0,25 Prozentpunkte. [Quelle: Fed]

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Straßburg. Vierter Plenartag Europaparlament (16.-19. Dezember) 

9:00 Uhr, Wien. Plenarsitzung des Bundesrats 

10:30 Uhr, Wien. Angelobung von Landeshauptmann Kunasek durch Bundespräsident Van der Bellen 

Ganztägig, Brüssel. Bundeskanzler Nehammer beim EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs; ukrainischer Präsident Selenskyj zu Gast 

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Georg Riedl folgt Hannes Androsch als Aufsichtsratschef bei AT&S. Barbara Rauchwarter wird Head of Group Projects und Petra Haller wird neue CCO der APA. Jeff Schreiner wird neuer zoologischer Direktor des Haus des Meeres, Hans Köppen wird wirtschaftlicher Direktor.  

Geburtstage: Wir gratulieren Corinna Milborn und Heinz Sichrovsky zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

Heute, 12:30 Uhr, Wien. Adventempfang von Familienministerin Susanne Raab für Kirchen und Religionen im Bundeskanzleramt [invite only]

Heute, ab 18:30 Uhr, Wien. Vorweihnachtliches „Open House“ der Industriellenvereinigung im Haus der Industrie [invite only]

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