Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇪🇺 EU verschiebt Mercosur-Unterzeichnung. Die für Samstag geplante Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens wird um drei Wochen auf Jänner verschoben, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gestern Nacht nach dem EU-Gipfel in Brüssel und sprach von einem „Durchbruch, um den Weg zur Unterzeichnung zu ebnen“. Sie sei zuversichtlich, dass sich eine Mehrheit in der EU finde. Die Verschiebung sei mit den Mercosur-Partnern bereits abgestimmt. „Offensichtlich gibt es noch Bedarf für Veränderungen oder Verbesserungen“, kommentierte Bundeskanzler Christian Stocker. Gestern hat sich die italienische Premierministerin Giorgia Meloni laut Medienberichten an den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva mit der Bitte um Geduld gewandt – Italien werde zustimmen, es brauche aber noch bis zu einem Monat mehr Zeit, um Fragen für die Landwirtschaft zu klären. Das Abkommen wurde 26 Jahre lang verhandelt. Die Verschiebung sei eine „schlechte Nachricht“ für Unternehmen, kommentierte der Arbeitgeber-Dachverband BusinessEurope und pochte auf eine rasche Terminfindung für Jänner. Österreich steht dem Abkommen ablehnend gegenüber. Eine Positionsänderung scheitert bisher vor allem am Bauernbund der ÖVP, den Grünen, weiten Teilen der SPÖ und der FPÖ. Mit dem Wiener Bürgermeister Michael Ludwig sprach sich gestern eine mächtige SPÖ-Stimme für das Abkommen aus: „Mercosur ist nicht perfekt, aber eine Chance, die wir in schwierigen Zeiten auf jeden Fall nutzen sollten.“ Stocker hingegen sagte nach dem EU-Gipfel: „Wir haben einen Parlamentsbeschluss, für uns ist die Sache klar“. [Quellen: Ursula von der Leyen, Q&A nach der Pressekonferenz, Doorstep Stocker, Doorstep Meloni, Reuters, BusinessEurope, Ludwig auf X | Grafik: Oberösterreich profitiert am meisten von Mercosur]
Kommentar: Geldpolitik – die Märkte sind nach wie vor verzerrt
von Heike Lehner
Die Party des billigen Geldes bedeutet Staatsverschuldung ohne Ende und schwache Budgetdisziplin der Staaten. Die 10-jährigen Staatsanleihezinsen waren im Euroschnitt am Höchststand um etwa 1,8 Prozentpunkte niedriger als sie es ohne Staatsanleihenankäufe gewesen wären. Und selbst heute liegen sie weiterhin um rund 0,6 Prozentpunkte niedriger, als sie sollten. Das bedeutet, dass die Staaten im Euroschnitt noch immer nicht die Zinsen auf ihre Schulden zahlen, die sie ohne Eingreifen der EZB zahlen würden.
💡 US-Zollkrieg trifft Österreichs Exporte besonders hart. Die heimischen Warenexporte schrumpfen 2025 voraussichtlich das dritte Jahr in Folge. Im Vergleich zum Basisjahr 2021 liegt das Exportvolumen im 3. Quartal 2025 um real 6,0 % tiefer. Ein wesentlicher Bremsfaktor ist die US-Zollpolitik: Höhere Tarife (u. a. auf Stahl, Aluminium und andere Güter) haben zu einem spürbaren Einbruch der Exporte in die USA geführt und eine wichtige Wachstumsstütze der österreichischen Exportwirtschaft geschwächt. In Deutschland beträgt der Rückgang 4,1 % während die Eurozone (+0,8 %) sogar ein leichtes Wachstum verzeichnet. [Quelle: Wifo | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Wifo/IHS-Prognose: Österreich kehrt auf Wachstumskurs zurück. In ihrer Winterprognose verbessern IHS und Wifo die Wachstumsaussichten für 2025 von 0,3 auf 0,5 %. Auch in den Jahren 2026 (IHS: 1,0 %; Wifo: 1,2 %) und 2027 (IHS: 1,1 %; Wifo: 1,4 %) soll die Konjunktur stärker anziehen als zuletzt erwartet. Die Inflation sinkt von 3,5-3,6 % im Jahr 2025 auf 2,5-2,6 % (2026) bzw. 1,9-2,4 % (2027). Die Industrie dürfte den Tiefpunkt der Rezession durchschritten haben und ab 2026 wieder deutlicher wachsen. Niedrigere Energiepreise und eine mäßigere Lohnentwicklung schlagen sich positiv nieder. Der Bau kommt nach einer Schrumpfung 2025 (-0,8%) hingegen nur langsam in Fahrt. Gastronomie und Beherbergung dürften ein leichtes Plus schaffen. Die Arbeitslosenquote sinkt bis 2027 nur leicht auf rund 7,0 % (2025: 7,4 %). Das öffentliche Defizit beträgt heuer laut Wifo 4,6 % und sinkt bis 2027 auf 4,0 % – die Schuldenquote steigt in Folge auf rund 85 % des BIP. „Da die Staatseinnahmenquote weiter bei über 50% liegt, sollte der Schwerpunkt der Budgetsanierung nun ausgabenseitig liegen“, so Wifo-Chef Gabriel Felbermayr. [Quellen: Wifo, IHS | Reaktionen: IV, WKÖ, ÖGB, ÖVP Parlamentsklub, Grüne, Neos, SPÖ Parlamentsklub, FPÖ Parlamentsklub]
🇦🇹 Teilzeitbeschäftigte arbeiten mehr als vor 20 Jahren. Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche ist in Österreich in 20 Jahren um 4,3 Stunden zurückgegangen und lag 2024 bei 35,4 Stunden. Bei Teilzeitbeschäftigten stieg sie im selben Zeitraum um eine Stunde auf 21,7 Stunden im Jahr 2024. Am stärksten zugenommen hat der Anteil jener, die zwischen 25 und 35 Stunden arbeiten. Teilzeitbeschäftigte Frauen arbeiteten 2024 mit durchschnittlich 22,2 Stunden pro Woche etwas mehr als teilzeitbeschäftigte Männer, die auf 20,2 Stunden kamen. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 WKÖ legt Kammerumlage 2 für 2026 fest. Die Wirtschaftskammer hat gestern die Hebesätze der Kammerumlagen für 2026 veröffentlicht und damit klargestellt, dass die Kammerumlage 2 im Wesentlichen nicht gesenkt wird. Eine Senkung oder Abschaffung wurde in den vergangenen Wochen wiederholt von einigen Unternehmern sowie von FPÖ, Neos und den Grünen gefordert. Die KU2 ist in jedem Bundesland unterschiedlich hoch und besteht aus zwei Teilen. Der Bundeskammer-Anteil bleibt für 2026 bei 0,12 % – Bemessungsgrundlage ist der Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds. Nur Salzburg und Niederösterreich senken ihren Aufschlag um je 0,1 Prozentpunkte – in allen anderen Bundesländern bleibt der Satz gleich. [Quelle: WKÖ | Reaktion: FPÖ | Grafik: Wachstum der Kammerumlagen in der WKÖ]
🇦🇹 Netzkosten steigen 2026 bei Gas kräftig. Die E-Control hat gestern die Verordnungen zu den Netzentgelten für 2026 veröffentlicht. Für Strom erhöhen sich die Netzkosten für Haushalte durchschnittlich um 1,3 %, für Gas um 18,2 %. Je nach Bundesland gibt es Erhöhungen oder Senkungen. Den stärksten Anstieg bei Strom gibt es im Burgenland (+15,9 %), Tirol (+10,9 %) und Niederösterreich (+6,9 %). In Salzburg gibt es eine deutlichere Senkung um rund 9 %. Bei Gas ist der Anstieg in Kärnten mit 35 % am stärksten, in Niederösterreich liegt er bei 30,6 %, Steiermark bei 27,7 %, Burgenland bei 25 % und in Oberösterreich bei 6,5 %. [Quelle: E-Control]
🇦🇹 🇪🇺 Österreich und EU bilden Energie-Arbeitsgruppe. Ab Jänner 2026 richten Österreich und die EU-Kommission eine Arbeitsgruppe ein, um zentrale energiepolitische Fragen zu bearbeiten. Im Fokus stehen der Einfluss des Gaspreises auf den Strompreis, eine faire Verteilung der Netzkosten insbesondere für Transitkapazitäten, die Umsetzung des EU-Grids-Pakets mit Schwerpunkt auf dem Wasserstoff-Südkorridor sowie die Unterstützung energieintensiver Industrieunternehmen. [Quellen: PK Hattmannsdorfer und EU-Kommissar Jørgensen, Wasserstoff-Südkorridor]
🇦🇹 Österreicher sorgen sich wegen Teuerung, Gesundheit und Steuern. Die Sorgen der Österreicher sind laut Integrationsbarometer des ÖIF geprägt von wirtschaftlichen Themen. Am stärksten beschäftigt die Befragten die Teuerung, vor Engpässen bei Gesundheit und Pflege. Zu hohe Steuern landen auf Platz 3 knapp vor der Verbreitung des Politischen Islam. Die Sorgen aufgrund steigender Preise bei Strom, Heizen und Lebensmittel sind seit Mai mit 6 Prozentpunkten am stärksten gestiegen. Die Sorgen um Klima und Umwelt haben erneut ein wenig abgenommen. [Quelle: ÖIF]
🇦🇹 Zahl wachstumsstarker Unternehmen gesunken. In Österreich sinkt die Anzahl schnell wachsender Unternehmen. Die Statistik Austria identifiziert 2024 nur noch 4.070 solcher Unternehmen – um 5 % oder 208 Unternehmen weniger als 2023. Schnell wächst ein Betrieb, wenn er die Belegschaft in drei Jahren jährlich mindestens um 10 % erhöht. Die Zahl schnell wachsender Unternehmen stieg am stärksten in der Energieversorgung und in der Finanz- und Versicherungsbranche. In Bau und Produktion gab es Rückgänge. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 🇪🇺 Anteil erneuerbarer Energien in Österreich über EU-Durchschnitt. Der Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch der Endnutzer in Österreich lag 2024 bei 42,9 % und damit deutlich über dem EU-Durchschnitt von 25,2 %. 2014 hatte der Anteil in Österreich 33,5 % betragen, 2004 lag er bei 22,5 %, während der EU-Durchschnitt damals lediglich 9,6 % erreichte. EU-weit verzeichnete Schweden 2024 mit 62,8 % den höchsten Anteil erneuerbarer Energien, Belgien lag mit 14,3 % am unteren Ende. Beim Stromverbrauch kam Österreich 2024 auf einen Anteil erneuerbarer Energien von 90,1 % und damit auf den höchsten Wert in der EU, gegenüber einem EU-Durchschnitt von 47,5 %. [Quelle: Eurostat]
🇪🇺 EZB lässt Leitzinsen unverändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Zinssätze bei 2,0 % für die Einlagefazilität, 2,15 % für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte und 2,4 % für die Spitzenrefinanzierungsfazilität. Das Wirtschaftswachstum im Euroraum wird höher erwartet als im September und liegt für 2025 bei 1,4 %, für 2026 bei 1,2 % sowie für 2027 und 2028 jeweils bei 1,4 %. Gleichzeitig geht die EZB davon aus, dass sich die Inflation ab 2028 stabil bei 2 % einpendeln wird. [Quellen: EZB, Rede Christine Lagarde | Grafik: Leitzins-Entwicklung in USA und Eurozone]
🇪🇺 Biotech-Paket der EU bringt besseren Schutz, aber auch neue Hürden. Die EU-Kommission hat diese Woche ein Reformpaket für den Biotech-Sektor vorgelegt. Dadurch wird die Genehmigung klinischer Prüfungen und damit auch die Zulassung neuer Medikamente beschleunigt und der Schutz neuer Biotech-Arzneimittel gestärkt. Der zusätzliche Schutz sei aber an Verpflichtungen geknüpft, die wieder neue Hürden für Unternehmen darstellen, kritisiert der österreichische Interessenverband Pharmig. Der Biotech-Act muss noch von EU-Parlament und -Rat abgesegnet werden. [Quellen: EU-Kommission, Pharmig]
🇩🇪 Deutsche Exporterwartungen bleiben verhalten. Die Exporterwartungen der deutschen Wirtschaft haben sich im Dezember leicht verbessert und stiegen im Ifo-Index auf -3,1 Punkte nach -3,8 im November. Ein nennenswerter Aufschwung bleibt jedoch aus. Die Automobil- und Maschinenbauindustrie sowie die Nahrungsmittelbranche erwarten weiterhin rückläufige Exporte. Dagegen rechnen Hersteller elektronischer und optischer Erzeugnisse sowie Getränkeproduzenten mit steigenden Auslandsgeschäften, während Hersteller elektrischer Ausrüstungen nur noch geringe Zuwächse prognostizieren. [Quelle: Ifo-Institut]
Selektive Agenda:
10:00 Uhr, Brüssel: Bundeskanzler Stocker beim EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs
10:00 Uhr, Wien: OeNB veröffentlicht Gesamtwirtschaftliche Prognose 2025 bis 2027 [Info]
11:00 Uhr, Wien: Staatssekretär Pröll, Staatssekretärin Schmidt und Bildungsminister Wiederkehr ziehen eine Regierungsbilanz
16:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission gibt Verbrauchervertrauen Eurozone für Dezember bekannt
Samstag, 15:00 Uhr, Brasília, Brasilien: Gipfeltreffen des Staatenbundes Mercosur [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Daniel Rath wird Mitte 2026 neuer Firmenkundenvorstand der Erste Bank. Friedrun Schwanzer ist ab 1. Mai 2026 neue wirtschaftliche Geschäftsführerin des Technischen Museums Wien. Michael Lindner wird mit 1. Jänner neuer Geschäftsführer des Dachverbands der österreichischen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen (DÖJ). Julia Wippersberg übernimmt ab sofort die Funktion der Geschäftsführerin der VG Newsmedia, der neuen Verwertungsgesellschaft für Leistungsschutzrecht der Presseverlage, von Lisa Seidl. Sylvia Mayer wird ab 1. Jänner Direktorin der Direktion Staatsschutz Nachrichtendienst (DSN).
Geburtstage: Wir gratulieren Corinna Millborn zum Geburtstag. Am Samstag haben Günther Ofner und Paul Zulehner Geburtstag, am Sonntag Michael Spindelegger.
Sehen & gesehen werden:
Spotted. Gestern lud die Industriellenvereinigung zum Open House ins Haus der Industrie. Gesehen wurden neben den Gastgebern Georg Knill und Christoph Neumayer u. a. Martin Kocher, Andreas Ottenschläger, Valerie Hackl, Günther Ofner, Thomas Arnoldner, Lukas Mandl, Jochen Borenich, Othmar Karas, Johannes Hahn, Rainer Nowak, Martina Salomon, Volker Obermayr, Bernhard Ecker, Gerhard Jelinek, Jürgen Hofer, Wolfgang Layr, Eva Schütz, Anna-Sophie Kräftner uvm.
15:00 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion „Der Blick zurück schärft die Lehren für die Zukunft – Handeln für Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden. 30 Jahre nach der 4. UN-Weltfrauenkonferenz in Beijing“ u. a. mit Eva-Maria Holzleitner im Palais Epstein [Info]
19:00 Uhr, Wien: UrbanIn – The XMAS Club in der Bar Hannelore [Info]
Samstag, 19:00 Uhr, Wien: Premiere Wiener Staatsballett „Marie Antoinette“ von Thierry Malandain in der Volksoper [Info]