Morning in Brief ・ 02.12.2025

Morning in Brief, 2. Dezember 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, David Schima und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 400.000 Arbeitslose im November. Die Arbeitslosigkeit ist in Österreich zum 32. Mal in Folge gestiegen, knapp 400.000 Menschen waren im November arbeitslos oder in einer Schulung. Das sind um rund 15.000 Personen bzw. 4 % mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote liegt damit bei 7,5 %. Bis Ende Jänner soll die Arbeitslosigkeit im Tourismus zwar deutlich sinken, durch einen Anstieg in Bau und Landwirtschaft werden die absoluten Arbeitslosenzahlen insgesamt aber um 50.000 Personen steigen, so AMS-Vorstand Johannes Kopf. Arbeitsministerin Korinna Schumann machen die steigenden Arbeitslosenzahlen „große Sorgen“, sie will vor allem über die „Aktion 55Plus“ gegensteuern, um ältere Arbeitslose in Beschäftigung zu bringen. [Quellen: AMS, BMASGPK, Doorstep Schumann | Reaktionen: ÖGB, IV, Wirtschaftsbund, GPA, Seniorenbund]

Kommentar: Der zweite „China-Schock“ wird uns mit Wucht treffen
von Bernhard Seyringer

Der zweite „China-Schock“ nimmt mit dem nächsten Fünfjahresplan volle Fahrt auf. Er wird uns mit voller Wucht treffen. War es vor mehr als zwei Dekaden das industrielle Kernland der USA, das die verheerenden Wirkungen zu spüren bekam, ist es nun unser Kontinent. Eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten des 15. Fünfjahresplans (2026-2030) wäre deswegen mehr als ratsam. Eine Katastrophe mit Ansage und mindestens einer Dekade Vorlaufzeit.

💡 Europäische Nato-Staaten erhöhen Militärausgaben deutlich. Mehr als drei Jahre nach Beginn des Ukraine-Krieges haben vor allem Länder in Nord- und Osteuropa ihre Militärbudgets stark gesteigert. Mit Militärausgaben von rund 4,2 % des BIP im Jahr 2024 ist Polen mittlerweile Nato-Spitzenreiter. Erreichten 2022 nur sechs Nato-Staaten (exkl. USA) die frühere Zwei-Prozent-Zielmarke, sollen diese nach Schätzung der Nato 2025 alle 32 Mitgliedsländer (exkl. Island) erreichen. Österreich plant die Erhöhung seines Verteidigungsbudgets auf 1,5 Prozent des BIP bis 2027. [Quellen: Sipri, Nato | Grafik von Christoph Hofer]

🇦🇹 Pflegebonus in Salzburg erst ab Juli gestrichen. Da der neue Stabilitätspakt den Ländern und Gemeinden mehr Verschuldung erlaubt, wird Salzburg den Pflegebonus nicht mit Jänner 2026 abschaffen, sondern noch bis inklusive Juni 2026 auszahlen. Konkret erlaubt der neue Stabilitätspakt Salzburg, sich um 10 Mio. Euro stärker zu verschulden als bisher vorgesehen. „Die 10 Millionen Euro sind natürlich auch Schulden. Wir haben nur die Möglichkeit bekommen, mehr auszugeben als wir haben“, so Landeshauptfrau Karoline Edtstadler. [Quellen: Land Salzburg, Edtstadler auf Facebook, SN, GÖD]

🇦🇹 Österreichs Unternehmen hinken bei Digitalisierung hinterher. 73 % der kleinen und mittleren Unternehmen in Österreich sind grundlegend digitalisiert, bis 2030 sieht das EU-Ziel einen Digitalisierungsgrad von mindestens 90 % vor. Diesen Wert erreichen hierzulande derzeit nur große Unternehmen (98 %) bzw. IKT-Unternehmen (99,2 %). Auch regional gibt es Unterschiede, der Digitalisierungsgrad reicht bei den Bundesländern von 78,9 % in Vorarlberg zu 63,4 % im Burgenland. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Strom- und Gasverbrauch gestiegen. Im Oktober ist der Stromverbrauch im Jahresabstand um 4,5 % gestiegen. Gleichzeitig wurde um 16,6 % weniger Strom erzeugt als im Vorjahresmonat. Erklärt wird das durch den „Rekordmonat“ Oktober 2024, als bedingt durch das Hochwasser die Wasserkraftwerke deutlich mehr Strom lieferten. Laufkraftwerke produzierten heuer um 42 %, Speicherkraftwerke um 44 % weniger Strom. Die Stromimporte stiegen um 93,4 %. Der Gasverbrauch ist im Oktober um 22 % gestiegen, auch wurde um 76,5 % mehr Gas aus den Speichern entnommen als im Vorjahresmonat. [Quelle: E-Control | Service: Aktueller Gasspeicherstand]

🇦🇹 Telekombranche fordert Förderungen. Die Industriellenvereinigung und Vertreter der Telekommunikationsbranche drängen auf einen „entschlossenen Digitalisierungsschub“. Unter anderem wird ein verpflichtender digitaler Tiefbauatlas gefordert, um die Planbarkeit zu verbessern und Doppelgleisigkeiten zu verhindern. Weiters müsse die Nachfrage nach Glasfaser gefördert werden, da zwar tausende Kilometer Glasfaserkabel verlegt worden wären, aber nur ein Fünftel davon auch zu Haushalten führt. „Nachdem Milliarden öffentlicher Gelder in den Bau der Glasfaser geflossen sind, würde nun die Förderung der Nachfrage Sinn machen“, so Magenta-CEO Thomas Kicker. [Quelle: IV | Grafik: Land des verschleppten Breitbandausbaus]

🇦🇹 Heimischer Bodenverbrauch zurückgegangen. Die Flächeninanspruchnahme ist in Österreich von 2022 bis 2025 auf rund 6,5 Hektar täglich zurückgegangen. Zwischen 2019 und 2022 waren es noch 10,9 Hektar gewesen. Die insgesamt 71 km2 seit 2022 entsprechen einem Plus von 1,3 %, während die Bevölkerung um 2,4 % gewachsen ist. Die Flächeninanspruchnahme „hat sich also vom Bevölkerungswachstum entkoppelt“, so Umweltminister Norbert Totschnig. Gründe dafür seien das vermehrte Festlegen von Grün- und landwirtschaftlichen Vorrangzonen sowie Bewusstseinsbildung bei Bevölkerung und Entscheidungsträgern. Auch gestiegene Bodenpreise und die schwache Wirtschaftsleistung könnten den Rückgang erklären, so Peter Görgl von der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK). [Quellen: BMLUK, ÖROK]

🇦🇹 Chemieindustrie fordert Entlastungspaket. Die heimische Chemieindustrie sieht sich aufgrund der weiterhin hohen Stromkosten und des geplanten Industriestrompreises in Deutschland immer größeren Wettbewerbsnachteilen ausgesetzt. Während energieintensive deutsche Unternehmen nur mehr rund 5 Cent pro Kilowattstunde (kWh) zahlen, würden für österreichische Industriebetriebe durchschnittliche Kosten von rund 17 Cent je kWh entstehen, warnt der Fachverband der Chemischen Industrie (FCIO). Das Stromkosten-Ausgleichsgesetz (SAG) müsse daher auf die stromintensiven Bereiche der Chemiebranche ausgeweitet werden. Zusätzlich brauche es Entlastung bei Netzkosten, Steuern und CO2-Bepreisung sowie eine Verlängerung der Freizertifikate beim Emissionshandel. [Quelle: FCIO | Grafik: Strompreis bleibt auf Rekordhoch]

🇪🇺 Industriestimmung im Euroraum eingetrübt. Das Geschäftsklima in der Industrie in der Eurozone verschlechterte sich im November leicht. Mit 49,6 Punkten (-0,4 Zähler) rutschte der Einkaufsmanagerindex von S&P Global knapp unter die Wachstumsschwelle von 50,0 Punkten und damit auf den niedrigsten Stand seit Juni. Zwar signalisierten Österreich (50,4 Punkte) und 5 weitere Länder Wachstum, doch es waren „ausgerechnet die beiden größten Volkswirtschaften, deren Industrie im November noch tiefer in die Rezession gerutscht ist“, so Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburg Commercial Bank. Sowohl Deutschland (48,2 Punkte) als auch Frankreich (47,8 Punkte) konnten im vergangenen Monat nämlich keine Geschäftszuwächse verzeichnen. „Die Schwelle zur Expansion zu überspringen, scheint der deutschen Industrie verwehrt zu sein“, resümiert de la Rubia. [Quellen: S&P Global – Eurozone, Deutschland | Grafik: Industrie dreht nach über 3 Jahren wieder ins Plus]

🇩🇪 Deutsche Industrie kämpft mit Materialmangel. In der deutschen Industrie kommt es zunehmend zu Engpässen bei Vorprodukten. Im November meldeten 11,2 % der Industriebetriebe einen Materialmangel – nach 5,5 % im Oktober. Besonders prekär ist die Lage in der Automobilbranche, dort haben 27,6 % aller Unternehmen Probleme bei der Beschaffung notwendiger Materialien für die Produktion. Bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten stieg der Anteil auf 17,5 %, im Maschinenbau auf 8,2 % und in der chemischen Industrie auf 5,7 %. [Quelle: Ifo]

🇨🇳 Chinesische Industrie schrumpft. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in China hat sich mit 49,2 Punkten zwar um 0,2 Zähler verbessert, verharrt damit im November aber den 8. Monat in Folge unterhalb der Wachstumsschwelle. Der Index für den nicht-verarbeitenden Sektor ist mit 49,5 Punkten (-0,6 Zähler) erstmals im heurigen Jahr unter die Wachstumsschwelle gerutscht, ausgelöst durch ein Minus bei den Dienstleistern. Auch der RatingDog-Index ist im November mit 49,9 Punkten erstmals seit Juli wieder unter die Wachstumsschwelle gerutscht. [Quellen: National Bureau of Statistics, S&P Global]

🇺🇸 US-Industrie schrumpft. Die Geschäftstätigkeit in der US-Industrie ist zum 9. Mal in Folge gefallen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex ist im November um 0,5 Zähler gefallen und notiert bei 48,2 Punkten. Die Neuaufträge gingen den 3. Monat in Folge zurück und liegen mit 47,4 Punkten um 2 Zähler niedriger als im Oktober. Die Produktion ist jedoch um 3,2 Zähler gestiegen und liegt mit 51,4 Punkten nun im positiven Bereich. [Quelle: ISM]

🌐 Silberpreis auf Rekordhoch. Silber wurde am gestrigen Montag mit 57,86 US-Dollar pro Feinunze gehandelt und erreichte damit sein bisheriges Allzeithoch. Damit verzeichnet das Edelmetall in diesem Jahr einen Preisanstieg von über 100 %. Anfang Oktober überschritt Silber zum ersten Mal die Marke von 50 US-Dollar je Feinunze. Hintergrund für den jüngsten Anstiegs ist, dass demnächst eine Zinssenkung der US-Notenbank Fed erwartet wird. Zudem trieb ein schwächerer US-Dollar die Auslandsnachfrage, vor allem aus der Industrie. [Quellen: The Economic Times, Tradingview]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: Warnstreiks in der Sozialwirtschaft [Info]

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Schnellschätzung des Verbraucherpreisindex (VPI) für November

9:00 Uhr, Brüssel: EU-Rat „Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz“ (Gesundheit) [Info]

10:00 Uhr, Wien: Gewaltschutzgipfel im Innenministerium mit Innenminister Karner, Frauenministerin Holzleitner, Justizministerin Sporrer, Sozialministerin Schumann und Bildungsminister Wiederkehr [Info]

10:00 Uhr, Wien: Zentrum für Verwaltungsforschung veröffentlicht Prognose der Gemeindefinanzen bis 2029

11:00 Uhr, Berlin: OECD veröffentlicht „Economic Outlook 2025“ [Info]

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht die EU-Arbeitsmarktdaten für Oktober sowie die Schnellschätzung des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für November

11:30 Uhr, Wien: „Vienna Forum on Countering Segregation and Extremism in the Context of Integration“ mit Europaministerin Plakolm [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Valerie Hackl ist neue Vizepräsidentin beim KSV1870. Max Zirngast wurde mit 100 % zum Landessprecher der KPÖ Niederösterreich gewählt. Andreas Reisinger übernimmt bei Generali die Leitung der Region Steiermark und Kärnten-Osttirol, Christian Razenberger folgt auf Reisinger als Leiter Exklusiv-Vertrieb Oberösterreich. Alexandra Hailzl wurde zur Vorständin der Europäischen Reiseversicherung AG bestellt. Jakob Lundwall ist neuer Pressesprecher von Sepp Schellhorn. Kai Seesemann wird neuer Vorstandssprecher von Linz Textil.

Geburtstage: Wir gratulieren Johannes Hahn und Andreas Mölzer zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

ab heute, Wels: Grüngas-Kongress (bis 4.12.) [Info]

Heute, Wien: „AI Festival 2025“ der TU Wien (bis 3.12.) [Info]

ab 9:00 Uhr, Wien: Konferenz „Time to Decide Europe Summit 2025“ von Erste Foundation und IWM, u. a. mit Beate Meinl-Reisinger, Alexander Schallenberg, Ivan Krastev, Francis Fukuyama, Edi Rama, Andreas Treichl und Lea Ypi. [Info]

11:00 Uhr, Wien: Wifo-Medienchat „EU-Mercosur-Abkommen – Österreichs Veto auf dem Prüfstand“ mit Gabriel Felbermayr, Harald Oberhofer und Franz Sinabell [Info]

17:00 Uhr, Wien: Wifo- und AK-Veranstaltung „Wirtschaftspolitik 2026: Wie weiter mit Konjunktur, Industrie und Budget?“ mit Achim Truger, Markus Marterbauer, Gabriel Felbermayr, Helene Schuberth und Matthias Schnetzer [Info]

17:00 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion „30 YEARS AFTER DAYTON: Mission Accomplished? Austria as a Peace Actor in Bosnia and Herzegovina“ u. a. mit Hannes Swoboda, Beate Meinl-Reisinger, Wolfgang Petritsch, Vedran Džihić u.v.m. [Info]

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